Sorsok Háza: Yad Vashem sagt Zusammenarbeit ab

Die israelische Holocaust-Gedenkzentrum Yad Vashem hat seine Zusammenarbeit mit dem von der ungarischen Regierung geplanten Holocaust-Gedenkzentrum „Haus der Schicksale“ (Sorsok Háza) abgesagt. Die Beendigung der Kooperation wurde damit begründet, dass die offizielle Seite – an der Spitze die Historikerin Mária Schmidt – ihre Pläne ohne Mitwirkung der jüdischen Organisationen in Ungarn verwirklichen wolle.

Das Gedenkzentrum Yad Vashem war im Beraterkreis des Gedenkzentrums vertreten. Zuvor war bereits die Dachvereinigung der jüdischen Organisationen in Ungarn, MAZSIHISZ, aus dem Projekt ausgestiegen. Der deutsche Historiker Michael Wolffsohn, selbst Mitglied im Gremium, hatte MAZSIHISZ daraufhin vorgeworfen, wahlkampfpolitische Motive zu verfolgen.

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Zeitreise nach 2008 in Sachen Kulturförderung

Kahlschlag im Kulturbereich. Gleichschaltung. Bevorzugung regierungsnaher Organisationen. Vetternwirtschaft.

So etwa hört es sich an, wenn man oppositionelle Kreise zur Kulturpolitik der Orbán-Regierung befragt oder deutsche bzw. österreichische Publikationen aufschlägt. Hört man ihnen zu oder liest sie, erweckt es den Eindruck, als wäre aus einem Land, in dem in Sachen Kulturförderung Milch und Honig flossen, seit 2010 ein wahres „Death Valley“ geworden.

Gerade in solchen Tagen lohnt sich eine kleine Google-Recherche, wie sie der Leser Kullancs durchgeführt hat (danke hierfür!). Da findet man plötzlich einen Beitrag des Pester Lloyd aus dem Jahr 2008. Ein Interview mit der Direktorin des im Jahr 2000 gegründeten Museums „Terrorhaus“ in Budapest, Maria Schmidt, das zwar keineswegs unumstritten ist (vgl. den Beitrag von Krisztián Ungváry hier), dessen Wert für die Darstellung der Geschichte von Pfeilkreuzler- und kommunistischer Diktatur jedoch letztlich unbestreitbar ist. Wie sich beim Lesen jenes Lloyd-Artikels unweigerlich herausstellt, ist, dass nicht etwa Orbán den „Kulturkampf“ erfunden, sondern auch die gerade weltweit für die ungarische Demokratie und den Kulturpluralismus eintretende MSZP/SZDSZ-Regierung den ihr nahestehenden Einrichtungen im Kultur- und Forschungsbereich den Vorzug gegeben hat. Dies führte dazu, dass das Terrorhaus, gegen dessen Errichtung die MSZP sich wegen der „Überbetonung“ der kommunistischen Diktatur mit Händen und Füßen gewehrt hatte, wirtschaftlich arg kämpfen musste.

Hört, Hört. Was den weniger Informierten in Sachen Ungarn überraschen mag, ist dem Kenner des Landes seit Jahren bekannt: Man gibt (leider) am ehesten den Seinen. Es hat sich somit nur wenig (zum besseren) geändert, nun geht es renommierten Instituten wie dem 1956-er Intézet an den Kragen. So kritikwrdig dies auch sein mag: . Was im Jahr 2008 fehlte, ist das EU-weite Medienecho in den großen Tageszeitungen.Wo waren sie, die Mahner, die heute empört sind und Listen derjeniger Einrichtungen veröffentlichen, die im Hinblick (auch) auf knappe Kassen Einschränkungen im Budget hinzunehmen haben? Sie waren wohl mit anderen Themen beschäftigt. Damals herrschte ja „Demokratie“. Die Erkenntnis ist klar: Kulturkampf nennt man es nur, wenn Orbán regiert.  Denn Kulturkampf setzt Kampf gegen „Kultur“ voraus, und die wird – fragt man bestimmte Leute – ja bekanntlich ohnehin nur von Linken und Liberalen gemacht.