„Genosse Anzeigeerstatter“ unter Druck

Der ehemalige Staatssekretär im ungarischen Finanzministerium, László Keller (MSZP), gerät derzeit aufgrund der bereits einige Jahre zurückliegenden „Spitzelaffäre“ unter Druck.

Keller machte sich in der Regierung Medgyessy (2002-2005) als „Aufklärer“ einen Namen, weil er in großem Stil Personen aus dem Umkreis des Fidesz und aus der Regierung Orbán (1998-2002) wegen angeblicher Verfehlungen beim Umgang mit öffentlichen Geldern bei den Ermittlungsbehörden anzeigte. Nach Kenntnis von Hungarian Voice führte keine der Anzeigen zu einer Verurteilung.

Derzeit wird die sog. „Bespitzelungsaffäre“ vor Gericht verhandelt. László Keller soll im Jahr 2002 – also kurz nach der Regierungsübernahme durch die Sozialisten und die Liberalen – gemeinsam mit einem Parteifreund, dem Großindustriellen László Kapolyi, einer Detektei den Auftrag erteilt haben, belastendes Material über den führenden Fidesz-Politiker Vitor Orbán, den damaligen Chef der Finanzbehörden Lajos Simicska und den Postchef István Kalmár zu beschaffen. Da Keller in seiner Eigenschaft als Staatssekretär im Hintergrund bleiben wollte, soll er Kapolyi gebeten haben, den Vertrag mit der Detektei zu schließen. Der ungarische Sender Hír TV hatte eine eine Tonbandaufnahme ausgestrahlt, in der Kapolyi mehrfach den Namen „Keller“ im Zusammenhang mit der Aktion genannt hatte.

Die Tageszeitung Magyar Nemzet berichtet nun, dass der ehemalige Chef der Detektei László Keller als wahren Auftraggeber genannt habe, Kapolyi sei nur Strohmann gewesen. Der ehemalige Staatssekretär bestreitet die Vorwürfe.