Kleine Nachtpolemik: Schüssel-Lob für Orbán, ORF schießt sich auf Ex-Kanzler ein

Der staatliche Österreichische Rundfunk (ORF) hat eine in Budapest gehaltene Rede von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel genutzt, den Politiker scharf zu kritisieren. Die Berichte des Abends gerieten zu einem Anti-Schüssel-Tribunal. Die üblichen Experten inklusive.

In der Sendung ZIB 2 vom 31.05.2012 wird Schüssels Lob für Viktor Orbán – seine Rede wird natürlich nur in ganz kleinen, aus dem Zusammenhang gerissenen Fragmenten gezeigt – zu einem Verriss des Politikers genutzt. Paul Lendvai zeigt sich „enttäuscht“ und „entsetzt“ darüber, dass man Viktor Orbán einen „Persilschein“ ausstelle. Ferner spricht die Nachrichtensendung von der bekanntermaßen „fehlenden Trittsicherheit“ Schüssels.

http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZIB-2/episodes/4115647-ZIB-2

Der ORF setzt die Darstellung des Schüssel-Auftritts fort mit der Aussage, dass von Ungarn ja sonst nicht so viel gehalten werde, Demonstrationen gegen die Regierung seien „an der Tagesordnung“ und die EU-Kommission habe Ungarn sogar „geklagt“, Gründe dafür seien „demokratiegefährdende Änderungen bei den Medien, aber auch bei der Zentralbank oder der Justiz.“ Drei Schuss, ein Treffer, meine Damen und Herren vom ORF. Die Kommission hat nämlich weder im Zusammenhang mit dem Mediengesetz noch mit der Zentralbank „geklagt“. Vertragsverletzungsverfahren laufen derzeit wegen a) der angeblich fehlenden Unabhängigkeit des Datenschutzbeauftragten, b) wegen der kritikwürdigen Zwangspensionierung von Richtern und c) seit längerem wegen der Sondersteuern für Telekomunternehmen.

Der Zuseher erfährt auch, weshalb (Zitat) „sich ein Wolfgang Schüssel für ein solches Lob überhaupt hergibt“. Es handele sich um eine Dankbarkeitsgeste Schüssels gegenüber Orbán, der ihn während der (man will anmerken: völlig rechtswidrigen und undemokratischen) Sanktionen gegen Österreich im Jahr 2000 empfangen und es gewagt hatte, die Phalanx der EU-Politiker zu verlassen.

Lendvai gibt sich trotzdem enttäuscht. Er werde ganz sicher viele Briefe bekommen, weil „jeder weiß“, dass er auch während der Regierung Schüssel Lob gefunden habe, auch in seinen Büchern. Der Zusammenhang zwischen Lendvais Büchern und Schüssels Rede verstehe, wer mag. Mir ist das zu hoch.

Am Ende doch noch ein klitzekleines Plätzchen für Schüssel: Der war zu einem Interview mit dem ORF nicht bereit (er ahnte wohl diesen für einen staatlichen Sender unerträglichen Tonfall), gab aber bekannt, er habe in Budapest auch kritische Punkte angesprochen. Aber wen interessiert das schon.

Jedenfalls nicht den berufsmäßigen Antifaschisten Bernhard Odehnal vom Tagesanzeiger (Schweiz). Der durfte in der ZIB 24 um 00:12 Uhr (es war also noch später als fünf vor oder gar fünf nach Zwölf) nachlegen und in sichtlicher Erregung darüber philosophieren, dass Orbán den Staat der Zwischenkriegszeit wieder restaurieren wolle, eine (Zitat) „Quasidiktatur  mit ganz starkem Antisemitismus und Chauvinismus“. Nein, wir haben uns nicht verhört: Orbán will eine „Quasidiktatur mit starkem Antisemitismus“ wieder errichten. Laut Odehnal ist das „wirklich“ so. Und ich habe keine Zweifel, dass er selbst daran glaubt. Auch aus diesem Grund haben Odehnal und sein Kollege, Herr Gregor Mayer von der dpa, der deutschsprachige Zeitungen mit Ungarn-Berichten versorgt und sich nebenbei via Facebook über „Orbánistan“ auskotzt, auch ein ganzes Buch über rechte Umtriebe in Osteuropa verfasst.

Das Drehbuch geht weiter, auch die Kritik an der EVP (Konservative sind bekanntlich verkappte Nazis) darf natürlich nicht fehlen, die – so Odehnal – „keinerlei Kritik an Orbán zulässt“. Offenbar hat sich der Gast hier nicht mit der Frontfrau österreichischer Ungarnkritik, Frau Ulrike Lunacek von den Grünen, abgesprochen: Die erachtet nämlich Schüssels Worte gerade deshalb für so empörend, weil auch die Konservativen im EU-Parlament Fidesz kritisiert hätten. Na was denn nun?

Odehnal, der in Budapest und Wien lebt, erzählt von enttäuschten Menschen, auch Freunden, die Fidesz gewählt haben (pfui, Herr Odehnal!), und greift die Anekdote von Sybille Hamann wieder auf, dass „an jedem zweiten Haus“ eine Immobilie zum Verkauf angepriesen werde (Hamann in der Presse: „In den Straßen von Budapest fallen an jedem zweiten Haus Plakate auf, die Wohnungen zum Kauf anbieten.“). Die beiden Erfahrungsberichte Odehnals und Hamanns sind so aufeinander abgestimmt (Horthy und Antisemitismus als Stichworte inklusive), man wird den Eindruck nicht los, als käme alles aus einer Feder, oder aber beide Herrschaften wären Hand in Hand durch die  Budapester Stadtbezirke spaziert. Romantisch. Wobei man ja in der ungarischen Hauptstadt angeblich seines Lebens nicht mehr sicher sein soll…

Der Immobilienmarkt sei, so Odehnal, „zusammengebrochen“. Die Menschen hätten alle Kredite, die sie nicht bedienen könnten – was zutrifft, nur ist dieser Umstand kaum der heutigen Regierung in die Schuhe zu schieben, sondern eher der Politik der Notenbank unter jenem Präsidenten András Simor, gerade enormen Rückhalt aus Brüssel genießt: institutionell gesehen völlig korrekt, persönlich gesehen diskussionswürdig. Un ein weiteres Detail vergisst Odehnal geflissentlich: Dass die Regierung Orbán seit Jahren durch Moratorien verhindert, dass die Banken die Menschen aus ihren Häusern vertreiben. Sollte einem, der für die Armen Partei ergreift, letztlich gefallen. Aber kein Wort dazu.

Nun erfahren wir noch, es gebe eine „Belastungspolitik“, der kleine Mann „bekommt die Steuern aufgebrummt“, während sich die Familie von Orbán und einige Oligarchen bedienten. Die wohl im EU-Vergleich mit am niedrigsten ausfallende Einkommensteuer ist Odehnal, der nur die sehr hohe Mehrwersteuer erwähnt, keine Erwähnung wert. Die Flat Tax ist zwar ebenfalls diskussionswürdig und kommt in Anbetracht der Wirtschaftslage wohl zum falschen Zeitpunkt, sie ist aber ein Zeichen einer Umbaus des Steuersystems: Direkte Steuern runter, indirekte Steurn rauf. Jedenfalls in den Auswirkungen zu komplex für plakative Statements zwischen Horthy, Antisemitismus und Schüssel, will man meinen. In einer Sache hat Odehnal allerdings Recht: Die Korruption und die Selbstbedienungsmentalität in Ungarn war, ist und bleibt unerträglich. Ich wünschte allerdings, das wäre Odehnal schon früher aufgefallen…

http://tvthek.orf.at/programs/1225-ZIB-24/episodes/4115779-ZIB-24

Hoffentlich ist der Herr Professor Lendvai mit dem Auftritt Bernhard Odehnals zufriedener als mit dem Schüssels.

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18 Kommentare zu “Kleine Nachtpolemik: Schüssel-Lob für Orbán, ORF schießt sich auf Ex-Kanzler ein

  1. Gott schütze Ungarn von solche Experten und Korrespondenten !
    Widerlich.

    Ich habe in Ungarn gehört:
    Die EU ist gerecht und demokratisch, sie erlauben für die Ungarn
    zu wählen (zu Notenbankpräsidenten) wem sie wollen, nur András
    Simor soll heißen.

  2. Kaum haben sich die Ex-Maoisten in der EU-Kommission konziliant gegenüber dem alten Sündenbock gezeigt, da tritt die Hauptverwaltung Aufklärung schon wieder auf den Plan. Kommt Lendvai denn nie zur Ruhe?

  3. Wenn einem der blinde Hass gegen Ungarn und Orban nicht den Verstand raubte, der sieht klar die Fortschritte und die Ergebnisse der zähen Kleinarbeit der Orban-Mannschaft, um das Land aus der ererbten wirtschaftlichen und finanziellen Katastrophe herauszuholen.

    Die Vorgängerregierungen der MSZP-SZDSZ Zweiergespanns unter Medgyessy, Gyurcsany und Bajnai haben das Land in acht Jahren mit sicherer Hand beinahe in den Ruin manövriert und dabei ein System der Korruption aufgebaut, das den Staat in allen Bereichen paralysierte.

    Die von den Wählern im Parlament mit 2/3 Mehr beauftragte Orban-Regierung machte sich an die Arbeit, und die positiven Ergebnisse sieht nur ein „Blinder“ nicht.

    Alt-Bundeskanzler Schüssel sieht Ungarn und seine Regierung nicht durch eine Brille mit Verzerrgläsern wie mancher Schreibknecht, dessen Herz noch immer für die abgewirtschafteten alten Gönner schlägt. (Allerdings machen sich je länger je mehr Herzrhythmusstörungen bemerkbar!).

    Nach Meinung Schlüssels verdient Ungarn und seine Regierung Respekt. Besonders in einer Europa, wo mit Ausnahme von Deutschland, Holland, Schweiz und eben Österreich die anderen Staaten quasi am Abgrund herumentorkeln.

    Schüssel weiss wovon er redet, denn er war Kanzler einer Vorgängerregierung in Österreich, die wesentliches dazu Beitrug, dass Österreich heute die aktuellen finanziellen und wirtschaftlichen Probleme so beispielhaft meistern kann.

    • Was die Bewertung Schüssels angeht, hat er wohl zweifellos Verdienste. Was die Sanktionen 2000 angeht, war dies eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte der EU: Rechtswidrig, undemokratisch. Ein Land wird, nach einer demokratischen Wahl, von Partnern in einem Staatenverbund als Aussätziger behandelt. Der Wille der österreichischen Bürger wurde mit Füßen getreten. Ich sage offen: Ich war damals, als Jurastudent vor dem 1. Examen, wirklich erstaunt und entsetzt über so viel Dreistigket. Und ich war nie ein Haider-Freund, sondern nur der Meinung, dass man solche Menschen eben mit zulässigen Mitteln bekämpfen muss. Das Ausschließen eines ganzen Landes gehört gewiss nicht dazu. Und ja, Orbán hat damals richtig gehandelt, dieses lächerliche „Embargo“ zu unterlaufen.

      Es mag sein, dass der Umgang mit Österreich Schüssel damals geprägt hat. Es zu wagen, ihm dies – wie es der ORF gestern tat – zum Vorwurf zu machen, halte ich für wirklich lachhaft.

  4. Pingback: Schüssel hat recht: Ungarn ist besser als sein Ruf « Aus dem Hollerbusch

  5. „Kaum haben sich die Ex-Maoisten in der EU-Kommission konziliant gegenüber dem alten Sündenbock gezeigt, da tritt die Hauptverwaltung Aufklärung schon wieder auf den Plan. Kommt Lendvai denn nie zur Ruhe? (Peter Herche)“

    Wie soll denn ein LENDVAI gerade jetzt zur Ruhe kommen? Er steht doch nach seinem „Frontwechsel“ in 1957, also 55 Jahren Hanswurstiade in den westlichen Medien jetzt vor dem Nichts.

    Als Jungkommunist hat er sich beim Einrichten und Aufbau des verbrecherischen Kommunistensystems bewährt, so wurde er würdig befunden, Mitglied des roten Gestapo, der AVO-AVH, zu werden. Doch als die Ungarn 1956 den Rakosi-Klüngel zum Teufel jagten, wechselte er sofort die Seite.

    Da der Westen meinte tatenlos zusehen zu müssen, wie die ruhmreiche Rote Armee Sowjetrusslands Ungarn wieder „befreite“, und den Freiheitskampf der Ungarn in Blut ertränte, Lendvai, unser Hans Dampf in allen Gassen Journaille-Spezialist, leistete Wiedergutmachung für Kadar und Moskau. Nunmehr als reuiger Kommunist, der leider „die Richtung verfehlte“, übte er als Co-Autor des sog. Fehérkönyv I. (Weissbuch erste Band) Selbstkritik, und beteiligte sich daran, die Opfer der ung. Revolution und Aufstands zu besudeln, das Andenken der Martyrer mit Dreck zu bewerfen.

    Als Vertrauensperson des von der ganzen Welt verachteten „Quisling-Reierung“ Kadars durfte er mit dem nötigen Pass versehen (für gewöhnliche Ungarn der damaliger Zeit ein völlig unerreichbarer Wunschtraum, den nur die allerpriviligiertesten Partisanen des internationalen Bolschewismus erhielten) auch im Ausland frei herumreisen.

    Er als Inbegriff des „ewig geradlinigen Vertreters demokratischer Idealen“, wurde 1957 als Berichterstatter an eine Zusammenkunft der kommunistischen Satellitenstaaten Moskaus nach Warschau delegiert, um das „verräterische“ Ungarn und die nach Rumänien deportierte Imre Nagy-Regierung – für die beschlossene Hinrichtungen – gehörig zu verdammen.

    Paul Lendvai flog von dieser Veranstaltung nach Wien. Bei dieser Gelegenheit wird er ein sehr lukratives Angebot für eine schillernde künftige Karriere erhalten haben (oder seine so lange unterdrückten demokratischen Gene übten den Aufstand? ☺ Dies bezweifle ich!).

    Ob er dieser Versuchung direkt durch Kadar-Geiheimdienstlern oder von den auch heute noch zahlreichen westlichen Sympathisanten kommunistischer Gruppierungen (wahrscheinlich von beiden) ausgesetzt wurde, wird die staunende Welt wahrscheinlich nur dann erfahren, wenn unser ungarischer Saulus sich in seinen letzten Memoiren für die Wahrheit entscheidet, und endlich als geläuterter Paulus alle seine Sünden beichtet.

    Die journalistische Schleimer-Karriere des Allerwelts-Lieblings Lendvai in Wien ist der Welt zur genüge bekannt. Doch mag der Paul sich drehen und winden wie er will, sein bester und bekanntester Patron war der ung. STALIN, György Aczel, der wie Anno dazumal Josef Goebbels, Herr über Leben und Tod (to bee or not to bee) des ung. Kulturlebens war und zwar bis zum bitteren Ende, bis zum Sturz des Kommunismus in Ungarn in1989.

    Zum Abschluss zum Anfang meines Kommentars zurück.

    Paul Lendvai ist als „his masters voice“ bis heute ein in verschiedensten Masken auftretender, doch letzten Endes zuverlässiger Trompeter-Lakai, ein treuer ideologischer Diener des abgewirtschafteten kommunistischen und postkommunistischen Systems samt all ihrer „Maffiosi-Helden“ a la Gyurcsany.

    Der für die Zwecke Moskau dialektisch geschulte Paul Lendvai muss nun die bittere Wahrheit erkennen, dass nach dem in 2010 die neue Regierung in Ungarn von den Wählern beauftragt wurde, mit dem Postkommunismus aufzuräumen, sein (roter) Stern unaufhaltsam im Orkus verschwindet. Angesichts dieser Situation bleibt für eine kleine Seele von seinem Format nichts anderes mehr übrig, als den verdorbenen Inhalt seiner Seele und Magens an Orban und diese „antidemokratischen“ Ungarn zu entleeren.

    Wenn dadurch für seine alten Tage Genesung zu erhoffen ist, dann wünschen ihm die Ungarn Erleichterung.

    • Werter Herr Unger,
      es hat sich vielleicht noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen:

      Der Rotz im Taschentuch von Prof. Egon Flaig ist singulär.

      Goebbels und Aczél sollten Sie nicht in einem Atemzug nennen.

      Weil Vergleiche hinken. Aczél hatte keinen Klumpfuss, Goebbels von der Anatomie her aber schon. Sie unterschieden sich schon irgendwie, die Nationalsozialisten und Kommunisten.

      Ob wir Goebbels und Aczél aus soziologischer, politikwissenschaftlicher oder anderen schlauen Perspektiven betrachten oder ob wir den Blickwinkel des Opfers annehmen, das unterscheidet uns schon. Man muss sich entscheiden. Nietsche trieb das in den Wahnsinn: „Hat man mich verstanden? – Dionysos gegen den Gekreuzigten . . .“

      Es lässt sich auch nicht der Autor Jürgen Rogge neben József Nyírös Urne stellen.

      „Wer vergleicht, bestreitet das Einzigartige.“

      Einzigartig ist zum Beispiel, dass der ehemalige Psychiater Rogge, „der nicht nur Bücher geschrieben hat, sondern auch Berichte für die Stasi“, am 9. Juni 2012 mit dem Johannes Gillhoff-Preis geehrt werden soll. Rogge war angeblich Stasioffizier und Psychiater. Als solcher habe er Vertrauen mißbraucht und gegen die ärztliche Schweigepflicht verstoßen, behauptet die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Marita Pagels-Heineking.
      (Mir schmilzt jedes Mal das Hirn weg, wenn ich diese Monster sehe:
      „Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“, in Mecklenburg-Vorpommern! Wo von 1998 bis 2008 die SPD mit der PDS koalierte! Ostblock pur! Was HV und Kálnoky nie im Leben verstehen werden, was das heißt, Landesbeauftragte von der SPD/PDS für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR)

      Die Gillhoff-Gesellschaft sagt: Dafür wird Rogge aber nicht ausgezeichnet. Sie wollen ihn für sein plattdeutsches Werk ehren. Das ist Mecklenburg-Vorpommern. Das ist Singularität.

      Sie haben, werter Herr Unger, bestimmt noch nie etwas über den GILLHOFF-PREIS gehört. So wie kaum einer der Leser der Online-Ausgabe des Spiegels der vergangenen Tage des Gedenkens der Asche des József Nyírö für verständlich befunden haben mag. (Meine Eltern abonnierten beide Zentralorgane, Neues Deutschland und Neue Zeit. Ich bekam mit sieben beide Organe in die Hand. Ich bin total organgeschädigt. Brutal durch meine DeutschlandZeit.)

      Also, der Gillhoff-Preis wurde nach Johannes Gillhoff, dem Heimatdichter, der, weil ich den theoretischen Ansatz der großen Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky verinnerlicht habe, einer der Wegbereiter des Untergangs war. (Marsovszky behauptet, die Heimatkunstbewegung sei das Pendant zum Antisemitismus. Da wo Heimatkunst, dort auch gleich Antisemitismus. Je mehr …, desto Holocaust. Marsovszky kommt aus der Kunstgeschichte. Das hat sie geprägt. Das haut bei ihrem Ideologiemarketing voll durch, diese Prägung. In der Kunstgeschichte bezeichnet man nämlich ein zu einem anderen Kunstwerk passendes Gegenstück als Pendant (französisch pendant ‚hängend‘). Die Kunstgeschichte haut voll durch, in ihrer Heimatkunstbewegung-Antisemitismus-Zwei-Seiten-Einer-Medaille-Theorie, die sie im Kampf Gegen Das-Orbán-Regime einsetzt.)

      Mein Vater kam aus der Hitlerjugend und trat nach Aktenlage erst 1950 aus der SED aus.
      Mein Vater las mir oft aus „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“ vor.
      Zwischendurch hat er mich geschlagen, erst auf die rechte und dann auf die linke Wange und immer so weiter. Mal rechts, mal links, abwechselnd. Ich habe immer weggeguckt.

      Die Heimatdichtung von Gillhoff, seine Hitlerjugend und die Zentralorgane waren für mich prägend.

      Heimatdichtung, Antisemitismus und der Gillhoff-Preis für Ex-Stasi-Leute gehen in Mecklenburg-Vorpommern noch immer Hand in Hand.

      „Um negieren zu können, muß der Verstand bereits verglichen haben.“

      Hüten Sie sich lieber, Herr Unger, vor Goebbels-Aczél-Vergleichen.
      Sie verstoßen gegen das Postulat der Singularität. Sie bringen sich in Teufels Küche.
      Das Ansehen eines Heimatdichters kann nur Ex-Stasi-Leute retten,
      Ein Szekler nimmer den Ruf Goebbels. Egal wie schön er schreibt.
      Das ist Singularität im Sinne von Prof. Egon Flaig.
      Goebbels ist Rotz im Taschentuch.

  6. Sie sehen die Welt zu optimistisch, Herr Unger. Alles ist noch viel schlimmer. Oder ist Ihnen womöglich entgangen, dass sich gestern eine ehemalige FDJ-Agitprop-Sekretärin mit einem Ex-KGB-Offizier traf, um die Zukunft der EU (die ja, folgt man den wissenschaftlichen Exkursen eines Ungarnfreunds, längst deutschen Wesens zu sein hat) auszuhandeln?

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/besuch-in-berlin-merkel-und-putin-wollen-beziehungen-intensivieren-11770999.html

    • Ihren Exkurs, Herr Herche, hätten Sie sich sparen sollen. Ihre Seitenhiebe nerven. Kehren Sie mal langsam zur sportlichen Fairness zurück.

      • stern.de – 4. Juni 2012, 20:38 Uhr:
        Kritik an Merkels Euro-Kurs Joschka Fischer schwingt die Nazi-Keule: Zwischen den Zeilen stellt Ex-Minister Joschka Fischer die Bundeskanzlerin in eine Reihe mit Wilhelm II und Adolf Hitler. Indem er Merkel aber „die besten Absichten“ unterstellt, umschifft er knapp den Nazi-Vergleich. Von Peter Ehrlich, Brüssel

        Der Stern am 4. Juni 2012, 13:54 Uhr: „Fischer: Europa in Flammen – Merkel löscht mit Kerosin“

        RP ONLINE an 04.06.2012 – 14:56:
        „Das europäische Haus steht in Flammen“ Joschka Fischer appelliert an Angela Merkel (…) Europa stehe am Abgrund und Deutschland trage einen großen Teil der Verantwortung.

        Warum lesen Sie denn meinen Schwachsinn, „Ungarnfreund“, wenn es Sie nervt. Lesen Sie die mit „letzter Tinte“ verfassten Beiträge der Generation GraSS. Lesen Sie Pfeifer! Lesen Sie sich selbst, machen Sie es, wie einst ein schöner Jüngling der griech. Sage, der sich in sein Spiegelbild verliebte u. nach seinem Tod in Unkraut verwandelt wurde. Ganz auf sich selbst bezogene Menschen, die sich selbst bewundern und lieben, sollten nur ihre eigenen Texte oder die von Pfeifer lesen.

        (Wenn die Pfarrerstochter sich mit 14 gegen die Jugendweihe entschieden hat und mit 15 in die FDJ eingetreten ist, um Aufnahme in die Kaderschule des Sozialismus zu finden, dann heißt das, sie hat schon früh Charakter gezeigt. Solche Charaktere braucht das Land. Keine dunklen Ehrenmänner, die selbst Orbán Vorbild sein können!)

        Говорят русские, Ungarnfreund? Это при Меркель и Путина, римейк перестрахования Договор с Россией?

        http://www.ftd.de/politik/deutschland/:harte-kritik-an-merkel-joschka-fischers-ultimativer-beinahe-nazi-vergleich/70045750.html

        Merkel löscht mit Kerosin ?

        Was ist eigentlich aus dem Nabucco-Projekt geworden?

  7. Werter Herr Herche,
    „ehemalige FDJ-Agitprop-Sekretärin“ werte ich anders.
    An DDR-Hochschulen gab es wohl einen riesengrossen Unterschied zwischen FDJ-Funktionen innerhalb einer Seminargruppe bei Naturwissenschafts -und Ingenieurstudenten auf der einen Seite und Geisteswissenschaften auf der anderen Seite. Sehen Sie mir nach, dass ich alle zwischendrin (Mediziner, usw.) hier weglasse.
    Bei der ersten Gruppe wurde man für einen Posten ausgeguckt von seinen Kommilitonen, bei uns am Grillabend, weil keiner es machen wollte.
    Den Posten hatte man ein Jahr lang auf dem Papier, dann wurde man wegen Inaktivität abgewählt, beim Nächsten war es genau so. Überführte Stasi-Spitzel hatten zumindest in meiner Seminargruppe niemals eine Funktion.
    Bei der zweiten Gruppe wurde um FDJ-Posten gekämpft.

    • „…, weil keiner es machen wollte“

      Das mag ja so gewesen sein.
      In der Welt, in der ich aufwuchs, musste man sich allerdings entscheiden. Die Pfarrerstochter Angela Merkel hatte sich damals gegen die Jugendweihe und für die FDJ entschieden. Ob IM „Erika“ eine Erfindung der Stasi war, weiß sie wohl am besten.
      Stasiunterlagen kann man eh nicht trauen. In meiner Akte gibt es Urkunden, die von Hauptamtlichen gefälscht wurden. Geheimdiensten ist alles zuzutrauen. Alles war möglich. Selbst nach1992 haben sie noch Unterlagen aus der Gauck-Behörde verschwinden lassen. Ein Dokument, das 1992 meinem Vater ausgehändigt wurde, fehlte 2010, als ich nach seinem Tod Einsicht nahm. Alles ist möglich.
      Auch wenn es keiner machen will, finden sich doch immer welche, die es tun.
      Das allein zählt. Und das Beichtgeheimnis.
      Ich habe das letzte Mal 1984 die Beichte abgelegt. Mein letzter Beichtvater war IM. In der Wendezeit weihten sie ihn zum Bischof.
      Möglicherweise, weil es keiner machen wollte. Ich weiß es nicht.

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