Staatspräsident Pál Schmitt verliert Doktorwürde

Die Promotionsrat der Budapester Semmelweis-Universität hat heute entschieden, den ungarischen Staatspräsidenten den Doktortitel zu entziehen. Schmitt war vor einigen Monaten in den Verdacht geraten, einen Großteil seiner Dissertation wörtlich aus einem französisch verfassten Werk abgeschrieben zu haben (HV berichtete).

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,824055,00.html

Nach der Entscheidung des heutigen Tages dürfte die Frage an Brisanz gewinnen, ob und ggf. wie lange der Präsident weiter im Amt haltbar ist.

Presseberichte:

http://mno.hu/belfold/rendkivuli-hirek-visszavontak-schmitt-pal-doktori-cimet-1064623

http://nol.hu/belfold/visszavontak_schmitt_pal_doktorijat

 

 

 

51 Kommentare zu “Staatspräsident Pál Schmitt verliert Doktorwürde

  1. Das ist eine gute Nachricht. Jetzt können wir gespannt sein, ob er weiter amtieren kann, oder zurücktreten muss. Henryk Havas meinte heute im NOL video etwas zynisch, Schmitt wird seinen Rücktritt aus Magyar Nemzet erfahren.

    • Gute Nachricht?,,, Wieder so ein Fall wo das Amt eines Staatspräsidenten der Lächerlichkeit preisgegeben wird – Plagiatelli à la Schmitt u.ä..

      • Lächerlich hat sich Schmittselber gemacht. Er hat sein Amt beschädigt, niemand sonst.

      • Sie haben vollkommen Recht Frau Széchényi: Das Amt des Staatspräsidenten wurde der Lächerlichkeit preisgegeben.. allerdings ist das nun schon eine Weile dahin und wird eventuell ja bald behoben werden..

  2. Schande dass er noch da ist. Das ist eine Regierung die ständig was von christlichen Werten trompetet, deren Essenz der Begriff der persönlichen Verantwortung sei. Schmitt zuvorderst.

    • Zu einer mehr als schwachen Amtsführung (konkret: der völligen Entwertung der Vorab-Normenkontrolle durch präsidiale Untätigkeit, vgl. meinen Bericht „Öl im Getriebe, kein Sand„) kommt nun ein weiteres, persönliches, Manko. Durch das Klammern am Amt wird Politik geschädigt. So, wie es seinerzeit bei Gyurcsány im Jahr 2006 war. Es steht Politikern gut zu Gesicht, wenn sie nach solchen fauxpas ihren Hut nehmen.

      • Das persönliche Manko erachte ich aber immer noch als das geringere Übel. Dass Präsident wie Schmitt jetzt eventuell den Hut nimmt ist meiner Meinung nach kein Verlust für Ungarn, es bleibt aber zu hoffen, dass nicht nur ein Ölwechsel im Getriebe vorgenommen wird!

  3. Zwar ist mir Schmitt als Staatspräsident zu unauffällig (Sólyom war mir da lieber), dennoch hoffe ich, dass er nicht zurücktritt. Meiner Meinung nach hat das Abschreiben der Doktorarbeit wenig Einfluss auf das politische Amt, diese Hexenjagd (gewissermaßen Schlammschlacht 2.0) halte ich daher für überzogen (und hielt sie schon im Falle Gutenbergs für übertrieben, wie vermutlich die Mehrheit des Volkes). Vermutlich ist dieses Delikt nicht mal eine Seltenheit, das die Mehrheit der Kritiker selbst auch begangen hat. Würde Schmitt im Amt bleiben, würde das gewissermaßen ein Exempel statuieren, womit diese Hexenjagd endlich aufhören würde. Wenn Schmitt jetzt zurücktritt während Gyurcsány im Amt blieb, stellt das außerdem eine starke Verzerrung der Verhältnismäßigkeiten dar. Andererseits könnten Schmitt und die FIDESZ jetzt demonstrieren, dass sie besser sind als die MSZP…

    • Lieber Palóc,

      man kann es natürlich auch anders sehen:
      1. Wer ein politisches Amt innehat, das im wesentlichen eine „moralische Instanz“ ist – und der weitgehend machtlose Präsident ist das sowohl in Deutschland als auch in Ungarn – ist schwer haltbar, wenn er moralische VErfehlungen dieser Art begeht. Wie gesagt, man könnte es so sehen.
      2. Die Hexenjagd würde m.E. nicht aufhören, sondern Fidesz weiter beschädigen.
      3. Den Vergleich Gyurcsány-Schmitt sehe ich völlig anders: Träte Schmitt zurück, würde er zeigen, dass er das Fünkchen Anstand besitzt, das Gyurcsány definitiv nicht hatte. Insofern kann er durch seinen Rücktritt zeigen, dass er anders ist. Wenn Fidesz besser ist als die MSZP, muss sie sich eben auch an strengeren Maßstäben messen lassen.

      • Ich glaube nicht, dass man das so sehr vereinfachen kann. Wenn einer Millionen an Steuern hinterzieht oder Leuten das Geld aus der Tasche zieht wie die Telefonmafia, dann ist das Betrug. Damit ist das Abschreiben der Doktorarbeit nicht gleichzusetzen. Verstehen Sie mich nicht falsch, der Doktor gehört aberkannt, aber ein Schwerverbrecher ist er nicht gerade.

      • Kleine Ergänzung noch: ein bestechlicher Präsident ist vielmehr Betrüger als einer der abschreibt…

      • Páloc, Sie haben vollkommen Recht Schwerverbrecher ist Schmitt keiner. Aber ein Staatspräsident sollte meiner Meinung nach integer sein.

  4. Es gibt mehr als einen Grund für einen Rücktritt.
    Der wichtigste Grund ist, dass ein Staatspräsident der ein Plagiat begangen hat, das Amt das er innhat und sein Land schädigt.
    Alle ungarischen Präsidenten vor Schmitt wurden im In- und Ausland als integre Personen anerkannt.
    Sólyom hat einiges getan, um von Fidesz nominiert zu werden, paßte aber anscheinend nicht, denn er war ein Jurist, der nicht jedes ihm vorgesetzte Dokument unterzeichnet hätte.

    Nun gibt es zwei Möglichkeiten, Schmitt tritt zurück, was gut für das Land wäre, aber der Reputation Orbáns schaden könnte, oder aber er bleibt, was Ungarn zur Zeilscheibe des Hohns machen würde, jedoch Orbán als einen Mann zeigen würde, der die Zügel fest in seinen Händen hält.
    Ich halte die erste Variante für wahrscheinlich, denn auch in Fidesz gibt es nüchterne Politiker, die abwägen können den Nutzen oder Schaden die sein weiteres Verbleiben im Amt verursachen könnte. Ich tippe also auf die Vernunft dieser Politiker.

    Ob nun László Kövér der nächste Präsident sein wird?

    • Ich glaube nicht, dass der Rücktritt Schmitts Orbáns Reputation schaden würde. Wie HV erklärt und ich angedeutet habe, kann sich Fidesz als ehrlicher als MSZP darstellen, dann könnte er sogar noch gewinnen.

  5. Moral und Politik

    Ferenc Gyurcsány bringt sich mit einem konstruktiven Vorschlag in die Debatte um den verwesenden ungarischen Präsidenten ein, dessen Rücktritt ja längst überfällig ist.

    Die Volksvertreter in allen demokratischen Parteien sollen schon jetzt über die Wahl eines neuen Präsidenten nachdenken.
    Moralisch gesehen hätten die regierenden Parteien nämlich nicht mehr das Recht, einen neuen Präsidenten alleine zu bestimmen, so Gyurcsány.

    Schwingt sich der von vielen politisch schon abgeschriebene ehemalige Ministerpräsident mit seiner Forderung jetzt auf eine Vorreiterposition im Kampf für ethischen Realismus? Oder werden alte Klischees über die Glaubwürdigkeit seiner Person noch vertieft?

    Eine Abwägungsfrage!

    Jenseits von Moral und Politik ist jedoch eines sicher: Aasfresser haben immer einen starken Magen. Deshalb können sie auch verwesendes Fleisch verwerten.

    Ich halte Gyurcsánys Forderung jedenfalls für sehr konstruktiv.

    Noch konstruktiver wäre es aber, wenn er zukünftig nicht nur den Präsidenten, sondern auch den Ministerpräsidenten bestimmen könnte.

    Oder etwa nicht?

    Denn Orbán und Fidesz sollten aus moralischen Gründen alle Rechte entzogen werden!

    Oder etwa nicht?

  6. Es ist gut zu lesen, wie hier nur ehrliche ,tadellose Bloger Beiträge schreiben.
    Hier hat keiner die Hausaufgaben kopiert, Spitzzettel angefertigt ! Nein ! Herr Kálnoky, wissen Sie daß über Nacht Befreite aus den Arbeitslagern Kapitäne ernannt worden sind, aus Russland zurückkehrende Kriegsgefangene auf einmal Russischlehrer, AVH-Mitarbeiter Osteuropa-Experten geworden sind ? Und wieviele sind nur aufgrund ihrer Herkunft Uniprofessoren geworden? Oder : Bauer Miklós (jogász) ?!

    Wer das System kennt und jetzt über P. Schmitt lästert ist mehr als bösartig. Wer das System zeitlich und örtlich n i c h t kennt, aber laut wird, kann gleich eine Blinddarmoperation anfangen. Es gibt Mangel an Ärzten ung Klugsch…!
    Was für eine Heuchelei!

  7. Palóc, ich glaube schon, dass Orbán und Fidesz Schaden leiden. Denn HVG brachte die erste Dokumentation über Schmitts Plagiat am 11. Januar. Wie reagierte darauf Orbán und Fidesz? Alles wurde verharmlost und behauptet dass sei nur eine Zeitungssensation. Doch Plagiat geht darüber hinaus, was sonst Orbán treu ergebene Fideszleute bereit sind zu tolerieren. Das sehe ich als positiv an.
    Da gibt es den Skandal um einen Artikel den András Stumpf in Heti Válasz online gesetzt hat und von dort herausgenommen wurde.
    Ein Fidesznaher Professorenverein forderte auch den Rücktritt.
    Die Art wie Fidesz diese Angelegenheit behandelt hat, zeigt totalen Zynismus und damit haben sie natürlich ihren schlechten Ruf in Europa noch schlechter gemacht. Aber die Tatsache, dass die Universität seinen Titel aberkannt hat, läßt darauf hoffen, dass es Orbán nicht gelingen wird die Zivilgesellschaft total unter seine Kontrolle zu bringen.

  8. Uff wieder ein Fehler nicht dass, sondern, das sei nur eine Zeitungssensation.
    Das kommt vom Schnellschreiben. Entschuldigen.

  9. Ist eigentlich der Promotionsrat der Budapester Semmelweis-Universität dazu berechtigt den Doktortitel abzuerkennen?Ist dazu nicht eine gerichtliche Entscheidung notwendig?
    Na, ja und die feine englische Art ist es wohl auch nicht, dies dann zu entscheiden, wenn der „Übeltäter“ im Ausland ist.
    War halt unprofesionell von Schmitt in die Politik zu gehen, denn sonst hätte kein Hahn danach gekräht.

    • Der Entzug eines verliehenen Doktortitels erfolgt durch die Uni. Wer verleiht, der entzieht auch. Allerdings kann Schmitt sicher vor Gericht klagen mit dem Ziel, die Entscheidung aufzuheben. Ich zweifle aber, dass eine solche Klage weise wäre…

      • Na, mal ehrlich, ich hätte da auch soviel Schneid und würde zurücktreten.
        Allerdings ging es ja bei Guttenberg auch nicht von Heute auf Morgen.
        und
        Schmitt befindet sich in illustrer Gesellschaft.Man muss sich nur mal auf dem Blog für wissenschaftliche Redlichkeit umschauen.

  10. Nun Schmitt bleibt ungarischer Präsident. Orbán wollte nicht beschädigt werden, daher läßt er das Land beschädigen. Denn jetzt wird man sich über ein Land lustig machen, dessen Präsident geistiges Eigentum gestohlen hat.

    • Orbán wollte nicht beschädigt werden und lässt das Land beschädigen? Ich dachte, wir sprechen von Schmitt?

      Vielleicht ist ja Orbán diesmal nicht schuld, lesen Sie mal:

      „Vezető fideszes és KDNP-s politikusok péntek reggel az [origo]-nak még a miniszterelnök környezetéből származó információikra hivatkoztak, miszerint Orbán csütörtök este lemondásra kérte Schmittet. Ezt megerősítették akkor is, amikor a miniszterelnöki kabinet döntése után az új fejleménnyel péntek délután ismét megkerestük őket. Egy KDNP-s forrás azt is megismételte: a lemondásról szóló miniszterelnökségi tájékoztatás után gyúrták „élesítéskészre“ a Schmitt Pál távozásán sajnálkozó közleményüket, vagyis Orbán környezetében állítása szerint péntek reggel még úgy gondolták, meggyőzik a köztársasági elnököt. A helyzet az elmúlt három napban több látványos fordulatot vett, így az sem kizárt, hogy estig újra megváltozik a helyzet.“

      Sinngemäß für die vielen, die leider nicht ungarisch sprechen: Orbán soll nach Informationen aus seinem Umfeld Schmitt bereits gestern um den Rücktritt gebeten haben. Man habe sogar bereits an den üblichen „wir bedauern das sehr“ Mitteilungen geschrieben.

      Offenbar wollte aber Schmitt nicht.

      • @HV:
        Vielleicht sollte Orbán ihm ein Papier mit seiner eigenen Rücktrittserklärung vorlegen. Er hat doch bislang alles unterschrieben, was man ihm zur Unterschrift vorgelegt hat [Ironie Ende]

        Der aktuelle Bericht der Tagesschau:
        Ungarns Präsident tritt trotz Plagiatsaffäre nicht zurück.
        http://www.tagesschau.de/ausland/ungarn364.html

      • Kurzer Nachtrag:

        In dem Artikel der Tagesschau steht:
        „Den Verlust seines Titels erkenne er an, sagte Schmitt bei seinem mit Spannung erwarteten Fernsehauftritt. Jedoch entspreche seine Arbeit „den vor 20 Jahren gültigen Regeln“.“

        Vor zwanzig Jahren musstem meine SchülerInnen den Inhalt von Büchern (mehr oder weniger komplett) wiederkauen können, wenn sie sich zur Aufnahmeprüfung an den Universitäten anmeldeten.
        Memorieren war angesagt, aber keine kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt. Hat sich das inzwischen geändert? Nach meinen Informationen: NEIN!
        Zur Problematik: Auswendiglernen versus Verständnislernen
        http://de.wikipedia.org/wiki/Auswendiglernen

        Die Promotionsordnung der Universitäten kenne ich nicht. Aber ich habe mich immer gewundert, wie wenig damals in wissenschaftlichen Arbeiten korrekt zitiert wurde.

      • Gibt es Ihrer Auffassung nach (in UNgarn) einen Unterschied zwischen dem „kisdoktor“ und dem „großen PhD?

        Mir hat es z.B. auch nie eingeleuchtet, warum man in Ungarn – ohne promoviert zu haben – automatisch mit dem Abschluss des Jurastudiums einen Doktortitel bekommt. War übrigens auch in Österreich so.

      • @HV:

        Ich habe die Schüler nur bis zur Aufnahmeprüfung begleitet. Der Weg durch das Studium lag nicht in meinem primären Interesse, ich hatte damals andere Sorgen. Vieles blieb mir damals verborgen. Einiges habe ich auch vergessen, oder ist nicht mehr so ohne weiteres aus dem Gedächtnis abrufbar. Der Erfahrungsaustasch mit den ExschülerInnen beschränkte sich meist auf die mehr persönlichen Erfahrungen während des Studiums. Aber ich werde mich erkundigen, wenn ich über Ostern wieder wieder (zuhause) in Ungarn sein werde. Dann fallen mir auch sicher wieder einige Details ein.

        In der Wikipedia gibt es einen interessanten Artikel über Schmitt:
        http://en.wikipedia.org/wiki/P%C3%A1l_Schmitt_scientific_misconduct_controversy
        Hier wird auch der Unterschied Dr. Univ. versus PhD angesprochen.

        Bitte lassen sie mich noch etwas ergänzen. Mit der Bemerkung: „Aber ich habe mich immer gewundert, wie wenig damals in wissenschaftlichen Arbeiten korrekt zitiert wurde.“ möchte ich nicht pauschal über das Niveau der wisschaftlichen Arbeit urteilen – allein schon deshalb nicht, weil ein Teil der akademischen Jugend meine ehemaligen SchülerInnen waren. Mir fehlten oft leider die Einzelbelege, um nachschauen zu können, wer was gesagt oder geschrieben hat, um mich selber besser informieren zu können.

  11. HV wenn es so ist, wie im Zitat behauptet, dann hat aber Orbán nicht den richtigen Mann für den Posten des Staatspräsidenten ausgewählt. Und dann ist nicht nur Schmitt sondern auch Orbán beschädigt. Dann gelingt es Schmitt auch Orbán zur Witzfigur zu machen.
    Zsolt Bayer, mit dem sich Orbán erst gestern hat fotografieren lassen, weiß auch dass Schmitt zurücktreten muss, aber Bayer wäre nicht Bayer, wenn er nicht sofort die Schuldigen indentifizieren würde, die Linksliberalen, die er schlicht und einfach als Mißgeburten einer Mischung aus Hyänen und Schakalen nennt.
    Bayer, Orbán und Schmitt sind Symptome eines geistigen Morbus Hungaricus des 21. Jahrhunderts und bald werden es schon die Kinder verkünden König V.O. ist nackt.

    • „Bayer, Orbán und Schmitt sind Symptome eines geistigen Morbus Hungaricus des 21. Jahrhunderts“

      Herr Pfeifer, mit Verlaub, dieser Satz erinnert mich an den Stil von Zsolt Bayer.

      „Zsolt Bayer, mit dem sich Orbán erst gestern hat fotografieren lassen“

      Ich nehme an, Sie meinen hier die Veranstaltung, die am Freitag zum Fidesz-Geburtstag abgehalten wurde. An der Veranstaltung nahmen viele teil, unter ihnen auch Zsolt Bayer, der vor 24 Jahren Mitbegründer von Fidesz war. Ich habe einige Fotos von der Veranstaltung gesehen. Kein einziges war dabei auf dem Orbán mit Bayer spricht, neben ihm sitzt oder steht. Orbán hat sich nicht mit Bayer fotografieren lassen, er wurde mit vielen anderen fotografiert, unter diesen anderen war auch Bayer. Falls Ihnen ein Foto vom Freitag bekannt ist, das darüber hinaus geht, wäre ich für ein Link dankbar.

  12. Soweit ich weiss, kann formal Schmitt nur aus eigenen Willen zurücktreten. Also hier Orban ins Spiel zu bringen alsob er hier das Sagen hätte, geht an der Realität vorbei.
    Geben wir Schmitt noch ein Paar Tage Bedenkzeit. Auch Wulff hat ein bisschen Zeit gebraucht. Schmitt wird auch realisieren, dass er dieses Amt nicht glaubwürdig ausüben wird können.
    Was ich vermisse, sind die Antworten auf Fragen wie: Wie konnte ein solche Arbeit akzeptiert und mit Summa cum Lauda bewertet werden? Wer alles hat noch so seinen Titel bekommen? Wird das noch immer so gehandhabt? Wo liegt die Verantwortung der Prüfer (Dies habe ich im Fall Guttenberg vermisst)? Wenn ihre Arbeit akzeptiert wird und als sehr gut benotet wird, können sie nicht zu Recht annehmen, dass sie gut gearbeitet hätten ? Was ist mit den sg. Maxifoxi-Titeln ?
    (Nebenbei: Auch der Titel von Bokros ist angeblich nicht ganz astrein.)
    Ich habe den Verdacht, dass der schnelle Entzug des Titels den Zweck hat, tiefere Nachforschungen über die (frühere?) Vergabepraxis der Titel vorzubeugen.
    Hievon abgesehen kotzt mich die hochmoralische Entrüstung der Kritiker an (wie im Falle Wulff).

  13. Gast, Ich hörte lediglich einen Vortrag von Bokros über Wirtschaft und damals lehrte er auch an einer Universität. Bokros hielt einen ausgezeicneten Vortrag und ich denke, wenn Fidesz etwas über seine Diss in der Hand gehabt hätte, dann hätten sie das schon längst bekanntgemacht.
    Die Argumentation, dass doch auch andere Plagiat begangen haben, erinnert mich an die Zeit, als ich noch aus Interesse für die Justiz in Gerichtssäle ging.
    In einem Wiener Bezirksgericht erlebte ich einen Gewohnheitsdieb, der bei einem Ladendiebstahl ertappt und vom Richter zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.
    Der Täter jammerte: „Herr Rat, wieso strafens mi so streng, wo doch die Großkopferten vül mehr stehlen? fragte er.
    Wenn es stimmt, dass Schmitt nicht gezwungen werden kann zurückzutreten, dann bleibt dem Parlament die Wahl das Gesetz über die Versorgung ehemaliger Staatspräsidenten zu ändern, bzw. ihm eine solches anzudrohen, mit rückwirkenden Gesetzen hat ja Fidesz keine Probleme. (Ironie K.P.)

  14. Gast, die hochmoralische Entrüstung müssen alle sich gefallen lassen, die hochmoralisch in Erscheinung treten. An ihren Worten und Taten sollen die Leute gemessen werden. Natürlich sind diejenigen, die in der Öffentlichkeit stehen besonders unter Beobachtung und Kritik und das ist gut so!!! Ihr Aufstieg soll doch als Vorbild für Intelligenz und Redlichkeit stehen, oder? (Vorsicht, Ironie) Im Fall Schmitt das passiert was in diesen Fällen immer geschieht. Je integerer sich jemand gebärdet umso eher lösen Verfehlungen Unmut und Spott aus. Schmitt zeigt sich stur und arrogant, das ist ebenso sein Verhängnis wie seine maßlose Selbstüberschätzung. Er hat eine Position der er nie gerecht wurde, er war nur Parteisoldat. Das ist zu wenig, um Respekt und Anerkennung zu bekommen.

  15. Dieses Interview spricht Bände.

    http://www.hirado.hu/Hirek/2012/04/01/07/Schmitt_a_szenatus_tullepte_hataskoret.aspx

    Der Staatspräsident demontiert sich selbst – nicht nur seine Person, sondern auch das Amt. Die im Zuge der Plagiatsaffäre aufgekommene Kritik als „Angriff auf das Amt“, auf die „erste Peson im Staat“ oder gar als „Herabwürdigung Ungarns“ darzustellen, ist abwegig.

    Hier wird nicht „Ungarn“ kritisiert, sondern das Verhalten Schmitts bei Abfassung der Dissertation. Ungarn, das Land, hat sich in der Affäre längst rehabilitiert: Die Uni hat reagiert und ihm den Titel entzogen. Es wäre hilfreich, wenn Schmitt nun die entsprechende Konsequenz zöge und zurückträte. Dann wäre auch das Amt wieder rehabilitiert. Niemand anders als Schmitt ist es, der dem Amt durch Interviews wie dem o.g. die Würde entzieht.

  16. Es wird ein Nervenkrieg für Schmitt und er wird sich – so stelle ich es mir vor – Volkes Willen beugen müssen (s. Demo in Bp), Wenn er ein Fünckchen Selbstachtung hätte, wäre er nicht mehr in seinem Pallast. Wessen Geistes Kind er ist, hat er in dem Interview offenbart. Ich denke, er versteht die Welt um ihn herum, nicht.
    Frage: waum ist Viktor Orban auf Tauchstation? Will er, daß andere für ihn die Beute erlegen? Ich kann nur sagen: Pali bacsi menny haza Anyukadhoz

    • Judith, wenn Sie schon unwürdige Flüche verbreiten (wir sind hier nicht in einem Stehausschank und auch nicht auf dem MSZP-Parteikongress!), dann achten Sie wenigstens darauf, diese fehlerfrei niederzuschreiben: Es heißt nicht „menny haza“, sondern „menj haza“.

      • @HV

        Warum sprechen sie nur vom MSZP-Parteikongress, gibt es in Ungarn nicht auch noch andere Parteien und politische Gruppierungen, wo man sich daneben benehmen kann?

        Auf der Tagesschau-Seite war heute am 1. April 2012 ein Beitrag zu lesen: „Spendengala soll Liberale retten“.
        Ich denke, so sollten wir diese Diskussion auch so sehen.
        http://www.tagesschau.de/inland/fdpgala100.html

        Eigentlich wollte ich einen kleinen Beitrag zur Rede von Herrn SP auf MTV posten. Ich werde warten, bis sich die ganze Aufregung gelegt. Heute – an einem 1. April – können wir ja wohl keine sachlichen Beiträge mehr erwarten?

        Vielleicht irre ich mich auch …

      • @ Szarvasi:

        Natürlich gibt es in allen Lagern – auch bei Fidesz – Personen, die sich daneben benehmen. Die Bezugnahme auf die MSZP war ein sog. „Insider“. Ich meinte einen Auftritt des ehemaligen Ministerpräsidenten Gyula Horn, der auf einer MSZP-Veranstaltung aus Anlass seines Geburtstages den damaligen Staatspräsidenten László Sólyom mit ähnlichen Worten bedachte („a jó nénikéjét neki“). Hier der Link:

  17. Halász,
    Ich habe auf Grund nicht nur des Schmitt-Debakels, sondern auch bezugnehmend auf den heidnischen Mummenschanz um die St. Stephans Krone und auf die Teilnahme des Fidesz Bürgermeisters aus Székesfehérvár an einer rechtsextremen Zusammenrottung vom geistigen Morbus Hungaricus geschrieben. Damit war ich sehr zurückhaltend. Es wäre mir viel lieber gewesen, wenn Schmitt zurückgetreten wäre, ich glaube dies auch geschrieben zu haben.
    Ob Orbán mit Bayer gesprochen hat, weiß ich nicht. Aber er hat eine pro-Orbán Demonstration von ihm organisieren lassen und ihm gedankt.
    Ich bedauere sehr, dass sie meine Feststellung über einen geistigen Morbus Hungaricus in eine Reihe mit der rassistischen und antisemitischen Publizistik eines Bayers stellen, obwohl ich ja meine Bemerkung aufgrund von offensichtlichen Tatsachen gemacht habe.
    Diese Tatsachen ändern sich auch dann nicht wenn Sie mich in eine Reihe stellen mit Zsolt Bayer.

    • Herr Pfeifer, meine Äußerung über Ihre Bemerkung vom „geistigen Morbus Hungaricus“ bezog sich ausdrücklich auf den Stil. Unter meinen Freunden in Ungarn gibt es Gegner und Befürworter der aktuellen ungarischen Regierung. Sie haben alle ihre eigene Überzeugungen, Erfahrungen, die zu ihrer Haltung geführt haben. Diejenigen, die mit der Regierung sympathisieren haben für ihre Haltung auch vernünftige, gut nachvollziehbare Gründe. Diese Leute sind Demokraten und sind weder Rassisten, noch Antisemiten. Der von ihnen mitgewählte Regierung ist eine demokratische Regierung und ist weder rassistisch, noch antisemitisch.

      Wenn im Zusammenhang mit diesen Leuten oder im Zusammenhang mit ihrer politischen Wahl von Krankheit, oder von krankhaftem Verhalten die Rede ist, empfinde ich solche Äußerungen als diffamierend und unakzeptabel. Hier verwenden sie ein Stilelement, das für den von Ihnen so oft erwähnten und zurecht gescholtenen Zsolt Bayer typisch ist.

      Ich finde es schade, dass Sie hier auf fast jedes Diskussionsthema – egal worum es sich handelt – den Rassismus- oder Antisemitismusstempel aufdrücken. Dieses Vorgehen wäre für mich nachvollziehbar, wenn die Gefahr bestehen würde, dass der durchaus vorhandene und problematische Rassismus und Antisemitismus in Ungarn in der ungarischen und internationalen Öffentlichkeit nicht ausreichend thematisiert wäre. In einem Umfeld, in dem mit häufiger Regelmäßigkeit überzogene, ungerechte Vorwürfe und Angriffe gegen Ungarn und die ungarische Regierung in diesen Themen geritten werden halte ich diesen propagandistischen Eifer für mehr als überflüssig. Sie stellen Formulierungen in den Raum, die man so nicht stehen lassen kann (wie Ihre Bemerkung vom „geistigen Morbus Hungaricus“), oder Behauptungen, die bestens geeignet sind, falsch verstanden zu werden (wenn sie schreiben, Orbán läßt sich mit Bayer fotografieren, denken die meisten Leser daran, dass Orbán und Bayer beim gemütlichen Plausch fotografiert wurden und nicht als Personen ohne jegliche sichtbare gegenseitige Interaktion in einer grösseren Gruppe). Ihre Vorgehensweise hindert uns sogar daran, seltene Momente der Eintracht zu genießen: im eigentlichen Thema der aktuellen Diskussion sind wir, wie ich sehe vollkommen gleicher Meinung: Schmitt muss zurücktreten, er hätte längst zurücktreten müssen.

  18. HV, Sie sprechen vielleicht besser Ungarisch als ich. Es sollte kein unwürdiger Fluch sein (sorry, die Flüche habe ich in meiner Kindheit nicht erlernt, sie waren bei uns unüblich) und ein Vorwurf, daß meine Rechtschreibung nicht gut ist, könnten Sie an dieser Stelle sich verkneifen. Ansonsten kann ich den Eindruck der belehrenden Besserwisserei gewinnen.

    • Jemanden verbal „zu seiner Mutter“ zu schicken, ist unterstes Niveau. Das entspricht in etwa dem englischen „Motherfucker“. Womit ich auch die belehrende Besserwisserei einstelle. Verkneifen Sie sich dieses Niveau, und wird können – wie bisher – kultiviert miteinander diskutieren.

  19. Ich habe Ihnen meine Erklärung gegeben, ausdrücklich geschrieben, wieso ich diesen großen Irrtum begangen habe. Sie belehren mich schon wieder und lassen die verbalen Muskeln spielen . Nein HV, so habe ich keine Lust zu diskutieren. Ende der Diskussion, auch für andere Meldungen

  20. Zu HV 31.März 21.50Uhr

    „Gibt es Ihrer Auffassung nach (in UNgarn) einen Unterschied zwischen dem “kisdoktor” und dem “großen PhD?

    *Mir hat es z.B. auch nie eingeleuchtet, warum man in Ungarn – ohne promoviert zu haben – automatisch mit dem Abschluss des Jurastudiums einen Doktortitel bekommt. War übrigens auch in Österreich so.“

    @HV
    Ich kann mich nur auf die Zeit von Mitte der 70-er bis Mitte der 80-iger beziehen.
    In dieser Zeit gab es wohl kaum ein anderes Land, wo es so viele Jurastudenten gab, die ihr Studium als Fernstudium absolvierten.
    Darunter gab es auch viele, die nicht mal Abitur hatten, Hauptsache die „Gesinnung“ stimmte.
    Ich befürchte, dass die mit einer extra „doktorálás“ wohl etwas überfordert gewesen wären.
    Man gibt halt in Ungarn was auf Titel 😉

    Eine Änderung gibt es wohl erst seit 1994

    • Gerade in der SZ entdeckt!
      In der Slowakei soll auch einfach gewesen einen Doktortitel zu bekommen.
      Dem Datum istr es keine Aprilscherz: 27.04.2009

      Ein Titel für die Eitelkeit
      http://www.sueddeutsche.de/karriere/promotion-dr-bratislava-befriedigt-die-eitelkeit-1.393149-2

      „Wer diesen „kleinen Doktor“ allerdings vor 2007 etwa in Bratislava erworben hat, genießt in Bayern und Berlin nach wie vor Vertrauensschutz für den vollwertigen Namenszusatz „Dr.“.

      Der Autor sieht den deutschen „Dr. med.“-Titel auch in diesem Zusammenhang:
      „Der Titel diene weniger der Wissenschaft als der beruflichen und gesellschaftlichen Anerkennung oder der Eitelkeit.“

      • Upps, da waren wieder in paar Tippfehler drin.
        Und im zweiten Satz die Wörter „es“ und „sein“ vergessen.
        Ich gelobe Besserung!

  21. In den anglosächsischen Länder benutzen hauptsächlich Ärzte den Dr. Titel.
    Ich habe gerade einer mir bekannte österreichische Universitätsprofessorin, die an einer britischen Uni lehrt, getroffen und erhielt ihre Visitkarte und fand nach dem Namen PhD. Dr.Habil
    darunter in ganz kleinen Buchstaben: Distinguished Professor Chair in …. Studies.

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