FAZ über die Auswüchse des slowakischen Staatsbürgerschaftsrechts

Reinhard Olt berichtet:

„Die Slowaken nehmen einer 100 Jahre alten Frau die Staatsbürgerschaft – dabei wurde sie für ihre Verdienste schon mit der Goldmedaille der Slowakischen Republik ausgezeichnet.“

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/slowakei-und-ungarn-ilonkas-langer-weg-zurueck-11773230.html

 

Positive Zeichen aus Bratislava: Fico will Staatsbürgerschaftsrecht ändern

Einem Bericht des Online-Nachrichtenportals Index zufolge hat sich der designierte slowakische Ministerpräsident Robert Fico für eine Änderung des slowakischen Staatsbürgerschaftsgesetzes ausgesprochen. Fico sagte, das Gesetz müsse überarbeitet werden – es dürfe nicht sein, dass Bürger eines anderen EU-Staates die slowakische Staatsangehrigkeit verlören, nur weil sie die Staatsbürgerschaft eines anderen EU-Lande annähmen. Fico sprach sich allerdings dafür aus, die Vergabe der Staatsangehörigkeit an den Wohnsitz zu knüpfen.

http://index.hu/kulfold/2012/03/24/fico_valtoztatna_az_allampolgarsi_torvenyen/

Nach dem aktuellen, vom früheren Kabinett Fico (und Slota) verabschiedete Staatsbürgerschaftsrecht sieht vor, dass ein slowakischer Bürger, der (z.B.) die ungarische Staatsbürgerschaft annimmt, die slowakische automatisch verliert. Das Gesetz war wegen der großen ungarischen Minderheit in der Slowakei von Kritikern als direkter Angriff gegen diese gewertet.

Wahlen in der Slowakei: Fico haushoher Sieger, Híd-Most im Parlament, Slota und MKP raus

Der Sozialdemokrat Robert Fico und seine Partei SMER sind die klaren Sieger der vorgezogenen Neuwahlen in der Slowakei. Die Partei Ficos gewinnt – bei einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung von ca. 60% – mit ca. 45% der Stimmen die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. Zweitplatzierter ist die christlich-demokratische KDH, an dritter Stelle folgt eine neue Bewegung mit dem Namen „Gewöhnliche Leute„.

Die rassistische, homophobe und nationalistische SNS des Ungarn- und Romahassers Ian Slota schaffte den Einzug ins Parlament nicht. Auch die fidesznahe Partei SMK (ung. MKP) ist im neuen Parlament nicht vertreten. Hingegen schafft die gemäßigte Partei Híd-Most, die für einen Ausgleich zwischen der Slowakei und Ungarn eintritt, abermals den Einzug.

Die von der sog. „Gorilla-Korruptionsaffäre“ gebeutelte Partei der bisherigen Regierungschefin Iveta Radičová, die SDKÚ-DS, und die Partei Freiheit und Solidarität (SaS), schaffte den Einzug mit jeweils ca. 6%.Allerdings sollen auch Politiker der SMER in die Affäre verwickelt gewesen sein.

Details: http://de.wikipedia.org/wiki/Parlamentswahlen_in_der_Slowakei_2012

Der österreichische Bundeskanzler Faymann gratulierte Fico zu dessen „beeindruckendem Erfolg“ und deutete den Wahlsieg als „Impuls für ein sozialeres Europa“. Hannes Swoboda, der Fraktionschef der Sozialisten im EU-Parlament, gab laut Wiener Zeitung die folgende Bewertung ab: „Robert Fico hat bewiesen, dass man mit einer pro-europäischen Haltung gewinnen kann, wenn sie mit klaren sozialen Aussagen verbunden ist.“ Er sei „viel reifer“ geworden – bekundete Swoboda gegenüber der Tageszeitung Die Presse, wohl auch im Hinblick auf die frühere Koalition Ficos mit Ján Slotas rassistischer Nationalpartei, in die auch die Verabschiedung des sog. „Staatssprachengesetzes“ fiel, welches die Nutzung von Minderheitensprachen (insbesondere ungarisch) im öffentlichen Raum mit einer Geldbuße bedrohte.

Presseberichte:

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/442742_Proeuropaeer-feiern-in-der-Slowakei-historischen-Wahlsieg.html

http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article2212540/Mitte-Links-Partei-von-Fico-bekennt-sich-zu-Sparzielen.html

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/739202/Garantieren-proeuropaeische-Regierung?direct=739193&_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do&selChannel=103

http://www.dradio.de/aktuell/1700047/

Robert Fico über die „antifaschistische Tradition“ der Slowakei

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico ist, gerade in Wahlkampfzeiten, für harte Worte bekannt und – wie er selbst hofft – auch beliebt. Derzeit wettert der Premier gegen das noch nicht verabschiedete ungarische Gesetz zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts. In der heutigen Sondersitzung des slowakischen Parlaments  forderte Fico die Abgeordneten auf, mit „Gegenmaßnahmen“ auf die von Ungarn angekündigte Verleihung der Staatsangehörigkeit für Minderheitenungarn zu reagieren: Derjenige, der die ungarische Staatsangehörigkeit beantrage, solle die slowakische automatisch verlieren.

Fico beschwor die angeblich „antifaschistische Tradition“ der Slowakei und bezeichnete Ungarn als „braune Pest„. Offenbar ist dem (voraussichtlich erfolgreich) wahlkämpfenden Ministerpräsidenten kurzzeitig entfallen, mit wem er und seine sozialistische Partei koaliert: Niemand geringeres als der politische Rechtsaußen, Ungarn- und Romahasser Ján Slota, stützt die Regierung Fico seit Jahren. Dieser hatte die ungarische Minderheit als „Krebsgeschwür“ bezeichnet, eine Diktion, der Fico nun offenbar selbst folgt („braune Pest“). Ein Ministerpräsident, der mit Nationalisten und Rassisten koaliert und es wagt, die „antiaschistische Tradition“ zu beschwören und Ungarn als „braune Pest“ bezeichnet, hat freilich jeden Bezug zur Realität verloren. Offenbar versucht der Premier den Spagat: Einerseits darf die Wählerschaft aus dem sozialdemokratischen Lager nicht verprellt werden, andererseits will er verhindern, dass die nationalistische SNS weiter zulegt. Hierfür bedarf es kerniger Aussagen und eines Wettrennens um den Titel des „größten Patrioten“. Diese Taktik war, gerade auf Kosten der ungarischen Minderheit, bereits mehrfach erfolgreich.

NZZ: Ungarische Minderheit möchte ernstgenommen werden

Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) bleibt ihrem Ruf, das deutschsprachige Blatt mit der „fairsten“ Berichterstattung über Ungarn zu sein, treu. Die Tageszeitung berichtet über die Spannungen zwischen der Slowakei und Ungarn wegen des geplanten neuen Staatsangehörigkeitsrechts.

Der überaus lesenswerte Artikel ist HIER abrufbar.

Der Autor spricht den „billigen Nationalismus“ der slowakischen Seite an und hält der Regierung einen Spiegel vor. Einige Stellen sollen wörtlich zitiert werden:

Nur drei Wochen vor den Parlamentswahlen in der Slowakei lässt das latent ständig vorhandene Thema des Nationalismus und antiungarischer Stimmungen nun offene Emotionen aufflammen. Ministerpräsident Fico und seiner Smer-Partei, aber auch Ficos zwei Koalitionspartnern kann das nur recht sein. Der Smer-Vorsitzende sah sich letzte Woche mit einem unvermittelt aufgebrochenen, bis ins Jahr 2002 zurückreichenden Parteispenden-Skandal gigantischer Ausmasse konfrontiert. Da ist es günstig, wenn die Schlagzeilen in den Medien von anderen Themen bestimmt werden.“

Mit der «ungarischen Karte» kann dazu billig Wählerfang betrieben werden. Der Angstmacherei in Bezug auf ungarische Hardliner mit Expansionsgelüsten bedient sich in ruhigen Zeiten zwar nur die Nationalpartei, die etwa Wahlplakate mit dem Slogan «Damit unsere Grenzen unsere Grenzen bleiben» hat aufhängen lassen. Doch wenn Unruhe herrscht, springen Politiker wie Fico oder der einstige Autokrat Meciar, der immer noch an der Spitze der Volkspartei steht, nur allzu gerne auf diesen Zug auf. Mit Versöhnungsinitiativen haben sich in der Slowakei noch nie politische Punkte gewinnen lassen, mit antiungarischer Stimmungsmache vor dem Hintergrund der komplizierten gemeinsamen Geschichte jedoch schon.“

Der Neuen Züricher Zeitung sei für diesen Beitrag, der in erfreulichem Gegensatz zum deutsch-österreichischen Einheitsbrei steht, aufrichtiger Dank gesagt!

Slowakei wettert gegen die doppelte Staatsangehörigkeit für Auslandsungarn

Das gestern konstituierte ungarische Parlament plant eine Reform des Staatsangehörigkeitsrechts. Kerngedanke ist, den im Ausland lebenden ethnischen Ungarn die Möglichkeit zu geben, die ungarische Staatsangehörigkeit im Einzelfall und auf Antrag zu verleihen. Auf Grundlage des neuen Gesetz sollen insbesondere die in den umliegenden Ländern mit großer ungarischer Minderheit (Slowakei, Ukraine, Rumänien, Kroatien und Serbien) lebenden ethnischen Ungarn die Staatsangehörigkeit unter erleichterten Bedingungen erhalten können.

Die große Zahl ethnischer Ungarn in den umliegenden Ländern geht auf den Friedensvertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 zurück, durch den Ungarn als einer der Verlierer des 1. Weltkrieges etwa 2/3 seiner Landesfläche und etwa 60% seiner Bevölkerung verlor. Kein Land außer Ungarn musste derartige Gebietsverluste hinnehmen, Trianon ist daher für viele Ungarn bis heute ein unverarbeitetes Trauma (im Sozialismus waren Fragen der Nation tabu, gerade wenn sog. „Bruderstaaten“ betroffen waren). Die rechtlich wie tatsächlich unmögliche Wiederherstellung der alten Grenzen wird dabei nur von einem geringen – meist dem rechtsradikalen Lager zuzurechnenden – Teil der Bevölkerung herbeigesehnt, deutlich größer ist hingegen der Wunsch nach einem gewissen Maß kultureller und politischer Autonomie, vergleichbar etwa mit dem Status Südtirols. Dieses Anliegen wurde von der abtretenden linksliberalen Regierung leider nicht vorangetrieben.

Tschechoslowaken, Rumänen und andere wurden durch den Trianonvertrag – die Ungarn sprechen von Friedensdiktat, da dem Vertrag keine echten Verhandlungen vorausgingen – Teile des jeweiligen Nationalstaates und bildeten fortan die Bevölkerungsmehrheit, viele Ungarn fanden sich (ohne echtes Wahlrecht) als Bürger eines neuen Staates wieder, die alte Staatsangehörigkeit wurde entzogen (Art. 61 des Trianon-Vertrages), und zwar in einer Art und Weise, die mit heutigen rechtlichen Standards des Europarates nicht vereinbar ist. Durch das neue Gesetz soll diese von vielen bis heute als ungerecht empfundene Rechtsfolge abgemildert werden, ohne jedoch die Souveränität des jeweiligen Landes in rechtswidriger Weise zu beeinträchtigen.

Während die Einzelheiten des neuen Gesetzes noch völlig unklar sind, scheint insbesondere die im Wahlkampf befindliche Slowakei unter ihrem derzeitigen Ministerpräsidentn Robert Fico, der mit dem rechtsradikalen Ján Slota koaliert, geradezu in Panik versetzt zu sein. Die Regierung rief sogar den nationalen Sicherheitsrat (!) ein und sprach davon, das geplante Gesetz stelle ein „Sicherheitsrisiko“ dar; freilich ohne diese These mit Argumenten zu untermauern. Spiele mit Vorurteilen gegenüber Ungarn und der ungarischen Minderheit haben sich bereits seit Jahren bewährt. Bratislava zog sogar publikumswirksam seinen Botschafter aus Budapest zurück, ohne das Gesetz abgewartet, d.h. ohne es jemals gelesen zu haben. Die Ruhe aus den anderen Ländern – etwa Rumänien und Kroatien – mag als Indiz dafür dienen, dass weniger die tatsächlichen Folgen des neuen Gesetzes, sondern vielmehr das hieraus zu schlagende political capital für die Herren aus Bratislava von Interesse ist.Ján Slota ist für seine mitunter fanatischen Ausfälle gegen die ungarische Minderheit und Budapest bekannt. Insbesondere

Ungarn hat versichert, das neue Recht werde bilaterale Verträge und EU-Recht wahren. Dem Sprichtwort „zwei Juristen, drei Meinungen“ zu Folge wird man über die Einzelheiten dennoch sicherlich unterschiedlicher Meinung sein (dürfen). Voraussetzung für eine sachliche Debatte und tragfähige juristische Einwände ist jedoch, das neue Gesetz abzuwarten, anstatt die Initiative aus Budapest von vornherein als nationalistischen Ausfall und Versuch der Zwangsmagyarisierung Mittelosteuropas zu verurteilen. Dies gilt in Anbetracht der komplexen Fragen gerade für die nur selten über einen juristischen Abschluss verfügenden, in ihrem Urteil aber umso schnelleren Journalisten.

Jedenfalls dürften Fragen der Souveränität nicht betroffen sein. Die Staatsangehörigkeit wird nach den derzeitigen Plänen nämlich nicht „von Amts wegen“, sondern nur auf Antrag eines Betroffenen verliehen. Souveränitätsfragen stellen sich dann, wenn die Republik Ungarn – etwa auf Grundlage von Wählerlisten der Minderheitsungarn – die Staatsangehörigkeit ohne weiteres auf die auf fremdem Staatsgebiet lebenden Personen ausdehnen würde. Hingegen ist das Antragsrecht  keineswegs so außergewöhnlich, wie Bratislava und ein Teil der Presse vorspiegeln: Auch eine Person mit deutschem Pass kann ohne Weiteres den Versuch wagen, eine andere Staatsangehörigkeit zu erhalten; über den Fortbestand der deutschen Staatsangehörigkeit entscheidet in solchen Fällen das deutsche Recht, das übrigens ebenfalls die Mehrstaatigkeit im Einzelfall akzeptiert (§ 25 Abs. 1 Satz 2 StAG). Andere Länder wie etwa USA und Kanada sind noch liberaler. Dass das Anliegen Ungarns also per se als unfreundlicher Akt anzusehen wäre, erschließt sich nicht. Die Verleihung der eigenen Staatsbürgerschaft an ausländische Bürger ist im Gegenteil weit verbreitet und nach dem Übereinkommen des Europarates über die Staatsangehörigkeit primär Angelegenheit des verleihenden Staates. Dies mag der Slowakei gefallen oder nicht, es bleibt eine auf internaionalem Recht fußende juristische Tatsache.

Die Slowakei wird im Gegenzug selbst entscheiden müssen, unter welchen Umständen sie den Doppelstaatlern die slowakische Staatsangehörigkeit entzieht – auch hier sind freilich internationale Normen zu wahren. In diesem Zusammenhang ist von außerordentlichem Interesse, dass die Slowakische Republik die Doppelstatigkeit – etwa im Bezug auf Deutsche – seit Jahren akzeptiert und die eigene Staatsangehörigkeit auch an Auslandsslowaken verleiht. Umso weniger ist der Aufschrei verständlich. Dass Bratislava, wie nun angekündigt, denjenigen eigenen Staatsangehörigen die slowakische Staatsbürgerschaft entzieht, die sich für die ungarische entscheiden, ist wohl seinerseits nicht frei von rechtlicher Brisanz: Nur eine Ethnie schlechter zu stellen, ist seinerseits diskriminierend. Ob Bratislava die im slowakischen Recht – jedenfalls nach der Praxis zu urteilen – vorgesehene Akzeptanz der Mehrstaatigkeit völlig abschafft und sich insoweit mit anderen EU-Staaten überwirft, dürfte hingegen fraglich sein.

Sonstige Fragen der Diskriminierung der Angehörigen fremder Staaten dürften von keiner praktischen Relevanz sein. Da die Verleihung der Staatsangehörigkeit nach bisherigen Verlautbarungen an ungarische Sprachkenntnisse und ein Bekenntnis zum Ungarntum gebunden sein wird, werden Slowaken ohne irgendeinen ungarischen Hintergrund kaum den Wunsch verspüren, diesen Weg zu beschreiten. Problematisch wäre es nur, wenn ohne nachvollziehbare Kriterien, d.h quasi wahllos, unter slowakischen Staatsbürgern unterschieden würde. Dies würde etwa gegen Art. 5 des Übereinkommens des Europarates über die Staatsangehörigkeit verstoßen. Kenntnisse der Landessprache gehören ebenfalls zum internationalen Standard.

Darüber hinaus scheinen die Kritiker zu übersehen, dass auch Rumänien die eigene Staatsangehörigkeit auf die in Moldawien lebende Minderheit ausgedehnt hat und das ungarische Anliegen somit keinen Einzelfall darstellt. Somit würden Zwischenrufe aus Bukarest ohnehin überraschen. Und selbst die Slowakei besitzt ein Gesetz über den Status von Auslandsslowaken, der dieser Personengruppe bestimmte Vorteile gewährt. Die jetzige Aufregung scheint daher übertrieben.

Besonders bedauerlich ist, dass ein Teil der deutschsprachigen Korrespondenten sich auf die Seite Bratislavas schlägt, sich aber wohl keine Gedanken darüber macht, für wen hier eigentlich politisches Wahlkampfmarketing betrieben wird. Die rechtlichen Aspekte werden übergangen und pauschal von „Provokationen“ gesprochen, obwohl Doppelstaatigkeit in der EU weit verbreitet ist. Steckt hier eventuell weniger das Gesetz selbst als die hierfür Verantwortlichen der so gerne als „völkisch“ verleumdeten Partei Fidesz dahinter?

Bei genauem Blick sollte den „Experten“ auffallen, dass die derzeitige und wohl auch zukünftige Regierung in Bratislava seit Jahren versucht, die ethnischen Ungarn durch Sprachengesetze, die die Verwendung der Minderheitensprache in bestimmten Fällen unter Strafe stellt, und sonstige Anachronismen einer Zwangsassimilierung zu unterziehen. Ján Slota negiert bereits, dass es „ungarische Slowaken“ überhaupt gibt; ein klares Zeichen gegen den Vielvölkerstaat, der die Slowakei unter ethnischen Gesictspunkten ist. Dass man in solchen Situationen in Richtung des Mutterlandes blickt, dessen Staatsangehörigkeit man selbst oder die Vorfahren ohne jedes Zutun verloren hat, scheint jedenfalls menschlich verständlich.

Ján Slota wütet wieder: Was vom slowakischen Wahlkampf zu erwarten ist

Der Vorsitzende der in der Slowakei mitregierenden Slowakischen Nationalpartei (SNS), Ján Slota, hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Der Politiker ist für seine tiefe Verachtung gegenüber dem Nachbarn Ungarn und die ungarische Minderheit im eigenen Land bekannt. So bezeichnete er die Minderheit in der Südslowakei schon mal als „Krebsgeschwür am slowakischen Volkskörper„, die sozialistische Außenministerin Kinga Göncz war für ihn ein „zerzaustes Weib„. Zudem hätten die Slowaken die „hässlichen, mongoloiden Ungarn zivilisiert„.

Der wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Slota hat auch nichts für die in der Slowakei zahlreiche Roma-Bevölkerung übrig:  Sie seien Kriminelle und Parasiten, die man ausmerzen müsste. Die Hasstiraden gegen alles, was nicht „slowakisch“ ist – was natürlich Slota definiert – kennt faktisch keine Grenzen.

Diesmal griff Slota auf den ersten ungarischen König und Nationalheiligen, Stephan I. (Szent István), zurück, um das Magyarentum anzugreifen: Stephan habe „sich mit den slowakischen Adligen und den fränkischen Rittern verbündet, um diese Mongoloiden auf dem Gebiet des historischen Ungarn zu töten. Möglich, dass einige von ihnen, im Schilf versteckt, überlebt haben„.

Laut Slotas jüngsten Äußerungen war Stephan (aus dem ungarischen Árpáden-Geschlecht) kein Magyare, sondern nur Herrscher über das historische Ungarn, der immerhin besser deutsch als ungarisch sprach.  Bemerkenswert ist, dass derselbe Slota, der dem Staatsgründer Stephan I. nun das Ungarntum abspricht und zum Verbündeten gegen die Magyaren stilisiert, bislang ernsthafte Probleme mit eben dieser Person hatte: Er bezeichnete ihn als „Clown auf einem Pferd“. Dass Stephan – nicht zuletzt aufgrund der Stimmungsmache der SNS – in der Slowakei durchaus als (böser) ungarischer Regent wahrgenommen wird, zeigt übrigens schon die Tatsache, dass Standbilder des Staatsgründers regelmäßig beschmiert und verunstaltet werden. Und im vergangenen Jahr wurde dem ungarischen Staatspräsidenten Sólyom die Einreise zur Einweihung eines Reiterstandbildes St. Stephans untersagt. So viel zur historischen Konsequenz.

Slota weiter:

Die slowakische Nation ist bereits seit 1500 Jahren hier seßhaft. Die mongoloiden ungarischen Stämme, die auf diesen hässlischen, pelzigen Pferden daher kamen, haben erst vor kurzem ihr 1000-jähriges Bestehen gefeiert. Die Hinterlassenschaften dieser nicht seßhaften Nomaden sind auf dem Gebiet Ungarns kaum noch vorhanden.“

Ein letzter Satz zum Geisteszustand Slotas: Er forderte jüngst die slowakische Armee zu erhöhter Alarmbereitschaft auf. Es drohe ein Angriff aus Ungarn. Offenbar hat Slota vor, die ungarische Jobbik in ihren Aussagen noch zu übertrumpfen. Die Slowakei befindet sich im Wahlkampf, das ungarische Blatt kommt bei vielen Slowaken einfach gut an.

Gute Besserung!

http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_I._(Ungarn)

Ungarn erwägt EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Slowakische Republik

Ungarn erwägt eine Vertragsverletzungsklage gegen die Slowakische Republik. Das Verfahren soll klären, ob die Slowakei im Jahre 2009 gegen EU-Recht verstoßen hat, als sie dem ungarischen Staatspräsidenten die Einreise verweigert hat. Ungarn beruft sich auf eine Verletzung des Schengen-Abkommens, das EU-Bürgern – nach ungarischer Ansicht also auch Staatspräsidenten – die freie Einreise in die Mitgliedsländer garntiert.

Hintergrund: Der ungarische Staatspräsident László Sólyom wollte am 21. August 2009 die Slowakei besuchen, um an der Enthüllung eines Denkmals für König Stephan in der Südslowakei teilzunehmen. Sólyom war von der ungarischen Minderheit eingeladen worden. Die Einreise wurde ihm jedoch an der Grenzbrücke von Kómárom / Komárno verweigert. Über die genauen Umstände der Zurückweisung geben Ungarn und die Slowakei unterschiedliche Schilderungen ab.

Sólyom, Jurist und ehemaliger Verfassungsrichter, bezeichnete das Vorgehen der Slowakei als Rechtsbruch. Der slowakische Präsident sprach von einer bewussten Provokation.

Ungarn hat nun die EU-Kommission mit der Angelegenheit befasst. Diese hat drei Monate Zeit, den beiden „streitenden“ Mitgliedstaaten eine begründete Stellungnahme zur Rechtslage zukommen zu lassen. Beide Länder haben zuvor die Möglichkeit, zum Sachverhalt Stellung zu nehmen. Nach Ende dieses „Vorverfahrens“ kann Ungarn Klage zum Europäischen Gerichtshof erheben. Auch die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahren durch die Kommission wäre möglich.

Die Beziehungen zwischen der Slowakei und Ungarn gelten als belastet. Aktuelle Auslöser sind u.a. das slowakische „Staatssprachengesetz“, durch das sich die ungarische Minderheit der Südslowakei diskriminiert sieht.  Hinzu kommen Äußerungen der ungarischen rechtsradikalen Jobbik sowie ihrem slowakischen Pendant, der an der Regierung beteiligten nationalistischen Partei SNS, deren Parteichef Ján Slota regelmäßig durch wüste Ausfälle gegenüber Ungarn auffällt. So bezeichnete er die ungarische Minderheit als „Krebsgeschwür“ am „slowakischen Volkskörper“.