Russland stoppt South Stream

Russlands Präsident Wladimir Putin und Gazprom-Chef Alexej Miller haben das Pipelineprojekt South Stream, das russisches Gas für 38 Millionen Haushalte vom Schwarzen Meer über den Balkan und Ungarn bis nach Norditalien transportieren sollte, für gescheitert erklärt.

Als Grund wird einerseits die ablehnende Haltung der Europäischen Union angeführt, deren eigenes Projekt Nabucco durch South Stream ins Hintertreffen geriet; Russland scheint sich nun aktiv nach alternativen Abnehmern für das South-Stream-Gaskontingent umzusehen und hat die Blockadehaltung des am Bau beteiligten EU-Mitglieds Bulgarien kritisiert (Sofia hatte auf Druck der EU-Kommission die Arbeiten Mitte 2014 ausgesetzt). Putin sagte etwas trotzig, wenn die EU South Stream nicht wolle, werde es eben nicht gebaut. Andrerseits dürfte auch der niedrige Rohölpreis und die dadurch gesunkenen Einnahmen Russlands den Stopp des 16 Mrd. Euro schweren Projektes beschleunigt haben.

Ungarn, das sich – übrigens auch unter den sozialliberalen Vorgängerregierungen – demonstrativ auf die „South Stream“-Seite geschlagen und Nabucco für sich abgeschrieben hatte, war bis zuletzt ein Werber für die Pipeline und setzte darauf, durch sie die eigene Gasversorgung, unter Umgehung der krisengebeutelten Ukraine, sicherstellen zu können. Ministerpräsident Viktor Orbán sagte kürzlich in München, Ungarn verfolge eine ähnliche Strategie wie Deutschland mit der „North Stream“ Transportroute, über die russisches Gas über die Ostsee, unter Umgehung Polens, direkt in die Bundesrepublik gepumpt wird. Diese Rechnung der Diversifizierung der Lieferwege (das Lieferland wäre ohnehin gleich geblieben) scheint nun – sollte die Entscheidung Russlands keine vorläufige sein – nicht aufgegangen zu sein. Die Ukraine reagierte erfreut, da ihre Rolle als Transitland für russisches Gas somit vorerst erhalten bleibt.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/south-stream-wie-es-zum-aus-fuer-russlands-pipeline-projekt-kam-a-1006065.html

http://www.origo.hu/nagyvilag/20141201-putyin-leall-a-deli-aramlat-epitese.html

Nabucco-Pipelineprojekt: Ungarn erwägt Ausstieg

Ungarn erwägt laut aktuellen Presseberichten den Ausstieg aus dem von mehreren europäischen Unternehmen geplanten Gaspipelineprojekt „Nabucco“. Die Versorgungsleitung soll Europa nach den Plänen der Konsortialpartner unabhängiger vom russischen Gasmonopolisten Gazprom und dem dortigen South Stream Pipelineprojekt machen.

Ungarn spielt in dem Nabucco-Projekt seit einigen Jahren den „Wackelkandidaten“. Bemerkenswert ist, dass Ministerpräsident Viktor Orbán – seinerzeit noch in der Opposition – die Annäherung der sozialliberalen Regierung Gyurcsány an das South Stream Projekt jahrelang heftig kritisiert und gefordert hatte, Ungarn müsse sich an dem europäischen Projekt beteiligen. Dass Orbán nunmehr selbst den Ausstieg des mehrheitlich staatlichen MOL-Konzerns (dem ungarische Konsortialpartner) ankündigt, stellt eine Wende um 180 Grad dar; eine Wende, die möglicher Weise auch mit dem dauerhaft verschlechterten Verhältnis zwischen dem dem österreichischen Konsortialführer OMV ud MOL zu tun haben könnte – OMV hatte bis in das Jahr 2008 versucht, die MOL feindlich zu übernehmen, war jedoch an dem Widerstand Ungarns und statlichen Sonderrechten (sog. „goldenen Aktien“) gescheitert. Die Abwendung Ungarns von Nabucco begann in dieser Zeit. OMV gab die bereits erworbenen Anteile an MOL im Jahr 2009 dann an ein russisches Unternehmen ab, welches die Anteile im Jahr 2011 an Ungarn zurückveräußerte.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/752210/Ungarn-kuendigt-Ausstieg-aus-Nabucco-an?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do