Ungewohnte Milde: Keno Verseck bezeichnet Jobbik als „ehemals“ rechtsradikale Partei

In einem Spiegel-Beitrag befasst sich Keno Verseck mit dem Vorschlag der ungarischen Philospohin Ágnes Heller, bei der Wahl im kommenden Jahr solle die Linksopposition erwägen, mit der rechtsradikalen Partei Jobbik zu paktieren.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-wahlkampf-teufelspakt-gegen-viktor-orban-a-1182352.html

Es gehe – so Heller – um die Ablösung des Fidesz, und da scheint jedes Mittel Recht. Verseck scheint sich dem jedenfalls nicht kategorisch zu verschließen, bezeichnet er deoch Jobbik als „ehemals rechtsradikale“ Partei. Ganz so, als ob das jahrelange verbale Weichspülen aus ehemaligen offenen Nazis Demokraten oder jedenfalls tolerable Kooperationspartner gemacht hätte. Wir erinnern uns lebhaft an Aussagen des Jobbik-Abgeordneten Márton Gyöngyösi im Parlament, in denen er forderte, Listen über die im Parlament und in der Regierung tätigen Juden aufzustellen – nur um ein Beispiel zu nennen. Sei es drum: Wenn Orbán abgewählt werden muss, sind auch solche Spielkameraden Recht, nicht wahr?

Der Philosoph Gáspár Miklós Tamás hat berechtigte Bedenken angemeldet. „Um jeden Preis“ gehe nicht.

Noch deutlicher wird der Rabbiner Slomó Köves, was Jobbik betrifft: Köves bezeichnete Grüße von Seiten Jobbiks zum jüdischen Chanukka-Fest als zynisch, weil die Partei jahrelang antisemitische Äußerungen in ihren Rehen geduldet und kein Politiker solche Äußerungen jemals zurückgenommen habe.

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5 Kommentare zu “Ungewohnte Milde: Keno Verseck bezeichnet Jobbik als „ehemals“ rechtsradikale Partei

  1. Frau Heller, die im deutschsprachigen Raum schon seit gefühlten tausend Jahren als bedeutendste Philosophin gehandelt wird, sieht die von ihr gehätschelten Piros-Fehér-Zöld-Jobbiks schon in einer GroKo mit Gyurcsánys Blau-Pink-Gelb DKP-lern ( http://web.dkp.hu/ ),

    Die Judenhetze, die lange Zeit das Alleinstellungsmerkmal der Jobbikaner war, hat die Shoa-Überlebende Freundin der Weisheit ihren judenhassenden Ekelungarn offenbar längst verziehen.

    Einige drehen es halt, wie sie es gerade haben wollen.

    Einer der weltweit gefährlichsten antisemitischen und anti-israelischen Verleumder, der Journalist Jakob Augstein wies nach den neuerlichen antisemitischen Hassausbrüchen in Berlin, wo der Tage antisemitische Parolen über den weihnachtlich geschmückten Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor.hallten und weiß-blaue Flaggen mit dem Davidstern verbrannt wurden, ‚darauf hin, dass das Verbrennen ausländischer Fahnen „nicht grundsätzlich verboten“ sei. Man möge doch einmal einen Blick ins Strafgesetzbuch, Paragraph 104 werfen. Dieser beschreibt, dass die Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen ausländischer Staaten strafbar ist, wenn es sich um „auf Grund von Rechtsvorschriften oder nach anerkanntem Brauch öffentlich gezeigte“ Flaggen eines ausländischen Staates oder um ein Hoheitszeichen „eines solchen Staates, das von einer anerkannten Vertretung dieses Staates öffentlich angebracht worden ist“, handelt. In Paragraph 104a heißt es, dass die Taten nur verfolgt werden, „wenn die Bundesrepublik Deutschland zu dem anderen Staat diplomatische Beziehungen unterhält, die Gegenseitigkeit verbürgt ist und auch zur Zeit der Tat verbürgt war, ein Strafverlangen der ausländischen Regierung vorliegt und die Bundesregierung die Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt“

    Hingegen kommentiert Michel Friedman in der BZ von gestern die auf deutschen Boden erneut zunehmende Judenhetze mit den Worten, Judenfeindlichkeit sei Menschenfeindlichkeit.

    Ich denke, auch in Ungarn wächst endlich zusammen, was schon immer zusammengehörte. Keno Verseck reibt sich schon die Hände. Vielleicht schafft er ja bald den Karrieresprung und wird Pressesprecher der großen Koalition der Menschenfeinde, von der Frau Heller im Alters-Delir träumt. Das Zeug dazu hätte er!

  2. Die Jobbik beklagen sich über ihre eigene Philosophie – Andere auszugrenzen. Weil sie von Orbán ausgegrenzt werden. Die Philosophen, die Rassismus als Ausgrenzung anprangern, so wie sie von Fidesz betrieben wird; kämpfen für ihre Philosophie in dem sie Rassismus als alternative im Kleid der Jobbik anbieten. Da kann man Stolz sein, wenn das funktioniert. Ich mag gar-nicht darüber sinnen, ob man Ausgrenzung durch Rassismus besser ertragen kann, als Ausgrenzung durch den Stand.

    Wer weiß, der Schiffer von den Grünen hatte auch bei jeder Gelegenheit wechselweise mit den Jobbik oder dem Fidesz geliebäugelt. Es sah so aus, als wolle er auch ein Stück vom nationalen Kuchen. Wenn Nationalbewußtsein über alles, dann aber Grün. … und wenn Rassismus, dann aber gegen die Rassisten … oder so … philosophisch betrachtet.

  3. Ich lasse mir vor allem diesen Satz von Verseck auf der Zunge zergehen:

    Auch Homophobie, die Forderung nach Wiedereinführung der Todesstrafe oder die nahezu offene kollektive Abstempelung von Roma als Arbeitsscheue und Kriminelle zählen zur Rhetorik von Orbán und seiner Partei.

    Orbán hatte die Diskussion um die Todesstrafe wegen eines Mordes in Pécs einfach laufen lassen. Ich glaube, es war 2013: Wo war denn sein Wille zur Einführung der Todesstrafe zum Ausdruck gekommen?
    Wie schnell man doch zum Henker wird! Und Homophobie besteht schon dann, wenn man Familien besonders fördert.

    Besonders lustig finde ich die den lieben Kleinen zusammengefassten Zeilen:

    Zusammengefasst: Seit Viktor Orbán und seine Partei Fidesz in Ungarn regieren, wird die Demokratie immer mehr eingeschränkt. Um das Land zurück auf einen rechtsstaatlichen Kurs zu führen, …

    Viel Erfolg, mit Heller wird das ganz bestimmt gelingen.

  4. Sehr geehrter HV, nicht minder interessant fand ich im Sommer folgenden Beitrag von Verseck.
    Und dieser hat seine Wirkung nicht verfehlt, zumindest bei der SPD nicht.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/orban-wagt-den-tabubruch-und-wuerdigt-hitler-verbuendeten-miklos-horthy-a-1154518.html

    „Jenseits seiner mittlerweile alltäglichen migranten- und europafeindlichen Sprüche oder seines George-Soros-Bashings plädiert der ungarische Regierungschef auch für die Todesstrafe oder fällt durch homophobe Äußerungen auf.“

    Im Sommer hatte Martin Schulz in die Wahlkampf-Mikrophone gerufen, dass Orbán dem Nazi-Kollaborateur Horthy jetzt ein Denkmal setzen will. Also vor dem Fernseh-Millionenpublikum. Ich habe mich darauf hin an den Parteivorstand der SPD gewandt und gefragt, ob es denn über die von Jobbik initiierten Horthybüsten-Aufstellungen hinaus nun auch welche von Fidesz gäbe. Ich fragte, ob sie denn andere Informationen hätten als ich, schließlich sei ich oft in Budapest und könne mich in ungarisch informieren. Mir wäre nichts bekannt über aktuelle Vorhaben, betonte ich. In Windeseile kam eine Antwort mit dem Hinweis auf den Verseck Artikel vom 26.06.17. Ich war wirklich verblüfft, dass die SPD eine solche Aussage vor Millionenpublikum auf einem Spiegel-Artikel gründet. Dann habe ich mich an eine ungarische NGO gewandt, die schon 2013 gegen das komische Denkmal auf dem szabadságtér demonstriert hatte. Diese bestätigte mir, dass Fidesz sowas derzeit nicht plant, aber für die Zukunft sei eben alles denkbar.

    Ist diese Behauptung von Schulz im Wahlkampf nicht genau das, was linksliberale Journalisten als „Fake“ bezeichnen. Ist es nicht erschreckend, wie in Deutschland mit Halbwahrheiten oder Falschmeldungen Stimmung gemacht wird? Genau so wird doch die Europäische Union irgendwann ihren Geist aufgeben. So wird man die notwendige starke Opposition in Ungarn nicht bekommen.

    Ich wünsche allen ein Gutes Neues Jahr und interessante Beiträge.

  5. Ein Frohes neues Jahr!
    Wird HungarianVoice rechtzeitig zur Wahl am 8. April wieder in Betrieb gehen. Ja, ich freue mich darauf.

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