SZ: Cathrin Kahlweit stellt die Oppositionsbewegung „Gemeinsam 2014“ vor

Cathrin Kahlweit stellt den Lesern der Süddeutschen Zeitung die Oppositionsbewegung „Gemeinsam 2014“ und ihren potenziellen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, Ex-Premier Gordon Bajnai, vor:

http://www.sueddeutsche.de/politik/opposition-in-ungarn-die-anti-orbns-1.1541913

Nachrichtenagentur weist auf „fachliche Fehler“ in SZ-Beitrag von Alex Rühle hin

Die ungarische Nachrichtenagentur hat auf einige Darstellungen in dem Beitrag von Alex Rühle der Süddeutschen Zeitung reagiert und am 08.08.2011 eine entsprechende Mitteilung herausgegeben:

In dem von Alex Rühle verfassten und am 2. August 2011 veröffentlichten Beitrag „Wie Orbán Ungarns Demokratie zerlegt”  befinden sich einige Irrtümer. Die Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks befinden sich unter der Fachaufsicht des MTI-Nachrichtenzentrums, allerdings ist Dániel Papp nicht Chefredakteur, er ist noch nicht einmal Mitarbeiter unseres Unternehmens. Im übrigen wurde der Posten eines „politischen Chefredakteurs“ in Ungarn zum Ende der 1980-er Jahre abgeschafft.

Leider ist die Süddeutsche Zeitung dem leichen Fehler verfallen wie die Ungarische Sozialistische Partei in ihrer Pressemitteilung vom 4. August 2011 und wie die Népszava in ihrer heutigen Ausgabe: beide titulieren Dániel Papp als Leiter des Nachrichtenzentrums der MTI.

Daneben finden sich in den Archiven unserer Nachrichtenagentur keinerlei Hinweise darauf, dass der Vorsitzende des Medienrates schon vor zehn Jahren folgendes gesagt habe, dass es das oberste Ziel sein müsse, „das hundertprozentige Meinungsmonopol in den Medien zu erringen“ .

Hierfür gäbe es auch keine entsprechenden Mittel.

Die MTI betreibt seit 1988 den Landespressedienst, der sicherstellt, dass jede politische Partei und bedeutende Zivilorganisation ohne redaktionelle Kontrolle ihre Meinung den Bürgern über das Nachrichtennetz kundtun können.

Seit Mai 2011 hat die MTI, mit Ausnahme derjenigen Materialien, die von ausländischen Presseagenturen stammen, die Dienste der Agentur größtenteils kostenfrei gestellt. Kostenlos erreichbar sind unter anderem tägliche Ausschnitte derjenigen Presseartikel, die sich mit Ungarn befassen, auf diese Weise konnten sich unsere Leser auch über den Beitrag von Alex Rühle informieren.

Zsófia Rákosy

Pressesprecherin

Ungarische Nachrichtenagentur

Deutschlandradio „Wissen“: SZ, Standard, Zeit und linke Blogs als Maßstab der Webschau über Ungarn

Deutschlandradio „Wissen“ zeichnet im Rahmen einer Webschau das von Alex Rühle (SZ) präsentierte Bild Ungarns nach.

http://wissen.dradio.de/ungarn-die-konservative-revolution.33.de.html?dram:article_id=11594&sid=

„Zwangsarbeit“, „Weg zum Faschismus“, Schauermeldungen aus dem Képíró-Prozess: Alles wird kritiklos wiederholt, (natürlich nur) was bestimmte Quellen im Internet über Ungarn hergeben. Eigene Recherche und Landeskenntnis? Fehlanzeige. Und das in einem öffentlich-rechtlichen Radio. Man sollte es nicht für möglich halten. Aber seit dem Beitrag von ZDF-Chefredakteur Frey (der Ungarn als „Bazillus“ titulierte), sind offenbar alle Dämme gebrochen.

SZ: Alex Rühle über den Sieg von „Brutalpopulist“ Orbán

Viktor Orbán dürfte längst zu dem Politiker geworden sein, den die deutsche Presse mit den phantasievollsten Namen  belegt: Wir hatten ja bereits den „Puszta-Putin“ . Nun genügt auch der Begriff des „Rechtspopulisten“ Herrn Alex Rühle von der Süddeutschen Zeitung nicht mehr, Viktor Orbán mutiert zum „Brutalpopulisten“.

Das journalistische Meisterwerk Rühles findet sich hier:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/demontage-der-ungarischen-demokratie-der-brutalpopulist-macht-die-eu-schweigt-1.1126940

Ein Musterbeispiel dafür, wer hierzulande die Deutungshoheit genießt. Und wie hervorragend derartiges bei den SZ-Lesern ankommt, kann man anhand der Leserkommentare nur erahnen. Da liest man vom „Faschismus“ und von der „Wiedererstehung Horthys“. Nun ja, vom Brutalpopulisten zum Faschisten ist es ja nicht weit.

Nachtrag vom 09.08.2011:

Die ungarische Nachrichtenagentur hat auf einige Darstellungen in dem obigen Beitrag der Süddeutschen reagiert und am 08.08.2011 eine entsprechende Mitteilung herausgegeben:

„In dem von Alex Rühle verfassten und am 2. August 2011 veröffentlichten Beitrag „Wie Orbán Ungarns Demokratie zerlegt”  befinden sich einige Irrtümer. Die Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks befinden sich unter der Fachaufsicht des MTI-Nachrichtenzentrums, allerdings ist Dániel Papp nicht Chefredakteur, er ist noch nicht einmal Mitarbeiter unseres Unternehmens. Im übrigen wurde der Posten eines „politischen Chefredakteurs“ in Ungarn zum Ende der 1980-er Jahre abgeschafft.

Leider ist die Süddeutsche Zeitung dem leichen Fehler verfallen wie die Ungarische Sozialistische Partei in ihrer Pressemitteilung vom 4. August 2011 und wie die Népszava in ihrer heutigen Ausgabe: beide titulieren Dániel Papp als Leiter des Nachrichtenzentrums der MTI.

Daneben finden sich in den Archiven unserer Nachrichtenagentur keinerlei Hinweise darauf, dass der Vorsitzende des Medienrates schon vor zehn Jahren folgendes gesagt habe, dass es das oberste Ziel sein müsse, „das hundertprozentige Meinungsmonopol in den Medien zu erringen“ .

Hierfür gäbe es auch keine entsprechenden Mittel.

Die MTI betreibt seit 1988 den Landespressedienst, der sicherstellt, dass jede politische Partei und bedeutende Zivilorganisation ohne redaktionelle Kontrolle ihre Meinung den Bürgern über das Nachrichtennetz kundtun können.

Seit Mai 2011 hat die MTI, mit Ausnahme derjenigen Materialien, die von ausländischen Presseagenturen stammen, die Dienste der Agentur größtenteils kostenfrei gestellt. Kostenlos erreichbar sind unter anderem tägliche Ausschnitte derjenigen Presseartikel, die sich mit Ungarn befassen, auf diese Weise konnten sich unsere Leser auch über den Beitrag von Alex Rühle informieren.

Zsófia Rákosy

Pressesprecherin

Ungarische Nachrichtenagentur

Süddeutsche Zeitung: „Premier Orbán legt los“

Michael Frank berichtet in der Süddeutschen Zeitung u.a. über Mediengesetz und Stellenstreichungen bei den öffentlichen Medien.

http://www.sueddeutsche.de/medien/neues-mediengesetz-in-ungarn-revolution-fuer-fidesz-premier-orbn-legt-los-1.1119125

Unbeeindruckt von der Reaktion Europas macht Premier Viktor Urbán ernst und baut die Republik auf die Bedürfnisse seiner Partei Fideszum. 600 Redakteure wurden auf einen Schlag gefeuert, Chef der öffentlich-rechtlichen Nachrichten wird ein Mann, der gerade erst als Nachrichtenfälscher entlarvt wurde.“

SZ-Interview mit dem Pianisten András Schiff

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte in ihrer Online-Ausgabe vom 08.04.2011 ein Interview mit dem in Italien lebenden Pianisten András Schiff. Das Gespräch mit dem gebürtigen Ungarn führte Alex Rühle.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/ungarn-andrs-schiff-im-gespraech-leute-werden-kaltgestellt-1.1082634

Der Geist des Interviews spiegelt sich am besten in folgender Passage wider:

SZ: Am 18. April bekommt Ungarn eine neue Verfassung. Die Präambel heißt „Nationales Glaubensbekenntnis“, darin werden der ungarische Nationalstolz und der Stolz auf das tausendjährige ungarische Reich beschworen.

Schiff: Hm, tausendjähriges Reich, da war doch was. Ich komm‘ nur gerade nicht darauf. Nein, ernsthaft: Mir wird übel, wenn ich das höre. Das passt nicht zu Europa. Ich glaube an Europa, nicht an ein tausendjähriges Reich. Und Ungarn ist ein Schmelztiegel aus Asiaten, Juden, Slawen, Balten, Mitteleuropäern. Ich verstehe diesen Nationalismus nicht. Wir sind doch nicht beim Hundezüchter.“

Die SZ bleibt ihrem Stil in der Ungarn-Berichterstattung treu. Tatsächlich beschwört das „Nationale Glaubensbekenntnis“ nicht das „tausendjährige ungarische Reich“. Es verweist jedoch auf die Gründung Ungarns vor tausend Jahren durch den Staatsgründer, den Heiligen Stephan, und darauf, dass dieser den Staat auf ein „solides Fundament gestellt hat“. Zu diesem soliden Fundament gehörten übrigens alle damals im Land lebenden Volksgruppen und Nationalitäten: Ungarn war zu diesem Zeitpunkt ein multikultureller Staat. Den Begriff „Tausendjähriges Reich“, einen klaren Nazi-Vergleich, nimmt Schiff trotzdem fast dankbar auf und spielt damit („Tausendjähriges Reich, da war doch was?“).

Es ist vor dem Hintergrund der – hinreichend bekannten – Zustände in Ungarn zur Zeit der Staatsgründung auch völlig überflüssig, dass Schiff darüber belehrt, Ungarn sei ein Schmelztiegel aus vielen unterschiedlichen Völkern und Ethnien. Schiff sagt nur das, was jeder weiß. Anstatt Allgemeinplätze als Neuigkeit zu verkaufen, könnte Schiff ein Scherflein zur Versachlichung des Diskurses beitragen, indem er unsägliche Nazivergleiche unterlässt. Verärgerung in Ungarn über derartige Aussagen ist verständlich, ebenso darüber, dass Schiff am 01.01.2011 (wohl rein zufällig am Tag der Übernahme des Ratsvorsitzes durch Ungarn) einem Artikel in der Washington Post Beifall klatschte, in dem von einer „Putinisierung Ungarns“ gesprochen wurde und er das Recht Ungarns (nicht Orbáns!), den EU-Vorsitz zu halten, in Abrede gestellt hat. Selbstverständlich sind Auswüchse wie die antisemitischen Tiraden eines Zsolt Bayer als Reaktion hierauf völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen. Es gibt – neben Bayer – jedoch auch berechtigten Ärger über Schiffs inhaltliche Aussage.

Zum Niveau des Diskurses in Ungarn und diejenigen, die ständig neues Öl ins Feuer gießen, hat die ungarische HVG vor nicht allzu langer Zeit einen sehr lesenswerten Beitrag verfasst, der von Hungarian Voice übersetzt wurde.

Leider kommen die Süddeutsche und ihr Interviewpartner nicht über die Zwangsneurose, Begriffe aus den dunkelsten Diktaturen zu  auf eine demokratisch gewählte Regierung eines EU-Mitgliedstaates übertragen zu wollen, hinweg. Dies belegt auch die Behauptung Schiffs, das laufende Ermittlungsverfahren gegen Ágnes Heller und andere wegen des Verdachts zweckwidriger Verwendung von Fördermitteln an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) erinnere an „stalinistische Schauprozesse“. Oben wird mit dem Stilmittel des Nazivergleichs operiert („Tausendjähriges Reich“), weiter unten kommt Stalin zum Zuge. Besser könnten es auch die ungarischen Sozialisten nicht, die jüngst von „Rechtsradikalen Stalinisten“ sprachen. Jeder Massenmörder hat offenbar neben Orbán Platz. Das unsägliche und nicht besonders intellektuelle Fazit: Orbán ist eine schlimme Kreuzung aus beidem. Haben sich die SZ und Schiff gefragt, wie sich Opfer der beiden genannten Diktaturen – insbesondere Naziopfer – und deren Nachkommen fühlen, wenn man diese Zeiten zum heutigen Ungarn in Bezug setzt?

Und man muss hinzufügen: Dieser Ton wird angeschlagen nach jahrelangem Schweigen und damit jedenfalls konkludenter Zustimmung gegenüber der Wirtschafts-, Sicherheits-, Sozial- und Innenpolitik der Vorgängerregierungen seit 2002, die die heutige Situation in Ungarn – einschließlich einen mit 2/3 regierenden Viktor Orbán – überhaupt erst möglich gemacht haben.

Der Gedanke, dass Ungarns Regierung demokratisch gewählt wurde und – trotz aller Fehler und etwas rückläufiger Umfragewerte – immer noch haushoch vor den Sozialisten führt (die Liberalen haben sich nach der verlorenen Wahl von 2010 praktisch aufgelöst), spielt in dem Beitrag keine Rolle. Auch über die Gründe für das Erstarken der Rechtsradikalen wird nicht gesprochen. Im Hinblick darauf, dass Schiff seit Jahren in Italien lebt und die Zustände in Szabolcs-Szatmár und andernorts überhaupt nicht kennt, ist das jedoch wenig überraschend. Was Schiff weiß, hat er – ausweislich der von ihm genutzten Stichworte – ebenfalls der Presse entnommen. Und weiß daher natürlich auch, dass im allzu bekannten Postengeschachere nur die zum Zuge gekommen sind, „fünftklassige Niemande“ sind.

Der nächste Beitrag der SZ über die Reaktionen in Ungarn auf dieses Interview ist bestimmt schon reserviert. Ein wahres perpetuum mobile des Journalismus. Murdochs Fox News könnte es nicht besser.

Nachtrag:

In dem Beitrag spricht Schiff auch davon, dass Róbert Alföldi, der Direktor des Budapester Nationaltheaters, „wegen seiner Homosexualität“ groben Angriffen ausgesetzt sei. Das ist leider richtig. Zum Gesamtbild gehört aber auch hier, dass man auf das Jahr 2010 zurückschaut, namentlich auf eine Ausstellung, die im Eingangsbereich des von Alföldi geführten Nationaltheaters stattfand. Da war auf großen Tafeln die Aufschrift „Nobody knows that I am gay“ („Keiner weiß, dass ich schwul bin“) zu sehen. Insgesamt zwölf dieser Tafeln waren mehr oder weniger unübersehbar im Nationaltheater aufgestellt. Die Ausstellung wurde komplettiert durch ein Kreuz, auf dem Jesus und Maria abgebildet waren. Empörte Beobachter deuteten diese Ausstellung als Hinweis auf Jesus und seine zwölf „schwulen“ Apostel und damit als grobe Provokation gläubiger Christen.

Ist so etwas denn wirklich nötig? Kann man die dringend nötige Akzeptanz Homosexueller durch so eine – von der Kunstfreiheit zweifellos gedeckte, aber gleichwohl geschmacklose Ausstellung – wirklich verbessern? Wieder einmal scheint die Forderung nach „Respekt gegenüber dem Anderen“ merkwürdige Auswüchse an den Tag zu fördern.