Gas-Deal zwischen MOL und Gazprom?

Die in der Schweiz erscheinende Handelszeitung berichtet über den Willen der USA, einen angeblich im Raum stehenden Deal zwischen dem ungarischen Energiekonzern MOL und der russischen Gazprom zu verhindern: Angeblich wolle MOL seinen Anteil an der kroatischen INA veräußern, gegebenenfalls könne Gazprom zum Zuge kommen und damit innerhalb der EU weiter Fuß fassen.

Die USA sollen derzeit mit Hochdruck daran arbeiten, den Deal mit Gazprom zu verhindern. Die etwas unter 50 prozentige INA-Beteiligung war schon in den vergangenen Jahren in die Presse geraten: Angeblich soll MOL an den ehemaligen kroatischen Premier Ivo Sanader Schmiergelder in Millionenhöhe bezahlt haben, um die Beteiligung zu erhalten. Gegen MOL-Vorstandschef Zsolt Hernádi war zeitweilig ein Haftbefehl der kroatischen Justizbehörden in Kraft.

Ob das jüngst verkündete Einreiseverbot für sechs „regierungsnahe“ ungarische Staatsbürger für die USA, das offiziell mit Korruptionsvorwürfen begründet wurde, auch mit dem seitens der USA „unerwünschten“ wirtschaftspolitischen Annäherungskurs Ungarns gegenüber Russland im Zusammenhang steht, scheint jedenfalls möglich. Die USA scheinen mitunter großes Interesse daran zu haben, eine ökonomische Annäherung auch einzelner EU-Mitglieder an Russland aus strategischen Gründen zu verhindern.

http://www.handelszeitung.ch/politik/usa-fuerchten-gas-bund-von-ungarn-und-russland-691365

Guardian: Ungarn stoppt auf Moskauer Druck Gaslieferungen an Ukraine

Der Guardian berichtet über den Stopp von ungarischen Gaslieferungen an die Ukraine:

http://www.theguardian.com/world/2014/sep/26/hungary-suspends-gas-supplies-ukraine-pressure-moscow

Hinter dem Lieferstopp sollen Drohungen Russlands an seine Abnehmerländer (u.a. Ungarn) stehen, bezogenes Gas nicht zu reexportieren.

Nabucco-Pipelineprojekt: Ungarn erwägt Ausstieg

Ungarn erwägt laut aktuellen Presseberichten den Ausstieg aus dem von mehreren europäischen Unternehmen geplanten Gaspipelineprojekt „Nabucco“. Die Versorgungsleitung soll Europa nach den Plänen der Konsortialpartner unabhängiger vom russischen Gasmonopolisten Gazprom und dem dortigen South Stream Pipelineprojekt machen.

Ungarn spielt in dem Nabucco-Projekt seit einigen Jahren den „Wackelkandidaten“. Bemerkenswert ist, dass Ministerpräsident Viktor Orbán – seinerzeit noch in der Opposition – die Annäherung der sozialliberalen Regierung Gyurcsány an das South Stream Projekt jahrelang heftig kritisiert und gefordert hatte, Ungarn müsse sich an dem europäischen Projekt beteiligen. Dass Orbán nunmehr selbst den Ausstieg des mehrheitlich staatlichen MOL-Konzerns (dem ungarische Konsortialpartner) ankündigt, stellt eine Wende um 180 Grad dar; eine Wende, die möglicher Weise auch mit dem dauerhaft verschlechterten Verhältnis zwischen dem dem österreichischen Konsortialführer OMV ud MOL zu tun haben könnte – OMV hatte bis in das Jahr 2008 versucht, die MOL feindlich zu übernehmen, war jedoch an dem Widerstand Ungarns und statlichen Sonderrechten (sog. „goldenen Aktien“) gescheitert. Die Abwendung Ungarns von Nabucco begann in dieser Zeit. OMV gab die bereits erworbenen Anteile an MOL im Jahr 2009 dann an ein russisches Unternehmen ab, welches die Anteile im Jahr 2011 an Ungarn zurückveräußerte.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/752210/Ungarn-kuendigt-Ausstieg-aus-Nabucco-an?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do