Gibt es doch eine gemeinsame Oppositionsliste bei den Wahlen 2014?

Etwa vier Monate vor den ungarischen Parlamentswahlen gibt es Zeichen einer grundlegenden strategischen Trendwende bei der ungarischen Linksopposition.

Entgegen dem seit Herbst 2013 vorangetriebenen Zweierbündnis aus MSZP (Sozialisten) und der von Ex-Premierminister Gordon Bajnai geführten Partei Gemeinsam 2014 (Együtt 2014-PM) soll nach Berichten des ungarischen Portals 444.hu nun doch geplant sein, eine gemeinsame Liste aufzustellen. Selbst bei der Frage, ob die Partei Demokratische Koalition (DK) um Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány Listenplätze zugewiesen bekommt, scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Ebenso dürfte Gábor Fodor, ehemals führendes Mitglied des liberalen SZDSZ, mit seiner neuen Formation (Die Liberalen – ung. Liberálisok) vertreten sein.

Ob es es – entgegen der bisherigen Doppelspitze Mesterházy/Bajnai – einen gemeinsamen Spitzenkandidaten geben wird (dies war stets die Forderung Gyurcsánys) oder die Person des oppositionellen Kandidaten um das Amt des Regierungschefs erst nach der Wahl entschieden wird, ist noch nicht bekannt. 444.hu vermutet jedoch, dass der MSZP-Vorsitzende Attila Mesterházy zum Spitzenkandidaten ernannt werden könnte. Dies wäre in Anbetracht des innerhalb der Linksopposition weitaus größten Gewichts der Sozialisten eine nachvollziehbare Entscheidung.

http://444.hu/2014/01/08/lesz-kozos-lista-gyurcsannyal-az-elen-mesterhazyval/?utm_source=mandiner&utm_medium=link&utm_campaign=mandiner_201401

Angeblich soll über die aktuellen Entwicklungen zeitnah im Rahmen einer Pressekonferenz berichtet werden.

 

Ergänzung:

MSZP und Együtt 2014-PM haben sich auf eine gemeinsame Liste geeinigt. Man werde dies auch der DK vorschlagen. Die gemeinsame Liste sei das effektivste Mittel, um einen Regierungswechsel zu erzielen. Der Kandidat für das AMt des Ministerpräsidenten soll von der MSZP nominiert werden.

http://www.atv.hu/belfold/20140108-ellenzeki-targyalasok-mesterhazy-miniszterelnok-jelolt-gyurcsany-a-listan

NZZ: Charles Ritterband über Protestpotenzial und Gyurcsánys neue Partei

Ein lesenswerter Beitrag von Charles E. Ritterband zu Ungarn erschien in der gestrigen Neuen Züricher Zeitung:

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/wachsendes_potenzial_an_protest_gegen_orban_1.13449474.html

Ritterband schildert die wachsende Unzufriedenheit mit der Regierung Viktor Orbáns und den Versuch von Ex-Premier Ferenc Gyurcsány, eine neue Partei in der politischen Mitte zu etablieren („Demokratische Koalition“).

Auch der Zuwachs von Jobbik wird von Ritterband thematisiert.

„Entgyurcsányisierung“: ATV trennt sich von János Dési und Zsolt Gréczy

János Dési, einer der treuen Gyurcsány-Bewunderer und -cheerleader beim oppositionsnahen Privatsender ATV, muss gehen. ATV trennt sich von dem Journalisten und Gastgeber der wöchentlichen ATV-Diskussionssendung „Újságíró klub“ mit sofortiger Wirkung. Dési war bei der Gründung der Gyurcsány-Partei „Demokratische Koalition“ (DK) als Zeremonienmeister aufgetreten und betonte, dies sei der Grund für seine Entlassung.

Dasselbe Schicksal ereilt den Gyurcsány-Berater Zsolt Gréczy. Er wird als Moderator der ATV-Sendung „Demokraten“ abgesetzt.

Mit den Maßnahmen versucht ATV, dem Verdacht einer zu großen Nähe seiner Aktere zum Ex-Ministerpräsidenten entgegen zu wirken. Sowohl die offene Parteinahme Désis, der als Host einer politischen Diskussionssendung Abstand zu allen Seiten wahren sollte (was er freilich schon bisher nicht tat), als auch die grob einseitige Sendung des Gyurcsány-Intimus Gréczy scheinen dem Sender zu viel gewesen zu sein.

http://index.hu/kultur/media/2011/10/26/gyurcsanytalanitas_az_atv-n/

http://www.stop.hu/articles/article.php?id=953509