Abwandernde Ärzte: Brain Drain in Ungarn und Polen

Das Problem ist unbestreitbar: Medizinisches Fachpersonal aus Ungarn verlässt die Heimat und sucht in anderen Ländern sein Glück. Die populärste Erklärung: Viktor Orbán ist schuld.

Dass diese Abwanderung jedoch nicht allein mit der rechtskonservativen Regierungspolitik zu tun haben muss, sondern auch schnöde wirtschaftliche Motive (und die erst seit kurzem vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit) dahinter stehen könnten, wird in der hiesigen Presse kaum beleuchtet. Etwa, dass ein Arzt in Großbritannien ein Vielfaches verdient wie in Mittelosteuropa. Populärer als diese Sichtweise ist das Bild des Ministerpräsidenten, dessen quasi-faschistische Politik die gut ausgebildeten Absolventen aus dem Land jagt.

Der Tagesspiegel beleuchtet die Abwanderung ungarischer und polnischer Ärzte und Fachkräfte des Gesundheitssystems.

http://www.tagesspiegel.de/politik/polen-und-ungarn-dramatische-abwanderung-von-medizinern/8011382.html

Neue Zeit der Kooperation in Mitteleuropa?

Die deutschsprachige Budapester Zeitung berichtet in einem aktuellen Artikel über die Pläne (insbesondere) Ungarns, Rumäniens und Polens, die mittel(ost)europäische Kooperation zu stärken.

http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=6013&Itemid=26

Anders als zahlreiche Berichte in der deutschsprachigen Presse, die suggerierten, Ungarn werde sich unter Viktor Orbáns Mitte-Rechts-Regierung gegenüber den Nachbarn wegen seiner vermeintlich nationalistischen Tendenzen isolieren, scheinen insbesondere die Länder Ungarn und Rumänien auf Entspannung und Aussöhnung zu setzen. Als gutes Zeichen war es bereits zu werten, dass Rumänien keine Einwände gegen Ungarns Pläneerhob, Auslandsungarn die ungarische Staatsangehörigkeit zu verleihen.

Auch Polen, Tschechien und die Slowakei sind „mit im Boot“ und nahmen an einem Gipfel der Visegrád-Staaten teil.

Die außenpolitische Linie des Fidesz gegenüber den Nachbarstaaten war stets, bestehende Probleme offen anzusprechen und zu lösen,um die Situation der 2-3Millionen ethnischen Ungarn zu verbessern. Hingegen war die Politik der linksliberalen Koalitionen eher davon geprägt, offene Fragen (auch der Volksgruppen) unter den Tisch zu kehren, um vermeintlich keine „schlechte Stimmung“ aufkommen zu lassen. Ein offener Dialog sollte dabei helfen, den Rechtsradikalen – gerade in Ungarn und der Slowakei – den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Es bleibt zu hoffen, dass gerade auch die Kooperation mit der Slowakei, die unter der im Juni gewählten neuen Regierung einen anderen Kurs als deren Vorgänger (u.a. der Nationalist Slota) verfolgen könnte, wieder auf ein solides Fundament gestellt werden kann. Hier ist in der Vergangenheit viel Porzellan zerschlagen worden.

Der Zeitpunkt, Mitteleuropa und seine regionalen politischen Besonderheiten auf die Agenda zu setzen, ist gut. Ungarn und Polen haben im Jahr 2011 nacheinander die EU-Ratspräsidentschaft inne.