Politics.hu: Präsident des EU-Parlaments behauptet, Ungarn wolle „die Juden zählen“

Das Online-Nachrichtenportal Politics.hu berichtet, dass der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) in einem Interview für eine belgische Zeitung die Behauptung aufgestellt habe, „Ungarn wolle die Juden zählen.“

http://www.politics.hu/20130518/demands-for-apology-from-european-parliament-president-schulz-over-charges-of-anti-semitism-in-hungary/

Tatsächlich fiel vor einigen Monaten ein Jobbik-Oppositionsabgeordneter (Márton Gyöngyösi) im Parlament durch antisemitische Äußerungen auf. Kurz danach fand eine öffentliche Großdemonstration auf, an der auch der Fidesz-Fraktionsvorsitzende Antal Rogán teilnahm und die Äußerung verurteilte.

Kein aktiver Fidesz-Politiker, d.h. Auch kein Mitglied der Regierung Ungarns, hat jemals die Forderung erhoben, die Schulz dem Land andichtet. Folglich ist die These, „Ungarn“ wolle Juden zählen, schlicht und einfach frei erfunden.

Zeit für eine Klarstellung, Herr Schulz.

Dankesbrief des israelischen Großrabbiners Yona Metzger an Ministerpräsident Viktor Orbán – deutschsprachige Presse schweigt

Nach Berichten des regierungsnahen Blogs Ferenc Kumin, MTI und der Online-Ausgabe von HVG hat sich der israelische Großrabbiner Yona Metzger in einem Brief an den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán seine „große Anerkennung“ gegenüber dem Regierungschef und seiner Regierung für die mit den ungarischen Juden aufrecht erhaltene „großartige Beziehung“.

http://ferenckumin.tumblr.com/post/34297046301/a-magnificent-relationship

http://www.kormany.hu/en/prime-minister-s-office/news/chief-rabbi-of-israel-expresses-his-appreciation-to-the-prime-minister

http://hvg.hu/itthon/20121015_Orbanert_imadkozik_az_izraeli_forabbi

NZZ: Charles Ritterband über wachsenden Antisemitismus in Ungarn

In der heutigen Online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung befasst sich Charles E. Ritterband mit der Situation der Juden in Ungarn. Er konstatiert wachsenden Antisemitismus und rügt, die ungarische Regierung sei nicht aktiv genug, gegen solche Tendenzen vorzugehen:

http://www.nzz.ch/aktuell/international/antisemitismus-macht-ungarns-juden-zu-schaffen-1.17469384

Holocaust-Gedenktag: Rede von László Kövér

Ungarns Hauptstadt Budapest war am heutigen 17. April Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen zum Gedenken an die ungarischen Opfer des Holocaust.

An dieser Stelle soll aus einer Mitteilung von Fidesz (an einigen Stellen sinngemäß) übersetzt werden, die Auszüge der Rede von Parlamentspräsident László Kövér enthält.

Der heutige Tag gehört der Erinnerung, wir halten furchtsam inne und neigen unser Haupt vor den Opfern“ – so begann der Parlamentspräsident seine Rede. „Vor 67 Jahren wurden die ungarischen Juden in Ghettos verschleppt, hiermit begann der ungarische Holocaust. Denen, die man fortriss, blieben weder Namen, Zukunft oder Hoffnung“ – sagte Kövér. „Seit 67 Jahren wissen wir, dass Birkenau eine Trennlinie war. Sie wirkte sich auf die Träume und die Pläne der Menschen aus. Nach Auschwitz ist nichts mehr, wie es vorher war„- zitierte Kövér die Worte von Eli Wiesenthal.

Der Parlamentspräsident hob hervor: „Obwohl 67 Jahre seit dem Schrecken vergangen sind, können wir den Massenmord bis heute nicht verarbeiten. Denn auch die ungarische Kultur und das Leben leiden bis heute unter den Verlusten. Wir stehen nicht an dem Fuße dieser Denkmäler, an den Gedenktafeln und den Gefängnismauern, damit sich unsere Kinder erschrecken, sondern damit sie wissen, was ihre Vorfahren durchgemacht haben. Und damit es Plätze gibt, an denen die Kinder unserer Kinder ihr Haupt vor den Opfern des Terrors verneigen können.

Kövér betonte: „Wenn wir uns erinnern, müssen wir auch die verlorenen Chancen, die durch verlorene Menschenleben verlorene Kraft betrauern.  Denn die Mordmaschinerie vertilgte nicht nur ganze Familien, mit ihnen ging auch die Möglichkeit verloren, das Leben in geordneten Bahnen fortzusetzen.“

Köver weiter: „Das Leben ist wunderbar. Blumen brechen durch den Asphalt, Flüsse reinigen sich selbst vom Gift, aber wenn man mit schäbiger chirurgischer Arbeit eine ganze Generation aus dem Leben reisst, ist die Heilung schwer.“ Der Parlamentspräsident sagte mit Eli Wiesenthals Worten: „Es stimmt, dass nicht alle Opfer Juden waren, aber alle Juden waren Opfer.“ Und weiter: „Obwohl man im Jahr 1944 nach dem Leben und dem Vermögen der Juden trachtete, verursachte dieser Angriff doch in der gesamten Nation eine schwer heilbare Wunde. Diese Wunde traf in das Herz der Nation. Im Frühjahr 1944 konnten wir sehen, und lernen: Wenn wir das Solidaritätsnetz der Nation zerschneiden, oder zulassen, dass man es zerstört, dann wird es sich bis zur letzten Faser auflösen. Aus diesem Grund müssen wir zu jeder Zeit neben denen stehen, die zur Nation gehören. Wir brauchen Geduld, Rücksichtnahme und Verständnis gegenüber dem anderen.“ (…)

In unserem Land leben seit tausend Jahren unterschiedliche Nationen, auch die Juden, die trotz Beibehaltung ihrer Traditionen treue Söhne der ungarischen Nation sind“, sagte Kövér, und fügte hinzu: „Das Verbrechen wurde gegen diese natürliche Einheit wurde begangen von Menschen, die es sogar fertig brachten, die Donau zu einer Totengrube zu machen. Es ist die Aufgabe von uns heutigen Ungarn, dass wir erneut einen Schwur auf das Ungarn ablegen, das uns allen gerecht wird, wir verdienen nur dann den Frieden, wenn wir im Schaffen zusammenhalten und im Zeichen der Liebe die Schicksalsgemeinschaft pflegen.

Nach der Rede entzündete der Parlamentspräsident mit den zahlreichen Gästen der Veranstaltung Kerzen im Angedenk an die Opfer des Holocaust.

Nach der Verschleppung in Ghettos ab dem 16. April 1944 wurden binnen weniger Monate mehrere hunderttausend Juden aus dem damaligen Ungarn in Vernichtungslagern ermordet. Der 16. April ist seit dem Jahr 2000 Holocaust-Gedenktag. Aufgrund des auf den 16. April fallenden jüdischen Ruhetages wurden die Gedenkveranstaltungen in diesem Jahr am 15. und 17. April abgehalten.

Mittelpunkt der Gedenkveranstaltungen war auch ein „Marsch der Lebenden“, an denen auch zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens unterschiedlicher Parteien teilnahmen.