Frank-Patrick Steckel: Warum ich den „Stiftet Aufruhr“-Aufruf unterzeichnet habe

Der Theaterregisseur Frank-Patrick Steckel erläutert seine Entscheidung, den von ca. 50 Personen unterzeichneten Aufruf „Stiftet Aufruhr!“ (HV berichtete) zu unterstützen.

http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=7935:stiftet-aufruhr-frank-patrick-steckel-ueber-seine-gruende-den-ungarn-aufruf-zu-unterschreiben&catid=101:debatte&Itemid=84

Steckel will den Aufruf in erster Linie als Selbstverpflichtung der Unterzeichner verstanden wissen. Auf die konkreten Kritikpunkte János Székys, der den Aufruf als das bezeichnete, was er ist: reine Werbung für Viktor Orbán – geht er leider nicht ein. Széky wird lediglich erwähnt; da man seine, für die Verfasser des Aufrufes nicht gerade schmeichelhaften, weil stichhaltigen Argumente nicht durch den sonst so gern verwebdeten Vorwurf der Zugehörigkeit zu regierungsnahen (lies: bösen völkischen) Kreisen diffamieren kann, befasst man sich aber inhaltlich nicht weiter mit ihm.

Allerdings erwähnt Steckel eine Zuschrift der Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky, deren Worte er wie folgt wiedergibt:

Die angesehene und seit Jahrzehnten die ungarischen Entwicklungen forschend analysierende Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky schreibt mir dazu: „Schauen Sie, es mag sein, dass Worte missverstanden werden, aber wenn wir jetzt nicht um einen Dialog ringen, dann müssen später Waffen eingesetzt werden.“

Möglicherweise hat die Kritik Székys also durchaus zu einer Sekunde der Verwirrung bei den Unterzeichnern geführt. Warum reagiert einer, den wir eigentlich unterstützen wollten, denn so feindselig? Nun, weil Széky weiter denkt als diejenigen, die den Aufruf zeichneten und denen er fehlende Landeskunde nachsagt. Weil Széky in dem Land sitzt, und die Konsequenzen – etwa an aktuellen Meinungsumfragen – sieht und unmittelbar zu spüren bekommt. Anders als Steckel und Jelinek.

Aber Magdalena Marsovszky war zur Stelle, um Zweifel zu zerstreuen. Denn (Selbst)Zweifel bringen die (noch immer) ziemlich einheitliche ausländische Opposition in die Gefahr der Spaltung; und dann wäre sie ja nichts anderes als die inländische Opposition: saft- und kraftlos. Also sind Zweifel, in Zeiten der Auseinandersetzung, nicht angebracht. Worin sich die Regierung und die Anhänger der Opposition einmal einig sein dürften. Wir leben scheinbar alle in einer Welt von Ausrufezeichen, nicht Fragezeichen.

Willkommen in der ungarischen Politik, Herr Steckel!

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