NZZ: Képíró-Prozess geht in die zweite Runde

Die NZZ berichtet über den Ausgang des Képíró-Prozesses. Die Staatsanwaltschaft hat Rechtsmittel eingelegt und das Urteil als „nicht gerechtfertigt“ und „inkonsequent“ bezeichnet.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/kriegsverbrecherprozess_in_ungarn_geht_weiter_1.11506679.html

Prozessbeginn: Budapester Gericht verhandelt über die Anklage gegen mutmaßlichen Kriegsverbrecher Képíró

Prozessauftakt im Verfahren gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Sándor Képíró. Der Angeklagte soll als Offizier ungarischer Gendarmen im Jahre für ein Massaker im Ort Novi Sad (Újvidék) verantwortlich sein. Hungarian Voice berichtete.

Die Presse berichtet:

http://diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/657184/NSVerbrechen_Prozess-gegen-Sandor-Kepiro-beginnt?_vl_backlink=/home/politik/zeitgeschichte/index.do

Gegen Képíró wird seit Jahren ermittelt, maßgebliche Informationen wurden von der Simon-Wiesenthal-Stiftung beigesteuert (das auch die Anzeige erstattete). Die Ermittlungen waren von einigen Rückschlägen für die Strafverfolger geprägt. Im Jahre 2007 hat ein Budapester Gericht festgestellt, dass ein gegen Képíró im Jahr 1944 ergangenes Urteil (10 Jahre Freiheitsstrafe) nicht vollstreckbar sei. Ab diesem Zeitpunkt wurde wieder gegen unbekannt ermittelt.

Ebenfalls in 2007 meldete sich u.a. der international angesehene Historiker Krisztián Ungváry zu Wort. Seiner Ansicht nach seien die Beweise gegen Képíró, auch auf Basis der Akten, ungenügend. Das Urteil von 1944 gründete zudem scheinbar auf dem Vorwurf, Képíró habe seine Untergebenen nicht ausreichend kontrolliert. Auch der Historiker László Karsai hegte Zweifel an den gegen Képíró vorgebrachten Anschuldigungen.

http://www.mno.hu/portal/397190

Scheinbar erwähnte die Wiesenthal-Stiftung ein weiteres Urteil aus dem Jahr 1946. Dieses – so die ungarischen Behörden und Gerichte – sei aber nicht bekannt.

http://index.hu/kulfold/wies125h/

Auf Grundlage der Ermittlungen gegen Unbekannt fanden 2009 konkrete Ermittlungen gegen Képíró statt, die Staatsanwaltschaft beantragte die Verhängung eines Hausarrests, der Antrag wurde vom Gericht jedoch abgelehnt.

Die Verteidigung Képírós wird organisiert von einer der rechtsradikalen Partei Jobbik nahe stehende Organisation.

Nachtrag:

Képíro – der sich bislang vor der Presse als rüstiger und kampfesbereiter älterer Herr gab – präsentiert sich zu Prozessbeginn nicht nur als gebrechlicher Greis, sondern auch als Opfer eines Schauprozesses. Er erschien vor Gericht mit einem Blatt Papier, das er demonstrativ vor sich hielt. Der Text: Mörder. Mörder eines 97-jährigen Mannes.