Welt: Boris Kálnoky über den Selbstfindungsprozess des ehemaligen Antisemiten und Jobbik-Politikers Csanád Szegedi

Die Welt am Sonntag bringt heute einen langen Beitrag von Boris Kálnoky über die Wandlung und Selbstfindung des Csanád Szegedi, der ehemaligen Nr. 2 der rechtsextremen Partei Jobbik – der plötzlich mit seinen jüdischen Wurzeln konfrontiert wurde.

Wie Szegedi damit umging, wie er zum Antisemiten und Rassisten wurde: Kálnoky versucht, diesen spannenden Fragen nachzugehen.

http://www.welt.de/politik/ausland/article121038974/Warum-ein-Judenhasser-zum-Judentum-konvertiert.html

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33 Kommentare zu “Welt: Boris Kálnoky über den Selbstfindungsprozess des ehemaligen Antisemiten und Jobbik-Politikers Csanád Szegedi

  1. Interessante Geschichte. Mal abgesehen vom Werdegang des Herrn Szegedi beweist sie auch einmal mehr, dass der Mensch dazu neigt, genau das zu werden wofür er am meisten angefeindet wird – das gilt für Herrn Szegedi genauso wie für viele Auslandsungarn.

    Etwas kritisch sehe ich allerdings Herrn Kálnokys Argumentation, dass Szegedi Jude ist, weil er jüdischer Abstammung ist. Zu erkennen ist diese Argumentation daran, dass er seine jüdische Identität erkennen musste. Meiner Meinung nach wurde Szegedi zum Juden als er sich dafür entschied jüdisch zu leben, sich für das Judentum zu öffnen. Würde ihn die jüdische Abstammung allein zum Juden machen, würde das eine genetische Veranlagung zum Juden implizieren, was mir wiederum zu sehr in Richtung Rassenlehre geht.

    Interessant finde ich auch die Anmerkung, dass es für Szegedis Frau schwer wäre nicht als Jüdin zu zählen. Inwiefern zählt sie nicht als Jüdin bzw. welche Folgen hat das? Wie äußert sich das in der Praxis? Betrifft die schwierige Aufnahme nur die Chabad Lubawitsch oder das Judentum allgemein? Man verzeihe mir meine Ahnungslosigkeit.

    Obwohl bei der Welt erst vier Meinungen zum Artikel zu lesen sind, zeigen diese bereits wieder die Überzeugtheit mancher Schreiberlinge von ihrem eigenen Standpunkt, gerade so als wäre dieser die Wahrheit höchst selbst. Es kommen sicherlich noch einige solcher Meinungen hinzu…

    • „Etwas kritisch sehe ich allerdings Herrn Kálnokys Argumentation, dass Szegedi Jude ist, weil er jüdischer Abstammung ist.“

      So weit ich weiß, sehen die jüdischen Religionsgesetze, die sog. Halacha, selbst vor, dass Jude der ist, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Auf die Frage, ob der/die Betroffene gläubig ist oder nicht, ob er/sie sich zum Judentum bekennt oder nicht, soll es nicht ankommen. Ein erheblicher Unterschied zum christlichen Glauben, dort kommt es allein auf die Taufe an, nicht auf die Abstammung.

      Natürlich lasse ich mich von vertieften Kennern des Judentums gerne überzeugen, dass ich irre.

      Szegedis Großeltern mütterlicherseits sind Juden, seine Mutter ist Jüdin, demnach ist er nach der Halacha ebenfalls Jude.

  2. @ Ich würde HV zustimmen und somit seinen Beitrag damit ergänzen, dass dies damit nich die Argumentation von Herrn Kálnoky ist, sondern auch der nur diese Lehrmeinung widergibt, die zudem indirekt ja auch von S. Köves, meine ich, vertreten wurde.
    Das Ende des Artikels über die Frau von Szegedi habe auch ich nicht ganz verstanden…

  3. „Gläubig war er immer gewesen, freilich bis dahin als Calvinist.“
    Als gläubiger reformierter Christ kann man kein Antisemit sein. Gerade der Calvinismus fusst so tief im Alten Testament, dass niemand, der es mit diesem Glauben ernst meint, Feind der Juden sein kann (jetzt komme mir bitte niemand mit Hegedûs junior, der zunächst die Bibel ganz weit von sich schiebt, bevor er zu predigen beginnt; damit auch visuell unterstreichend, dass diese in seiner Predigt keine Rolle spielen wird). Mir kommt da die Passage im Goldmenschen in den Sinn, als Timea getauft wird. „Gott Israels“, singt der Kantor, und Timea denkt, sie wäre gerade zur Jüdin getauft worden.

  4. Groteskes Drama:
    Für Slomo Köves ist die wichtigste Lehre aus der erstaunlichen Geschichte des Judenhassers, der zum Juden wurde, „wie schädlich es ist, krampfhaft seine Identität zu verleugnen. Man spürt dann, dass etwas fehlt, und versucht es durch etwas zu kompensieren, was am Ende schädlich ist.“
    Also geht es Slomo Köves um genetische Bestimmung ? – was nichts anderes ist als diese Identität, die man nicht verleugnen soll ! Eine andere jüdische Identität bei Szegedi kann es nicht geben, denn sie hat ja keine bewußte Vorgeschichte, so wie bei anderen der gelebte Glaube oder Tradition. Darf man das so sagen? Ist also ein völkischer Ansatz im Judentum? Eine Binsenweisheit seit langem schon, häufig diskutiert. Oder ? In Deutschland aber nicht korrekt, politisch und moralisch, der Millionen Ermordeten im Angesicht. Slomo Köves würde bestimmt sagen, dass der Jüdische Glaube viel tiefer geht – die Genetik sein nur ein Aspekt. Man darf das, was Jüdisches Leben bedeutet, nicht auf Aspekte reduzieren. Szegedis Mutter war Jüdin. Wäre nur der Vater Jude gewesen, wärs nix geworden mit der jüdischen Identität aus jüdischer Sicht. Für Nicht-Juden schon. Denn die bemessen meistens nicht religiös, kulturell, traditionell, ideell, sondern gnadenlos genetisch-technisch-bürokratisch. Die gesamte westliche Welt ist davon überzeugt – und tuschelt, weil peinlich. Wissenschaft und Genetik haben die Oberhand – ansonsten alles kultureller Quatsch. Religion war schon immer eine Falle, so der Mainstream, wenn ehrlich.

    Szegedi ist ein armer, dummer Typ. Er ist – so befürchte ich – Rassist geblieben. Aber vielleicht tu ich ihm Unrecht. Glauben ist für mich jedenfalls was anderes – eher befreiend – nicht wie der erzwungene Sprung auf die andere Seite um sich zu retten.
    Wenn er so sein Trauma beheben kann und nun nicht mehr hetzt, dann ist sein heutiges Dasein jedenfalls besser als das vorherige. Jedenfalls wurde nicht gleich aus dem bösen Juden Szegedi Csanád ein guter Jude. Vergeben wir ihm.

  5. Der Fall Cs. Szegedi ist sogar für ungarische Verhältnisse außerordentlich bizarr. Die Erschütterungen im Selbstverständnis des jungen Mannes – und in dem seiner Ex-Partei – sind gewiss noch nicht ausgestanden. Allerdings darf man in Hinblick auf Jobbik auf alles gefasst sein – und auch auf dessen Gegenteil, wie der Ungar so schön sagt. Danke fürs Verlinken, HV!

    Das Feature über Szegedi finde ich allerdings in verschiedener Hinsicht problematisch.
    Der gefühlige Ton stört weniger als die zum Melodram stilisierte Politfarce um einen machtbewusst und hochintrigant agierenden Parteifunktionärs. Warum wird der eigentliche Politskandal komplett wegretouchiert???
    So stellt der Autor zwar die (ziemlich harmlose) Frage, ob Szegedis Flucht nach vorne, in die Arme der beiden orthodoxen Rabbiner, echte Umkehr oder eher doch Berechnung sei, un erörter schöngeistig die Motivation dieser selbst für Szegedis Verhältnisse frappierendzügig angesteuerte Konversion. Nicht berichtet, ja noch nicht einmal angedeutet wird hingegen der skrupellose, nahezu kriminelle Versuch Szegedis, die Herkunft über mehr als ein Jahr lang zu vertuschen, um seine Wiederwahl zu den Parteiämtern nicht zu gefährden. Was letztlich den Grund für das innerparteiliche Verfahren gegen ihn lieferte. Es ist nicht einmal auszuschließen, dass Szegedi bereits vor seiner Wahl für Brüssel 2009 wusste, was es mit seiner eigenen jüdischen Herkunft auf sich hat. Die bußvolle Umkehr vollzog sich erst, als die Sache publik wurde.

    Unklar ist mir auch, wie Kálnoki darauf kommt, dass Szegedi sozusagen auf Anraten von Köves sein Mandat behalten hat. Aus der Chronik der sich überschlagenden Ereignisse, während derer Szegedi nicht müde wurde, Nebel zu streuen und seine Verstuschugnsversuche wiederum zu vertuschen, geht hervor, dass er sich erst bei Köves gemeldet hat, NACHDEM er von allen Parteiposten zurückgetreten war, jedoch zu verstehen gab, dass er sein Mandat in Brüssel weiter beanspruchte. Szegedi liebt die Macht und klammert am (gutbezahlten) Posten. Das darf er gerne, immerhin ist er Berufspolitiker. Ihm aber für seine „Berufung“ auf den Seiten von DIE WELT einen dermaßen sakrosankt-salbungsvollen Persilschein auszustellen, ist schon ein starkes Stück, auch wenn der besagte Rabbiner Szegedi in seinem hehren Vorhaben tatsächlich bestärkt und ermutigt haben sollte. Vielleicht werde ich ja in diesem Blog, gar durch den Autor selbst, eines Besseren belehrt…. Fest steht aber jetzt schon, dass diese auch für den ungarischen Leser verblüffende Enthüllung (!) aus Germany eine auch für Köves nicht folgenlose Diskussion entfachen wird.

    Alles in allem ist das nicht die journalistisch ausgereifte Fallanalyse eines hakeligen ungarischen Phänomens, die man sich von einem Boris Kálnoky gewünscht hätte, wenn er sich schon die Mühe macht, dem Leser im Springer-Universum den Fall Szegedi – und mit ihm auch das magyarische Ungemach vor Augen zu stellen. Bei aller Empathie für die unfreiwilligen Initiations-Schübe, die der Enkel einer Holocaustüberlebenden auf dem Weg seiner jüdischen Bewusswerdung durchlitten haben muss, und bei allem Wohlwollen für seinen (hier operettenhaft anmutenden) Weg vom magyarischen Keilschrift-Kalvinismus zur lubavitscher Neo-Orthodoxie: Szegedi ist genauso wenig der politisch-ideologisch überhitzte Naivling, gar Zelot, der sich unversehens vom Paulus zum Saulus mausert, wie Jobbik eine aus dem Nichts aufgetauchte hemdsärmelige Hetzerpartei gegen Juden und Roma, deren Protagonisten ganz in den dümmlich-völkischen Ansichten aufgehen, die sie offensichtlich bei ihrem Klientel im ungarischen Provinzproletariat voraussetzen.

    Der bizarre, verschwurbelte, komplexe und noch ganz und gar nicht ausgestandene Fall des Szegedi Csanád schreit geradezu nach einem skeptischen Hinterfragen des verstörenden Phänomens „Jobbik Magyarország“, mitsamt der sich dahinter auftürmenden babylonischen Wirrnis ungarischer historischer Standortbestimmungen entlang des gesamten politischen Spektrums. Das kann und muss ein politisches Feature in DIE WELT freilich nicht leisten; es sollte jedoch die Komplexität nicht so konsequent verschleiern, wie es dieses Portrait bedauerlicherweise tut.

  6. Vielen Dank an Herrn Kálnoky und Frau Kincses, dass sie diese bemerkenswerte Geschichte aufgeschrieben haben. Ich staune und freue mich darüber, dass eine solche Wandlung vom Saulus zum Paulus auch heute noch möglich ist. Wie ein solcher Weg erklärt werden kann, ist eine spannende Frage. Aus religiöser Sicht hat natürlich Gott an Szegedi gewirkt. Aus säkularer Perspektive müsste man in der Tat, wie Palóc es tut, Szegedis individuellen Entschluss in den Mittelpunkt stellen. Ich denke freilich, dass eine individuelle Entscheidung allein einen Menschen noch nicht zum Juden macht. Die Anerkennung durch andere Juden (hier: Rabbi Kövés) dürfte eine wichtige Rolle gespielt haben. Szegedis religiöser Wandel war sicher nicht zwingend. Es wäre ebenso denkbar gewesen, dass er sich von Jobbik zurückzieht, ohne sich dem Glauben zuzuwenden. Wenn ein Rechtsradikaler erfährt, dass ein Großteil seiner Familie in Auschwitz umgekommen ist, dürfte ihn das auch ohne begleitendes religiöses Erlebnis prägen. Entscheidend für die gleichzeitige Hinwendung zur jüdischen Religion war wohl, dass Szegedi die von HV beschriebene traditionelle jüdische Abstammungslehre für sich selbst als Gewissheit angenommen hat und auf Menschen gestoßen ist, die ihn in seiner persönlichen Krisensituation in diesem Glauben bestärkt und ihm auf diese Weise wieder neuen Halt gegeben haben. Andere Entwicklungen wären zumindest denkbar gewesen.

  7. Die Aussage, dass Szegedi auf Anraten von Slomo Köves sein Mandat behielt, stammt von Köves selbst in einem getrennten Interview (also ohne Szegedi) und ohne dass ich danach gefragt hätte. Szegedi bestätigte das später.

    Der Korruptionsvorwurf wäre eine eigene Darstellung wert gewesen, aber der Platz war knapp. Nach allem was ich erkennen konnte war es 1) grenzwertig aber kein justiziabler Bestechungsversuch und 2) erfolgte es offenbar in einem Rahmen, in dem Szegedi in eine vorbereitete Falle tappte dh Teile der Parteiführung schickten ihn einen „problematischen“ Anhänger zur Ordnung zu rufen, der ihn dann mit den sehr detailliert vorbereiteten Vorwürfen konfrontierte, er sei Jude, und das auf Tonband aufnahm – die Aufnahme wurde später geschnitten und manipuliert um mehr Angriffsfläche zu erzeugen.

  8. Ich glaube nicht dass vier Interviews über vier Monate, sowie IVs zusätzlich mit Köves, Oberlander und Ungváry oberflächlich ist.

    Wenn Sie nicht verstehen, warum das eine Riesenstory ist – die im Westen niemand gemacht hat, weil niemand an Szegedi herankam obwohl viele zb der Spiegel es versuchten – tja dem ist dann wohl nicht zu helfen.

    Es wurde in zahlreichen Ländern über den Artikel berichtet, er erregte auch online intensives Interesse und viel positives Feedback, und allgemein scheinen die meisten Leser Ihre Meinung nicht geteilt zu haben.

    Eine Konsequenz ist, dass nun auch die AP und die BBC berichten werden (im November) sowie ein Dokufilm der BBC geplant ist.

    Aber das müssen sie sich alles nicht reinziehen.

    • Aha, das Ganze ist also eine „Riesenstory“ und Sie waren erfolgreicher als der Spiegel und die AP sowie die BBC berichten. Aber was interessiert Sie an der „Story“ Ungarn tatsächlich außer Ihre eigene Eitelkeit?

      • Scheinbar haben Sie nicht gemerkt, daß ich mich in erster Linie auf Kalnokis Rechtfertigung beziehe. Er wurde nach seiner Motivation für die Geschichte gefragt, und das einzige, was ihm dazu einfällt, ist seine journalistische Eitelkeit und, so sieht es aus, nicht das Interesse an diesem Menschen und einem wirklich komplexen Thema. Kalnoki praktiziert also genau jene Oberflächlichkeit, die er seinen Kollegen so gerne vorwirft. Neustes Beispiel hierfür sein heutiges Interview mit Ungváry in der Welt. Wahrscheinlich mußte er das auch noch irgendwie „verwerten“, wenn er es für seine Recherchen schon gemacht hatte. Wenn Sie mal was wirklich Fundiertes zu dem Thema lesen wollen, das auch auf kleinem Raum versucht, das Wesentliche zu erfassen (und übrigens auch Ihr beliebtes Thema aufgreift, wie man zum Juden oder Christen wird), dann lesen Sie:
        http://www.multesjovo.hu/hu/aitdownloadablefiles/download/aitfile/aitfile_id/823/

    • “ …die im Westen niemand gemacht hat, weil niemand an Szegedi herankam…“

      herr kalnoky,

      spricht hier wieder der offenbar unaufhörlich aus einem vermeintlichen minderwertigkeitsgefühl heraussprühende ungarische „stolz“, der umso gefälliger zu sein scheint, je mehr er sich gegen den westen richtet?

      seien sie mal selbstkritisch: wie würden sie diesen satz bewerten? bemühen sie mal eine aussenperspektive auf ihre texte…

      (ich würde wirklich zu gerne ihrer eigtl motivation auf die spur kommen, evtl auch der ihres adjutanten hv…)

      nun, als was würden sie beide gerne hier gesehen werden?

  9. Reiner Journalismus. Eine echte Geschichte, die niemand sieht oder macht, die aber brennend interessiert, wie das Echo bewies. Was mich interessiert: Wieso reagieren Sie so verstört?

    Neben den vielen positiven Reaktionen kamen vergrämte Stimmen aus zwei Richtungen, beide aus Ungarn (und nur von dort): Von extrem Rechts, weil Chanád/Csalárd ja böser Jude sei, und von links, weil Linke eine Art Monopol auf das Thema Antisemitismus bisher für gottgegeben hielten. Kreuzen Sie doch an was auf Sie zutrifft.

    Es ist aber ein Thema, dass die konservative Seite sich aneignen muss – einerseits ist Antisemitismus rechts nämlich ein tatsächliches Problem (aber nicht nur dort), was aber andererseits überhaupt nicht sein muss, da religiöse Juden konservativ sind. Wie diese Geschichte zeigt. Man muss das Thema also umarmen.

    Wie Slomo Köves mir sagte: Viele ungarische Juden erschöpfen ihr Judentum darin, den Holocaust zu bejammern und mit den Zeigefinger auf die Konservativen zu zeigen. Das sei aber falsch.

    • @ Herrn Kálnoky:

      Mich würde interessieren, ob sich Szegedi auch von seinen früheren Angriffen gegenüber Roma losgesagt hat? Oder sagt er sich bloß vom Antisemitismus los, weil er erkannt hat, dass er Jude ist?

  10. Auch Stephan Ozsváth scheint Kálnokys Stück gelesen zu haben. Ob auch er gerne an Szegedi herangekommen wäre? Wer weiß das schon. Auf jeden Fall scheint er nicht nur über István Lovas (wer würde ihm das verübeln), sondern auch über Kálnoky verärgert, sonst wäre dieser peinliche Seitenhieb hier nicht notwendig:

    http://blog.ostpol.de/2013/10/hungaricum-eins/

    Mal ganz abgesehen von der Frage, wie Ozsváth dazu kommt, angebliche Aussagen Kálnokys in einer an Ozsváth gerichteten Mail öffentlich zu zitieren.

    • Beim Ozsváth, Stephan, der sich als „Hungaricum“ verkauft, hat schon wieder mal – mit Kahnemann gesagt – System II ausgesetzt. Er greift in seiner Ostblog-Selbstdarstellung unverfroren auf die Vokalbel „Mestize“ zurück, die noch aus der Kolonialzeit stammt.

      Ich kann nur hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, Ozsváth, Stephans ICH-Entwicklung im Lichte der Begrifflichkeiten einer Jane Loevinger zu deuten.

      War Ozsváth mit seinem rheinisch-ungarischen Wesen bisher nur der Einfallstor im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk für Marsovszkys anthropologische und rassentheoretische Vorstellungen, während die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Gysi ausweitet, sich Ungarns „demokratische Opposition“ gerade selbst zerlegt und die UOKG Kultur-Staatsminister Bernd Neumann um außerordentliche Überprüfung aller Mitarbeiter der
      BStU bittet, weil die schon wieder mal ihre Glaubwürdigkeit wegen eines ehemaligen Stasi-Offizier verloren hat, muss er jetzt auch noch sein Revier gegen Kálnoky als Konkurrenten verteidigen..

      Mensch Ozsváth. Noch alles im Griff?

      Auf rheinisch-ungarisch und „Ost-Blog“ reimt sich „Jeck“ doch viel besser als „Mestize“ und Hungaricum. Frag mal Jane Loevinger. und lass dem Kálnoky Ungarn als Streifrevier.

      (Was hindert Ozsváth eigentlich daran, ARD-öffentlich zu machen, was uns Kálnoky verschwiegen hat. Als GEZ-Betroffener würde ich jedenfalls gerne erfahren, wer die Geldgeber der Hass-Partei Jobbik sind. Wäre doch mal `nen Beitrag wert! Parteienfinanzierung in Ungarn! Muss ja nicht gleich ein Interview mit Vona sein. Warum fängt Ozsvát da nicht einfach mit Pfeifers Liebling Gyurcsány an. Dessen Ehrlichkeit wirft nämlich wieder mal ein schiefes Licht auf die ungarischen Sozialisten. Also mich würde das Thema Parteienfinanzierung in Ungarn doch viel mehr interessieren, als die Niere des Vaters eines mit schweren Persönlichkeitsstörungen kämpfenden ungarischen Europaabgeordneten. )

      http://www.focus.de/politik/deutschland/neue-hinweise-auf-stasi-kontakte-staatsanwaltschaft-weitet-ermittlungen-gegen-gysi-aus_aid_1134329.html

      http://www.uokg.de/cms/attachments/1011-02-28_Stasi-Fall_IT-Chef-der-BStU.pdf

      • Als Vater von nunmehr zwei Söhnen erkenne ich in Ozsváths Reaktion den Spielplatz wieder. Kommt ein anderes Kind daher und nimmt die Schaufel und das Förmchen weg, wird geschrien, getrampelt und krakelt. Weil man ja im Sandkasten der erste war, der „King of Kotelett“, wie es Stefan Raab ausdrücken würde. „Ungarn nicht zu seinem Beritt“, geht es noch dämlicher?

        Ich hoffe, meine Jungs legen dieses Verhalten irgendwann ab. Sonst müssten sie am Ende noch ARD-Korrespondenten in Ungarn werden und ich die Enterbungsklausel aufsetzen 🙂 … dann wäre bestenfalls zu hoffen, dass sie sich bei ihrer Ankunft nicht postwendend nur Feinde machen, wie der „Mestize“ das in treuer Erfüllung der Erwartung seines Dienstherrn getan hat.

        Ozsváth braucht sich nicht darüber ärgern, dass er bis auf die „usual suspects“ keine Gesprächspartner findet und wir für unseren „Rundfunkbeitrag“ kaum Inhalte geliefert kriegen. Weder Orbán, noch Balog oder meinetwegen Gulyás setzen sich mit einem an den Tisch, der sie als Gang von Räubern bezeichnet hat. Aber es gibt ja weitere Einnahmequellen, wie Gelegs uns jüngst bewies.

    • Ozsváth schrieb:

      „Als Beispiel für guten Journalismus erwähnt Magyar-Nemzet-Korrespondent Lovas einen jüngst erschienen Artikel von Boris Kálnoky in der „Welt am Sonntag“ über den Rechtsextremen Csanád Szegedi, der sein Judentum entdeckte , ohne sein Ungartum über Bord zu werfen.“

      http://blog.ostpol.de/2013/10/hungaricum-eins/

      Tatsächlich werden Sie beschimpft, Herr Kálnoky. Was Sie bei Lovas durchaus als Ehrung empfinden dürfen, der Mann hat sie bekanntlich nicht mehr alle…

      Wenn Ozsváth auch bei seinen Berichten für die ARD so sorgfältig arbeitet, dann gute Nacht! Ich glaube langsam nicht mehr an Zufälle: Auch die Behauptung, Ferenc Kumin hätte ihn als „Linksradikalen“ bezeichnet, war frei erfunden.

  11. Sehr geehrter Herr Dr. P. ,
    Herr Kálnoky hat sehr richtig darauf hingewiesen, dass mir beim ersten Lesen des Lovas-Briefs ein Missverständnis unterlaufen ist, ich habe das auch umgehend korrigiert und mich dafür in aller Form bei ihm entschuldigt. Das Ergebnis finden Sie hier.

    http://blog.tagesschau.de/2013/10/30/hungaricum/
    http://blog.ostpol.de/

    Aber was Sie hier abliefern: Ist das die „sachliche Diskussion“, die Sie propagieren ?

    Stephan Ozsváth

    • Zu dem, was ich hier „abliefere“, können sich alle Leser ein Urteil bilden. Wie auch zu Ihren Worten. Everybody’s darling ist bekanntlich nobody’s darling. Vielleicht haben wir da sogar eine Gemeinsamkeit.

      Ich kann mich nur wiederholen: Ich bin mit diesem Freizeitprojekt und der Besucherresonanz recht zufrieden, auch wenn ich weiß, dass mir weder Zeit noch die Mittel zur Verfügung stehen, mich mit dem gesamten Wiener Korrespondentenkorps zu messen. Aber Ihre Kollegen vom DRadio Wissen erkannten bei dem, was dieser Blog zur Ungarn-Debatte beiträgt, immerhin schon zwei Mal auch Positives. Diese Einschätzung müssen Sie nicht teilen, es herrscht ja – wie in Ungarn auch – Meinungsfreiheit. Vielleicht unterscheiden sich ja auch unsere Auffassungen zu dem, was Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit bedeutet. Auch das ist ja vollkommen ok. Erwarten Sie aber bitte nicht, dass im Zeitalter des Internets die Berichterstattung der Medien als gottgegeben hingenommen wird. Sie müssen sich Kritik ebenso stellen wie diejenigen, die Sie sich vornehmen. Und wer durch Beiträge über Räuberbanden einen shitstorm erst auslöst und sich daneben auch noch mit frei Erdichtetem zum Opfer aufspielt, braucht sich (das ist meine subjektive Einschätzung) nicht zu wundern, wenn er im web 2.0-Zeitalter selbst ein paar Flecken abkriegt.

      Darüber, ob Sie diese Art von Berichterstattung für sachdienlich halten, das von Ihnen öffentlich so sehr herbeigesehnte Ziel einer Schwächung Orbáns verbal zu unterstützen, haben wir hier noch gar nicht gesprochen. Aber bitte machen Sie sich selbst und Ihren Lesern nicht weis, Sie würden nur berichten…:-)

  12. Darf ich mal ganz persönlich werden? Ich bin väterlicherseits Kind eines Juden, der die Deportation aus seiner Familie als einziger überlebt hat (und mir war das – im Gegensatz zu Herrn Szegedi – seitdem ich mich erinnern kann sehr bewusst) und mütterlicherseits einer reformierten Pfarrerstochter. Also ich bin nach den jüdischen Gesetzen keine Jüdin, und bin aber gläubige Kalvinistin. Die Geschichte von Herrn Szegedi finde ich aus beiden Sichtweisen – entschuldigen Sie – abscheulich und fast unvorstellbar.

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