Der Spiegel: Ice-T darf rappen

Der Spiegel berichtet heute über die Einstellung des von der ungarischen Medienbehörde NMHH eingeleiteten Verwaltungsverfahrens gegen den kleinen Radiosender Tilos Rádió.Das Verfahren war eingeleitet worden, weil der Sender in den Verdacht geraten war, gegen Jugendschutzvorschriften des Mediengesetzes von 1996 (alte Rechtslage) verstoßen zu haben. Tilos hatte im Herbst 2010 den Song It´s on von Ice-T vor 21 Uhr und damit gespielt und damit den Anfangsverdacht eines Verstoßes gegen § 5/B des Gesetzes begründet. Es habe der  Verdacht bestanden, dass die im Song verwendete Sprache die Entwicklung Jugendlicher stören könnte. Dieser Verdacht, so die Behörde, habe sich nun – nach der Anhörung und Durchführung einer mündlichen Verhandlung – nicht bestätigt: Die Slang-Sprache werden im Regelfall nicht verstanden. Dies führte zur Einstellung.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,739290,00.html

Die Einleitung des Verfahrens hatte kritische Berichte in Europa, im Zusammenhang mit dem neuen Mediengesetz, hervorgerufen. Man sah „Tilos“ als erstes Opfer der neuen, von der Regierung dominierten Medienbehörde. Diese Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.

Dass die Behörde mit ihrem Vorgehen dem Jugendschutz gedient hat, darf man mit einem Fragezeichen versehen: Zwar geht man bei der NMHH davon aus, dass der Song von den ungarischen Jugendlichen nicht verstanden wird. Zuvor hatte man jedoch das Stück auf ungarisch übersetzen lassen. Über die Internetseite von Tilos Rádió, wo man das behördliche Schreiben der Behörde der Öffentlichkeit zugänglich machte, kann spätestens jetzt jeder Jugendliche in Ungarn erfahren, was Ice-T so singt. 🙂

Ice-T bringt „Tilos Rádió“ Kritik der Medienbehörde ein

Die neu geschaffene Medienbehörde NMHH hat den Radiosender „Tilos Rádió“ wegen der Sendung eines Musikstücks „It´s on“ des Rappers Ice-T abgemahnt. Dem Sender drohen nun empfindliche Strafen. Die Behörde begründete ihre Entscheidung mit dem gewaltverherrlichenden Inhalt des Musikstücks, das nur nach 21 Uhr gespielt werden dürfe. Die Behörde hat ein Anhörungsschreiben an Tilos Rádió verfasst und nimmt Bezug auf eine aus ihrer Sicht vorliegende Verletzung der Jugendschutzvorschriften in § 5/B und 5/C des Gesetzes Nr. I aus dem Jahr 1996 (Radio- und Fernsehgesetz). Andeutungen in Presseberichten, die Behörde wende materielle Vorschriften des neuen und umstrittenen Mediengesetzes an, gehen in diesem Punkt an den Fakten vorbei. Tilos Rádió reagierte mit den Worten, die ungarischen Hörer verstünden den Inhalt des Liedes ohnehin nicht; eine Gefährdung Jugendlicher sei auszuschließen.

http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/ungarns-zensurbehoerde-disst-ice-t/

Deutsche Zeitungen reagierten mit Kritik am ungarischen Mediengesetz. Verkannt wird dabei freilich, dass auch hierzulande bestimmte Lieder unter Aspekten des Jugendschutzes von den Sendern nicht gespielt werden. Auch die Indizierung durch eine „Bundesprüfstelle“ ist möglich.Insoweit scheint die Kritik nicht ganz frei von Scheinheiligkeit zu sein. Das bundesdeutsche Jugendschutzrecht sieht ebenfalls Sanktionen vor für den Fall, dass jugendgefährende Medien verbretet werden. Im schlimmsten Fall droht eine Haftstrafe.

Die Leser werden sich zudem gewiss an die „Verbannung“ des Falco-Liedes „Jeannie Part 1“ aus dem deutschen öffentlich-rechtlichen Radio erinnern.

Der Macher dieses Blogs ist übrigens bekennender Ice-T-Fan. Er hat dessen Lieder im deutschen Radio freilich vergeblich gesucht.