Erdgasgeschäft: MVM plant weitere Übernahme von E.on-Töchtern

Wie das Handelsblatt heute berichtet, plant die ungarische staatliche Energieholding MVM Zrt. die Übernahme weiterer Tochtergesellschaften des deutschen Energiekonzerns E.on.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/staatskonzern-mvm-ungarn-will-eon-gasfirmen-abkaufen/9575074.html

Die ungarische Regierung versucht seit mehreren Jahren, den staatlichen Einfluss auf den Energiesektor zu erhöhen und auch durch administrative Eingriffe die aus ihrer Sicht vereinnahmten „Extraprofite“ ausländischer Gesellschaften zu senken. Zuletzt hatte E.on bereits eine Tochtergesellschaft aus dem Erdgassektor für rund 870 Mio. EUR an den Staat veräußert.

Im Rahmen der großen Privatisierungswelle der 90er Jahre hatte Ungarn große Teile seiner Energieversorgungsbranche an Gesellschaften aus Deutschland und Frankreich veräußert.

Verkauf der E.on Gassparte: Gericht verurteilt Ministerpräsidialamt zur Veröffentlichung der Absichtserklärung

Das investigative Internetportal Atlatszo.hu hat in erster Instanz einen Rechtsstreit gegen das ungarische Ministerpräsidialamt (MEH) gewonnen. Atlatszo hatte die Veröffentlichung des Inhalts einer zwischen der ungarischen Regierung und dem deutschen Energiekonzern E.on vereinbarten Absichtserklärung verlangt, in der der Verkauf der ungarischen Gassparte von E.on an den ungarischen Staat vorbereitet worden sein soll.

Die Regierung hatte sich geweigert, die Erklärung öffentlich zu machen. Die Vertreter hatten einerseits behauptet, die Unterlagen seien nicht auffindbar, im laufenden Prozess war vom MEH dann vorgetragen worden, dass man die Dokumente im Dezember 2012 klassifiziert habe.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

http://atlatszo.hu/2013/09/03/pert-nyertunk-a-miniszterelnokseg-ellen-elsofokon-nyilvanos-az-e-on-szandeknyilatkozat/

Verkauft E.ON das ungarische Gasgeschäft an MVM?

Wie der Nachrichtensender n-tv berichtet, steht der deutsche Energiekonzern E.ON womöglich vor dem Verkauf des ungarischen Gasgeschäfts an die staatliche Energieholding MVM.

http://www.n-tv.de/ticker/Verkauf-von-Gas-Geschaeft-in-Ungarn-womoeglich-noch-in-diesem-Jahr-article9635966.html

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hatte kürzlich in Aussicht gestellt, das Gasgeschäft von E.ON übernehmen zu wollen. Der Staat verfügt über eine Option.

Handelsblatt: „Die starke Hand des Premiers“

Ein Beitrag zur Wirtschaftspolitik der Orbán-Regierung erschien im Handelsblatt. Kernthese: Ungarn macht einen Teil der Privatisierungen der 90-er Jahre wieder rückgängig:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/die-starke-hand-des-premiers-orban-verstaatlicht-zahlreiche-unternehmen/7182270.html

Kálnoky fragt: Ist Ungarn ein Vorbild für Griechenland?

Die WELT Online veröffentlich heute einen Beitrag von Boris Kálnoky zu Ungarn.

http://www.welt.de/wirtschaft/article108888632/Ist-Ungarn-ein-Vorbild-fuer-Griechenland.html

Kálnoky konstatiert, dass Ungarn und Griechenland finanziell in einer ähnlichen Situation stecken. Die Rezepte zu deren Lösung seien jedoch gänzlich andere. Griechenland setze auf Privatisierung, Ungarn auf „mehr Staat“. Der Autor bringt aktuelle Beispiele (E.ON, MOL), wobei die Zwischenüberschrift „Bankensektor ist zu 50% verstaatlicht“ verwundert: Sie stammt wohl von der Redaktion, nicht vom Autor selbst – tatsächlich ist der Bankensektor nicht zur Hälfte verstaatlicht (eine Maßnahme wie die Bundesrepublik Deutschland in Sachen Hypo Real Estate – eine klassische Zwangsverstaatlichung – hat Ungarn noch nicht unternommen). Orbán hat lediglich seinem Wunsch Ausdruck verliehen, der Bankensektor solle zu 50% „in ungarischer Hand“ liegen. Ob damit staatliche oder private Investoren gemeint sind, blieb meines Erachtens offen.

Ein Beitrag, der ohne die üblichen Pauschalanschuldigungen und Verunglimpfungen auskommt. Ein Beitrag, der sich die Fakten nicht um die gewünschte „Story“ herum bastelt.

 

E.ON: Orbán trifft Teyssen

Nach Informationen des regierungsnahen Nachrichtensenders Hír TV haben sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der  Vorstandsvorsitzendesn des E.on-Energiekonzerns, Johannes Teyssen, für Gespräche getroffen. Obwohl sich weder die Regierung, noch das Unternehmen zum Inhalt der Gespräche äußern wollten, dürfte der Rückkauf der ungarischen E.on-Töchter thematisiert worden sein.

http://index.hu/belfold/2012/08/29/az_e.on_vezetojevel_targyalt_orban/

Orbán hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die ungarischen E.on-Töchter „binnen kürzester Zeit“ zurückkaufen zu wollen. Im Hinblick auf das E.on-Gasgeschäft verfügt Ungarn über eine entsprechende Kaufoption, die bis 2016 läuft.

Orbán und E.on – Financial Times Deutschland berichtet

Die Äußerungen von Ministerpräsidenten Viktor Orbán zum geplanten „Aufkauf“ der Anteile der ungarischen E.on-Töchter schlägt Wellen. Die FTD berichtet unter dem Titel „Ungarn fordert E.on heraus“:

http://www.ftd.de/politik/europa/:verstaatlichung-der-energiebranche-ungarn-fordert-eon-heraus/70081733.html

Weder die E.on-Zentrale in Düsseldorf, noch das Amt des ungarischen Ministerpräsidenten wollten die Aussage Orbáns auf dem „Transit“-Festival im ungarischen Güns kommentieren.

Ungarn verfügt seit 2010 über eine Option zum Erwerb des ungarischen E.on-Gasgeschäfts. Diese hatte sich noch die Vorgängerregierung unter Ministerpräsident Gordon Bajnai gesichert. Die Option läuft bis 2016. Die Äußerung Orbáns war ihrem Wortlaut nach jedoch nicht auf das Gasgeschäft beschränkt.

Orbán: „Wir kaufen in kürzester Zeit E.on von den Deutschen zurück“

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat auf einer Veranstaltung im westungarischen Köszeg (Güns) die Absicht seiner Regierung geäußert, die ungarische Tochter des deutschen Energieversorgungsunternehmens E.on, E.on Hungária, zu erwerben; laut seiner Aussage finde das Geschäft „binnen kürzester Zeit“ statt.

http://hvg.hu/gazdasag/20120825_Orban_visszavesszuk_az_EONt_a_nemetektol

Erst kürzlich hatte Orbán verlautbart, seiner Auffassung nach dürften Versorgungsunternehmen keine Gewinne einfahren. Offenbar will er dieses Ziel nun über den Rückkauf ehemals privatisierter Unternehmen erreichen. Ob und ggf. wie die Mittel über den klammen ungarischen Haushalt bereitgestellt werden können, ist derzeit freilich ebenso unklar wie die Frage, ob die jetzigen Inhaber bereit zu einem Verkauf wären.

Die große Privatisierungswelle – auch im Energieversorgungsbereich – fand in den 90er Jahren, insbesondere während der Amtszeit der sozialliberalen Regierung Gyula Horn, statt. Ungarn benötigte seinerzeit dringend Einnahmen, um seine Auslandsverschuldung zu reduzieren und einen Staatsbankrott zu verhindern. Im Rahmen der Privatisierung der regionalen Versorgungsunternehmen (z.B. Émász, Démász, Titász, Elmü und anderen) kamen zumeist große Unternehmen aus Westeuropa zum Zuge. Maßgeblich beteiligt sind insbesondere die deutschen Branchengrößen E.on und RWE sowie die franfösische EdF. Auch Teile der Leitungsinfrastruktur für Gas und Strom wurden privatisiert, hier hielt sich der Staat jedoch sog. „Goldene Aktien“ vor, die gewisse Sonderrechte bei Grundsatzentscheidungen sicherstellten. Diese Goldenen Aktien waren jedoch nach Beitritt Ungarns zur EU größtenteils rechtswidrig und wurden bis 2009 gestrichen.