Die linke Wochenzeitung Jungle World berichtet – wie gewohnt – über Ungarn

Die linksgerichtete Wochenzeitung „Jungle World“ berichtet in einem am 11.03.2010 erschienen Artikel mit dem Titel „Pfeilkreuz und Davidstern“ über den ungarischen Wahlkampf.

Der Artikel kritisiert den Zuwachs der rechtsradikalen Partei „Jobbik“ und sagt ihr ein Ergebnis von 8-10 % bei den Wahlen im April 2010 voraus. So weit, so gut. Wenn es bei der Kritik an rechtsradikalen Parteien bliebe, wäre der Artikel keiner Presseschau wert. Allerdings ist dieser Artikel ein Musterbeispiel dafür, warum „Hungarian Voice“ entstanden ist.

1. Der Autor, Karl Pfeifer, vermengt zunächst in gewohnt undifferenzierter Weise die konservative Oppositionspartei Fidesz und die rechtsradikale Partei Jobbik. Bereits im Titel wird dem Fidesz „massiver Antisemitismus“ im Wahlkampf unterstellt. Tatsächlich ist Fidesz im Wahlkampf noch nicht einmal von den Sozialisten des  „massiven Antisemitismus“ beschuldigt worden. Herr Pfeifer bleibt Belege für seine Behauptung schuldig.

2. Pfeifer behauptet – wiederum ohne Beweis anzutreten -, dass Fidesz nach den Europawahlen im Juni 2009 angeblich eine Annäherung zur Jobbik versucht habe. Das Gegenteil scheint richtig: Fidesz hat unmittelbar vor und auch nach der Europawahl betont, dass keine Koalition mit Jobbik in Betracht komme und diese Partei als Gegner betrachtet würde.  Auch die Behauptung, Fidesz habe versucht, Jobbik als europäische völkische Kraft zu etablieren, ist in Anbetracht gänzlich fehlender Nachweise für diese These ein Produkt der Phantasie von Herrn Pfeifer.

3. Der von Linken gerne zum Feindbild erklärte ungarische Journalist Zsolt Bayer wird sodann als Beleg für diese „Annäherung“ zwischen Fidesz und Jobbik präsentiert. Bayer schreibt bereits seit Jahren mehr oder weniger wirres, größtenteils stark rechtsgerichtetes  und fast durchwegs primitives Zeug, ist jedoch kein aktives Mitglied des Fidesz. Die Tatsache, dass ein passives Mitglied einer konservativen Volkspartei Blödsinn schreibt, sagt denn auch nichts über die Linie der Gesamtpartei aus. Hier zeigt sich, wie dünn die Argumentation von Pfeifer ist: Er benötigt sogar vermeintlich „dem Fidesz nahe stehende“ Journalisten, um die Partei in eine rechte Ecke zu rücken. Dass Bayer – nach Pfeifers Diktion also „Fidesz“ – die Partei Jobbik in ihrer rechten Propaganda ermutigt habe, ist phantasievoll: Belege fehlen aber auch hier. Die Welt des Antifaschisten Pfeifer ist bemerkenswert einfach, Hauptsache, die Botschaft über das rechtsradikale Ungarn nd insbesondere die Mär von der „rechten Einheitsfront“ lässt sich irgendwie untermauern. Beiläufig – ohne Bayer in Schutz zu nehmen – sei erwähnt, dass Bayer derzeit von Jobbik vehement für einen kritischen Artikel über Jobbik-Chef Gábor Vona kritisiert wird.

4. Die Behauptung, Jobbik habe als „Jugendbewegung des Fidesz“ begonnen, ist eine weitere freie Erfindung von Herrn Pfeifer. Die Jugendbewegung des Fidesz heißt „Fidelitas“. Jobbik entstammt einer antikommunistischen Studentenbewegung, die der rechtsradikalen Partei Miép (Ungarische Partei der Gerechtigkeit und des Lebens) nahe stand.

5. Beiläufig erregt sich Herr Pfeifer sodann darüber, ungarische Rechte würden sich mit harten Worten gegen einen Ausverkauf Ungarns an Israel wenden. Seine Kritik an derVerschwörungstheorie des „Ausverkaufs“ ist im Grundsatz auch berechtigt. Pfeifer deutet dann im Rahmen seiner Darstellung jedoch nur kurz an, der israelische Präsident Peres habe „bei einer Rede vor der Handelskammer in Tel Aviv eine launige Bemerkung über Investitionen in Ungarn“ gemacht. Pfeifer möge, wenn er die Reaktion „der ungarischen Rechten“ kritisiert, allerdings auch den Wortlaut von Herrn Peres´ „launiger“ Bemerkung zitieren, um seiner Leserschaft einen eigenen Einblick zu geben. Peres sprach wörtlich davon, israelische Investoren würden „Manhattan, Ungarn, Rumänien und Polen aufkaufen, da man überall beste Kontakte habe“ (vgl. youtube). Diese mehr als unglückliche und in der Sache auch unzutreffende Bemerkung des Staatsoberhauptes wurde selbst in Israel kritisiert. So auch in Ungarn, wo die Rolle ausländischen Kapitals in Anbetracht der großen Abhängigkeit (80% der BUX-notierten Unternehmen gehören Ausländern) ohnehin mit Sorge betrachtet wird. Trauriger Weise gibt Peres mit derartigen, nicht gerade diplomatischen Bemerkungen rechtsradikalen Kreisen Argumente an die Hand, ihre unsäglichen Thesen „unters Volk zu bringen“. Natürlich muss man als Staatspräsident auf Befindlichkeiten rechtsgerichteter Kreise keine Rücksicht nehmen, allerdings sollte man aus Gründen der Höflichkeit und Diplomatie – gerade als Friedens-Nobelpreisträger – eben auf einen höflichen Umgang mit anderen Staaten achten.  Kritik an Peres´ Aussage kommt bei Pfeifer jedoch nicht vor, was die Frage aufwirft, warum bestimmte Journalisten es nicht fertig bringen, einen Sachverhalt vollständig darzulegen und es ihren Lesern zu überlassen, die Fakten zu gewichten. Dass es auch anders geht, zeigt László Tamás Papp im liberalen ungarischen Wochenmagazin „HVG“, (online, 9.11.2007, LINK), das trotz aller Kritik an der Überbewertung der Aussage in Ungarn Peres nicht völlig exkulpiert:

Es ist unbestreitbar, dass der Grand Monsieur der Nahost-Politik seine Worte besser wählen könnte. Als Politiker sollte man sich so ausdrücken, dass die eigenen Worte – aus dem Zusammenhang gerissen – nicht wie ein Bumerang wirken.“

6. Richtig ist, dass Fidesz sich bei der Abstimmung über die Einführung des Paragraphen, der die Holocaustleugnung unter Strafe stellt, enthalten hat. Auch hier verschweigt Pfeifer den Grund: Fidesz wollte auch die Leugnung kommunistischer Verbrechen bestrafen und hatte einen Änderungsvorschlag unterbreitet. Die Sozialisten und die Liberalen waren aber ausdrücklich dagegen. Offenbar möchte Pfeifer den Eindruck erwecken, als habe Fidesz ein Problem mit der Strafbarkeit der Holocaustleugnung an sich, was aber nicht der Fall ist. Zudem ist Jobbik – laut Pfeifer habe diese Partei das Gesetz „abgelehnt“ – derzeit noch gar nicht im Parlament.

7. Ein weiterer Versuch, Fidesz als antisemitisch hinzustellen, ist die Herstellung eines Bezuges zu einem bestimmten Journalisten des Senders Echo TV. Ferenc Szaniszló, ein Vertreter hanebüchener Verschwörungstheorien, der regelmäßig durch antisemitische Ausfälle auf sich aufmerksam macht, hetzt tatsächlich regelmäßig auf Echo TV. Allerdings hat dieser Journalist mit Fidesz nichts zu tun. Dass er im Fernsehen „hetzen durfte“, liegt also nicht an der Opposition, sondern an der überaus weit (ggf. zu weit) verstandenen Meinungsfreiheit in Ungarn.

Beiträge wie der von Herrn Pfeifer dienen in Anbetracht ihrer einseitigen, zum Teil sogar frei erfundenen Inhalte wohl nur einem: Der Propaganda. Ungarns Konservative sollen um jeden Preis mit Rechtsradikalen und Antisemiten vermengt werden. Ursachen für den Rechtsruck, insbesondere die letzten acht Jahre MSZP-SZDSZ-Regierungspolitik, erwähnt der Autor dagegen mit keinem einzigen Wort. Herr Pfeifer ist für diese ihm eigene Art der politischen Berichterstattung denn auch über Grenzen hinweg bekannt. Dass sich „Jungle World“ als Medium zur Information über die Lage in Ungarn eignet, muss wohl ernsthaft bezweifelt werden.

16 Kommentare zu “Die linke Wochenzeitung Jungle World berichtet – wie gewohnt – über Ungarn

  1. Ich freue mich natürlich auch über Kritik und ich habe auch gegen ungerechtfertigte Kritik nichts einzuwenden. Ich habe einfach keine Zeit und keine Lust aufzuzeigen, was alles in dieser Kritik an den Haaren herbeigezogen ist.

    Doch ein kleines Detail ist dem Autor dieser Kritik entgangen. Den Titel und die Einleitung eines Artikels schreibt oft genug nicht der Verfasser des Artikels sondern ein Redakteur in Berlin. Und so war das auch in diesem Fall.

    Ich habe in meinem Text mit keinem Wort behauptet, Fidesz führe einen antisemitischen Wahlkampf.

    Ich hoffe, dass der Autor nun auch die Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Neuen Zürcher Zeitung belehrt, wie sie sich irren, wenn sie darauf hinweisen, dass in Fidesz nahen Medien antisemitische Texte zu finden sind.

  2. Nur noch ein kleiner Nachtrag. Es ehrt mich durchaus, dass mein 4.200 Zeichen umfassender Artikel mit einer 7.280 Zeichen Rezension bedacht wurde.
    Mit freundlichen Grüßen
    Karl Pfeifer

  3. Sehr geehrter Herr Pfeifer,

    Sie kommentierten am 28.03.2010:

    „Ich habe in meinem Text mit keinem Wort behauptet, Fidesz führe einen antisemitischen Wahlkampf.“

    Im letzten Absatz Ihres Textes bei Jungle World heißt es jedoch (unter Bezugnahme auf Szaniszló und Echo TV):

    „Aber auch die Fidesz glaubt, keinen Wahlkampf ohne massiven Antisemitismus führen zu können, (…)“

    Freundliche Grüße

  4. Richtig, ich schaue mir meine Artikel nach dem Schreiben nicht mehr an. Vielleicht hätte ich das Wort massiv weglassen können.
    Doch Szaniszlós Kommentar war halt massiv antisemitisch. Und der Ort, wo er das verzapfen konnte gehört den Fidesz nahen Gábor Széles.
    Auf alle Fälle danke ich für die 7.280 Zeichen, mit denen Sie Stellung genommen haben zu meinem 4.200 Zeichen Artikel.
    Freilich, dieser Antisemitismus ist ja laut Ihrer Meinung kein Antisemitismus, denn im Moment versucht sich Fidesz reinzuwaschen, indem es darauf hinweist, dass ja Jobbik viel radikaler ist. Man kann nicht klein wenig schwanger sein und man kann auch nicht klein wenig antisemitisch sein.

    Zum Thema Antisemitismus in Ungarn empfehle ich

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/Ungarn-Rechtsextremismus;art138,3069359

    und für diejenigen, die Ungarisch können:

    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=4922:magyar-ceg-nem-izraeli&catid=71:a-napi-apro&Itemid=109

    und
    http://www.168ora.hu/velemeny/magyar-garda-ujnyilasok-antiszemitizmus-oriasplakat-kampany-53158.html

  5. Sehr geehrter Herr Pfeifer,

    ich teile Ihre Meinung zu Herrn Szaniszló voll und ganz. Wenn Sie mir in Ihrem Kommentar vorhalten

    „Freilich, dieser Antisemitismus ist ja laut Ihrer Meinung kein Antisemitismus, (…)“,

    dann muss ich entgegnen, dass ich nichts derartiges gesagt habe.

    Wenn Sie aber suggerieren, man könne für die Aussagen von Szaniszló die Partei Fidesz verantwortlich machen und dieser massiven Antisemitismus im Wahlkampf vorwerfen, teile ich Ihre Ansicht nicht.

    Freundliche Grüße

  6. Man kann nicht einfach die antisemitische Hetze in Fidesz nahen Medien wegwischen. So hat u.a. auch Zsolt Bayer ohne jegliche Beweis erklärt „die Juden“ hätten ein Malev Flugzeug abgeschossen.
    Die Fidesz befindet sich in einer Zwickmühle. Sie will Jobbik Wähler abspenstig machen und gleichzeitig aber nicht andere Wähler abschrecken.
    Auf alle Fälle bin ich Ihnen dankbar für die Kritik, denn diese hat ja auch beachtenswerte Elemente. Zum Beispiel wenn Sie mich darauf aufmerksam machen, dass ich auch den antisemitischen Wahlkampf von Fidesz beanstandet habe. Dieser ist natürlich im Vergleich zu Jobbik nicht „massiv“.
    Aber ein Artikel ist wie ein screen-shot, er zeigt eine Lage auf, wie sie der Journalist im Moment des Schreibens sieht. Das kann sich einen Tag später radikal ändern.
    Wer jedoch Journalisten wie Zsolt Bayer kruden Antisemitismus durchgehen läßt, den kann ich nicht von der Verantwortung für Geschehnisse wie in Makó (siehe die Korrespondenz in Galamus mit Zsuzsa Ferge) entlasten.
    Im übrigen kenne ich diese Emotionalisierung aus der Zeit, als die Österreichische Volkspartei 1986 eine antisemitische Wahlkampagne für Kurt Waldheim führte.
    Solche Kampagnen können einen taktischen Vorteil bringen, schaden aber immer. Denn auch in Österreich zog daraus per saldo nicht die ÖVP sondern die von Jörg Haider angeführte FPÖ den Nutzen. Und so wird es – so befürchte ich – auch am 11. April in unserem Nachbarland Ungarn sein. Hoffentlich irre ich mich.

  7. Sehr geehrter Herr Pfeifer,

    antisemitische und rassistische Kampagnen schaden in der Tat immer. In Ungarn kommt eine von beiden großen Lagern verursachte Spaltung der Gesellschaft hinzu, die es extremen Parteien erleichtert, sich mit ihren einfachen Rezepten zu etablieren. Die neue Regierung wird daher zuallererst die Aufgabe haben, diese Spaltung zu überwinden.

    Letzlich bleibt die Hoffnung, dass die radikalen Parteien – wie z.B. auch in den deutschen Bundesländern geschehen – relativ schnell als Taugenichtse erweisen und wieder von der Bildfläche verschwinden. Die Chance für einen solchen Selbstreinigungsprozess schätze ich als relativ gut ein. Dass Jobbik seine Versprechen (z.B. zum Bodenrecht) einhalten wird, ist in Anbetracht EU-rechtlicher Vorgaben ausgeschlossen. Das weiß auch die Juristin Morvai.

    Vorurteile gegenüber Ausländern, Juden oder Roma wird es wohl leider immer geben. Das betrachte ich nicht als typisch ungarisches Phänomen, weshalb ich es hinterfragen würde, ob es richtig ist, im Bezug auf Ungarn sehr einseitig auf diese Themen zu fokussieren. Der Leser ist wohl nicht immer in der ungarischen Politik verwurzelt, weshalb ggf. bei ihm ein verzerrtes Bild entstehen könnte. Vor extremistischen Tendenzen zu warnen, ist Pflicht der Medien. Aber ich habe den Eindruck, dass die Medien eben im Bezug auf Ungarn „nur“ über diese Themen berichten und damit bei den Lesern/Zusehern ein falsches Bild erzeugen.

    Zudem kommen mir persönlich die Ursachen für den Rechtsruck zu kurz, die nicht nur in mangelndem Reformwillen der Ungarn, sondern gerade auch in der „Bilanz“ der MSZP-SZDSZ-Regierungsphase zu suchen sind. Dieses Phänomen ist leider auch aus Deutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt usw.) wohlbekannt.

    Wir sollten zudem nicht vergssen, dass die ungarische Demokratie mit etwa 20 Jahren noch recht „jung“ ist. Viele der heutigen Probleme dürften Teil eines längeren Prozesses der Vergangenheitsbewältigung, Demokratiserung und auch Selbstfindung sein. Das schließt Kritik an Fehlentwicklungen nicht aus. Das von Ihnen dargestellte Bild eines screen-shot ist ja auch naturgemäß auf bestimmte Punkte begrenzt, was ja kein Problem ist. Allerdings würde ich mir wünschen, dass mehr solche screen-shots erfolgten, und zwar auch dann, wenn es positive oder ganz normale Entwicklungen gibt.

    Ein beliebiges Beispiel: Das slowakische Sprachengesetz und der Konflikt Slowakei-Ungarn war europaweit Pressethema. Die Eröffnung der Mária Valéria Brücke bei Esztergom/Sturovo im Jahr 2000 als Zeichen der Verbindung beider Länder war es hingegen nicht. Obwohl diese Brücke noch in den 90ern als Torso in der Donau herumstand. Sie können sich zweifellos an dieses trostlose Bauwerk erinnern, das für mich einem Mahnmal gleichkam.

    Freundliche Grüße

  8. Nun wenn wir Ihnen Glauben schenken, dann wird nach dem 11. April alles paletti. Doch den bösen Geist, den Fidesz aus der Flasche gelassen hat, den kann sie nicht mehr in die Flasche zurückdrängen. Und jetzt plötzlich entdecken die Fidesz nahen Medien wie böse Jobbik ist.
    Das alles ist sehr durchsichtig und ich bezweifle, den Erfolg dieser Kampagne. Denn wer den Zsolt Bayer als
    Hofjournalisten beschäftigt, dem nicht man nicht ab, dass er ernsthaft über den Antisemitismus von Jobbik besorgt ist.
    Und dass ein Ministerkandidat der Jobbik MSZMP Mitglied war, kann Fidesz ja nicht erschüttern, da gibt es mehr als einen der bei der Partei war bzw. man sagt sogar, dass ein ganz prominenter Fidesz Politiker Spitzeldienste für die ungarische Stasi die III/III geleistet hat.
    Fidesz, die in einer parlamentarischen Demokratie die Straße mobilisiert hat, die Jobbik jedwelche Unterstützung gegeben hat und die selbst völkische Ideen vertritt betrachte ich nicht als Zentrum Partei.
    Und weil die MSZP auch korrupte Politiker hat, ist die Korruption bei der Fidesz ja auch nicht vernachlässigbar.
    Fazit: Ich teile Ihren Opitimismus nicht. Hoffe aber, dass Sie recht behalten.

  9. entschuldigung für die vielen fehler. ich habe schnell geschrieben.
    In der heutigen Néspszabadság ist eine zutreffende Analyse des konservativen Frigyes Solymosi, die aufzeigt, welche Verantwortung diejenigen tragen, die Jobbik aus der Flasche gelassen haben.

  10. Durchaus lesenswert!

    Auch wenn Sie die Aussage des Artikels wohl anders gewichten: Anders als die MSZP gibt Solymosi die Alleinschuld am Erstarken von Jobbik nicht Fidesz, sondern weist auf die Entwicklung hin. Und dazu gehören – siehe die Einleitung – auch die ökonomische Krise, die Mißerfolge der Regierungen Gyurcsány und Medgyessy, die Korruption und auch die Rede von Balatonöszöd.

    Hingegen spricht MSZP von ihrer Regierungszeit als „Erfolgsgeschichte“, rechtfertigt sich mit Aussagen wie „Fidesz ist auch korrupt“ und behauptet, Öszöd sei ein Moment der Ehrlichkeit gewesen.

    Interessant ist auch der Absatz, in dem Solymosi über den Bürgerkreis („Polgári Kör“) schreibt, in dem sowohl Viktor Orbán, als auch der jetzige Jobbik-Parteichef Gábor Vona Mitglieder waren. Solymosi, der selbst Mitglied in dieser Bürgerbewegung war, schreibt:

    „Mielőtt ebből bárki valamiféle következtetést vonna le, mint az egyik résztvevő tanúsíthatom, hogy Vona Gábor a tanácskozásokon – kilépéséig – szélsőséges nézeteinek semmiféle jelét nem adta.“

    Sinngemäß: Bevor jemand falsche Schlussfolgerungen hieraus (Anm. Hungarianvoice: der gemeinsamen Mitgliedschaft von Orbán und Vona) zieht, kann ich als einer der Teilnehmer bezeugen, dass Gábor Vona bis zu seinem Austritt aus dem Bürgerkreis keinerlei Äußerungen getätigt hat, die auf seine radikale Sichtweise hätten schließen lassen“.

    Entgegen dieser Schilderung wird Orbán bis heute in fast jeder Verlautbarung von MSZP und ihr nahestehender Medien (insbesondere ATV) dafür kritisiert, dass er den „Rechtsradikalen“ Vona in seinem Bürgerkreis geduldet und ihn dadurch hoffähig gemacht habe.

    Das Erstarken von Jobbik ist Ergebnis einer Entwicklung, zu der vieles beigetragen hat. Auch Fidesz und (noch mehr) die ihr nahestehenden Medien haben wohl ihren Teil dazu beigetragen. Das gleiche gilt jedoch für die Verantwortlichen für die letzten 8 Jahre Politik.

    Frohe Osterzeit!

  11. warum hat keine Fidesz nahe Zeitung diese Erklärung der konsevativen Intellektuellen bislang publiziert?
    wie glaubhaft sind die Angriffe auf Jobbik, wenn diese von Rechtsextrremisten wie Zsolt Bayer geführt werden?
    dazu ist heute ein interessanter Artikel von Tamás Gáspár Miklós auf Népszava erschienen.

  12. Durchaus lesenswert.

    Allerdings watscht TGM auch die Regierungsarbeit der letzten 8 Jahre heftig ab: „“Az elmúlt nyolc esztendő minden tekintetben sikertelen kormányaihoz közel álló pártok…“).

    Ich bin der Ansicht, dass man den nun wohl absehbaren Wahlausgang nicht allein mit radikalen Tendenzen erklären kann. Nach aktuellen Umfragen sinkt Jobbik übrigens wieder – ich finde das erfreulich.

  13. Zu TGM eine kurze Anmerkung: Tamás Gáspár Miklós teilte heute auf ATV (Sendung „JAM“) mit, er habe dieses Jahr nicht gewählt, da keine linke Partei zur Wahl angetreten sei.

    Diese Sichtweise verwundert. Wer sich über die Zunahme der Rechtsextremen beschwert, muss eben zur Wahl gehen und ein Gegengewicht bilden. Nichtwahl stärkt bekanntlich immer die Extremen mit ihrem höheren Mobilisierungspotenzial. Dass Demokratie auch bedeuten kann, „das kleinste Übel“ zu wählen, sollte TGM wissen. Tamás, der sich übrigens immer recht kompromisslos gibt, hat selbst schon viele unterschiedliche politische Ansichten vertreten (im Moment ist er mal wieder Sozialist). Insoweit sollte es ihm nicht schwer fallen, einen seinen früheren Weggefährten zu unterstützen.

    Wahrlich ein demokratisches Vorbild…

  14. punkto Wahlen rennen Sie bei mir offene Türen ein. Ihre Schelte sollten Sie aber direkt an TGM richten. Ich bin nicht sein Vertreter, auch wenn ich einen Text von ihm übersetzt habe.

    Ich habe gerade ein gutes Interview mit Iván Andrassew aus 168óra übersetzt. Nachzulesen auf
    http://www.hagalil.com/archiv/2010/04/13/andrassew/

    Im übrigen werden wir ja jetzt sehen, wie Viktor Orbán mit zwei Ohrfeigen die Ungarische Garde wegjagt, das hat er in einem geschlossenen Kreis versprochen.

    Nun kommen die Mühen der Ebene, und die Wähler werden sich mit nationalistischen Parolen, die ihm so leicht von den Lippen kommen nicht zufrieden geben. Und Jobbik wird die Lektion die es von Viktor Orban gelernt hat, jetzt gegen Fidesz anwenden.

    Neugierig bin ich schon, wie er all das meistern wird. Man kann in diesem Fall nur das Beste hoffen und auf das Schlechteste vorbereitet sein.

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