Rumänische Politikerin rastet wegen (angeblich) geplanter Lokalwährung aus

Zetermordio!! Wieder ein Angriff auf die rumänische Nation. Wieder diese Székler! Ein Fall für Brüssel, ruft das EU-Parlament ein. Spitzt den  UN-Sicherheitsrat an!

Spaß beiseite. Punkto.ro berichtet unter der Überschrift

„Heimische ungarische Ultranationalisten wollen angeblich eigene Lokalwährung einführen“

über die Empörung einer liksradikalen (so punkto.ro) rumänischen Senatorin namens Lia Olguta Vasilescu. Die Dame ist Mitglied der Sozialdemokraten, früher war Sie bei der PRM – Großrumänien-Partei (huch!) – beheimatet. Vasilescu beschuldigt die „ungarischen Ultranationalisten“

in Rumänien „die Einführung einer eigenen, SIC genannten, Lokalwährung vorzubereiten, die im sogenannten Szeklerland bzw. in den siebenbürgischen Landeskreisen Harghita, Covasna und Mures in Umlauf gebracht werden soll“. Als Beweis für ihre Behauptungen führte die Senatorin in den rumänischen Nachrichtensendern und auch auf ihrem Blog ein Muster des angeblichen 1-SIC-Geldscheins vor. Das Vorhaben stelle „einen direkten Angriff auf die Souveränität des rumänischen Staates“ dar, sagte Vasilescu am Freitag in der südrumänischen Stadt Craiova“ .

Um Himmels Willen, eine Lokalwährung! Noch dazu in Siebenbürgen, also selbstredend von „Ultranationalisten geplant“. Wollen die (ca. 700.000) Székler, die manch einen Rumänen schon mehrmals hintereinander durch das Abräumen der nationalen Eishockeymeisterschaft gedemütigt zu haben scheinen, jetzt auch noch den Leu (eine Währung für ca. 21 Mio. Rumänen) zugrunde richten? Bei realistischer Betrachtung wohl kaum.

Vielmehr kann offenbar der eine oder andere Politiker keine regional begrenzte – und volkswirtschaftlich eher bedeutungslose – Maßnahme der ungarischen Minderheit mit Gelassenheit und einem Lächeln, gegebenfalls sogar mit einem Augenzwinkern quittieren. Lieber krakelt eine ehemalige Politikerin der Großrumänien-Partei  (PRM) über „Ultranationalisten“ .

Wer ist die PRM, die ehemalige politische Heimat von Frau Vasilescu? Eine Partei, die noch heute so sympathische Persönlichkeiten wie Nicolae Ceausescu und Ion Antonescu zu ihren Vorbildern zählt, die gegen Roma, Ungarn, Homosexuelle hetzt und lange antisemitisch und den Holocaust leugnend auftrat. Und natürlich strebt die Partei – der Name ist schließlich Programm – Gebietvergrößerungen Rumäniens an. Fällt etwas auf? Man könnte vom rumänischen Pendant der  ungarischen rechtsradikalen „Jobbik“ sprechen. Der in Mittelosteuropafragen nicht übermäßig informierte Leser mag überrascht sein über die Existenz einer solchen Partei (EU-Parlamenstwahl 2009: 8,7%), was wohl daran liegt, dass man über diese Strömung, anders als über das ungarische Pendant, in der deutschsprachigen Mainstream-Presse so wenig hört und liest. Trotz des recht beachtlichen Wahlergebnisses 2009. Ein kleiner Google-Test bestätigt die Vermutung: „PRM Rumänien“ brachte 18.500 Treffer, „Jobbik Ungarn“ 133.000. Über die Gründe kann sich jeder sein eigenes Bild machen.

Aber zurück zum SIC, dem „Angriff auf die rumänische Souveränität“. Vielleicht sollte sich Frau Vasilescu zwei Beispiele ansehen, beide in einem geeinten Europa. Beides Exempel dafür, dass Lokalwährungen kaum geeignet sind, die „Souveränitet eines Staates“ zu untergraben.

Beispiel 1: Der „Chiemgauer“ in Südbayern. Eine Lokalwährung, die weder zur Abspaltung Bayerns von der Bundesrepublik geführt hat (die Bayernpartei fordert das übrigens bis heute), noch zu einer Gefährung des Euro. Letzteres haben andere besorgt. WELT Online berichtete vor einigen Jahren über das Projekt:

http://www.welt.de/finanzen/article3342691/Der-Siegeszug-alternativer-Waehrungen.html

Beispiel 2: Der „Blaufranken“ aus Sopron (dt. Ödenburg). Ein währungsähnliches regionales Gutscheinsystem, welches der Belebung der lokalen Wirtschaft dienen soll.

http://hu.wikipedia.org/wiki/Soproni_k%C3%A9kfrank

Weitere Beispiele findet man in Österreich und in der Schweiz – letztere verfügt über zwei Alternativwährungen, eine davon (der „WIR“) ist laut Wikipedia die größte weltweit.