Devisenkredite: Ungarn als Vorbild?

Nach der jüngsten drastischen Aufwertung des Schweizer Franken scheint die Politik Ungarns, die das Ziel verfolgt, die Schuldenlast privater Haushalte in Fremdwährung in Landeswährung umzuschulden, gegebenenfalls Nachahmer zu finden. Die FAZ widmet sich dem Thema:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/nach-der-franken-freigabe-ist-ungarn-ploetzlich-ein-vorbild-13385326.html

Fremdwährungskredite: Staat will sich an Konvertierungskosten beteiligen

Der Standard und Reuters berichten, dass die ungarische Regierung einen Teil der Kosten übernehmen will, die sich aus der zwangsweisen Konvertierung von Fremdwährungskrediten ergeben. Die Regierung und die Banken legten ihre Differenzen bei und unterzeichneten ein Abkommen.

http://derstandard.at/1323916505727/Fremdwaehrungskredite-Ungarn-beteiligt-sich-an-Kosten-fuer-Konvertierung

http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE7BE09B20111215

Zu den Hintergründen:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/09/12/fremdwahrungskredite-osterreichische-banken-erbost-uber-umschuldungsoption/

Schweiz bindet Franken an den Euro – eidgenössische Währung fällt auf 230 Forint

Die Schweizer Nationalbank versucht, gegen den historisch starken Franken vorzugehen. Wie die SNB heute verkündete, will sie eine Mindestparität zum Euro von 1,20 CHF durchsetzen und ist – laut Focus-Bericht – bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen: „Die Schweizer Nationalbank toleriert ab sofort keinen Euro-Franken-Kurs unter 1,20.“ Diese Ankündigung führte zu einer deutlichen Abschwächung des Franken.

Die Schweizer Exportwirtschaft und die Tourismusbranche leiden derzeit unter den historischen Höchstständen der Landeswährung. Ursache ist u.a. die Angst der Investoren im Euro-Raum, die für Kapitalabflüsse in die Schweiz sorgt. Die Situation der Schweiz lässt erahnen, in welche Situation die Bundesrepublik währungspolitisch ohne den Euro geraten würde.

Ob die Maßnahme der SNB dauerhaften Erfolg verspricht, bleibt abzuwarten. Auch Notenbanken können sich auf dem Devisenmarkt nur beschränkt gegen eine große Zahl von Spekulanten durchsetzen. Insbesondere der Investor George Soros hat in den 90er Jahren als „der Mann, der die Bank von England besiegte“, Geschichte geschrieben: Er sorgte durch massive Leerverkäufe von Britischen Pfund (10 Mrd. GBP) für einen Ausstieg Großbritanniens aus dem Europäischen Währungssystem (EWS) und eine Abwertung der Währung. Soros´ Hedgefonds verdiente mit der Transaktion geschätzte 1,1 Mrd. Pfund.

Die Ankündigung hatte auch unerwartete positive Auswirkungen auf den ungarischen Markt. Viele Ungarn haben sich zur Finanzierung von Immobilien und Konsumgütern (wegen des niedrigeren Zinsniveaus) insbesondere ab ca. 2004 in Schweizer Franken verschuldet und wurden durch die Abwertung des Forint in den vergangenen Jahren buchstäblich „kalt erwischt“. In den vergangenen Wochen waren Kurse von um die 270 Forint pro Schweizer Franken gehandelt worden. Die Abwertung hat für Ungarn jedenfalls eine mildernde Wirkung für die Betroffenen in Ungarn. Ein Verdienst der ungarischen Wirtschaftspolitik, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Kreditnehmern zu helfen, ist dies freilich nicht.

Fremdwährungskredite: Staatliches Umschuldungsmodell initiiert

Die ungarische Regierung versucht, der großen Zahl von in Fremdwährung verschuldeten Kreditnehmern durch ein Umschuldungsmodell zu helfen. Wie der Tagesanzeiger berichtet, sollen Kreditnehmer ihre Darlehen in Schweizer Franken bis Ende 2014 zu einem festen Wechselkurs von 1 CHF = 180 HUF zurückführen können. Der tatsächliche Wechselkurs liegt derzeit in etwa bei 219 HUF pro Schweizer Franken. Die Differenz zum realen Wechselkurs soll dann ab 2015 über eine Laufzeit von mehreren Jahren zurückgeführt werden können. Faktisch handelt es sich um ein Umschuldungsmodell mit der Möglichkeit einer Streckung der Tilgung.

Ferner versucht die Regierung, mit einem Versteigerungsmoratorium, das stufenweise fallen soll, die Wohnungslosigkeit überschuldeteter Eigentümer zu verhindern. Auch ein öffentliches Immobilienerwerbsprogramm ist geplant: Der Staat würde hier Wohnungen von den in Schwierigkeiten geratenen Darlehensnehmern erwerben und diese dann an diese vermieten.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Budapest-friert-den-Kurs-fuer-Frankenkredite-ein-/story/18954223

Forint legt gegenüber EUR zu

Die ungarische Landeswährung befindet sich seit Beginn des Jahres im Aufwärtstrend gegenüber dem Euro. Während Anfang Dezember 2010 für einen Euro noch bis zu 280 Forint bezahlt werden mussten, wird der EUR augenblicklich mit ca. 267 HUF gehandelt. In der Spitze lag die EUR/HUF-Parität im Jahr 2010 bei 290.

Würde der Forint bis auf 262 pro EUR zulegen, wären die im Jahre 2010 eingetretenen Verluste fast vollständig ausgeglichen.

Gegenüber dem Schweizer Franken schwächelt die ungarische Währung weiterhin, was für die große Zahl ungarischer Bankkunden, die ihre Konsum- und Immobilienkredite auf Grundlage des Schweizer Franken aufgenommen hatten, weiterhin deutliche Mehrbelastungen bedeutet. DIe Regierung Orbán hatte im Jahr 2010 ein Moratorium beschlossen, um Zwangsversteigerungen selbstgenutzter Immobilien wegen der Überschuldung ihrer Eigentümer vorerst zu verhindern.