Medián: Fidesz verliert dramatisch an Zustimmung

Laut einer Meinungsumfrage des Instituts Medián von Ende November 2014 hat die Regierungspartei Fidesz innerhalb eines Monats dramatisch an Zustimmung verloren.

In der Gesamtbevölkerung fiel die Zustimmung zur Regierungspartei von 38% auf 26%, was dem größtem Rückgang entspricht, der seit der Wende gemessen wurde. Insgesamt hätten, so Medián, 900.000 potenzielle Fidesz-Wähler das Regierungslager verlassen.

Die oppositionellen Sozialisten konnten zeitgleich von 8 % auf 12% zulegen, Jobbik liegt bei 14%, Együtt bei 4, LMP und die DK bei jeweils 3%. Das Lager der Nichtwähler ist der Umfrage zufolge das größte „politische“ Lager in Ungarn: 36% der Wahlberechtigten reihen sich hier ein.

Der Rückgang dürfte mit der geplanten, dann aber vorerst wieder verworfenen Internetsteuer ebenso im Zusammenhang stehen wie mit dem Skandal und um die Einreiseverbote um (bislang) sechs regierungsnahe Personen, untervihnen auch die Leiterin der Finanzbehörde NAV, Ildikó Vida.

Neben Fidesz musste auch Regierungschef Viktor Orbán erhebliche Verluste in der Beliebtheit hinnehmen. Die Zustimmung fiel um 16 Prozentpunkte auf 32%.

http://index.hu/belfold/2014/12/10/peldatlan_nagyot_zuhant_a_fidesz_nepszerusege/

http://www.atv.hu/belfold/20141210-median-900-ezer-szavazot-vesztett-a-fidesz-vona-befogta-orbant

IMG_0715.PNG

Ähnlich sieht die Umfrage von Ipsos aus: Hier steht Fidesz bei 25% aller Wahlberechtigten (die obige Grafik berücksichtigt die vergangenen Wochen nicht), ein Rückgang von 10 Prozentpunkten in weniger als zwei Monaten. Das Lager der Nichtwähler schwoll auf 39% aller Wahlberechtigten an, auch hier konnte Jobbik profitieren (14%, +2), MSZP STAGNIERT BEI 11%. Bei den Wählern mit fester Partepräferenz weist Ipsos noch immer eine Zustimmung von 45% für Fidesz aus, Jobbik liegt bei 24%, die MSZP bei 18%.

http://index.hu/belfold/2014/12/11/az_ipsos_szerint_is_nagyot_zuhant_a_fidesz/

Fidesz versucht aktuell mit Hochdruck, die „Lufthoheit“ in der öffentlichen Debatte zurück zu gewinnen. Die insoweit kommunizierte Idee, Jugendliche, Politiker und Journalisten regelmäßigen verdachtsunabhängigen Drogentests zu unterziehen – was mit den Grund- und Menschenrechten kaum vereinbar sein dürfte -, zeigt die Unruhe, die in den vergangenen Wochen in der Regierungspartei aufgekommen ist. Viktor Orbán soll seinen Kommunikationsstab aufgefordert haben, „endlich etwas“ gegen den Popularitätsverlust zu unternehmen.

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8 Kommentare zu “Medián: Fidesz verliert dramatisch an Zustimmung

  1. Jetzt lernt FIDESZ: „You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time.“ (Abraham Lincoln)

  2. „Die insoweit kommunizierte Idee, Jugendliche, ……… regelmäßigen verdachtsunabhängigen Drogentests zu unterziehen – was mit den Grund- und Menschenrechten kaum vereinbar sein dürfte -,“

    Gibt es in ähnlicher Art schon seit 10 Jahren schon in Ungarn.Deshalb ist es auch eine sehr unkluge Idee gewesen, dass an die grosse Glocke zu hängen, denn jetzt werden sich die vermeintlichen Berufsweltverbesserer genüsslich darauf stürzen.

  3. Weitere Belastungen z.B. durch Sondersteuern werden das Image der Regierungspartei sicher nicht verbessern. Was helfen würde, wären wirkliche Verbesserung der Lebensumstände für die Mehrheit der Bevölkerung – denn es sieht schlecht aus:

    „Based on the actual consumption of households Hungary was the fourth poorest country in the European Union in 2013, according to Eurostat data published on Thursday. Actual Individual Consumption (AIC) in Hungary was 62% of the EU28 average last year.“
    „The poorest households are in Bulgaria (49%), Romania (57%), Croatia (61%), Hungary (62%) „..

    http://www.portfolio.hu/en/economy/hungary_is_the_4th_poorest_member_state_of_the_european_union.28840.html

    • JFP, was meinen Sie: Ob u.a. die Verschuldung der Haushalte (Stichwort: Fremdwährungskredite) etwas mit dem seit Jahren niedrigen Konsum zu tun haben könnte? Auf Basis der Zahlen von 2011/2010, dürfte der Vorwurf gegenüber Orbán eher der sein, dass sich nichts verbessert hat. Ungarn lag auch damals schon an drittletzter Stelle…und befindet sich nur durch den Beitritt Kroatiens auf dem viertletzten Platz.

      • Sie sollte eher die Frage stellen, warum sich durch die wiederholte Senkung der Wohnnebenkosten (einmal um 10% und noch einmal um 11%) die Kaufkraft der Bevölkerung nicht wirklich verbessert hat ?! Denn der „Krieg gegen die Wohnnebenkosten“ der Regierung Orbán hatte jedenfalls auf die Inflation eine durchschlagende Wirkung.

        Vielleicht liegt es daran, dass in den letzten Jahren die indirekten Steuern deutlich angehoben wurden. So bleibt den Menschen trotz der Entlastungen doch nicht mehr Geld in der Tasche. Und das schlägt sich eben auch in der Armuts-Statistik nieder.

        Und in den Umfragewerten …

  4. Sturm im Wasserglas. Erstens sind die nächsten Wahlen noch sehr weit weg. Zweitens profitiert scheinbar bis auf Jobbik keine der Oppositionsparteien.

  5. Pingback: Neues Jahr – neue regierungskritische Demonstrationen | Hungarian Voice - Ungarn News

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