Die peinliche Effekthascherei der Ungarischen Sozialisten

Wer sich um den Zustand der ungarischen Opposition ernsthafte Sorgen macht, sieht sich abermals bestätigt. Die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP) ergeht sich in würdeloser Effekthascherei statt in ernst zu nehmender Sachpolitik. All das geschieht im Windschatten der aktuellen Berichte um den Rücktritt von Pál Schmitt.

Der neueste „Werbegag“ der MSZP war das Angebot ihres Budapester Ortsvorsitzenden Csaba Horváth, den Rektor der international renommierten Semmelweis-Universität,  Tivadar Tulassay, für die Ehrenbürgerschaft von Budapest zu nominieren. Doch nicht seine medizinischen Erfolge sollten dem gelernten Kinderarzt diese Ehre zu Teil werden lassen. Sondern schnöde Tagespolitik.

Tulassay war als Rektor derjenige, der die Entscheidung der Universität bekanntgab, dem gestern von seinem Amt zurückgetretenen Staatspräsidenten Pál Schmitt den Doktortitel zu entziehen. Ein Großteil der Arbeit hatte sich als Plagiat herausgestellt. Nach der Bekanntgabe der Entscheidung in der vergangenen Woche erklärte Tulassay überraschend am Sonntag seinen Rücktritt. Er begründete dies mit fehlender Unterstützung der Politik, u.a. in der Causa Schmitt.

Die MSZP, die in den vergangenen zwei Jahren trotz tatkräftiger Unterstützung ihrer Schwesterparteien innerhalb Europas keine politischen Konzepte präsentiert, sondern – vereinfacht gesprochen – allein mit dem Slogan vom „bösen Ministerpräsidenten Orbán“ durch die Lande zieht, hat postwendend versucht, diesen durchaus politisch motivierten und mit berechtigter Kritik an der Regierung verbundenen Rücktritt für sich zu verwursten: Die Budapester Sozialisten nominierten Tulassay kurzer Hand zum Ehrenbürger. Eine Verhaltensweise, die man heute so gerne an Ungarns Regierung kritisiert.

Tulassay war jedoch schlau genug, seine Kritik an der Regierung nicht durch die Annahme dieser Pharisäergabe zu entwerten. Er lehnte dankend ab. Was zweierlei beweist: Es gibt sie, die Regierungskritiker, die sich nicht vom Lager der Opposition vereinnahmen lassen. Und dass die MSZP weit davon entfernt ist, zu einer wählbaren Alternative zu werden.

Übrigens: Der zuständige Minister für „Humane Ressourcen“, Miklós Réthelyi, hat den Rücktritt Tulassays nicht akzeptiert.

http://index.hu/belfold/2012/04/03/tulassay_nem_ment_bele_a_szocialistak_utcajaba/