Fall Csatáry: Beschuldigter bleibt unter Hausarrest

Der mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry bleibt unter Hausarrest. Das zuständige Budapester Gericht verlängerte die freiheitsentziehende Maßnahme auf Antrag der ermittelnden Staatsanwaltschaft bis zu einer weiteren Entscheidung des Gerichts der Hauptsache, spätestens aber bis 18. November 2012.

Der Beschluss vom 16. August 2012 ist bislang nicht rechtskräftig.

http://www.fovarositorvenyszek.hu/sites/default/files/allomanyok/sajto/kozlemenyek/120822_dr._cs._laszlo_hazi_orizet.pdf

Die staatliche Nachrichtenagentur MTI hatte fälschlicher Weise berichtet, der Hausarrest sei nicht verlängert worden. Das Gericht teilte mit, man habe mit der Herausgabe der Pressemitteilung abgewartet, bis die Parteien den Beschluss zugestellt bekommen hätten.

Gegen Csatáry wird wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei Judendeportationen im Jahr 1944 nach Auschwitz-Birkenau ermittelt. Csatáry soll als Ghettokommandant im heute slowakischen Kosice (ung. Kassa) mindestens 16.000 Juden in den sicheren Tod geschickt haben und für mehrere hundert Ermordungen verantwortlich sein.

Retuschen-Skandal: Dániel Papp und Gábor Élö gefeuert

Der Retuschen-Skandal beim ungarischen Fernsehen hat Dániel Papp, den Chefredakteur der Nachrichtenredaktion der Mediendienstleistungs-Gesellschaft MTVA, und Gábor Élö, den Direktor der Nachrichtenredaktion von MTI, den Job gekostet. Die Leitungen teilten mit, beide Personen hätten sich schwerer fachlicher Fehler schuldig gemacht. Élö wurde fristlos entlassen, Papp zunächst vom Dienst suspendiert.

Zum Hintergrund: Der EU-Parlamentarier und frühere evangelische Bischof László Tökés (Fidesz) war vom Staatsfernsehen für die Abendnachrichten auf einer Veranstaltung interviewt worden, die sich mit dem Fall „Olivér Boldoghy“ befasste. Anwesend war auch der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofes, Zoltán Lomnici, der sich bei einer überparteilichen Menschenrechtsorganisation (Emberi Méltoság Tanácsa) engagiert. Der im Hintergrund stehende und mit Tökés befreundete Lomnici  wurde aus objektiv nicht nachvollziehbaren Gründen von den Sendungsmachern herausretuschiert. Nach der Sendung wurde dann wieder die Version ohne Retusche in die Online-Mediatheken eingestellt.

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/12/11/die-presse-sieht-angst-im-ungarischen-medienmarkt/

Die drei unmittelbar mit dem Beitrag befassten Personen wurden bereits abgemahnt, es blieb jedoch bei Spekulationen, dass es eine „Anweisung von oben“ gegeben habe. Lomnici selbst hatte betont, er sei seit über einem Jahr „persona non grata“ im staatlichen Rundfunk.

Insbesondere Dániel Papp, der aus dem Umfeld der rechtsradikalen Partei Jobbik stammt, ist kein unbeschriebenes Blatt: Er war zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt, nachdem er einen Fernsehbericht über eine Veranstaltung der ungarischen „Grünen“ (LMP), auf der auch der EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit anwesend war, verfälscht wiedergegeben hatte. Er war kurz darauf in einen Führungsposten bei der MTVA befördert worden.

http://www.europeonline-magazine.eu/ungarische-nachrichtenchefs-wegen-retuschierens-gefeuert_175578.html

http://index.hu/kultur/media/2011/12/15/azonnali_hatallyal_kirugtak_elo_gabort_es_papp_danielt/

Nachrichtenagentur weist auf „fachliche Fehler“ in SZ-Beitrag von Alex Rühle hin

Die ungarische Nachrichtenagentur hat auf einige Darstellungen in dem Beitrag von Alex Rühle der Süddeutschen Zeitung reagiert und am 08.08.2011 eine entsprechende Mitteilung herausgegeben:

In dem von Alex Rühle verfassten und am 2. August 2011 veröffentlichten Beitrag „Wie Orbán Ungarns Demokratie zerlegt”  befinden sich einige Irrtümer. Die Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks befinden sich unter der Fachaufsicht des MTI-Nachrichtenzentrums, allerdings ist Dániel Papp nicht Chefredakteur, er ist noch nicht einmal Mitarbeiter unseres Unternehmens. Im übrigen wurde der Posten eines „politischen Chefredakteurs“ in Ungarn zum Ende der 1980-er Jahre abgeschafft.

Leider ist die Süddeutsche Zeitung dem leichen Fehler verfallen wie die Ungarische Sozialistische Partei in ihrer Pressemitteilung vom 4. August 2011 und wie die Népszava in ihrer heutigen Ausgabe: beide titulieren Dániel Papp als Leiter des Nachrichtenzentrums der MTI.

Daneben finden sich in den Archiven unserer Nachrichtenagentur keinerlei Hinweise darauf, dass der Vorsitzende des Medienrates schon vor zehn Jahren folgendes gesagt habe, dass es das oberste Ziel sein müsse, „das hundertprozentige Meinungsmonopol in den Medien zu erringen“ .

Hierfür gäbe es auch keine entsprechenden Mittel.

Die MTI betreibt seit 1988 den Landespressedienst, der sicherstellt, dass jede politische Partei und bedeutende Zivilorganisation ohne redaktionelle Kontrolle ihre Meinung den Bürgern über das Nachrichtennetz kundtun können.

Seit Mai 2011 hat die MTI, mit Ausnahme derjenigen Materialien, die von ausländischen Presseagenturen stammen, die Dienste der Agentur größtenteils kostenfrei gestellt. Kostenlos erreichbar sind unter anderem tägliche Ausschnitte derjenigen Presseartikel, die sich mit Ungarn befassen, auf diese Weise konnten sich unsere Leser auch über den Beitrag von Alex Rühle informieren.

Zsófia Rákosy

Pressesprecherin

Ungarische Nachrichtenagentur

ARD-Europamagazin: Kritik an Medienpolitik in Ungarn

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7800546

Das ARD-Europamagazin über die Entlassungswelle im ungarischen öffentlichen Rundfunk, mutmaßliche Angriffe auf die Pressefreiheit und die Fälschung von Nachrichten bei der staatlichen Nachrichtenagentur MTI durch den jüngst beförderten Dániel Papp.