Unruhen 2006: Anklage gegen ranghohe Polizeioffiziere

Die Militärstaatsanwaltschaft von Debrecen erhebt Anklage gegen mehrere (teils ehemalige) ranghohe Polizeioffiziere im Zusammenhang mit den Geschehnissen des Jahres 2006. Der Vorwurf lautet auf „Unterlassung von Dienstanweisungen“: Zum einen sei, während des am 18.9.2006 erfolgten Angriffs rechtsradikaler Hooligans auf die Zentrale des Ungarischen Fernsehens (MTV) der seine Aufgaben nicht ordnungsgemäß durchführende leitende Offizier nicht ausgetauscht worden. Zum anderen habe man am 23.10.2006, als eine große Zahl unbeteiligter Zivilisten Opfer von Polizeigewalt geworden waren, die Polizisten ohne Erkennungsmarken auftreten lassen – ein Umstand, der die Indentifizierung von Tätern bis heute fast unmöglich macht.

Auch der damalige Polizeichef von Budapest, Péter Gergényi, gehört zu den Angeklagten.

http://mno.hu/ahirtvhirei/teveostrom-tomegoszlatas-gergenyi-is-a-vadlottak-kozott-1138069

http://nol.hu/megmondok/20130212-lattak__tudtak__elturtek

Staatliches ungarisches Fernsehen: Abermals ein Bericht „der eigenen Art“ über die Demonstrationen

Das staatliche ungarische Fernsehen berichtete am 2. Januar 2012 in den Abendnachrichten auf MTV 1 um 19:30 Uhr über den Festempfang zu Ehren der neuen ungarischen Verfassung. Im Anschluss daran berichtete der Sender über die vor dem Opernhaus versammelten Demonstranten – und löste den nunmehr dritten „Nachrichtenfälschungsskandal“ innerhalb eines Jahres aus.

Der Reporter von MTV war in einer Position vor dem Opernhaus zu sehen, von der aus die mehreren zehntausend Demonstranten nicht zu sehen waren. Im Hintergrund waren zwar lautstarke Rufe und Pfiffe zu hören, der Sender erwähnte in der meistgesehenen Nachrichtensendung um 19:30 Uhr (vergleichbar mit Heute oder der Tagesschau) verschwieg jedoch die Größe der versammelten Menschenmenge völlig. Auch ein kurzer Kameraschwenk endete just an der Stelle, an der sich die durch eine Polizeiabsperrung vom Opernhaus getrennten Demonstranten aufhielten.

http://videotar.mtv.hu/Videok/2012/01/02/20/MTV_Hirado_2012_januar_2_19_30.aspx

(Der Bericht ist ab 4:45 min zu sehen)

Die eigenartige und im Hinblick auf die Wiederholungstäterschaft des staatlichen Fernsehens keinesfalls mehr zufällig wirkende oder als harmloser „fachlicher Fehler“ erscheinende Berichterstattung macht die staatlichen Medien, zur Farce. Man könnte sagen: Wenn sich plötzlich solche „Fehler“ häufen, wäre es wohl besser gewesen, keine Mitarbeiter beim staatlichen Rundfunk zu entlassen.

Im Jahr 2011 war das MTV bereits zweimal in die Kritik geraten: Der erste Fall war die fälschende Zusammenfassung eines Berichts über den grünen EU-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit durch den später beförderten ehemaligen Jobbik-Funktionär Dániel Papp, der zweite die Herausretuschierung des ehemaligen Obersten Richters des Landes, Lomnici, aus den Abendnachrichten.

Die staatliche Nachrichtenagentur erklärte den Vorfall abermals mit bloßen fachlichen Fehlern. Es gebe nur einen Grund für die Darstellung: Den Mitarbeitern vor Ort sei die für einen Rundumblick erforderliche technische Ausstattung nicht rechtzeitig zur Verfügung gestanden. Und schließlich sei in anderen Sendungen umfassend berichtet worden. Ein windiger Erklärungsversuch.

Bereits im Oktober 2011 war es zu einem „pünktlichen“ Ausfall von Verkehrsüberwachungskameras am Ort einer Massendemonstration gekommen (Hungarianvoice berichtete). Der private Betreiber des Systems hatte sich ebenfalls damit erklärt, das Geld fehle für eine reibungslose Übertragung. Sämtliche Kameras im übrigen Stadtgebiet funktionierten aber.

Ihr seid keine Journalisten, Ihr seid eine Schande für Euren Berufsstand. Und macht das Land nebenbei vor der ganzen Welt lächerlich.

Nachtrag:

Wie heute bekannt wurde, hat der Kommunikationschef des staatlichen Rundfunkfonds MTVA, László Szabó, sein Amt niedergelegt. Index.hu und 168óra berichten:

http://index.hu/kultur/media/2012/01/03/tavozott_az_mtva_kommunikacios_igazgatoja/

http://www.168ora.hu/itthon/deresre-huzzak-hirhamisito-hiradot-88646.html