FAZ: Georg Paul Hefty zu Paul Lendvais neuem Buch „Leben eines Grenzgängers“

Der langjährige Berichterstatter der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Georg Paul Hefty, hat einen lesenswerten Beitrag zu Paul Lendvai und seinem neuen Buch „Leben eines Grenzgängers“ verfasst.

Hefty geht auch auf die Vergangenheit des jungen und ehrgeizigen Lendvai als überzeugter Stalinist und ideologischer Schreiber für die Zeitung „Társadalmi Szemle“ Anfang der 50er Jahre.

http://www.faz.net/aktuell/politik/paul-lendvai-leben-eines-grenzgaengers-am-anfang-war-stalinistischer-uebereifer-12195738.html

Georg Paul Hefty in der FAZ: Kulturkampf nur von rechts?

Georg Paul Hefty kommentiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den „unausgesprochenen Kulturkampf“ in Ungarn.

http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E5F73950A2C9A493B80D8839E6DE38E24~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Seit mehr als vier Monaten führt Ungarn den Vorsitz in der EU. Seit mehr als vier Monaten sucht die ungarische Regierung diese besondere Reifeprüfung für jedes neues Mitgliedsland mit Glanz zu bestehen. Seit mehr als vier Monaten lässt ein breites Kritikerbündnis kein gutes Haar am Ministerpräsidenten und Fidesz-Vorsitzenden Orbán. Liegt der Grund dafür in der Misstrauen erregenden Zweidrittelmehrheit des Regierungsbündnisses im Parlament? Weckt der Eifer, mit dem diese Mehrheit das Medienrecht neu gefasst und eine neue Verfassung formuliert hat, Zweifel? Ruft das Regierungsprogramm mit dem Anspruch, eine wirkliche geistig-moralische Wende herbeizuführen, die Widerstände im In- und Ausland hervor? Oder gilt die Ablehnung in erster Linie der Person Orbán, gleich was der über zwei Jahrzehnte dominante und jetzt erst 47 Jahre alte ungarische Politiker im Einzelnen macht?“ (…)

Über den Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Hefty

Georg Paul Hefty besuchte die Katholische Knabenschule und das Gymnasium in Pfarrkirchen. Sein Abitur machte er 1968 in Kastl, wo er mit seinem Bruder eine Schülerzeitung gründete. Später studierte er Politikwissenschaft, Geschichte, Pädagogik und Wirtschaftsgeographie in München. Unterstützt durch ein Graduiertenstipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung schrieb er eine Arbeit über die Außenpolitik Ungarns seit 1945, die später als das Buch „Schwerpunkte der Aussenpolitik Ungarns“ veröffentlicht wurde. Er promovierte 1977. Ebenfalls 1977 ging er als Fraktionsmitarbeiter nach Bonn, wo er als persönlicher Referent diente.

Anfang 1981 zog er mit seiner Frau und zwei Töchtern nach Frankfurt am Main; seitdem ist er Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 1986 bis 1993 verfolgte er als Korrespondent den Wandel Ungarns von der kommunistischen Volksrepublik zur demokratischen Republik. Bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist er für die Seite „Zeitgeschehen“ verantwortlich.[1]

2005 erhielt er den Preis der Lebensrechtsbewegung Stiftung Ja zum Leben.“

Heinrich-Böll-Stiftung sagt Veranstaltung mit Paul Lendvai ab

Ein an der Frankfurter Universität für 24.11.2010 geplanter Diskussionsabend zu Ungarn, an dem der Journalist und Autor Paul Lendvai und der Schriftsteller György Dalos teilnehmen wollten, wurde von der Veranstalterin in letzter Minute abgesagt.

Die der Partei der Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung gab als Grund für die Absage an, dass man die Sicherheit von Lendvai nicht habe garantieren können. In den Tagen vor der Veranstaltung habe es – insbesondere im Internet – massive Angriffe mit zum Teil antisemitischem Charakter gegen den Autor gegeben, weshalb er um Polizeischutz gebeten habe. Nachdem dieser nicht gewährt wurde, habe man sich in Abstimmung mit dem Gast entschieden, auf die Veranstaltung zu verzichten.

Lendvai verwies in einem Interview mit der Kleinen Zeitung auf eine Veranstaltung in Zurüch, die vom Weltbund der Ungarn gestört worden sei. Auch in Frankfurt hätten diese „extrem rechts“ stehenden Personen wohl etwas geplant (Anmerkung: Lendvai teilte später mit, er selbst habe keine Drohungen erhalten, sondern nur über die Böll-Stiftung von diesen erfahren). Tatsächlich war die Buchpräsentation in Zürich gestört worden, von Handgreiflichkeiten dort wurde jedoch nicht berichtet. Lendvai , der in Ungarn zuletzt nicht nur wegen seines neuen Buches kritisiert wurde, sondern auch wegen angeblicher Informantentätigkeiten für das kommunistische Kádár-Regime, sagte der Kleinen Zeitung, er werde sich nicht mundtot machen lassen (Link). Dem Online-Portal Ö24.at teilte Lendvai mit, in habe man „Angst vor seinem Buch“ (Link).

Ergänzung vom 28.11.2010:

Zwischenzeitlich hat Georg Paul Hefty von der konservativen Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Heinrich-Böll-Stiftung im Zusammenhang mit der Veranstaltung und der Absage kritisiert. Der Tonfall der Böll-Stiftung auf der Einladung sei unangemessen provokant, Proteste hiergegen seien absehbar gewesen. Der Text der Einladung war laut Hefty nicht mit Paul Lendvai abgestimmt, sei jedoch auf ihn projiziert worden. So könne man Ungarn nicht als Land mit „Einparteienherrschaft“ bezeichnen, wenn im Parlament vier Parteien vertreten seien. Auch die Aussage, Ungarn sei das „Liberalste Land hinter dem Eisernen Vorhang gewesen„, musste Hefty zufolge Proteste der Exil-Ungarn hervorrufen: Nach der Niederschlagung des Volksaufstands von 1956 wurden – im vermeintlich „liberalen Kádár-Ungarn – 460 in Schauprozessen ausgesprochene Todesurteile vollstreckt (zum Teil hatte man jugendliche Aufständische verurteilt und dann – nach Erreichen des 18. Lebensjahres – hingerichtet). Die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtet heute über den Kommentar Heftys, der auch hier zeitnah umfassend dargestellt werden wird.

Was den Text der Einladung anbetrifft, ist übrigens folgender Umstand erwähnenswert: Die Veranstaltung in Frankfurt sollte in Zusammenarbeit mit einem Lehrstuhl der Frankfurter Universität stattfinden, dessen Inhaber – Prof. Tamás Bauer – bekannter Kritiker des Ministerpräsidenten Viktor Orbán ist. Bauer, ehemals Mitglied der linksliberalen SZDSZ-Fraktion im ungarischen Parlament und heute überwiegend als Publizist und Diskutant im oppositionsnahen liberalen Fernsehsender ATV aktiv, war vor einigen Jahren in Ungarn dafür kritisiert worden, dass er die durch Quellen belegbare Tatsache, dass sein Vater Miklós Bauer in den 50er Jahren Oberstleutnant der Geheimpolizei ÁVÓ und als Mitarbeiter der Abteilung III. persönlich verantwortlich für Folterungen gewesen sein soll (sein Spitzname lautete sinngemäß „der Fingernagel heraußreißende Bauer“), im Jahr 2000 in Abrede gestellt und seinen Vater im Parlament verteidigt hatte (hier). Miklós Bauer, der 2008 verstarb, hatte sich zuvor ebenfalls als „Ehrenmann“ bezeichnet. Mehr über die ungarische Staatssicherheit, deren ehemaliges Hauptquartier in der Andrássy út 60 in Budapest heute das Terror Haus ist, unter Wikipedia. Das Hauptquartier war zuvor von den ungarischen Nazis, den Pfeilkreuzlern, genutzt worden.

Weitere Quellen:

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/613265/SicherheitsRisiko-zu-hoch_LendvaiLesung-abgesagt?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do

http://www.salzburg24.at/news/politik/artikel/hass-gegen-lendvai-buch-in-ungarn/cn/apa-1143203929