Die WELT: Gastbeitrag von Tamás Bauer

Die Welt bringt einen Beitrag des ehemaligen SZDSZ-Abgeordneten und Vizepräsidenten der Partei „Demokratische Koalition“, Tamás Bauer.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article115475388/Der-Premier-und-die-Werte-des-alten-Europas.html

Bauer rügt, im in der letzten Woche veröffentlichten Interview mit Ministerpräsident Viktor Orbán seien wichtige Fragen nicht gestellt worden. Bauer moniert das Fehlen von checks and balances, die aus seiner Sicht falsche Sozial- und Wirtschaftspolitik und fordert die EVP auf, die Solidarität mit Orbán zu beenden und Sanktionen zu ergreifen.

Bruno-Kreisky-Forum: Heller, Lendvai und Bauer im Gespräch mit Josef Kirchengast

Die österreichische Tageszeitung Der Standard berichtet über eine Veranstaltung im Wiener Bruno-Kreisky-Forum zu Ungarn.

Teilnehmer waren die ungarische Philosophin Ágnes Heller, der Publizist Paul Lendvai und der ehemalige SZDSZ-Politiker Tamás Bauer. Moderation: Josef Kirchengast.

http://dastandard.at/1363707612354/Lendvai-Ungarn-ist-keine-Diktatur-im-herkoemmlichen-Sinne

Einigkeit bestand, dass Ungarn „demokratiepolitisch defekt“ sei. Über Details, welches autoritäre Regime dem heutigen Ungarn ähnele, konnte allerdings keine Übereinkunft erzielt werden. Lendvai erkannte Parallelen zur Horthy-Zeit, Heller widersprach und bezeichnete Fidesz als „leninistisch“. Auch Mussolini sei aber irgendwie dabei. Bauer sah den Aufbau eines Klassensystems.

Die drei Persönlichkeiten stehen allesamt der linksliberalen ungarischen Opposition nahe. Sie beteiligten sich an der von Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány mitinitiierten „Demokratischen Charta“, Bauer ist mittlerweile der in Umfragen bei 1% stehenden Partei „Demokratische Koalition beigetreten und ist seit November 2011 deren stellvertretender Parteivorsitzender.

Heinrich-Böll-Stiftung sagt Veranstaltung mit Paul Lendvai ab

Ein an der Frankfurter Universität für 24.11.2010 geplanter Diskussionsabend zu Ungarn, an dem der Journalist und Autor Paul Lendvai und der Schriftsteller György Dalos teilnehmen wollten, wurde von der Veranstalterin in letzter Minute abgesagt.

Die der Partei der Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung gab als Grund für die Absage an, dass man die Sicherheit von Lendvai nicht habe garantieren können. In den Tagen vor der Veranstaltung habe es – insbesondere im Internet – massive Angriffe mit zum Teil antisemitischem Charakter gegen den Autor gegeben, weshalb er um Polizeischutz gebeten habe. Nachdem dieser nicht gewährt wurde, habe man sich in Abstimmung mit dem Gast entschieden, auf die Veranstaltung zu verzichten.

Lendvai verwies in einem Interview mit der Kleinen Zeitung auf eine Veranstaltung in Zurüch, die vom Weltbund der Ungarn gestört worden sei. Auch in Frankfurt hätten diese „extrem rechts“ stehenden Personen wohl etwas geplant (Anmerkung: Lendvai teilte später mit, er selbst habe keine Drohungen erhalten, sondern nur über die Böll-Stiftung von diesen erfahren). Tatsächlich war die Buchpräsentation in Zürich gestört worden, von Handgreiflichkeiten dort wurde jedoch nicht berichtet. Lendvai , der in Ungarn zuletzt nicht nur wegen seines neuen Buches kritisiert wurde, sondern auch wegen angeblicher Informantentätigkeiten für das kommunistische Kádár-Regime, sagte der Kleinen Zeitung, er werde sich nicht mundtot machen lassen (Link). Dem Online-Portal Ö24.at teilte Lendvai mit, in habe man „Angst vor seinem Buch“ (Link).

Ergänzung vom 28.11.2010:

Zwischenzeitlich hat Georg Paul Hefty von der konservativen Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Heinrich-Böll-Stiftung im Zusammenhang mit der Veranstaltung und der Absage kritisiert. Der Tonfall der Böll-Stiftung auf der Einladung sei unangemessen provokant, Proteste hiergegen seien absehbar gewesen. Der Text der Einladung war laut Hefty nicht mit Paul Lendvai abgestimmt, sei jedoch auf ihn projiziert worden. So könne man Ungarn nicht als Land mit „Einparteienherrschaft“ bezeichnen, wenn im Parlament vier Parteien vertreten seien. Auch die Aussage, Ungarn sei das „Liberalste Land hinter dem Eisernen Vorhang gewesen„, musste Hefty zufolge Proteste der Exil-Ungarn hervorrufen: Nach der Niederschlagung des Volksaufstands von 1956 wurden – im vermeintlich „liberalen Kádár-Ungarn – 460 in Schauprozessen ausgesprochene Todesurteile vollstreckt (zum Teil hatte man jugendliche Aufständische verurteilt und dann – nach Erreichen des 18. Lebensjahres – hingerichtet). Die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtet heute über den Kommentar Heftys, der auch hier zeitnah umfassend dargestellt werden wird.

Was den Text der Einladung anbetrifft, ist übrigens folgender Umstand erwähnenswert: Die Veranstaltung in Frankfurt sollte in Zusammenarbeit mit einem Lehrstuhl der Frankfurter Universität stattfinden, dessen Inhaber – Prof. Tamás Bauer – bekannter Kritiker des Ministerpräsidenten Viktor Orbán ist. Bauer, ehemals Mitglied der linksliberalen SZDSZ-Fraktion im ungarischen Parlament und heute überwiegend als Publizist und Diskutant im oppositionsnahen liberalen Fernsehsender ATV aktiv, war vor einigen Jahren in Ungarn dafür kritisiert worden, dass er die durch Quellen belegbare Tatsache, dass sein Vater Miklós Bauer in den 50er Jahren Oberstleutnant der Geheimpolizei ÁVÓ und als Mitarbeiter der Abteilung III. persönlich verantwortlich für Folterungen gewesen sein soll (sein Spitzname lautete sinngemäß „der Fingernagel heraußreißende Bauer“), im Jahr 2000 in Abrede gestellt und seinen Vater im Parlament verteidigt hatte (hier). Miklós Bauer, der 2008 verstarb, hatte sich zuvor ebenfalls als „Ehrenmann“ bezeichnet. Mehr über die ungarische Staatssicherheit, deren ehemaliges Hauptquartier in der Andrássy út 60 in Budapest heute das Terror Haus ist, unter Wikipedia. Das Hauptquartier war zuvor von den ungarischen Nazis, den Pfeilkreuzlern, genutzt worden.

Weitere Quellen:

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/613265/SicherheitsRisiko-zu-hoch_LendvaiLesung-abgesagt?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do

http://www.salzburg24.at/news/politik/artikel/hass-gegen-lendvai-buch-in-ungarn/cn/apa-1143203929