Provokation? Rabbiner kritisiert Esztergomer Bürgermeisterin wegen Jobbik-Treffen in ehemaliger Synagoge

Nachdem die rechtsradikale ungarische Oppositionspartei Jobbik („Bewegung für ein besseres/rechteres Ungarn„) in der vergangenen Woche mit der Durchführung eines sog. „Bürgerforums“ in einer ehemaligen Synagoge in der westungarischen Stadt Esztergom für einen landesweiten Skandal gesorgt hat, hat der orthodoxe ungarische Rabbiner Báruch Oberlander nun die unabhängige Bürgermeisterin von Esztergom, Éva Tétényi scharf dafür kritisiert, die Versammlung nicht verhindert zu haben. Mehr noch: Oberlander warf Tétényi vor, den Versuch zu unternehmen, ungarische Juden in zynischer Weise für Wahlkampfzwecke auszunutzen.

Tétényi, die zwar unabhängige Bürgermeisterin ist, jedoch von den linken Oppositionsparteien unterstützt (und von Fidesz im Stadtrat seit Jahren auf bisweilen grotesk anmutende Art und Weise bekämpft) wird, hatte nach der skandalträchtigen Versammlung mitgeteilt, sie hätte – wie auch der Stadtrat – keine gesetzliche Grundlage gehabt, das Bürgerforum von Jobbik zu verhindern.

http://www.atv.hu/belfold/20140217-atv-start-tetenyi-eva

http://www.youtube.com/watch?v=L8Mo1saqnqE

Am Tag der Jobbik-Versammlung hatten mehrere hundert Personen gegen die Veranstaltung demonstriert und mit einer Menschenkette versucht, das Treffen zu verhindern.

Oberlander warf Tétényi hingegen vor, Jobbik sogar zur Nutzung der ehemaligen Synagoge ermuntert zu haben. Gemeindevertreter hätten sich, so der Rabbiner gegenüber der Zeitung HaMevaser, an Tétényi gewandt und darum ersucht, den Ort der Veranstaltung zu verlegen. Sogar Jobbik selbst habe angeboten, das Forum andernorts abzuhalten. Oberlander sah eine Provokation von Seiten der Bürgermeisterin gegenüber und auf Kosten der ungarischen Juden und bezeichnete es als zynisch, die jüdische Bevölkerung und das Thema des Antisemitismus auf diese Art und Weise für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen, in der Hoffnung, damit der Linksopposition bei den Wahlen im April 2014 zum Sieg zu verhelfen.

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/177589#.UwX9SYY9iU9

http://bbj.hu/politics/chief-rabbi-left-wing-seeks-to-use-jews-for-votes_76037

http://www.politics.hu/20140220/chief-rabbi-left-wing-seeks-to-use-jews-for-votes/

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6 Kommentare zu “Provokation? Rabbiner kritisiert Esztergomer Bürgermeisterin wegen Jobbik-Treffen in ehemaliger Synagoge

  1. Schon im Jahr 2010 wollte Jobbik eine Wahlkampfveranstaltung in der ehemaligen Synagoge abhalten. Damals wurde sie jedoch untersagt und an einen anderen Ort verlegt.

    Damals war noch der (wegen diverser Verfehlungen höchst umstrittene und von Éva Tétényi bei den Kommunalwahlen im Herbst 2010 geschlagene) Fidesz-Politiker Tamás Meggyes Bürgermeister.

  2. *Oberlánder warf Tétényi hingegen vor, Jobbik sogar zur Nutzung der ehemaligen Synagoge ermuntert zu haben.*
    Ermuntert?
    Na, da muss die Kanadai Magyar Hirlap, wohl den Brief gefälscht habe
    http://kanadaihirlap.com/2014/02/03/esztergom-polgarmestere-valaszolt-a-zsinagogaban-ulesezo-jobbiknak/
    (siehe auch Garai Édler Eszter nyílt levelét.)
    Immer wieder interessant die unterschiedlichsten Äusserungen lesen zu dürfen.

    PS.online Übersetzer bringen bei solchen Texten nix.

  3. Der Artikel auf http://www.israelnationalnews.com ist ja an „Objektivität“ nicht zu überbieten.

    Weil eine Parteilose, die sich angeblich mit der MSZP identifiziert, einen Brief ignoriert haben soll, wird gleich der ganzen MSZP unterstellt, dass diese mit dem Thema Antisemitismus zynisch umgeht. Warum die Bürgermeisterin den Brief ignorierte, muss man da gar nicht erst versuchen zu recherchieren. Die Dame mal nach ihrer Rechtsauffassung zu befragen und einen Experten mit ihren Antworten zu konfrontieren, das wäre wohl viel zu aufwändig gewesen.

    Was, HV, sollen uns solche Artikel sagen? Bringen die uns irgendwie weiter? Mich würde eher interessieren, was aus Orbans Streit mit Mazsihisz geworden ist. Das herrscht ja zur Zeit Schweigen im Walde

      • In Ihrem Beitrag sind zwei Interviews mit Fr. Tétényi verlinkt, HV, aber nicht in dem Artikel auf israelnationalnews.com. Und nur auf den bezog ich mich.

  4. Dieses angebliche Oberländer-Zitat im Budapest Business Journal ist auch herrlich: „Unfortunately, many Jews and Jewish leaders participate in the elections, and the Socialists take advantage.” Aha, also besser erst gar nicht hingehen zu diesen bösen Wahlen. Man liefe Gefahr, das Kreuzchen falsch zu setzen. Was ist das denn für ein Quark?

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