FAZ-Interview mit Viktor Orbán

In den vergangenen Tagen hat ein am 11.11.2010 erschienenes Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) mit Ministerpräsident Viktor Orbán in der oppositionellen Presse für Aufmerksamkeit gesorgt.

Das vollständige – von Georg Paul Hefty geführte – Interview ist auf der Internetseite der Ungarischen Botschaft abrufbar.

Das linksliberale Blatt Népszava triumphierte unmittelbar nach Erscheinen des Interviews, Orbán habe die Vorgängerregierung Bajnai für die bestimmte von ihr initiierten Sparmaßnahmen gelobt, während er im Inland ganz andere Töne anschlage. Tatsächlich spricht Orbán im Interview davon, dass Ungarn in den vergangenen 12 Monaten schmerzhafte Reformen angegangen habe (schon unter Bajnai), vor denen Europa den Hut ziehen müsste. Er erwähnte aber auch, dass diese Maßnahmen verspätet ergriffen worden seien. Auf die Fehler der Vorgänger ging Orbán nicht ein. Ein verhaltenes Lob gegenüber bestimmten Maßnahmen der Vorgängerregierung lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren.

Die offizielle Linie in Ungarn scheint somit weiterhin auf Konfrontation mit der Opposition als darauf gerichtet zu sein, Gemeinsamkeiten zu Kompromissen zu nutzen. In der Außendarstellung wird dieser Konflikt – wie das FAZ-Interview zeigt – nur in abgeschwächter Form dargestellt.

Die in der oppositionellen Presse aufgestellte Behauptung, die lobenden Töne Orbáns seien aus der konservativen Presse „herausgeschnitten worden“, wie es die Diskutanten in der wöchentlichen ATV-Sendung „újságíróklub“ am 15.11.2010 taten, ist jedoch nachweislich falsch. Die Zeitung Magyar Nemzet gab den FAZ-Passus vollständig wieder (hier).