Streit um Erwerb von TV2: Fonyó oder Vajna?

Der ungarische Fernsehmarkt befindet sich seit Donnerstag, den 15.10.205, in Bewegung. Im Fokus steht der private Fernsehsender TV2.

Der ungarische Filmproduzent Andy Vajna (u.a. Rambo, Red Heat), zugleich Regierungskommissar für das ungarische Filmwesen, gab am Donnerstag bekannt, dass das von ihm kontrollierte Unternehmen Magyar Broadcasting Co. kft. die Betreibergesellschaft des Senders (TV2 Magyarország Zrt.) von der Eigentümergesellschaft, der TV2 Media Group Holdings kft., erworben habe.

Bemerkenswertes Detail der von Vajna einberufenen Pressekonferenz: Als neuen Chef von TV2 stellte er den Deutschen Dirk Gerkens, den ehemaligen Präsidenten des ungarischen Privatsenders RTL Klub vor. Dies überraschte insofern, als Gerkens im Frühjahr 2015 urplötzlich – nach Ansicht vieler Beobachter auf Druck der Regierung – abberufen worden war, weil der Sender als Reaktion auf die geplante Werbesteuer zu kritisch über die Regierung berichtet hatte.  Gerkens lebt derzeit in Dubai. Dass Vajna, der als enger Vertrauter des Ministerpräsidenten Viktor Orbán gilt, Gerkens an die Spitze „seines“ Senders beruft, war nicht zu erwarten.

Bereits am Freitag dann der nächste Paukenschlag: Der Präsident der Megapolis Media Zrt., Károly Fonyó, ein enger Geschäftspartner des früheren Fidesz-Finanziers Lajos Simicska, teilte – nach eigener Aussage höchst verwundert – mit, dass der Sender gar nicht von Vajna gekauft worden sein kann. Denn seine Gesellschaft habe bereits zwei Tage zuvor, am 13.10., alle Anteile an der TV2 Media Group Holdings kft. käuflich erworben. Verkäufer seien die bisherigen Direktoren der Holding, Yvonne Perla Dederick und Zsolt János Simon, gewesen. Dederick und Simon hätten – so Fonyó – den Sender ohne die Zustimmung der (neuen) Eigentümerin, Megapolis, vorgenommen, weshalb man beide Direktoren mit sofortiger Wirkung von ihren Posten abberufen habe.

Der Vorgang ist nicht weniger als ein neuer Medienkrieg. Sollten Dederick und Simon ihre Position als Geschäftsführer der TV2-Holdinggesellschaft, nur zwei Tage nach dem Verkauf aller ihrer Anteile genutzt haben, die Anteile an der Betreibergesellschaft an Andy Vajna zu verkaufen, könnte dieser Verkauf zwar wirksam sein, allerdings müssen sich Dederick und Simon fragen lassen, mit welcher Berechtigung sie verkauft haben. Der Tatbestand der Untreue wäre greifbar nah. Nur ein Blick in das Handelsregister in den kommenden Tagen dürfte Klarheit über die Vorgänge der letzten Tage  bringen. Dederickt teilte am 16.10. mit, sie und Simon seien aktuell noch EIgentümer von TV2, weshalb sie auch handlungsbefugt seien. Sie könnte bei ihrer Einschätzung womöglich Recht haben und juristisch beraten gewesen sein: Dedericks Ehemann ist Partner der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Weil Gotshal.

Möglich wäre, dass die regierungsnahe Gruppe um Andy Vajna in letzter Minute verhindern wollte, dass der – nach RTL Klub – zweitgrößte Privatsender Ungarns in die Hände von Fonyó und dem nunmehr als erbitterter Gegner der ungarischen Regierung geltenden Lajos Simicska gerät. Aus Regierungskreisen war denn auch sofort zu vernehmen, man betrachte die Magyar Broadcasting Co. als rechtmäßige Eigentümerin von TV2.

Die kommenden Tage dürften spannend bleiben.

TV2 verkauft: Offene Fragen zu den neuen Eigentümern

Der deutsche Medienkonzern ProSieben Sat.1 Media AG hat seine ungarische Tochter TV 2 im Rahmen eines Management-Bouyouts an zwei ranghohe Führungskräfte veräußert. Bei den offiziellen neuen Eigentümern handelt es sich um den 40-jährigen Zsolt Simon, der seit Oktober 2010 den Posten des Generaldirektors hält, sowie Yvonne Dederick, die bisherige Finanzchefin (CFO). Zum veräußerten Portfolio gehören zusätzlich die Sender SuperTV2, FEM3 und Pro4.

Über die Finanzierung und die hinter den neuen Eigentümern stehenden Kreise wird heftig spekuliert. Die oppositionelle Presse vermutet ein Strohmanngeschäft Fidesz-naher Kreise. Die Vermutung beruht darauf, dass der Inhaber der Fidesz-nahen Medienholding Infocenter Rt., Zsolt Nyerges, schon früher Interesse an einem Erwerb von TV 2 geäußert hatte. Hinzu kommt, dass Simon, der Fidesz nahestehen soll, offen eingeräumt hatte, selbst nicht über das notwendige Eigenkapital verfügt zu haben, hinter den Erwerbern stünden „ungarische Interessengruppen“.

An der Übernahme sollen ein Netz von insgesamt fünf, in den letzten Wochen gegründeter, Unternehmen stehen. Sie alle haben ihren Sitz im Budapester Bank Center. An der Gründung war laut hvg.hu die Budapester Niederlassung der internationalen Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges beteiligt, bei der Dedericks Ehemann David Dederick als Managing Partner tätig ist.

http://tablet.hvg.hu/itthon/20131223_Komplikalt_ceghalon_keresztul_veszik_meg

http://m.dwdl.de/a/44027

http://tablet.hvg.hu/itthon/20131221_TV2_eladasa_bejelentes