Welt: Rolf Bauerdick über die Reaktionen auf sein Buch „Zigeuner“

Das in diesem Jahr erschienene Buch „Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk“ des Autors und Fotografen Rolf Bauerdick. In seinem Werk beschreibt der Autor in teils sehr deutlicher Sprache seine Erlebnisse und Empfindungen mit und um die größte Minderheit Europas. Das Verdienst des Autors liegt meines Erachtens nicht nur darin, dass er es schafft, die Beobachtungsgabe des Fotografen mit der Ausdruckskraft des Autors zu verbinden, sondern auch, dass er sich durch Konventionen politischer Korrektheit und durch Funktionäre bestimmte Sprachregelungen nicht davon abhalten lässt, Dinge beim Namen zu nennen, die sich vor seinem Auge – auf zahlreichen Reisen, u.a. nach Mittel-, Ost- und Südosteuropa – abspielen. Bauerdick kritisiert Rassismus, berichtet über die Morde an ungarischen Roma, wagt es aber auch, darauf hinzuweisen, dass die Minderheit Eigeninitiative entwickeln muss, um die desolate Situation zu verbessern, in der sie sich großteils befindet.

Der Autor hat Hungarian Voice ein Interview gegeben, auf das ich hier nochmals hinweisen möchte:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/04/18/hungarianvoice-interview-mit-buchautor-und-fotograf-rolf-bauerdick-dem-autor-von-zigeuner-begegnungen-mit-einem-ungeliebten-volk/

Die Reaktionen auf das Buch waren höchst unterschiedlich. Während „ttt„, der WDR, die FAZ und zahlreiche andere Medien das Buch positiv, jedenfalls mit Interesse und Offenheit aufnahmen, kamen negative Reaktionen aus den Reihen des – von Bauerdick scharfer Kritik ausgesetzten – Zentralrats der Sinti und Roma. In seinem Essay beschreibt Bauerdick den durch und durch „deutschen“ Shitstorm, der von Seiten jener über ihn hinwegzog, die die Zigeunersoße aus der deutschen Sprache verbannen wollen und es geschafft haben, die „Fünf Freunde“ vom „Zigeunermädchen“ zu befreien und um die „wilde Jo“ zu bereichern.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article122083938/Das-intolerante-Buendnis-gegen-Zigeunerschnitzel.html

Buchtipp:

Rolf Bauerdick, Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk, 352 Seiten, 33 s/w Fotos, DVA Sachbuch, Preis: 22,99 Euro (empfohlener Verkaufspreis)

Rolf Bauerdick, Jahrgang 1957, lebt im westfälischen Münsterland. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Theologie wurde er Journalist. Er hat Reportagereisen in rund sechzig Länder unternommen; seine Text- und Bildreportagen erscheinen in europäischen Tageszeitungen und Magazinen und sind vielfach ausgezeichnet. Sein viel beachteter Roman “Wie die Madonna auf den Mond kam” ist zur Zeit in zwölf Sprachen übersetzt und erhielt den Europäischen Buchpreis 2012 in der Kategorie “Roman”.

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HungarianVoice-Interview mit Buchautor und Fotograf Rolf Bauerdick, dem Autor von „Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk“

Rolf Bauerdick ist derzeit ein gefragter Gesprächspartner für die Medien. Sein neuestes Werk „Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk“ bringt interessante Einblicke in die zahlenmäßig größte Minderheit Europas, die Zigeuner. Oder – wie uns Funktionäre und die intellektuelle Avantgarde seit den 80er Jahren belehren – „Sinti und Roma“. Der preisgekrönte Autor gibt seinen Lesern einen tiefen Einblick in die zigane Kultur und bringt uns die mitunter fremd wirkende Volksgruppe näher. Er spricht aber auch die alltäglichen Probleme an, die das Leben der Minderheit – und bisweilen auch das Zusammenleben mit ihr – schwierig erscheinen lassen. Eine wertvolle Darstellung ohne Romantisierungen und frei von einseitigen Schuldzuweisungen.

Hungarian Voice hat Rolf Bauerdick zu seinen Motiven, Beobachtungen und Lösungsvorschlägen befragt. Besonderes Augenmerk fiel auf Ungarn.


Herr Bauerdick, Sie sind Fotograf und Buchautor. Gerade ist Ihr Buch „Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk“ in der Deutschen Verlagsanstalt erschienen. Seit mehr als 20 Jahren befassen Sie sich mit der größten Minderheit in Europa. Was war der Anlass, so lange und so tief in die zigane Kultur und Gesellschaft einzutauchen?

Im Herbst 1990 fuhr ich erstmals nach Rumänien, um den Exodus der Siebenbürger Sachsen zu dokumentieren. Die meisten Deutschstämmigen wollten nur noch weg und sahen keine Zukunft mehr in Rumänien. Viele hatten ihre Häuser zu Spottpreisen an Zigeuner verkauft. Im Frühjahr darauf waren Fußböden und Dachbalken verfeuert, die Anwesen verwahrlost. Ich war einigermaßen befremdet ob dieses Verhaltens. Zugleich fühlte ich eine große Sympathie für diese Menschen. Sie waren warmherzig und freundlich und hatten einen unglaublichen Sinn für Humor. Zugleich maßen sie materiellen Dingen wenig Wert bei und schenkten ihrem Lebensumfeld kaum Beachtung. Jedenfalls weckten sie in mir das das, was jedem Journalisten eigen ist: die Neugierde. Schnell wurde mir klar: mit den Erklärungsmustern meiner gutbürgerlich westfälischen Sozialisation würde ich das Leben dieser Menschen nicht verstehen können, würden mir ihre Art zu denken und zu fühlen fremd bleiben. Mittlerweile habe ich mehr als einhundert Reisen zu den Zigeunern unternommen. Vieles bleibt mir noch immer verschlossen, doch ich hoffe, ein wenig gelernt zu haben.

Sie sprechen, was hierzulande außergewöhnlich ist, nicht von „Sinti und Roma“, sondern ganz bewusst von „Zigeunern“. Warum?

Aus Respekt vor den Menschen, die sich selbst Tzigani, Cigány oder wie in Spanien Gitanos nennen. Natürlich würde ich keinen Sinto als Zigeuner bezeichnen, wenn er das nicht möchte. Entscheidend ist, wie die Bezeichnung benutzt wird. Die Zigeuner, die ich kenne, sind lebensklug genug, um zu unterscheiden. Sie messen den Sinn von Begriffen daran, wie man die Worte meint. Ob abwertend, gehässig und beleidigend oder gewogen, mit einem offenen und wohlwollenden Blick. Es sollte uns zu denken geben: obwohl sich die politisch korrekten Begriffe „Sinti und Roma“ immer mehr durchsetzen, ist die Sympathie für die Minderheit damit keineswegs gewachsen.

Trotzdem: Setzen Sie sich mit dem Wort „Zigeuner“ nicht dem Vorwurf des Antiziganismus aus?

Höchstens bei Leuten, die keine Bücher lesen. Allerdings reagieren manche „Sinti und Roma-Freunde“, sobald das Wort „Zigeuner“ fällt, mit Pawlowschem Reflex. Der Vorwurf des Antiziganismus kommt jedoch zumeist aus dem Milieu von Funktionären und Akademikern. Kaum von Leuten, die in den Vierteln mit den Roma an einer Verbesserung ihrer realen Lebensumstände arbeiten. Die haben andere Sorgen. Wir haben es bei den Kritikern des Antiziganismus teilweise mit einer selbstgerechten Empörungsclique zu tun, von denen viele noch nie im Leben eine Roma-Siedlung betreten haben. Mir ist ein persönlicher Fall aus dem ungarischen Dorf Kálló bekannt, in dem ein Antiziganismusforscher beim Besuch einer von Zigeuner bewohnten Straße panisch reagierte und sich weigerte, den Ort zu betreten. Der Mann hatte Angst, obwohl die Leute ungemein freundlich waren.

Ich habe den Eindruck, es findet ein Kampf um die Deutungshoheit bestimmter Begriffe statt. Um semantische und moralische Macht. Wer das Wort „Zigeuner“ verwendet, wird schnell als Nazi und Rassist abgestempelt. Das ist grotesk. Nehmen wir als Beispiel das in Köln stattfindende „Zigeunerfestival“, ein europäisches Musikfest, veranstaltet von deutschen Sinti. Gleichwohl wurden ob des Namens Vorwürfe laut. Vor ein paar Tagen erschien ein überaus sehenswerter Bericht über das siebenbürgische Dorf Deutsch-Weißkirch in dem Kultursender ARTE. Darin kamen auch Zigeuner zu Wort. Man hörte, dass sie von sich als „Tzigani“ sprachen. In der Übersetzung wurde daraus „Roma“. Manche mögen das respektvoll empfinden. Ich empfinde das als Missachtung.

Ist das politisch korrekte Begriffspaar „Sinti und Roma“ überhaupt zur Umschreibung der ethnisch breit gefächerten Minderheit geeignet?

Nein. Landläufig gilt „Roma“ als ein Überbegriff, der die Sinti als Untergruppe mit einschließt. „Sinti und Roma“ wäre also etwa wie „Franken und Deutsche“. Deutsche Sinti verstehen sich in der Regel aber nicht als Roma. Im Gegenteil. Es gibt auch weitere Gruppen von Zigeunern, die sich selbst nie Roma nennen würden, etwa die französischen Manouches, polnische Lovara oder spanischen Kalé. Kein Kalé bezeichnet sich als Roma. „Soy gitano!“ sagen sie stolz. Ich bin Zigeuner.

Wenden wir uns Ungarn zu. Wenn ich Zigeuner und ihre Siedlungen sehe, bin ich hin- und hergerissen. Einerseits empfinde ich Mitleid und sehe, dass man helfen muss. Hinzu kommt Bewunderung. Ich denke mir, die Menschen müssen einen ungeheuren Lebenswillen und Stolz haben, um unter solchen Umständen überhaupt leben zu können: Oft genug ohne fließend Wasser, Sanitäreinrichtungen, Heizung, mit defektem Dach. Zuletzt aber frage ich mich: Warum ist es den Menschen in mehr als 20 Jahren seit der Wende nicht gelungen, aus solchen elenden Verhältnissen herauszukommen? Können Sie meine widersprüchlichen Gedanken verstehen?

Ja natürlich. Aber das Thema ist sehr komplex. Einige schaffen den Aufstieg und kommen aus den Siedlungen, die Sie ansprechen, heraus. Neunzig Prozent der Menschen jedoch verbleiben in der bestehenden Situation, es ändert sich gar nichts. Die Arbeitslosenquote unter ungarischen Roma liegt meines Wissens bei achtzig Prozent, teilweise sogar höher. Sie leben mehr schlecht als recht von öffentlichen Hilfen und sind seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr am Erwerbsleben beteiligt. Es gibt, gerade in Ortschaften mit hohem Minderheitenanteil, nicht genug Möglichkeiten, sich beruflich einzugliedern. Wir sprechen hier durchaus von einem eklatanten Versagen der Mehrheitsgesellschaft, aus deren kapitalistischem Wirtschaftssystem die Roma herausfallen. Mittellose Ungarn, Bulgaren und Rumänen allerdings auch.

Wie sieht es mit Appellen an die Eigenverantwortung der Roma aus? Über die Mehrheitsgesellschaft und ihre Versäumnisse wird oft und auch zu Recht gesprochen. Demnach sind Roma Opfer von Diskriminierung. Diese verhindere ihre Integration und ihren Aufstieg, ihre Teilnahme am Leben der Gesellschaft. Hat die Medaille zwei Seiten oder trägt die Mehrheitsgesellschaft die alleinige Verantwortung?

Wir brauchen Anstrengungen auf beiden Seiten, um die immensen sozialen Schwierigkeiten zu lösen. Es bringt gar nichts, wenn man den Eindruck erweckt, Zigeuner seien immerzu Opfer der Mehrheitsgesellschaft und hätten selbst keine Möglichkeit, ihr Leben zu bestimmen. Unstrittig ist, dass Roma diskriminiert werden. Das hat bei vielen allerdings auch soziale Verhaltensweisen hervorgebracht, die ihrerseits die Ausgrenzung befördern. Hier fehlen auf Seiten der Zigeuner oft die Eigeninitiative und der Mut zur Selbstkritik. Darüber sprechen wir nicht unbefangen. Gerade in Deutschland scheut man sich wegen unserer NS-Vergangenheit, die Roma in die Verantwortung zu nehmen. Das ist verhängnisvoll. Menschen, denen man nichts abverlangt, traut man im Allgemeinen nichts zu. Etwa das Bestehen auf die Einhaltung der Schulpflicht. Das ist für mich die subtilste Form von Rassismus.

Wenn es um Lösungsansätze geht, scheinen einige Angehörige der Roma-Minderheit weiter zu sein als jene Roma-Freunde, die ihr Wissen aus Büchern und Zeitungen schöpfen. István Forgács, ein hoch gebildeter ungarischer Rom, sprach in einem drastischen Appell die Bedeutung von Eigeninitiative, Integration und Bildung an. Er betonte zudem, die Roma müssten verstehen, dass sie auf die Mehrheitsgesellschaft angewiesen seien. Dort lägen die Ressourcen. Es gibt auch andere Angehörige der Minderheit in Ungarn, die es weit gebracht haben, etwa die liberale Politikerin Viktória Mohácsi und Lívia Járóka, die für die Fidesz-Partei im EU-Parlament sitzt. Wie ist der Einfluss dieser Personen auf die große Masse der Roma? Sind sie Vorbilder?

Wer aufrichtig und verantwortungsbewusst für die Rechte der Roma kämpft, ist gewiss ein Vorbild. Wen ich in meinem Buch kritisiere, sind die sogenannten Kongress-Roma, die von Vortrag zu Vortrag reisen, um mit immergleicher Opferrhetorik die Situation ihres Volkes zu beklagen. Leider verliert der eine oder andere Menschenrechtler dabei den Bezug zu denjenigen, deren Misere er eigentlich abschaffen will. Was es wirklich braucht, ist ein wirtschaftlich funktionierender Mittelstand unter den Zigeunern. Unternehmer, Geschäftsleute, Handwerker, die für ihre Leute Arbeitsplätze und für die Jugend Ausbildungsplätze schaffen. Es mangelt an Menschen, die etwas aufbauen und die eigene Minderheit produktiv unterstützten. Stattdessen werden neue Studien erstellt und ein Kongress jagt den nächsten.

In Ungarn wie auch international gab es heftige negative Reaktionen auf das von der Regierung initiierte öffentliche Beschäftigungsprogramm: Empfänger von Sozialhilfe, unter ihnen viele Roma, müssen für einen minimalen Lohn arbeiten, sonst verlieren sie ihre finanziellen Ansprüche. Kritiker sprachen von „Zwangsarbeit“.

Es sollte einen dritten Weg geben, zwischen entwürdigender Billiglohnarbeit und lebenslanger staatlicher Alimentierung. Nur ist es nicht einfach, große Teile der Roma in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das ist noch immer die Folge des Übergangs von der sozialistischen Planwirtschaft in die radikale Kapitalorientierung des Freien Marktes. Es gibt in den mittel- und südosteuropäischen Ländern einfach in nicht genügend anständig bezahlte und produktive Jobs. Mit Hilfsarbeiten und handwerklichen Tätigkeiten als Korbflechter, Verzinner oder Kesselflicker, die früher von Zigeunern bewerkstelligt wurden, kann man im dritten Jahrtausend nicht ankommen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der niemand mehr Messer schleifen oder Töpfe flicken lässt. In Rumänien sprach ich mit dem Roma-König Florin Cioaba. Auch er sah das Problem, dass Menschen, die nicht lesen und schreiben können, die nie gelernt haben sich selber zu achten und diszipliniert zu arbeiten, nur sehr schwer an den Arbeitsmarkt heranzuführen sind. Aber da ist der Politik bislang noch keine Alternative zu Kindergeld und Sozialhilfe eingefallen.

Ich denke, es geht nicht ohne Integration. Da gibt es sicher auch Ängste und Versäumnisse der Mehrheitsgesellschaft. Letztere werden auch breit diskutiert. Gibt es denn auf der anderen Seite auch unter Roma die Angst, bei der Integration könnte ihre Kultur, ihre Freiheit, ihre Eigenständigkeit Schaden nehmen?

Ja, die gibt es. Ich habe auch dort, wo die Integration gelungen ist, besorgte Stimmen von Zigeunern gehört, die um ihre Kultur fürchten. Die jungen Leute kleiden sich wie die Gadsche, hören deren Musik, gehen in deren Diskos und eifern deren Idolen nach, was man als Zeichen der Integration ansehen könnte. Aber nicht allen gefällt das. Viele, vor allem standesbewusste Roma fürchten, in einer globalen, auf materielle Werte und Konsum ausgerichteten Welt althergebrachte Traditionen zu verlieren. Sie haben Angst vor einer Assimilation, die nicht nur ihre Autorität abbaut, sondern ihnen auch das raubt, was die Stärke der ziganen Kultur ausmacht: der familiäre Zusammenhalt und der Gemeinschaftssinn.

Integration beginnt mit Bildung. In Ungarn gibt es seit 1992 das von Roma-Organisationen gestiftete Gandhi-Gymnasium nahe Pécs, was ich als Leuchtturmprojekt bezeichnen würde. Auf der anderen Seite muss, gerade im staatlichen ungarischen Schulsystem, noch viel für Integration getan werden. Ich denke da an die weit verbreitete frühe Zuweisung von Roma-Kindern in Sonderschulen. Auch soll es Fälle geben, in denen junge Zigeuner nicht am Schwimmunterricht teilnehmen durften. Das ist natürlich keine Basis für Integration. Was haben Ihnen Ihre Gesprächspartner bezüglich Diskriminierung im staatlichen Schulsystem berichtet?

Dass sie ein echtes Ärgernis ist. Die ehemalige liberale Europaabgeordnete, Viktória Mohácsi, eine ungarische Oláh-Zigeunerin, die im letzten Jahr nach Kanada ausgewandert ist, hat mir erschütternde Erfahrungen aus ihrer Schulzeit berichtet. Als Zigeunerin wurde sie mit ihren Cousinen schon bei der Einschulung in die letzte Reihe gesetzt, ausgegrenzt, ohne Gelegenheit zur aktiven Teilnahme am Unterricht, ausgeschlossen von der Klassengemeinschaft. Viele in der Mehrheitsgesellschaft wissen gar nicht, wie verletzend und entwürdigend ihr Verhalten ist.

Die unkritische Zuweisung von Roma-Kindern in Sonderschulen ist ein großes Problem. Allerdings ist es grundverkehrt, dies immer nur einer rassistischen Gesinnung der Lehrer anzulasten. Ich habe Dutzende Schulen besucht, in denen junge Roma beim Schulantritt der Entwicklung der Gadsche-Kinder weit hinterherblieben. Was nicht verwundert. Diesen Kindern fehlte es in ihren Familien an Förderung. Sie hatten keinen Kindergarten besucht und vor ihrem ersten Schultag nie einen Schreibstift oder ein Malbuch in der Hand gehabt. Diese Kinder sind in der Regelschule gemeinhin überfordert. Der Irrtum besteht jedoch darin, diese Jungen und Mädchen für lernbehindert zu halten. Viele sind lediglich lernverhindert.

Was muss die Mehrheitsgesellschaft im Bezug auf das Schulsystem tun, um die Minderheit besser zu integrieren und jungen Roma zum Abschluss zu verhelfen? Mehr Gandhi-Gymnasien oder eine Reform des staatlichen Schulsystems?

Die Segregation im staatlichen Schulsystem muss beendet werden. Nach meiner Einschätzung ist auch eine Zuweisungsquote von zwanzig Prozent und darüber in Sonderschulen viel zu hoch. Damit ist die Laufbahn von Schulkindern praktisch mit dem ersten Schultag verkorkst. Hingegen habe ich oft erlebt, bei gezielter individueller Förderung in kleinen Klassen saugen die Kinder alles Wissen auf wie ein Schwamm. Sie blühen auf. Dazu müssen Kommunen und Länder allerdings auch die personellen und finanziellen Ressourcen haben. Da fehlt es leider oft.

Die Schulschwänzer- und Schulabbrecherquote sowie der Analphabetismus sind unter Roma überdurchschnittlich. Es kam der Vorschlag auf, den Bezug von Sozialhilfe von Eltern an den Schulbesuch ihrer schulpflichtigen Kinder zu knüpfen. Was halten Sie von solchen recht drastisch klingenden Ideen?

Vorzugswürdig sind natürlich freiwillige Konzepte der Integration, wie sie in manch einer überschaubaren kommunalen Struktur funktionieren. Zum Beispiel in Viscri (Deutsch-Weißkirch) in Rumänien. Dort haben sich eine engagierte sächsische Bürgermeisterin, der Gemeinderat und die Lehrerinnen vorbildlich für die Roma-Kinder eingesetzt und deren Eltern von der Notwendigkeit von Bildung überzeugt. Das ist noch eine Ausnahme. In vielen rumänischen Ortschaften leben die Tzigani in solch extremer Armut, dass sie der schulischen Ausbildung ihrer Kinder kein Interesse entgegenbringen. Bei jeder westeuropäischen Familie würden sich Jugendämter und Sozialfürsorge einschalten. Man würde sogar danach rufen. Bei den Roma ist das oft anders. Die bloße Ankündigung staatlicher Sanktionen lässt die vermeintlichen Anti-Rassisten aufschreien. Nur ist der Verzicht auf Zwangsmaßnahmen kein Akt der Humanität, sondern Ausdruck von fataler Gleichgültigkeit. Unnötig zu debattieren, dass staatliche Restriktionen dann allerdings nicht nur die Roma, sondern alle Bürger treffen müssen, die ihre Kinder verwahrlosen lassen.

Sie haben Tatárszentgyörgy besucht, den Schauplatz eines von mehreren schrecklichen Morden an Mitgliedern der Roma-Minderheit in Ungarn in den Jahren 2008-2009. In Ihrem Buch beschreiben Sie in bedrückender Weise den Mordanschlag. Was waren Ihre Eindrücke aus den Gesprächen mit den Zigeunern vor Ort?

Die Menschen waren aufgebracht, oft aber auch nur müde, weil sie sehr oft befragt worden waren. Der Doppelmord von Tatárszentgyörgy nimmt in meinem Buch ein eigenes Kapitel ein. Hier berichte ich von Vertuschungsversuchen der Behörden und dilettantischer Ermittlungsarbeit. Die damalige EU-Abgeordnete Viktória Mohácsi setzte sich unterstützt von Budapester Kriminalisten dafür ein, dass die Wahrheit ans Licht kam. Was nicht leicht war: Offenbar wurde von Behördenseite sehr schnell versucht, den Mord von Tatárszentgyörgy als tragischen Unfall darzustellen. Dabei waren die Schusswunden der beiden Todesopfer deutlich erkennbar.

Mir fällt, als ein weiterer Ort unter vielen, Gyöngyöspata ein. 2011 traten dort rechtsradikale „Bürgerwehren“ martialisch auf, die Zigeuner im Ort wurden eingeschüchtert, es kam sogar zu einzelnen gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Ordnungskräfte griffen zu spät ein. Haben die Roma sich Ihnen gegenüber über diese Garden geäußert?

Ja. Sie äußerten Angst, auch Wut. Ich verstehe das. Ich selbst hege eine Abneigung gegen alles, was mit Uniformen und knallenden Stiefeln herummarschiert. Nur sollte man fairerweise nicht verschweigen, dass diese Garden erblühten, nachdem eine liberale ungarische Justiz die Mehrheitsbevölkerung vor einer ausufernden Kleinkriminalität nicht schützte. Dass ist übrigens auch die Meinung des Woiwoden Attila Lakatos, der von seinen eigenen Leuten mächtig Ärger bekam, als er erklärte, die vielen Diebereien hätte diese „Monstergarden“ überhaupt erst hervorgebracht.

Gerade bei Gyöngyöspata wurde international sehr breit über die Vorgänge berichtet. Dass der Staat hier komplett versagt hat beim Schutz seiner Staatsbürger, wurde auch bei Hungarian Voice thematisiert. Ich möchte heute auf einen anderen, weniger beachteten Aspekt hinaus: Ich kann mich an keinen deutschsprachigen Pressebericht erinnern, der im Fall Gyöngyöspata die Mitglieder der dortigen Mehrheitsbevölkerung nach ihren Sorgen, Ängsten und Empfindungen befragt hätte. Ich hatte seinerzeit ein Interview mit dem Winzer Bálint Losonci veröffentlicht. Er sprach von alltäglichen Diebstählen und Kleinkriminalität, dem „Sterben“ ganzer Dorfteile, von der Angst alter Menschen. Phänomene, die im Wesentlichen von einigen wenigen Zigeunerfamilien am Ort ausgingen. Warum besteht so wenig Interesse für die Sorgen der Mehrheitsgesellschaft?

Ich teile Ihre Beobachtung. Ich habe diese sterbenden Dörfer besucht, in denen kein Hahn mehr kräht, keine Kuh mehr weidet und kein Schwein mehr gemästet wird, und die kleinbäuerliche ungarische Lebenskultur vor die Hunde geht. Alles wird gestohlen. In dem beschaulichen Dorf Kálló beispielsweise war der Niedergang mit Händen greifbar. Auch dort fielen nur wenige Roma-Familien strafrechtlich auf, worunter nicht nur die ethnischen Ungarn, sondern auch die große Mehrheit der gesetzestreuen Zigeuner litt. Der Graben, der Kálló entzweite, verlief nicht nur zwischen Mehrheit und Minderheit, vielmehr zwischen unbescholtenen Dörflern und Kriminellen, die von Polizei und Justiz anscheinend unbehelligt blieben.

Dazu passt es, dass mich meine Gesprächspartner in Ungarn oft genug darauf hinweisen, dass man in Deutschland keine Ahnung habe, wovon man spreche, wenn es um das oftmals schwierige Zusammenleben zwischen Mehrheit und Roma-Minderheit geht. Es fehlen nach Auffassung der Ungarn zumeist eigene Erfahrungen.

Es ist nicht ganz falsch, dass in manchen deutschen Medien der Eindruck dominiert, Ungarn sei ein Land voller Nationalisten und Rassisten. Bei dieser Schwarzweißmalerei sind die Roma grundsätzlich die Opfer und die Ungarn immer die Täter. Vielen passt es nicht ins Konzept, die Sorgen der Mehrheitsbevölkerung vorurteilsfrei zu thematisieren. Kurios ist, dass die grassierende Kriminalität von verantwortungsbewussten Meinungsführern der Zigeuner angeprangert wird, nicht jedoch von der moralischen Avantgarde der Gadsche. Westeuropäische Intellektuelle attestieren den Roma jederzeit, als Opfer der Gesellschaft um ein eigenverantwortliches Leben betrogen zu sein. Aber sie schweigen allesamt, wenn bulgarische Zigeuner Hunderte junger Frauen auf den Dortmunder Straßenstrich schicken und skrupellose Verbrecher in Mailand oder Marseille nachts in Hinterhöfen apathischen Kindern das Bettelgeld abknöpfen. Oder um in Ungarn zu bleiben, wenn ein Roma-Arbeitgeber Dutzende seiner eigenen Leute im Sommer zur Ernte auf die Erbsen- und Erdbeerfelder rund um Kartal schickt. Für einen Stundenlohn von weniger als einem Euro.

Ihre Aussagen führen mich zu einer weiteren Frage: Wie sieht es mit Kriminalität von Zigeunern gegenüber Zigeunern aus?

Da gibt es Probleme. Etwa den Menschenhandel und die Zwangsprostitution, die vermehrt auch in deutschen Städten wie Mannheim, Dortmund oder Duisburg auftreten, wo junge Roma-Frauen längst das Gros der Prostituierten in den Bordellen ausmachen. Ich habe in diesem Milieu recherchiert und ärgere mich über die ständig kolportierte Erklärung, es sei die Armut, die diese Frauen in die Prostitution treibt. Nein. Diese Erklärung ist zynisch. Es ist die Gier der Männer, die die Frauen auf den Strich zwingt. Keine Frau setzt sich freiwillig in Bulgarien in einen Bus, um sich in Deutschland zu verkaufen, in einem Land, wo sie nicht einmal ein Straßenschild lesen kann. Es sind skrupellose Zuhälter, die die Frauen herbringen. Ein weiteres Übel ist die „Zinsknechtschaft“. Weil mittellose Roma-Familien keine Chance haben, von einer öffentlichen Bank ein Darlehn zu erhalten, werden ihnen Wucherkredite von Neureichen aus ihren eigenen Reihen gewährt. Nur sind die Zinsen so hoch, dass diese Menschen ihre illegalen Verbindlichkeiten nie tilgen können. Bevor sie dann unter der Last der Schulden zusammenbrechen, werden viele zum Betteln nach Westeuropa geschickt. Das Geld wird ihnen natürlich sofort wieder abgeknöpft.

Menschenhandel, Nötigung und Kreditwucher sind gesetzes- und sittenwidrig. Warum versagt der Staat bei der Durchsetzung? Wenden sich die Opfer nicht an die Behörden?

Viele Opfer misstrauen den Einrichtungen der Nichtzigeuner, der weißen Gadsche. So auch den Ordnungskräften. Das ist historisch gewachsen und verständlich, weil die Roma mit der Polizei selten gute Erfahrungen verbinden. Oft wird eine Strafanzeige gegen Mitglieder der eigenen Ethnie auch als Verrat angesehen. Zudem spielt ein stark hierarchisch geprägtes Gesellschaftsbild eine Rolle. Man klagt sein Recht nicht ein, sondern beugt sich den Mächtigen. Und das sind immer weniger die traditionellen Woiwoden und Patriarchen, sondern die neureichen Kredithaie.

Was kann man bei der Diskussion über das Thema „europäische Zigeuner“ besser machen?

Der Konfrontationismus muss enden. Die Roma werden hüben wie drüben in der politischen Debatte missbraucht. In Ungarn haben liberale Ideologen und rechte Hetzer den Hass zwischen Zigeunern und Ungarn geschürt, um sich selber als die bessere politische Alternative anzupreisen. Die einen marschieren als selbsternannte Retter von Volk und Vaterland, die anderen blasen sich auf als Verfechter abstrakter Menschenrechte. Missbraucht werden die Zigeuner von beiden Lagern. Das ist in Deutschland ähnlich. Die Rechten verteufeln die Zigeuner und bekommen dabei nicht mit, wie sie ihr eigener Hass zerfrisst, die Linken missbrauchen ihre „Sinti und Roma“ als Objekte einer bloß imaginären Fürsorge bei ihrer antikapitalistischen, antirassistischen und antifaschistischen Gesellschaftskritik. Allzu lange taugten die Zigeuner nur als Spielgeld politischer Machtkämpfe. An der wirklichen Lösung ihrer Probleme, unter Einforderung ihrer Mitwirkung, waren bislang nur wenige interessiert. Das muss sich ändern.

Was wünschen Sie für Zukunft des Zusammenlebens?

Für die Mehrheitsgesellschaften einen wohlwollen Blick, der sich bemüht, das Leben der Roma zu verstehen. Den Zigeunern, von mir aus auch den Roma, wünsche ich ein Selbstbewusstsein, das es den Mehrheitsgesellschaften erleichtert, die zigane Kultur tatsächlich als eine Bereicherung zu erfahren. Das wäre nicht die schlechteste Voraussetzung für ein respektvolles Miteinander. Abstrakte politische Rahmenrichtlinien für eine gelungene Integration zu entwerfen, das ist nicht meine Sache. Als Journalist vertraue ich lieber den Erfahrungen aus realen Begegnungen. Außerdem bin ich Katholik. Und ein solcher muss quasi per definitionem hoffnungsvoll und zuversichtlich in die Zukunft schauen.

Herr Bauerdick, ich bedanke mich vielmals für das Interview.

Buchtipp:

Rolf Bauerdick, Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk, 352 Seiten, 33 s/w Fotos, DVA Sachbuch, Preis: 22,99 Euro (empfohlener Verkaufspreis)

Rolf Bauerdick, Jahrgang 1957, lebt im westfälischen Münsterland. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Theologie wurde er Journalist. Er hat Reportagereisen in rund sechzig Länder unternommen; seine Text- und Bildreportagen erscheinen in europäischen Tageszeitungen und Magazinen und sind vielfach ausgezeichnet. Sein viel beachteter Roman „Wie die Madonna auf den Mond kam“ ist zur Zeit in zwölf Sprachen übersetzt und erhielt den Europäischen Buchpreis 2012 in der Kategorie „Roman“.

Rolf Bauerdick im Gespräch über sein neues Buch „Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk

Der Autor und Fotograf Rolf Bauerdick, Verfasser des Buches „Zigeuner – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk„, in der Sendung „Sozusagen – Bemerkungen zur deutschen Sprache“:

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/sozusagen/22-03-2013sozusagen-100.html

Rolf Bauerdick über Begriffsmonopole und das „Z-Wort“ als Gegenmodell zum politisch korrekten Begriff des „Rotationseuropäers“…

Hintergrund.de über ungarische Zwangsarbeit „nach deutschem Vorbild“

Das mir bislang unbekannte Portal „Hintergrund.de“ befasst sich mit dem Thema „Zwangsarbeit“ in Ungarn. Hintergrund sieht bereits „Arbeitslager“ und „Polizeibewachung“… Einige Auszüge:

Ungarn steht vor der Einführung einer allgemeinen Zwangsarbeit für alle bisherigen Sozialhilfeempfänger. Somit holt sich die erzreaktionäre ungarische Rechtsregierung um Premier Viktor Orban wieder einmal die Inspiration für ein faschistoides Politikvorhaben aus Deutschland. Budapest verankerte bereits eine „Schuldenbremse“ nach deutschem Vorbild in der ungarischen Verfassung. Diese Parallelen gibt es auch beim jüngsten Vorstoß: Ähnlich dem Konzept der „Ein-Euro-Jobs“ innerhalb der Hartz-IV-Arbeitsgesetze, die von der rot-grünen Regierungskoalition 2005 durchgesetzt wurden, soll künftig allen arbeitslosen Ungarn jedwede Sozialhilfe gekappt werden, die sich der Zwangsarbeit in „öffentlichen Arbeitsprogrammen“ verweigern.“

Von diesen Maßnahmen wird hauptsächlich die Minderheit der ungarischen Roma betroffen sein, die Rund 7,5 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Aufgrund allgegenwärtiger Diskriminierung herrscht unter den Roma in Ungarn – die während des real existierenden Sozialismus zumeist in den längst abgewickelten Industriekombinaten und in der Landwirtschaft arbeiteten – derzeit eine Arbeitslosenquote von mehr als 50 Prozent.“

Ungarn müsse „auf den Pfad einer auf Arbeit basierenden Ökonomie zurückkehren, die Bürger müssen verstehen, dass es keinen Weg zum Reichtum durch Spekulation gibt“, tönte Orban bei einer Parlamentsansprache Ende Juni in Anlehnung an ordinär faschistische Arbeitshausideologie.“

Die Arbeitslosenquote von mehr als 50 Prozent (es sind übrigens annähernd 80%!) unter den Roma erklärt nur derjenige mit „allgegenwärtiger Diskriminierung“, der von Ungarn keine Ahnung hat und ein von Ideologie geprägtes Bild zeichnen will. Differenzierter als die Einschätzung von Herrn Konicz ist der Beitrag auf Deutschlandradio mit Rolf Bauerdick, der hier nochmals wärmstens empfohlen wird. Bauerdick gelingt es, einerseits auf die Probleme von Antiziganismus und Diskriminierung einzugehen, ohne dabei aber die Roma als reine Opfer darzustellen: Seiner Auffassung nach muss auch die Roma-Bevölkerung deutlich mehr tun und die „Skepsis gegenüber der Bildung ablegen“, um sich zu integrieren. Integration ist eben für jene, die keine ideologischen Feindbilder pflegen, keine Einbahnstraße.

Das vermeintlich „faschistische“ Ungarn unter seiner „reaktionären“ Fidesz-Regierung hat laut Pressemeldungen von letzter Woche übrigens ein Stipendienprogramm für Roma in Höhe von 1,5 Mrd. Forint aufgelegt. Zu wenig, könnte man rügen. In Anbetracht der Haushaltslage aber ein gutes Zeichen und laut Staatssekretär Zoltán Balog mehr, als für diesen Zweck jemals bereitgestellt worden ist. Die Zukunft wird zeigen, was der Zigeunerbevölkerung langfristig mehr zu helfen vermag: Eine fördernde und fordernde Bildungspolitik oder die Fortsetzung dessen, was wir in den letzten zwei Jahrzehnten gesehen haben: Das Hineindrängen der Roma in eine vermeintlich allein fremdverschuldete Opferrolle inkl. der Vermittlung des Eindrucks, es gäbe aus dieser keinen Ausweg. Wer die ungarische Politik beobachtet, der weiß, dass die politische Linke in Ungarn sich nur dann für die Roma interessiert, wenn man ihr Schicksal zu politischem Kapital schmieden kann.

Der Artikel hat etwas Gutes: Dank Konicz wissen wir nun, dass es in Deutschland Zwangsarbeit gibt. Glücklicherweise springt die Mainstream-Presse mit Deutschland nicht so um wie mit Ungarn.

Der Beitrag wurde auch von der marxistischen Tageszeitung „Junge Welt“ publiziert: http://www.jungewelt.de/2011/07-06/040.php