Gyurcsány holt zum verbalen Gegenangriff aus

Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány hat bei seiner heutigen Rede zum 1. Mai auch zu den Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Diplomarbeit ausdem Jahr 1984 Stellung genommen und holte zum verbalen Gegenangriff aus:

http://mandiner.hu/cikk/20120501_gyurcsany_a_jobboldal_lophatta_el_a_szakdolgozatot

Sein Gewissen sei rein. Zu den Vorwürfen sagte er: „Sollen sie es doch beweisen! (…) Ich werde sie auf ihr gesamtes Vermögen verklagen. Denn kein Vermögen ist so viel wert wie meine Ehre.“

Ferner deutete der Politiker an, es könnte im Interesse des Fidesz liegen, seine Diplomarbeit und die seines Schwagers Szabolcs Rozs (dem Bruder seiner ersten Frau) verschwinden zu lassen, um ihm den Beweis seiner Unschuld unmöglich zu machen. Zudem sei der Forschungsleiter der Universität von Pécs Fidesz-Stadtrat. Auch die Behauptung, man wolle ihn politisch ermorden, erhob Gyurcsány erneut. Zudem bezeichnete er – auf Frage eines Reporters – die Aussagen der Familie seiner Ex-Frau als Lügen.

Gyurcsány: Diplom mit der Arbeit seines Schwagers?

Seit dem Rücktritt des ungarischen Staatspräsidenten Pál Schmitt läuft die Suche nach der Diplomarbeit von Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány auf Hochtouren. Die Universität Pécs, die sämtliche Diplomarbeiten der Kommilitonen Gyurcsánys vom Abschlussjahrgang 1984 verwahrt, findet lediglich eine nicht: Die von Gyurcsány.

Nun stellte sich heraus, dass die Arbeit Gyurcsánys vom Titel her mit der Arbeit von Gyurcsány Schwager Szabolcs Rozs übereinstimmt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Quelle: mno.hu)

Sowohl Gyurcsány als auch (4 Jahre zuvor) Szabolcs Rozs hatten ihre Arbeit über den Weinbau im Norden des Plattensees verfasst; in Anbetracht der Tatsache, dass die Arbeit Gyurcsánys bis heute aus nicht nachvollziehbaren Gründen unaufindbar ist (Zitat Ferenc Gyurcsány: „Wessen Interesse kann das wohl sein?“), kann noch nicht überprüft werden, ob und ggf. in welchem Umfang die beiden Arbeiten – neben dem identischen Titel – inhaltlich übereinstimmen. Fest steht nach der Reportage Célpont aber, dass die Arbeiten an einigen Stellen die selben Fehler enthalten. Interessant ist auch, dass Gyurcsány auf die Frage von HírTV, ob er denn wisse, welches Thema sein damaliger Schwager bearbeitet, sagte: „Nein, dass weiß ich nicht“. Er habe eine Arbeit über den Weinbau am Balaton verfasst, weil er im Haus seiner damaligen Frau eine Menge Material zum Thema gefunden habe. Szabolcs Rozs bezeichnete dies als Lüge: Im elterlichen Haus habe man nie über solche Unterlagen verfügt; lediglich seine eigene (Rozs´) Diplomarbeit sei im Haus gewesen.

http://index.hu/belfold/2012/04/27/gyurcsany_a_sogora_szakdolgozataval_diplomazott/

Gyurcsány trat über seine Facebook-Seite an die Öffentlichkeit und bagatellisierte den Vorfall. Anders als noch einige Tage zuvor, ale er behauptet hatte, die Arbeit des Schwagers nicht zu kennen, äußerte er sich nun dahingehend, er habe die Arbeit wahrscheinlich verwendet. Es habe sich aber bekanntlich nicht um eine wissenschaftliche Arbeit gehandelt. Eine Diplomarbeit diene nur dazu, den Nachweis zu erbringen, dass der Kandidat sich über ein bestimmtes Thema informiert habe. Den Hinweis auf die o.g. Übereinstimmungen bezeichnete der Ex-Ministerpräsident und Vorsitzende der Partei DK verächtlich als „Wahnsinnsstory“.

Bereits in einem vor einigen Jahren erschienenen Bericht über Gyurcsány von László Pesty („Egy hiteles ember“) hatte ein früherer Hochschullehrer Gyurcsánys, Tamás Mellár, ausgesagt, dass die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei seinerzeit Gyurcsány in erheblichem Maße protegiert habe. Vor Prüfungen habe es stets Anrufe bei Mellár gegeben, dass er auf den „Genossen Gyurcsány“ Acht geben solle.

Nachtrag:
Am 30.04.2012 erstattete Ferenc Gyurcsány Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verschwindens seiner Diplomarbeit aus dem Archiv der Universität von Pécs. Er deutete an, auch der Fernsehsender HírTV könne mit dem Verschwinden seiner Arbeit zu tun haben. Seine politischen Gegner wollten ihn „politisch ermorden“. Der Politologe Gábor Filipov stellte Parallelen mit der Affäre Schmitt dar: Gyurcsány habe zunächst versucht, die Sache zu igorieren, danach zu bestreien, um sich am Ende in seine eigenen früheren Aussagen zu verstricken.

http://atv.hu/cikk/video-20120430_gyurcsany_feljelentest_tesz_szakdolgozatanak_eltunese_miatt