FTC verurteilt Csatáry-Transparent vom vergangenen Samstag als „Akt der politischen Provokation gegenüber MTK“

Das Präsidium des ungarischen Fußball-Erstligisten Ferencváros (FTC) hat nach einer gestern abgehaltenen außerordentlichen Präsidiumssitzung das Verhalten derjenigen Fans im Block von FTC, die am vergangenen Samstag ein Transparent mit der Aufschrift „In memoriam Csatáry László“ zeigten und damit den jüngst verstorbenen mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry huldigten, scharf verurteilt.

Nach der Sitzung gab das FTC-Präsidium eine Mitteilung heraus, in der der Vorgang als „Akt der politischen Provokation“ gegenüber dem Matchgegner MTK bezeichnet wurde. In der Mitteilung, die unter dem Titel „Fradi bittet wegen der Geschehnisse beim Spiel gegen MTK um Entschuldigung“ herausgegeben wurde, heißt es weiter, dass eine „kleine Gruppe von Zuschauern den 114-jährigen Geist und jeden anständigen Anhänger des Clubs“ verletzt habe. Der Club werde alles tun, um die Ungarische Fußball-Liga (MLSZ) bei der Identifikation der Täter zu unterstützen. Eine Untersuchung sei bereits angeordnet worden.

http://www.ftc.hu/index.php?action=fansnews&nid=30359&sact=news

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Ultrarechte Fußballfans rollen „In memoriam Csatáry László“-Transparent aus

Das Fußball-Lokalderby zwischen den Budapester Klubs Ferencváros (FTC) und MTK wurde gestern Schauplatz eines Eklats. Im Laufe der zweiten Halbzeit des Spiels enthüllten ultrarechte Fans des FTC ein Transparent mit dem Titel „In memoriam Csatáry László“ zu Ehren des in der vergangenen Woche im Alter von 98 Jahren verstorbenen ehemaligen Polizeioffiziers und mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrechers László Csatáry.

http://www.kisalfold.hu/belfold_hirek/in_memoriam_csatary_laszlo__-_a_fradi-tabor_transzparense_az_mtk-meccsen_-_foto/2346101/

Csatáry war im Jahr 2013 von der Budapester Staatsanwaltschaft wegen seiner Beteiligung an der Deportation von 15.000 Juden aus Kaschau nach Auschwitz um 1944 angeklagt worden.

Näheres zum Fall Csatáry hier und hier.

Der Disziplinarausschuss der Ungarischen Fußball-Liga (MLSZ) will sich im Lauf der kommenden Sitzung mit dem Vorfall befassen. Seinen Statuten zufolge ist jegliche Äußerung, die die Würde anderer verletzen kann, untersagt. Der Vorsitzende des FTC, Fidesz-Politiker Gábor Kubatov, verwies auf diese Regeln und teilte mit, das Transparent sei unerlaubt ins Stadion gebracht worden.

Der Präsident des MTK, der Fidesz-Europaabgeordnete Tamás Deutsch, reagierte mit deutlichen Worten und bedauerte, dass der FTC wegen dieser Art von Fans sein Image eines rechtsradikalen Clubs nicht loswerde. Deutsch bedauerte, dass es der Mehrheit anständiger Fußballfreunde nicht gelinge, diese Figuren „mit ein paar Ohrfeigen unter den Rock ihrer Mutter zurück zu schicken“.

Die Enthüllung des Transparents dürfte nicht nur mit dem Ableben Csatárys am 10.8.2013, sondern auch damit zusammenhängen, dass der Gegner MTK bei ultrarechten Fradi-Fans auch als „Judenverein“ diffamiert wird.

Das Spiel endete mit einem 2:0-Sieg des FTC.