Regierungspartei und Sozialisten verurteilen Enthüllung von Horthy-Büste in Budapest

Die ZEIT berichtet über die Enthüllung einer Büste zur Ehrung des Reichsverwesers und Hitlerverbündeten Miklós Horthy. Die Veranstaltung, die von der rechtsradikalen Oppositionspartei Jobbik und dem ihr nahestehenden reformierten Geistlichen Lóránt Hegedüs jun. ausgerichtet wurde, wurde von Sympathisanten und Gegendemonstranten begleitet.

Sowohl die Regierungspartei Fidesz als auch die Sozialisten kritisierten die Einweihung.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-11/budapest-miklos-horthy-denkmal-ungarn

Das merkwürdige Geschichtsverständnis des slowakischen Staatspräsidenten Gašparovič

Diese Woche erschienen mehrere Meldungen in ungarischen Zeitungen und auf Internetportalen, denen zufolge sich der slowakische Staatspräsident Ivan Gašparovič gegen die Errichtung einer Büste für Graf János Esterházy in Kosice (Kaschau) ausgesprochen hatte.

Der im Jahre 1901 geborene und 1957 verstorbene Christdemokrat Esterházy – Mitglied der berühmten Dynastie – war in den 30er und 40er Jahren einer der Politiker, die sich in herausragender Weise für die Belange der in der damaligen Slowakei lebenden Ungarn einsetzten. Staatspräsident Gašparovič lehnte die Errichtung des Denkmals für Esterházy mit folgenden Argumenten ab:

In Kaschau eine Statue für Esterházy zu errichten, der ein Anhänger Hitlers und des Faschismus war, ist falsch.“

Die Aussage erschien in dem slowakischen antifaschistischen Blatt „Bojovník“ .

Der slowakische Staatspräsident bedarf offenkundig einiger Nachhilfe in historischen Fragen. Es dürfte wohl kaum für die „faschistische“ Ideologie Esterházys sprechen, dass dieser als einziger (!) Abgeordneter des damaligen Abgeordnetenhauses der Slowakei gegen ein Gesetz stimmte, das die Ausweisung der Juden festlegte. Esterházy im Jahr 1942 (englischer Text via Wikipedia) zu dem Gesetz:

The Slovakian government has strayed onto a dangerous path when it submitted the bill about expelling the Jewish, because by that it acknowledged that simply ousting a minority by the majority is lawful… As a representative of the Hungarians here, I state it, and please acknowledge this, that I don’t vote in favour of the proposal because as a Hungarian, a Christian and a Catholic I believe that this is against God and humanity.“

Der Graf war daraufhin heftigen Angriffen der slowakischen Presse ausgesetzt.

Als die damalige, mit Hitlerdeutschland verbündete (!) slowakische Regierung Tiso – ebenfalls 1942 – beschloss, die slowakischen Juden nach Deutschland zu deportieren und der Vernichtung preiszugeben, lehnte sich der vermeintliche „Faschist“ und „Hitler-Anhänger“ Esterházy erneut auf:

Es ist eine Schande, dass eine Regierung, deren Präsident und Premierminister behaupten, gute Katholiken zu sein, seine jüdischen Mitbürger in Hitlers Konzentrationslager deportieren lässt“ .

Esterházy wurde nach dem Krieg unter fadenscheinigen Beschuldigungen zum Nazikollaborateur gestempelt, in Abwesenheit (er war in Russland inhaftiert) zum Tode verurteilt und verstarb – nach der Auslieferung an die Tschechoslowakei und die Umwandlung der Strafe in eine Haftstrafe – 1957 im Gefängnis. Russland hat ihn bereits 1993 rehabilitiert. Im selben Jahr hat sich Simon Wiesenthal für Esterházy eingesetzt – leider ohne Erfolg.

All das scheint dem slowakischen Staatspräsidenten entgangen zu sein. Seine Aussage ist das Musterbeispiel von Geschichtsfälschung. Zu einem Zeitpunkt, in dem die Slowakei Verbündeter Nazideutschlands war (Schutzvertrag von 1939), hat sich ein prominenter Politiker der ungarischen Minderheit nicht nur für die in der Slowakei lebenden Juden eingesetzt, sondern auch Kritik an der Kollaboration des Landes mit Nazideutschland geübt. All das spielt freilich keine Rolle, wenn der Gedanke, dass ein Denkmal für einen ungarischen Adligen errichtet wird, so verhasst ist, dass der so oft herbeigesehnte Bezug – „Ungar = Faschist“ – einfach hervorsprudeln muss. Bei dem zum europäischen Mainstream verkommenden undifferenzierten Faschismus-Gerede über Ungarn fällt es auch nicht schwer, diesen Bezug zu suggerieren. Der Politologe László Öllös sagte im Interview mit dem Fernsehsender ATV, es handele sich bei den Aussagen Gašparovič´ um bewusste anti-ungarische Kommunikation; diese sei ständiges Element der slowakischen Politik. Gašparovič sei zudem ein Mann von Robert Ficos und Ján Slotas Gnaden, diese politische Zusammengehörigkeit zeige sich auch jetzt.

Sowohl die gemäßigte Partei Híd-Most, die sich für den Ausgleich zwischen Ungarn und Slowaken einsetzt, as auch die Orbán-nahe MKP hat die Aussagen Gašparovič´ kritisiert. Auch ungarische Politiker reagierten mit Unverständnis und Bestürzung.

Nach dem Wortlaut der englischen Wikipedia-Seite wird Esterházy in der Slowakei noch immer als „Kriegsverbrecher“ angesehen, die slowakischen Gerichte lehnten eine Rehabilitation bis heute ab.

http://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%A1nos_Esterh%C3%A1zy#Efforts_for_his_rehabilitation