Lendvai setzt fort: Vortrag am 3. Oktober im Wiener Rathaus

Paul Lendvai tritt am 03.10.2012 im Wiener Rathaus auf:

http://www.wien.gv.at/kultur/abteilung/vorlesungen/termine/2012/osteuropa-3-10.html

Thema: „Renationalisierung und Rechtspopulismus in Mittel- und Osteuropa“
Ort: Wiener Rathaus, Festsaal, Feststiege 1, Lichtenfelsgasse 2
Zeit: 3.10.12, 19 Uhr

Programmvorschau: Lendvai-Bericht über Ungarn am 26.09.2012, ORF 2

Kommenden Mittwoch, den 26.09.2012, um 22:30 Uhr, zeigt ORF 2 einen von Andrea Morgenthaler und Paul Lendvai verfassten Bericht mit dem Titel „Nationale Träume – Ungarns Abschied von Europa?“. Hier die Vorschau:

http://tvthek.orf.at/programs/1662-TVthek-special/episodes/4641821-Menschen—Maechte—Club-2/4641823-Menschen—Maechte—Club-2

Im Anschluss an die Sendung findet eine Diskussion im „Club 2“ unter dem Titel „Ungarn: Demokratie ade?“ statt.

Der Tenor des Themenabends wird bereits durch den Teaser und die Titelwahl deutlich. Ungarn ist nach Ansicht der Macher – insbesondere Lendvai – auf dem Weg, sich von der Demokratie, sogar aus „Europa“, zu verabschieden.

Hungarian Voice wird den Themenabend begleiten und freut sich auf eine lebhafte Diskussion, gerne auch schon während der Sendung.

Kleine Nachtpolemik: Schüssel-Lob für Orbán, ORF schießt sich auf Ex-Kanzler ein

Der staatliche Österreichische Rundfunk (ORF) hat eine in Budapest gehaltene Rede von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel genutzt, den Politiker scharf zu kritisieren. Die Berichte des Abends gerieten zu einem Anti-Schüssel-Tribunal. Die üblichen Experten inklusive.

In der Sendung ZIB 2 vom 31.05.2012 wird Schüssels Lob für Viktor Orbán – seine Rede wird natürlich nur in ganz kleinen, aus dem Zusammenhang gerissenen Fragmenten gezeigt – zu einem Verriss des Politikers genutzt. Paul Lendvai zeigt sich „enttäuscht“ und „entsetzt“ darüber, dass man Viktor Orbán einen „Persilschein“ ausstelle. Ferner spricht die Nachrichtensendung von der bekanntermaßen „fehlenden Trittsicherheit“ Schüssels.

http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZIB-2/episodes/4115647-ZIB-2

Der ORF setzt die Darstellung des Schüssel-Auftritts fort mit der Aussage, dass von Ungarn ja sonst nicht so viel gehalten werde, Demonstrationen gegen die Regierung seien „an der Tagesordnung“ und die EU-Kommission habe Ungarn sogar „geklagt“, Gründe dafür seien „demokratiegefährdende Änderungen bei den Medien, aber auch bei der Zentralbank oder der Justiz.“ Drei Schuss, ein Treffer, meine Damen und Herren vom ORF. Die Kommission hat nämlich weder im Zusammenhang mit dem Mediengesetz noch mit der Zentralbank „geklagt“. Vertragsverletzungsverfahren laufen derzeit wegen a) der angeblich fehlenden Unabhängigkeit des Datenschutzbeauftragten, b) wegen der kritikwürdigen Zwangspensionierung von Richtern und c) seit längerem wegen der Sondersteuern für Telekomunternehmen.

Der Zuseher erfährt auch, weshalb (Zitat) „sich ein Wolfgang Schüssel für ein solches Lob überhaupt hergibt“. Es handele sich um eine Dankbarkeitsgeste Schüssels gegenüber Orbán, der ihn während der (man will anmerken: völlig rechtswidrigen und undemokratischen) Sanktionen gegen Österreich im Jahr 2000 empfangen und es gewagt hatte, die Phalanx der EU-Politiker zu verlassen.

Lendvai gibt sich trotzdem enttäuscht. Er werde ganz sicher viele Briefe bekommen, weil „jeder weiß“, dass er auch während der Regierung Schüssel Lob gefunden habe, auch in seinen Büchern. Der Zusammenhang zwischen Lendvais Büchern und Schüssels Rede verstehe, wer mag. Mir ist das zu hoch.

Am Ende doch noch ein klitzekleines Plätzchen für Schüssel: Der war zu einem Interview mit dem ORF nicht bereit (er ahnte wohl diesen für einen staatlichen Sender unerträglichen Tonfall), gab aber bekannt, er habe in Budapest auch kritische Punkte angesprochen. Aber wen interessiert das schon.

Jedenfalls nicht den berufsmäßigen Antifaschisten Bernhard Odehnal vom Tagesanzeiger (Schweiz). Der durfte in der ZIB 24 um 00:12 Uhr (es war also noch später als fünf vor oder gar fünf nach Zwölf) nachlegen und in sichtlicher Erregung darüber philosophieren, dass Orbán den Staat der Zwischenkriegszeit wieder restaurieren wolle, eine (Zitat) „Quasidiktatur  mit ganz starkem Antisemitismus und Chauvinismus“. Nein, wir haben uns nicht verhört: Orbán will eine „Quasidiktatur mit starkem Antisemitismus“ wieder errichten. Laut Odehnal ist das „wirklich“ so. Und ich habe keine Zweifel, dass er selbst daran glaubt. Auch aus diesem Grund haben Odehnal und sein Kollege, Herr Gregor Mayer von der dpa, der deutschsprachige Zeitungen mit Ungarn-Berichten versorgt und sich nebenbei via Facebook über „Orbánistan“ auskotzt, auch ein ganzes Buch über rechte Umtriebe in Osteuropa verfasst.

Das Drehbuch geht weiter, auch die Kritik an der EVP (Konservative sind bekanntlich verkappte Nazis) darf natürlich nicht fehlen, die – so Odehnal – „keinerlei Kritik an Orbán zulässt“. Offenbar hat sich der Gast hier nicht mit der Frontfrau österreichischer Ungarnkritik, Frau Ulrike Lunacek von den Grünen, abgesprochen: Die erachtet nämlich Schüssels Worte gerade deshalb für so empörend, weil auch die Konservativen im EU-Parlament Fidesz kritisiert hätten. Na was denn nun?

Odehnal, der in Budapest und Wien lebt, erzählt von enttäuschten Menschen, auch Freunden, die Fidesz gewählt haben (pfui, Herr Odehnal!), und greift die Anekdote von Sybille Hamann wieder auf, dass „an jedem zweiten Haus“ eine Immobilie zum Verkauf angepriesen werde (Hamann in der Presse: „In den Straßen von Budapest fallen an jedem zweiten Haus Plakate auf, die Wohnungen zum Kauf anbieten.“). Die beiden Erfahrungsberichte Odehnals und Hamanns sind so aufeinander abgestimmt (Horthy und Antisemitismus als Stichworte inklusive), man wird den Eindruck nicht los, als käme alles aus einer Feder, oder aber beide Herrschaften wären Hand in Hand durch die  Budapester Stadtbezirke spaziert. Romantisch. Wobei man ja in der ungarischen Hauptstadt angeblich seines Lebens nicht mehr sicher sein soll…

Der Immobilienmarkt sei, so Odehnal, „zusammengebrochen“. Die Menschen hätten alle Kredite, die sie nicht bedienen könnten – was zutrifft, nur ist dieser Umstand kaum der heutigen Regierung in die Schuhe zu schieben, sondern eher der Politik der Notenbank unter jenem Präsidenten András Simor, gerade enormen Rückhalt aus Brüssel genießt: institutionell gesehen völlig korrekt, persönlich gesehen diskussionswürdig. Un ein weiteres Detail vergisst Odehnal geflissentlich: Dass die Regierung Orbán seit Jahren durch Moratorien verhindert, dass die Banken die Menschen aus ihren Häusern vertreiben. Sollte einem, der für die Armen Partei ergreift, letztlich gefallen. Aber kein Wort dazu.

Nun erfahren wir noch, es gebe eine „Belastungspolitik“, der kleine Mann „bekommt die Steuern aufgebrummt“, während sich die Familie von Orbán und einige Oligarchen bedienten. Die wohl im EU-Vergleich mit am niedrigsten ausfallende Einkommensteuer ist Odehnal, der nur die sehr hohe Mehrwersteuer erwähnt, keine Erwähnung wert. Die Flat Tax ist zwar ebenfalls diskussionswürdig und kommt in Anbetracht der Wirtschaftslage wohl zum falschen Zeitpunkt, sie ist aber ein Zeichen einer Umbaus des Steuersystems: Direkte Steuern runter, indirekte Steurn rauf. Jedenfalls in den Auswirkungen zu komplex für plakative Statements zwischen Horthy, Antisemitismus und Schüssel, will man meinen. In einer Sache hat Odehnal allerdings Recht: Die Korruption und die Selbstbedienungsmentalität in Ungarn war, ist und bleibt unerträglich. Ich wünschte allerdings, das wäre Odehnal schon früher aufgefallen…

http://tvthek.orf.at/programs/1225-ZIB-24/episodes/4115779-ZIB-24

Hoffentlich ist der Herr Professor Lendvai mit dem Auftritt Bernhard Odehnals zufriedener als mit dem Schüssels.

Veranstaltungshinweis: „Ungarn – wohin?“ am 18.09.2011, Bonn

Ich fand die Einladung heute in meinem Briefkasten vor und gebe es gerne weiter:

Im Rahmen des Beethovenfestes in Bonn findet eine Podiumsdiskussion statt zum Thema

„Ungarn wohin?“ – Zur aktuellen Situation der Kultur in Ungarn.

In der Info zur Veranstaltung heißt es:

Das Beethovenfest hat im Liszt-Jahr nicht nur viele Künstler aus Ungarn ebenso wie bedeutende Sinti- und Roma-Musiker eingeladen, es möchte auch auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen, denen Künstler, Intellektuelle und Andersdenkende, darunter Juden, Sinti und Roma in Ungarn seit dem Regierungswechsel im April 2010 ausgesetzt sind. Nach der gerade zu Ende gegangenen ungarischen EU-Ratspräsidentschaft bedarf diese Entwicklung weiterer stetiger öffentlicher Wahrnehmung. Es diskutieren namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und zugleich intime Kenner der ungarischen Kultur, Politik und Gesellschaft.“

Teilnehmer der Diskussion werden sein:

Magdalena Marsovszky, Kulturwissenschaftlerin
Iván Fischer, Dirigent
Prof. Paul Lendvai, Publizist
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Sinti und Roma in Deutschland
Dr. Michael Kluth, Filmautor und Journalist
Dr. Peter Spary, Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft.

Ort und Zeit: Studio der Beethovenhalle Bonn, Sonntag, den 18.09.2011, 11 Uhr. Der Eintritt ist frei.

http://www.beethovenfest.de/rahmenprogramm/podiumsgespraech-ungarn-wohin/633/

Deckname: Michael Cole?

Die regierungsnahe ungarische Tageszeitung Magyar Nemzet berichtet in ihrer heutigen Ausgabe erneut über mutmaßliche Verwicklungen des Publizisten Paul Lendvai mit dem Staatssicherheitsapparat des Kádár-Regimes:

Der aus Ungarn stammende, seit Jahrzehnten in Österreich lebende Lendvai bestritt im vergangenen Jahr Berichte der Heti Válasz, denen zufolge er mit dem kommunistischem Gehemdienst zusammengearbeitet habe. Das Blatt bezog sich auf Dokumente des Außenministeriums; wir hingegen haben unter den Papieren des Staatssicherheitsdienstes Material entdeckt, die das Gegenteil dessen belegen, was Lendvai von sich selbst behauptet hatte. Über den sich selbst als Osteuropaexperte darstellenden linksliberale Publizisten behaupteten drei Mitarbeiter des Dienstes einhellig, er habe freiwillig mit dem Unterdrückungsapparat zusammengearbeitet.   Der unter dem Decknamen Michael Cole arbeitende Lendvai war – dem einen Dokument zufolge – einer der „besten gesellschaftlichen Kontakte des Geheimdienstes“ .

http://www.mno.hu/portal/801576

Der vollständige Artikel ist hier abrufbar (ungarisch):

http://mno.hu/portal/801698?searchtext=lendvai

Bereits im vergangenen Jahr kamen Gerüchte über Informantentätigkeit Lendvais mit dem Kádár-Geheimdienst auf. Er soll unter anderem eine Liste von Teilnehmern eines Dissidententreffens an die ungarische Botschaft übergeben haben – Lendvai bestritt jedwede Verwicklung und behauptete, die Liste sei zu diesem Zeitpunkt längst öffentlich gewesen.

https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/11/17/war-paul-lendvai-freiwilliger-informant-des-kadar-regimes/

https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/11/23/lendvai-dokument-teil-1/

https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/11/21/die-liberale-ungarische-tageszeitung-nepszabadsag-uber-den-fall-lendvai/

https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/11/18/wie-nicht-anders-zu-erwarten-standard-autoren-kirchengast-und-mayer-springen-paul-lendvai-zur-seite/

https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/12/19/168-ora-veroffentlicht-beitrag-eines-ehemaligen-mitarbeiters-des-radio-free-europe-zum-thema-lendvai/

WDR 5: Nicht wegschauen – Audio-Beitrag von Paul Lendvai

Flankierend zu seinem Beitrag in der ZEIT verfasste Paul Lendvai einen über WDR veröffentlichen Kurzbeitrag zur Situation in Ungarn.

http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/s/d/19.07.2011-19.05/b/nicht-wegschauen.html

Das Entré allein zeigt, wes´ Lied hier gesungen wird:

Nur einige Tage nach dem Ablauf der EU-Präsidentschaft bestätigen die jüngsten Vorgänge in Ungarn die düstere Feststellung József Debreczenis, des angesehenen Publizisten und Autors zweier Biographien des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orbán: Wir marschieren in Richtung einer Alleinherrschaft, Willkür, Diktatur.“

Der (bei der Linken) angesehene Publizist Jószef Debreczeni, seines Zeichens Gyurcsány-Verehrer, Autor zweier unautorisierter Schmäh-Biographien über Viktor Orbán, ein Mann, der es fertig gebracht hat, Miklós Horthy mit Orbán zu vergleichen und ersteren – immerhin Verbündeter Nazideutschlands – im Vergleich zu Orbán als „Gentleman“ zu bezeichnen, ist also der Gradmesser für die realistische Situationsbeschreibung in Ungarn?

Es ist der selbe József Debreczeni, der im Gespräch mit Krisztina Koenen offenkundige Unwahrheiten über zwei von Fidesz bestellte Verfassungsrichter verbreitet hat, indem er behauptete, sie verfügten über keine juristische Ausbildung, obwohl beide Juristen sind – einer davon war sogar schon während der Gyurcsány-Ära Verfassungsrichter…

Und jener Debreczeni, der vor zwei Tagen zugab, wenn auch widerwillig, für die rechtsradikale Partei Jobbik zu stimmen, wenn man dadurch zur Abwahl Viktor Orbáns beitragen könnte (der volle Beitrag auf Klubrádio hier). Was wohl die Antifaschisten dazu sagen, die laute Gedankenspiele der grün-alternativen LMP  sofort zum Anlass genommen haben, die EU-Grünen vor der Aufnahme der LMP in ihre Reihen zu warnen? Debreczeni meint dazu, auch Roosevelt und Churchill hätten mit Stalin koaliert, um Hitler zur Strecke zu bringen.

Womit der „angesehene Publizist“ József Debreczeni den Hitler-Vergleich Nr. 100 gebracht haben dürfte.

Man sollte es vielleicht doch besser mit Kai-Olaf Lang halten, der zwar dafür plädierte, die Entwicklungen in Ungarn aufmerksam zu verfolgen, dies jedoch unaufgeregt zu tun. Bezugnahmen zu Hitler und angeblichen Diktaturen erfüllen diesen Ratschlag wohl nicht. Und werden, zum Bedauern von József Debreczeni und anderen, die Sozialisten und Liberalen nicht wieder stark machen. Dafür bräuchte es schon etwas mehr – Inhalte und Alternativen zum Beispiel, statt Dauerwahlkampf über diverse Presseorgane.

Paul Lendvai bezeichnet Entlassungen beim staatlichen Rundfunk als „bewusste Aktion gegen den kritischen Geist“

Paul Lendvai auf euractiv.de:

http://www.euractiv.de/wahlen-und-macht/artikel/lendvai-bewute-aktion-gegen-den-kritischen-geist-005097

Ungarns rechts-konservative Regierung ruft mit Massenentlassungen bei den öffentlich-rechtlichen Medien Empörung hervor. Sollen regierungskritische Journalisten gegängelt werden? Ja, sagt der Schriftsteller Paul Lendvai. Mit Blick auf Demokratie und Pluralismus bleibe Ungarn Europas Sorgenkind, so Lendvai gegenüber EurActiv.de.“

Paul Lendvai im Interview mit Deutschlandradio

Paul Lendvai im Interview mit Liane von Billerbeck:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1505650/

„Ministerpräsident Victor Orban habe alle wichtigen Machtpositionen in Ungarn für die nächsten Jahre mit eigenen Leuten besetzt, sagt der Publizist Paul Lendvai. Deshalb sei eine liberale Wende in Ungarn nicht abzusehen.“

Paul Lendvai in der ZEIT: „Bitte nicht wegschauen!“

Der ungarischstämmige Publizist Paul Lendvai atmet auf, weil die EU die „Ratspräsidentschaft der Ungarn überstanden“ habe. Zudem fordert er in seinem Beitrag für die ZEIT, Ungarn nicht dem Ministerpräsidenten Viktor Orbán „zu überlassen“.

http://www.zeit.de/2011/28/P-OpEd-Ungarn/komplettansicht