EU-Parlament will „Lage der Demokratie in Ungarn“ überwachen

Das EU-Parlament fordert in einer Entschließung von heute, die Lage der Demokratie in Ungarn zu überwachen. Näheres auf der Webseite des Parlaments:

http://www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/20151210IPR06854/Ungarn-Parlament-fordert-Überwachung-der-Lage-der-Demokratie

Die Entschließung kommt zu einer Zeit, in der die ungarische Regierung vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise wieder starken Rückhalt in der Bevölkerung genießt. Nach diesem Maßstab scheint die Lage der Demokratie in Ungarn – ob man der Flüchtlingspolitik nun zustimmen mag oder nicht – stabil. Die Regierung tut das, was eine überwiegende Mehrheit der Menschen will. Demokratischer geht kaum.

Wichtig ist der letzte Satz der Pressemitteilung: man befürchtet eine „Ansteckung“ anderer Mitgliedstaaten mit dem, wie es der ZDF-Chef einst bezeichnete, „ungarischen Virus“. Endlich wird es ausgesprochen: Es geht – und das seit 2010 – weniger um Ungarn als um das, was Diskussionen über die dortige Politik andernorts verusachen könnten. Zum Beispiel in Österreich… 🙂

EU-Kommission: Navracsics behält die Ressorts Bildung, Kultur und Jugend, verliert aber das Ressort EU-Bürgerschaft

Am heutigen Mittwoch wird das Europäische Parlament über die neue EU-Kommission abstimmen. Zwischenzeitliche Spekulationen, wonach der ungarische Kandidat Tibor Navracsics (ehemaliger ungarischer Justiz- und Außenminister) das Ressort Bildung, Kultur und EU-Bürgerschaft komplett verlieren und stattdessen das Verkehrsressort übernehmen soll, bestätigten sich nicht. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat stattdessen die Ressorts Bildung und Kultur sowie Jugend bei Navracsics belassen, an Stelle des Teilbereichs EU-Bürgerschaft wird der Ungarn nun für Sport verantwortlich zeichnen.

Der zuständige Ausschuss des EU-Parlaments hatte Navracsics mit knapper Mehrheit zwar für persönlich geeignet für den Posten eines EU-Kommissars befunden, jedoch die Übernahme des Ressorts Bildung, Kultur, Jugend und EU-Bürgerschaft abgelehnt (HV berichtete).

http://hvg.hu/itthon/20141022_Juncker_elvette_Navracsicstol_az_allampol

Presseberichte zur Abstimmung des EU-Parlaments über den Tavares-Bericht

Das EU-Parlament hat heute mehrheitlich den Entschließungsantrag des LIBE-Ausschusses zum sog. Tavares-Bericht angenommen:

http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/rechtsstaatlichkeit-europaparlament-droht-ungarn-mit-sanktionen-12269877.html

http://www.dw.de/ungarn-feindliche-kräfte-am-werk/a-16927765

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1468635

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/07/03/eu-will-ungarn-unter-kuratel-stellen/

http://index.hu/kulfold/2013/07/03/megszavazta_az_ep_a_tavares-jelentest/

Tavares-Bericht: Entschließungsantrag mehrheitlich angenommen

Das Plenum des Europäischen Parlaments hat am heutigen Tag über die Empfehungen des LIBE-Ausschusses (Berichterstatter: Rui TAVARES, Grüne) erwartungsgemäß mehrheitlich angenommen.

Die Entscheidung fiel mit 370 Ja-Stimmen, 249 Nein-Stimmen, bei 82 Enthaltungen.

Aus der Pressemitteilung:

Das Parlament fordert die ungarischen Behörden auf, jene Bestimmungen aus der Verfassung zu entfernen, die bereits vom Verfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt wurden, um die wiederholte Anwendung von Schwerpunktgesetzen einzuschränken, um die Empfehlungen der Venedig-Kommission des Europarates umzusetzen, die größtmögliche Beteiligung aller Parteien im Parlament am Verfassungsprozess zu gewährleisten und um die Unabhängigkeit der Justiz vollständig wieder herzustellen und zu garantieren.

In Bezug auf die Mediengesetze fordern die Abgeordneten Ungarn auf, objektive, rechtsverbindliche Verfahren und Mechanismen für die Auswahl und Ernennung von Leitern der öffentlichen Medien, Vorständen, Medienräten und Regulierungsbehörden einzurichten. Sie appellieren auch an die ungarischen Behörden, „endlich ihre Verantwortung für die Obdachlosen zu übernehmen“, eine breitere Definition des Begriffs „Familie“ zu erlassen und mehr für die Integration der Roma zu tun.“

Für den Fall der Nichtumsetzung empfiehlt das Parlament, die Einleitung eines Grundwerteverfahrens nach Art. 7 EUV zu prüfen.

http://www.europarl.europa.eu/news/de/pressroom/content/20130701IPR14774/html/Ungarn-muss-die-Werte-der-EU-respektieren-sagen-die-Abgeordneten

Ungarn hat die Feststellungen aus dem Bericht bereits gestern zurückgewiesen, dem Parlamentspräsidenten Martin Schulz ein Memorandum hierzu vorgelegt und die Abstimmung als politisches Manöver der Sozialisten, Liberalen und Grünen bezeichnet.

Das Abstimmungsgergebnis ist ohne unmittelbare rechtliche Konsequenz für Ungarn.

Presseberichte zur Plenardebatte im EU-Parlament

Heutige Presseberichte zur Plenardebatte im EU-Parlament über den Tavares-Bericht:

http://www.welt.de/politik/ausland/article117656033/Orban-will-nicht-von-der-EU-bevormundet-werden.html

http://derstandard.at/1371171333047/EU-Parlament-Orban-spricht-von-Attacke-auf-alle-Ungarn

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/viktor-orban-weist-kritik-entschieden-zurueck-1.18109744

http://www.tagesspiegel.de/politik/eu-parlament-debattiert-ueber-ungarn-leviten-lesen/8437694.html

http://www.berliner-zeitung.de/politik/ungarn-viktor-orban-der-bulldozer-und-die-farbenlehre,10808018,23570518.html

http://index.hu/kulfold/2013/07/02/kommunistazas_orrba-szajba_az_ep-ben/

http://mno.hu/eu/orban-ez-a-legrosszabb-idokre-emlekeztet-1170350

http://www.nepszava.hu/m/articles/article.php?id=659024

Ab 15:00 Uhr: Plenarsitzung des EU-Parlaments zum Tavares-Bericht

Die Sitzung des Europäischen Parlaments zum Tavares-Bericht und zur Grundrechtssituation in Ungarn kann heute (03.07.2013) ab 15:00 Uhr unter folgendem Link abgerufen werden:

http://www.europarl.europa.eu/ep-live/de/plenary/

Am 03.07.2013, 15 Uhr, Pressekonferenz des Berichterstatters über folgenden Link:

http://www.europarl.europa.eu/ep-live/de/other-events/video?event=20130703-1500-SPECIAL-UNKN

LIBE-Ausschuss nimmt Empfehlungen des Tavares-Berichts an: Pressemitteilung

Pressemitteilung des Ausschusses für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres zur heutigen Abstimmung über den „Tavares-Bericht“ zur Lage der Grundrechte in Ungarn:

„Civil Liberties Committee recommendations to Hungary and the European Commission on how to remedy any breaches of key EU values promptly and avoid double standards are set out in a report voted on Wednesday. Should the Hungarian authorities fail to abide by EU values, MEPs ask the European Parliament’s authorities to consider resorting to EU Treaty Article 7 (1), which would enable the EU Council of Ministers to determine whether there is a clear risk of a serious breach.

 „The EU has laudable values on paper, which must also be applied in practice. What the Civil Liberties Committee said today is that the constitutional changes in Hungary are systemic and the general trend in these changes is incompatible with Article 2 of the EU Treaty“, said rapporteur Rui Tavares (Greens/EFA, PT) after the committee vote.

The report, approved by 31 votes to 19, with 8 abstentions, reiterates that the EU is founded on the values enshrined in EU Treaty Article 2: respect for human dignity, freedom, democracy, equality, the rule of law and respect for human rights, including the rights of persons belonging to minorities. The European Commission should create a stable mechanism to monitor compliance with those values in all member states, says the text.

Recommendations to the Hungarian authorities

The report calls on the Hungarian authorities to remove from the Constitution those provisions already declared unconstitutional by the Constitutional Court; to reduce the recurrent use of cardinal laws and to leave policy areas such as family, social, fiscal and budget to ordinary legislation and majorities; to implement the recommendations of the Venice Commission; to ensure the widest possible participation of all parties in the constitutional process and to fully guarantee the independence of the judiciary.

On media laws, MEPs ask the Hungarian authorities to „ensure timely and close involvement of all relevant stakeholders, including media professionals, opposition parties and civil society, in any further review of this legislation“. They also call on Hungary to do more to integrate Roma communities and adopt a broader definition of „family“.

EU Treaty Article 7(1)

MEPs ask Parliament’s Conference of Presidents (EP President and political group leaders) „to assess the opportunity of resorting to mechanisms foreseen by the Treaty, including Article 7(1) TEU, in case the replies from the Hungarian authorities appear not to comply with the requirements of Article 2 TEU“.

Copenhagen mechanism

To prevent breaches of EU values in the future, MEPs reiterate their call for a „Copenhagen mechanism“ to be set up to ensure compliance by all member states with EU common values and continuity of the EU accession criteria, commonly known as „Copenhagen criteria“.

This mechanism, which could take the form of a „Copenhagen Commission“ or high-level group, should be independent from political influence, work in full cooperation with other international bodies and monitor respect for fundamental rights uniformly in all member states, says the text.

Next steps

The report will be put to a vote by the full Parliament on 1-4 July in Strasbourg.

In the chair: Juan Fernando López Aguilar (S&D, ES)“

http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-%2f%2fEP%2f%2fTEXT%2bIM-PRESS%2b20130617IPR12348%2b0%2bDOC%2bXML%2bV0%2f%2fEN&language=EN

Politics.hu: Präsident des EU-Parlaments behauptet, Ungarn wolle „die Juden zählen“

Das Online-Nachrichtenportal Politics.hu berichtet, dass der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) in einem Interview für eine belgische Zeitung die Behauptung aufgestellt habe, „Ungarn wolle die Juden zählen.“

http://www.politics.hu/20130518/demands-for-apology-from-european-parliament-president-schulz-over-charges-of-anti-semitism-in-hungary/

Tatsächlich fiel vor einigen Monaten ein Jobbik-Oppositionsabgeordneter (Márton Gyöngyösi) im Parlament durch antisemitische Äußerungen auf. Kurz danach fand eine öffentliche Großdemonstration auf, an der auch der Fidesz-Fraktionsvorsitzende Antal Rogán teilnahm und die Äußerung verurteilte.

Kein aktiver Fidesz-Politiker, d.h. Auch kein Mitglied der Regierung Ungarns, hat jemals die Forderung erhoben, die Schulz dem Land andichtet. Folglich ist die These, „Ungarn“ wolle Juden zählen, schlicht und einfach frei erfunden.

Zeit für eine Klarstellung, Herr Schulz.

Human Rights Watch empfiehlt der EU, Ungarn notfalls die Stimmrechte zu entziehen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert in einem gerade veröffentlichten Bericht die Situation in Ungarn scharf und empfiehlt der EU, den Druck zu erhöhen und dem Land ntfalls die Stimmrechte zu entziehen.

Boris Kálnoky berichtet in der WELT: http://www.welt.de/politik/ausland/article116230514/Menschenrechtler-prangern-Ungarn-scharf-an.html

Eine eigene Analyse des HRW-Berichts erscheint heute Abend im Blog.