Tagesanzeiger: „Orbán testet Putins Methoden“

Der Schweizer Tagesanzeiger kritisiert die polizeiliche Ermittlungen und der Durchsuchung gegen die ungarische Ökotárs-Stiftung. Polizei und das Nationale Ermittlungsbüro hatten die Geschäftsräume der Stiftung, die u.a. Gelder des norwegischen Zivilfonds ebenso verwaltet und verteilt wie aus der Schweiz stammende Beträge, wegen des Verdachts unzulässiger Kreditvergabe, Parteienfinanzierung und Untreue durchsucht. Das Blatt vergleicht die Maßnahme mit „Putins Methoden“ und sieht eine Einschüchterung der Zivilgesellschaft. Die „Repressiongegen NGOs“ sei „erst der Anfang“.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Orban-testet-Putins-Methode/story/14440571

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Versus: Die Standpunkte von Jan Mainka und Bernhard Odehnal

Das ungarische Portal vs.hu („versus“) hat dem Journalisten Bernhard Odehnal (Tagesanzeiger) und dem Herausgeber der Budapester Zeitung, Jan Mainka, die Möglichkeit gegeben, ihre Standpunkte zur Berichterstattung der westlichen Medien über Ungarn darzustellen.

http://vs.hu/versus/mit_tesz_a_nyugati_media/0/

Mainka sieht die Berichterstattung kritisch, bemängelt insbesondere, dass wichtige – insbesondere positive – Einzelaspekte ausgespart werden. Odehnal vertritt die Gegenposition, bemängelt u.a. die fehlende Gesprächsbereitschaft der ungarischen Regierung und berichtet über persönliche Erfahrungen (beleidigende Leserbriefe) sowie die „Überwachung“ durch die Machthaber.

Die Debatte auf dem Portal könnte in den folgenden Tagen durch Kommentare von Attila Mong (Átlátszó), Frédéric Pons (valeurs actuelles), Ralf Leonhard (TAZ), Lion Edler (freier Journalist) sowie Martin Bukovics (mandiner) und Péter Techet (vs.hu) um weitere interessante Sichtweisen ergänzt werden. Es lohnt sich wohl, dabei zu bleiben.

FOCUS: Verprügeltes Mitglied der „Bürgerwehr“ wird zum Roma umfunktioniert

Der Focus berichtete in den vergangenen Tagen über eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der sich in Gyöngyöspata aufhaltenden rechtsradikalen Bürgerwehren und der ortsansässigen Roma-Bevölkerung.

http://www.focus.de/politik/ausland/ungarn-roma-fliehen-vor-rechtsradikalen_aid_621976.html

In dem Bericht wird eine Person mit blutender Kopfwunde und blutverschmiertem Gesicht, tituliert als „junger Roma“, abgebildet (das Bild war auch bei Spiegel-Online zu sehen). Die klare Botschaft: Ein Roma ist von Rechtsradikalen verprügelt worden.

Der Schönheitsfehler: Bei der Person auf dem Bild handelt es sich um einen Angehörigen bzw. Sympathisanten der rechtsradikalen „Véderö“. Gehört wohl zur grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit. Offenbar waren es vorliegend also die Rechtsradikalen, die erhebliche Verletzungen erlitten haben. Vor dem Umstand, dass an der Schlägerei etwa vier Rechtsradikale und mehr als 30 Roma beteiligt gewesen sein sollen, wäre dies auch durchaus plausibel.

Nicht anders die Berichterstattung des Schweizer Tagesanzeigers. Hier berichtet Bernhard Odehnal über die Gewalttätigkeiten.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Ungarns-Roma-fluechten-vor-der-rechtsextremen-Gewalt-/story/26783353

Nach dem schon oben genannten Bild (ohne erläuternde Beschreibung, um wen es sich beim Abgebildeten Verletzten handelt) beginnt der Artikel wie folgt:

Gyözö Bada hat eine blutende Wunde auf der Stirn. Sie stammt von einem Gummiknüppel, mit dem der 14-jährige Rom am Dienstagabend geschlagen wurde. Seine Verwandte Klaudia Farkas erzählt, wie der Junge mit seinen Freunden am Strassenrand sass, wie sie von den Angehörigen einer rechtsextremen Miliz angegriffen wurden.“

Es scheint abermals, als solle der Leser den Eindruck bekommen, bei dem abgebildeten Verletzten handle es sich um einen Roma, hier namentlich Gyözö Bada. Eine klarstellende Erläuterung fehlt im folgenden Artikel.

Der Beleg, wer tatsächlich abgebildet ist, findet sich hier:

http://videotar.mtv.hu/Videok/2011/04/27/05/A_gyongyospatai_tomegverekedes_serultjei.aspx

Oftmals ist die Situation eben ein wenig komplexer als die Botschaft, die man hierzulande zu lesen bekommt.