Kathrin Lauer, György Dalos und Rudolf Ungváry sprechen in Wien über die ungarische Politik

Das österreichische Wirtschaftsblatt berichtet über ein Gespräch zwischen der Budapester dpa-Korrespondentin Kathrin Lauer und den beiden ungarischen Schriftstellern und ehemaligen Dissidenten György Dalos und Rudolf Unváry zur politischen Lage in Ungarn.

Ungváry befürchtet einen „Export des Faschistoiden“ in die EU, Dalos beklagt – zu Recht – die Hasskultur in der ungarischen Politik, und Lauer sieht einen zunehmend aggressiven Tonfall von Seiten der Regierung.

Dalos´Auffassung zur Hasskultur überzeugt, jedoch muss betont werden, dass die Ursachen und Gründe hierfür nicht allein bei der ungarischen Rechten zu suchen sind. Die Auseinandersetzung ist vielmehr bereits seit etwa 1993 von gegenseitigen Pauschalierungen geprägt: Während die „Rechte“ den Gegner als Erbe der Kommunisten oder gar „Diener fremder Herren“ bezeichnet, belässt es auch die „Linke“ nicht bei sachlicher Kritik, sondern versucht, die Konservativen immerzu in eine Ecke mit den Rechtsextremen zu drücken. Eine Tradition, mit der die „linken“ Wähler, deren Parteien außer dem offen präsentierten Antifaschismus nichts „Linkes“ zu bieten haben, noch immer angezogen werden können. Die Trennlinie verläuft somit zwischen vermeintlichen Nazis und angeblichen Kommunisten. Bei der Beurteilung dieser Situation aus dem Ausland fällt auf, dass die Diffamierungen seitens der Linken auf weit weniger Echo stoßen als diejenigen der Konservativen. Letztlich trägt auch die dpa, die über Frau Lauer die Ungarn-Korrespondentin auf dem Podium sitzen hatte, dazu bei: Dass Lauer – dem Wirtschaftsblatt zufolge – lediglich einen aggressiven Tonfall von Regierungsseite erkennt, verwundert vor dem Hintergrund der aktuellen Auftritte von Oppositionspolitikern doch sehr.

Ungváry ist als heftiger, teilweise zügelloser Kritiker der Regierung bekannt. Er, der sich als Konservativer bezeichnet, wird nicht müde, den Teufel an die Wand zu malen, sich über die Rückständigkeit und Verdorbenheit der ungarischen Rechten und das dort fehlende europäische Denken zu empören. Dabei ist er – der selbstredend die Regierung für die Spaltung des Landes verantwortlich macht – von der Grundeinstellung gerade einer jener Vertreter der ungarischen Streit-Unkultur, die durch ihren guten Namen und die offen zu Tage tretende Unversöhnlichkeit für diese mitverantwortlich sind: Er gab vor nicht allzu langer Zeit ofen zu, mit „denen“ nicht reden zu können oder zu wollen. Dialogbereitschaft sieht anders aus. Mit Paul Lendvai und György Konrád dürfte Ungváry das Trio der kältesten Krieger bilden, die die Regierung – vorzugsweise über das Ausland – kritisieren.

Es fällt – zum wiederholten Male – auf, dass sich niemand auf dem Podium befand, der „die andere Seite“ vertreten konnte oder jedenfalls versuchte, deren Ansätze und Sichtweisen zu erklären. Ob dies an der fehlenden Einladung oder der fehlenden Bereitschaft der Regierungsseite liegt, ist nicht überliefert…

http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa_cee/1470366/Ungarn-und-der-Export-des-Faschistoiden-in-EU

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2 Kommentare zu “Kathrin Lauer, György Dalos und Rudolf Ungváry sprechen in Wien über die ungarische Politik

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