Orbán im FOCUS-Interview: Seit September 2011 Ermittlungen gegen Csatáry

Vorabmeldung über Focus.de:

http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-30-2012-ungarns-regierungschef-orban-seit-september-ermittlungen-gegen-csatary_aid_785415.html

München. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat erstmals bestätigt, dass gegen den mutmaßlichen ungarischen Naziverbrecher Laszlo Csatary Ermittlungen der Behörden seines Landes bereits seit September 2011 laufen. Der ehemalige Polizeichef im ungarisch besetzten Teil der Slowakei, der sich offenbar seit 17 Jahren in Budapest versteckt hatte, war am Mittwoch verhaftet worden. In einem Interview des Nachrichtenmagazins FOCUS trat Orban zugleich Vermutungen entgegen, die ungarische Justiz könne den 97-Jährigen auf politischen Druck hin von Strafe verschonen. „Ungarn steht in der europäischen Rechtstradition: Verbrechen gegen die Menschlichkeit verjähren nicht“, sagte der Rechtskonservative. Die ungarische Staatsanwaltschaft stehe im Übrigen seit 20 Jahren unter der Kontrolle des Parlaments und nicht unter der der Regierung. Der Justizminister sei damit gegenüber der Staatsanwaltschaft nicht weisungsbefugt. „Meine eigene Position ist klar. Null Toleranz, ob bei Antisemitismus oder Romafeindlichkeit“, betonte Orban.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem und andere hatten Zweifel daran geäußert, dass die Verhaftung Csatarys auch juristische Folgen für ihn haben werde, weil die Regierung Orban „zu rechts“ sei. Auf einen Wink des Zentrums hin hatten Reporter der britischen Zeitung „Sun“ Csatary in seiner Wohnung aufgespürt.

Orban machte im Gespräch mit FOCUS weiter deutlich, dass Ungarn einen Anschluss an die Eurozone noch einmal überdenken möchte. Die Mitteleuropäer hätten zwar vertraglich beim EU-Beitritt erklärt, sich der Eurozone anzuschließen, sobald sie dazu in der Lage wären. Das sei damals richtig gewesen. Aber die Eurozone sei nicht mehr die von 2004, so Orban. Damals sei von einer Fiskal-, Banken- und politischen Union noch nicht die Rede gewesen. „Deshalb hat jeder das Recht, seine Position zu überdenken. Die Antwort hängt vom Erfolg der jetzigen Eurozone ab.“ Bei einer Bankenunion müsse Ungarn grundsätzlich überlegen, ob der Forint damit sicherer oder zerbrechlicher werde.“

Das Interview erscheint in Focus 30/2012 in voller Länge.
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20 Kommentare zu “Orbán im FOCUS-Interview: Seit September 2011 Ermittlungen gegen Csatáry

  1. Warum, fragt man sich – und jetzt lassen wir mal den Nebenkriegsschauplatz über die Bedeutung der Person bitte außen vor – warum grenzt sich Orbán nicht von Bayer Zsólt eindeutig ab? Warum ist dieser eindeutige Antisemit nicht schon längst sein Parteibuch losgeworden und nicht mehr in vertraulichen Posen ab und an auf Fotos gemeinsam zu sehen? Zugegeben, es ist eher ein rhetorische Frage. Denn zweifelsohne fehlt es dieser Taten, um in vollem Umfang glaubwürdig rüber zu kommen, wenn er selbst Null Toleranz duldet bei Antisemitismus und Romafeindlichkeit.

    Denn wer nach rechts hin mit dem Feuer spielt und sei es nur, um Wähler zu sichern oder zu fangen, der muss bei solchen Stellungnahmen mit einem dicken moralischen Fragezeichen leben. Andere Beispiele bewussten Lassenmachens und Instrumentalisierens wurden hier unlängst diskutiert. Null Toleranz meint eben nicht immer die mathematische Null in der Politik.

    • München klingt mir so vertraut, Bayer auch. Focus ist ein streuender Krankheitsherd. Das steht im Pschyrembel http://www.pschyrembel.de/.
      Gesucht hatte ich aber nach etwas anderem. Wie nennt man das, wenn ein Ossi Bayern München mit Bayer Leverkusen verwechselt?

      Das muss man jedenfalls differenzierter sehen. Die Frage ist doch, wie man in HV’s Blog eine überzeugende Mitteilung schreibt. Angenommen, Sie müssen eine Mitteilung schreiben, die die Empfänger unbedingt glauben sollen. Ihre Mitteilung wird falsch sein, aber das genügt nicht unbedingt, um Menschen dazu zu veranlassen, sie für wahr zu halten. Es ist völlig legitim, wenn sie sich die Tricks der Wiederholung und der kognitiven Leichtigkeit gezielt zunutze machen. Wenn Sie jetzt nicht wissen, was mit kognitiver Leichtigkeit gemeint ist, sollten sie in die Bibliothek gehen und nach Studien über „Wahrheitsillusionen“ suchen. Diese liefern konkrete Anhaltspunkte, die ihnen helfen können, dieses Ziel zu erreichen, nämlich eine Mitteilung zu schreiben, die falsch ist, von den Empfängern aber geglaubt wird.

      Der allgemeine Grundsatz lautet, dass alles, was sie tun können, um die kognitive Beanspruchung des Lesers zu verringern, hilfreich ist.

      Immer wenn ein Urteil auf den Eindruck geringer oder starker kognitiver Beanspruchung gestützt wird, kommt es unvermeidlich zu Illusionen. Alles, was das reibungslose Funktionieren der Assoziationsmaschine in unserem Kopf erleichtert, wir auch Überzeugungen verzerren. Eine zuverlässige Methode, Menschen dazu zu bringen, falsche Aussagen zu glauben, ist häufiges Wiederholen, weil Vertrautheit sich nicht leicht von Wahrheit unterscheiden lässt. Autoritäre Institutionen (so umschreiben Israelis zum Beispiel das Wort Geheimdienste) und Marketing-Spezialisten wissen das seit jeher. Aber Psychologen haben herausgefunden, dass man die Tatsache oder Idee nicht vollständig wiederholen muss, um ihr den Anschein der Wahrheit zu geben. Personen, denen wiederholt die „Körpertemperatur eines Huhns“ dargeboten wurde, akzeptierten die Aussage, „die Körpertemperatur eines Huhns beträgt sechzig Grad Celsius (oder irgendeine andere beliebige Zahl) eher als wahr“. Wenn man sich nicht an die Quelle einer Aussage erinnern kann und keine Möglichkeit hat, sich auf andere Dinge zu beziehen, die man kennt, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich an die gefühlte Mühelosigkeit des Denkens zu halten.

      Bis hierher habe ich das alles von Daniel Kahneman abgeschrieben.

      Gesucht hatte ich nach der Antwort auf die Frage, was los ist, wenn ein Ossi Bayer und den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Csatáry fühlbar mühelos denken, wo es doch um Orbáns Glaubwürdigkeit geht. Der hatte nämlich im Focus erklärt: „Ungarn steht in der europäischen Rechtstradition: Verbrechen gegen die Menschlichkeit verjähren nicht“
      Der ungarische Regierungschef betonte: „Meine eigene Position ist klar. Null Toleranz, ob bei Antisemitismus oder Romafeindlichkeit“. Über Fußball hat Orbán im Focus nichts gesagt. Dabei hätte er das mit Leichtigkeit tun können. Wahrscheinlich hätte es aber nicht zum Thema gepasst.

      Gut, Peter K. hat es mit kognitiver Leichtigkeit nachgeholt. Nur ist ihm dabei ein Fehler unterlaufen. Zsólt Löw und Zsólt Bayer schreiben ihren Vornamen ohne Akzent. Und Zsolt Löw spielte zuletzt beim 1. FSV Mainz 05 in der Abwehr als linker Verteidiger. Die Abwehr ist im Fußball eine autoritäre Institution. Und Orbán ist ein autoritärer Führer. Jetzt frage ich mich nur noch, was Zsolt Bayer mit dem Focus-Interview des autoritären Führers zu tun hat.
      Aber diese Frage wird mir Herr Pfeifer von der linken Abwehr mit kognitiver Leichtigkeit beantworten können. Zum wiederholten Mal. Und bitte politisch korrekt. Das klingt dann vielleicht so: Bayer ist der Antisemitismus von Orbán. Weil Herr Pfeifer das Wort „Hofjude“ ja korrekterweise nicht mehr benutzt. Und es passt auch gar nicht zu Bayer Leverkusen. Und zum Fußball schon gar nicht. Da passt Focus schon besser zu Orbán. Ich möchte es noch einmal wiederholen. Ein Focus ist ein streuender Krankheitsherd. Das steht so im Pschyrembel http://www.pschyrembel.de/. Warum ließe sich das nicht auch auf Viktor Orbán übertragen, wo der Zsolt und der Fußball und …

      Eine falsche Mitteilung die wahr zu sein scheint.

      Eine gute linke Abwehrleistung von Peter K.! Wirklich!

      http://www.transfermarkt.de/de/zsolt-loew/profil/spieler_1578.html

      http://www.fcbayern.telekom.de/de/splash.php

      http://www.bayer04.de/

  2. Peter K. ausgezeichnete Frage. Anfang August treten bei einer EMI-Veranstaltung in Transsylvanien Jobbik und Fidesz Abg, zusammen auf und kuruc ist der Mediensponsor der Veranstaltung. Was Orban beim Fenster heraus sagt hat nicht viel mit der Realitaet zu tun.

  3. Solche Fragezeichen gibt es viele, Peter K.: von Orbáns Freundschaft mit Bayer über die Teilnahme von Fidesz-Prominenz an der Beerdigung Csurkas bis zur Nyirö-Aktion Kövérs in Siebenbürgen. Wahrscheinlich haben wir als Deutsche einfach eine komplett andere Problemwahrnehmung. Wenn jemand in den begründeten Verdacht gerät, auch Antisemit zu sein oder gewesen zu sein, dann neigen wir dazu, diese Person primär durch diese Brille zu sehen, klar zu verurteilen und aus unserem Denken auszublenden.

    Die gemäßigte Rechte in Ungarn tendiert hingegen dazu, die anderen, „nationalen“ Qualitäten solcher Personen in den Vordergrund zu stellen: als Journalist, Theatermann oder Schriftsteller — bloß nicht als Politiker. Unter diesem Blickwinkel sind das dann immer noch respektable Persönlichkeiten, vielleicht mit dem einen oder anderen Schatten auf der Biografie, über den man aber hinwegzusehen bereit ist. Ich kann mir diese deutlichen Unterschiede in den Sensibilitäten für die Problematik des Antisemitismus nur damit erklären, dass die Erinnerungskultur in Ungarn insgesamt eine andere Richtung genommen hat.

    Krisztián Ungváry hat im Ungarn-Sonderheft der „Osteuropa“ von „fatalen Traditionen der ungarischen Erinnerungskultur“ gesprochen. Noch immer werden hierzulande die Opfer verschiedener Diktaturen gegeneinander ausgespielt. Außerdem ist alles Böse von außen gekommen – siehe den ersten Raum im Terrorhaus zu Budapest mit dem schönen Titel „die doppelte Besetzung“. Überhaupt: nach Trianon ist die ungarische Nation ja primär Opfer. Die Mitverantwortung am Holocaust, die eigenen Handlungsspielräume der ungarischen Führungen in der Ära des Stalinismus und Kadarismus usw. werden, wenn überhaupt, nur äußerst zögerlich anerkannt und eingeräumt.

    Ich selbst kann Groß-Ungarn-Karten, Turuls, Runen, Horthy-Büsten usw. nur sehr schwer ertragen. Aber ich versuche, mir bei entsprechenden Gelegenheiten auch in Erinnerung zu rufen, dass die Regierung in den letzten Monaten viel gemacht hat, um sich selbst vom Vorwurf des Antisemitismus abzusetzen. Auch gibt es durchaus eine „nationale“ Variante des Gedenkens an die Opfer der Shoa: Ihre Zugehörigkeit zur ungarischen Nation wird dann unterstrichen. Man sagt: Ungarn verfolgten Ungarn (natürlich unter fremder Besatzung), Ungarn konnten Ungarn nicht schützen usw.

    Diese Redeweise ist auch dadurch gerechtfertigt, dass ja die überwiegende Mehrheit der ungarischen Holocaust-Opfer zum christlichen Glauben übergetreten oder zumindest der neologen Strömung des ungarischen Judentums zuzurechnen waren, die eine äußere, kulturelle Assimilierung predigte. (Noch heute zu erkennen an Kanzeln, Orgeln usw. in ihren starken kirchenähnlichen Synagogen.)

    Also da haben Sie eine Art Erklärung jenseits der üblichen Faschismuskeule. Anfreunden kann ich mich mit dieser brüchigen ungarischen Erinnerungskultur aber nicht wirklich. Sie wohl auch nicht wie ich sehe.

  4. HV Sie tun so als ob Sie meine Quellen kennen wuerden
    doch auch wenn Nszva meine einzige Quelle waere haette ich
    kein Problem damit. Es gibt aber auch andere Quellen.
    Ueber den Umgang mit Verbechern in Ungarn bringt heute Eva Balogh
    auf ihrer Website Hungarian Spectrum einen interessanten Artikel ueber den Fall Zoltan Bosnyak.

    • Ein interessanter Artikel, der mit einer Unterstellung à la Éva Balogh beginnt:

      He is an excellent researcher who was struck by the ease with which László Csatáry and, before him, Sándor Képíró, another war criminal, managed to settle in Hungary. Both men, it turned out, were assured that no criminal proceedings would be brought against them. (…) Or, it is even possible that the Hungarian secret service actually knew all about these people and for one reason or other decided to give them a safe haven..“

      Welche Beweise hat Frau Balogh für ihre Behauptung, Képíró und Csatáry hätten die „Zusicherung erhalten“ (were assured…), dass man kein Strafverfahren gegen sie einleiten würde? Bitte helfen Sie mir weiter, Herr Pfeifer. Ich finde nämlich in dem Beitrag keine Belege.

  5. HV warum fragen Sie nicht Prof. Eva Balogh direkt. Ich bin sicher, dass Sie korrekt antworten wird.
    Ich fand den Artikel über Zoltan Bosnyák sehr gut. Ich habe seinerzeit Frau Kutrucz kennengelernt und über diesen Skandal schon damals – vor der Wende – erfahren und darüber auch, wenn ich mich richtig erinnere, geschrieben.

  6. HV zur Sache, was behaupten Sie da, dass die Herren Csatáry und Képiró Jahrzehnte oder lange Jahre in Ungarn verbracht haben, ohne dass die ungarischen Behörden dies gewußt haben?
    Wenn also der Herr Csatáry im Magyar Hirlap erklärt eine Zusicherung der ungarischen Behörden erhalten zu haben und Magyar Hirlap auch entsprechende Dokumente zeigte, hat das diese Zeitung aus dem Finger gesogen?
    Sie versuchen hier Eva Balogh als unglaubwürdig hinzustellen.
    Doch wer Ihren Blog mit dem Hungarian Spectrum vergleicht, der kann einige Unterschiede entdecken, die nicht unbedingt zu Ihren Gunsten sprechen.

    • Herr Pfeifer,

      was ist heute bloß los mit Ihnen? Eines nach dem anderen:

      1. „HV zur Sache, was behaupten Sie da, dass die Herren Csatáry und Képiró Jahrzehnte oder lange Jahre in Ungarn verbracht haben, ohne dass die ungarischen Behörden dies gewußt haben?“

      Nein, ich habe das nicht behauptet.

      2. „Wenn also der Herr Csatáry im Magyar Hirlap erklärt eine Zusicherung der ungarischen Behörden erhalten zu haben und Magyar Hirlap auch entsprechende Dokumente zeigte, hat das diese Zeitung aus dem Finger gesogen?“

      Frau Balogh schrieb: „Both men, it turned out, were assured that no criminal proceedings would be brought against them.“
      Zu deutsch: „Beiden Männern, so stellte sich heraus, wurde zugesichert dass keine Strafverfahren gegen sie eingeleitet würden“. Darüber hinaus schreibt sie von der Beteiligung des Geheimdienstes.
      Und was sagt Csatáry? Nicht mehr als dass sein Anwalt seinerzeit nachgefragt hatte und ihm die Auskunft erteilt worden sei, dass man ihm nichts vorwerfen könne. Und zwar auch auf Grundlage der Ermittlungen kanadischer Behörden: “(…) amikor 1997-ben hazaért, mind a kanadai nyomozók, mind egy budapesti ügyvéd – aki kérésére kiterjedt vizsgálatot folytatott ügyében idehaza és külföldön – egyértelműen kijelentette, nem vádolható semmivel.”

      „Nem vádolható semmivel“ als behördliche Zusicherung à la E. Balogh? Oder was meinen Sie, haben auch die kanadischen Behörden ihm Straffreiheit zugesichert? Wohl kaum. Csatáry erhielt vielmehr die Auskunft, dass nichts gegen ihn vorläge (glaubt man ihm und Magyar Hírlap). Mit „Zusicherungen“ hat das doch wohl nichts zu tun. Sondern eher mit einer Beschreibung des status quo, der damaligen Sachlage.

      3. „Sie versuchen hier Eva Balogh als unglaubwürdig hinzustellen. Doch wer Ihren Blog mit dem Hungarian Spectrum vergleicht, der kann einige Unterschiede entdecken, die nicht unbedingt zu Ihren Gunsten sprechen.“

      Amen. Das musste wohl raus. 🙂

    • Lieber Herr Pfeiffer,

      ich nutze Frau Balogh’s Blog, weil sie manchmal interessante Aspekte untersucht, die ich noch nicht kannte. Sie ist aber völlig einseitig und tatsächlich sehr unzuverlässig, was Fakten angeht (das hat HV schon öfters gezeigt, auch wenn es manchmal ein wenig zu beckmesserisch zugeht) und ich würde den Blog niemals als Quelle nennen. Der Kommentarteil ist unter aller Kanone, völlig einseitig, z.T. beleidigend. Da halte ich mich lieber an HV und finde ein breites Meinungsspektrum und zumindest den Versuch, aus einer (mir nicht immer genehmen) politischen Position heraus die verschiedenen Seiten anzuhören. Pusztaranger ist auch einseitig, aber der Blog nimmt es sehr genau mit den Fakten und ich würde ihn jederzeit zitieren.

  7. HV schauen wir uns doch leidenschaftlos die Antworten an, die heute ein Jurist für internationales Recht namens Ádám Gellért auf die Fragen von Olga Kálmán auf atv in Egyenes Beszéd gegeben hat. Und wenn man dieses Interview gesehen hat, dann wird einem klar, was der ungarische Staat in dieser Sache Dr. Csatáry – ich formuliere jetzt sehr zurückhaltend – verschlampt hat.
    Sie können, wenn Sie wollen, wieder dieses oder jenes Wort von mir oder von Prof. Balogh beanstanden, doch die Fakten, die Herr Gellért bekanntgab, zeigen zum Beispiel, wie die Staatsanwaltschaft vorging, die drei Monate brauchte, was Herrn Gellért lediglich 3.5 Stunden Fahrzeit nach Kassa (Kosice) und 3.5 Stunden Rückfahrt und 20 Euro kostete.

    http://atv.hu/belfold/20120725_nemzetkozi_jogasz_tobb_lehet_a_felelossege_csatarynak

    • „die Fakten, die Herr Gellért bekanntgab, zeigen zum Beispiel, wie die Staatsanwaltschaft vorging, die drei Monate brauchte, was Herrn Gellért lediglich 3.5 Stunden Fahrzeit nach Kassa (Kosice) und 3.5 Stunden Rückfahrt und 20 Euro kostete.“

      Falsch. Gellért hatte die Akten seit April in seinem Besitz. 10:55 min (Zähler läuft rückwärts).
      Was sagt Gellért noch? Dass er 2 Monate geforscht habe. Und dass die Staatsanwaltschaft den „Doyen“ der ungarischen Geschichtswissenschaft auf den Fall angesetzt habe, um ein Gutachten zu schreiben?
      Was versuchen Sie denn, hier schon wieder für einen falschen Eindruck zu erwecken?
      Was Gellért schreibt, ist, dass er 7 Stunden brauchte, um die Akten in die Hände zu bekommen. Und?

      http://atv.hu/cikk/video-20120725_gellert_adam

      Von Untätigkeit zu sprechen (so der Hauptvorwurf, den die Presse erhebt), ist wohl kaum angebracht. Denn die Staatsanwaltscaft muss, wenn sie eine Verurteilung erreichen will, handfeste FAKTEN präsentieren. Eine Reihe von Beschuldigungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen genügt eben nicht.

      • Einspruch!

        Eine Reihe von Beschuldigungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen genügt eben doch, um dem Ruf eines ganzen Landes zu schaden.

        Wie sich das z.B. gestern im Deutschlandfunk anhörte, nämlich dass aus Beschuldigungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen längst mediale Gewißheit geworden ist, belege ich mit diesem Zitat:

        „Ponta wird deshalb in diesen Tagen häufig mit seinem ungarischen Amtskollegen Victor Orban verglichen, auch wenn beide in ideologischer Hinsicht Welten trennen.

        Der konservative Regierungschef aus Budapest hat tiefgreifende Veränderungen in der Verfassung vorgenommen und das politische System unter Missachtung demokratischer Grundsätze stark umgebaut. Das sei in Bukarest definitiv nicht geschehen, sagt der Bukarester Politikexperte Cristian Pirvulescu. Eines aber hätten beide osteuropäischen Länder gemeinsam: ihre Abhängigkeit von einzelnen politischen Führungspersönlichkeiten.“

        „In Ungarn gibt es eine exzessive Personalisierung rund um Victor Orban. Eine Demokratie kann jedoch nicht rund um eine Person aufgebaut werden. Deshalb stecken wir auch in Rumänien in einer politischen Krise. Wenn wir nicht diese Personalisierung von Politikern hätten, gäbe es jetzt auch nicht solche Konflikte zwischen ihnen.“
        Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1824054/

        Was haben die Nachrichten des Deutschlandfunks über Ponta mit dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher Csatáry zu tun?

        Eigentlich gar nichts, Aber steter Tropfen höhlt den Stein.

        Und um Herrn Pfeifer zuvorzukommen, erkläre ich auch gleich noch die Bedeutung dieser sprichwörtlichen Redensart: Durch ständige Wiederholung von Beschuldigungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen erreicht man schließlich bei jemandem sein Ziel.

        Das wusste schon der griechische Epiker Choirilos von Samos, der in der 2.Hälfte des 5.Jh.s v.Chr. lebte und in dessen fragmentarischen Gedicht über die Perserkriege es heißt: »Der Tropfen höhlt den Stein durch Beharrlichkeit.«

        „Eine Reihe von Beschuldigungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen genügt eben nicht?“

        Einspruch HV!

        Eine Reihe von Beschuldigungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen genügt eben doch, wenn Sie nur beharrlich, unentwegt, unverdrossen, unbeirrbar, unbeirrt, ausdauernd, hartnäckig, ingrimmig, zäh, verbissen, oder krampfhaft vorgebracht und vom Netzwerk verebreitet werden.

        Das ist seit Choirilos von Samos Menschheitswissen.

        Herr Pfeifer oder Zuroff brauchen darauf kein Patent. Das kann jeder:
        Beschuldigungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen von sich geben.

        Nur hat eben nicht jeder dafür gleich ein weltweit funktionierendes Netzwerk .
        Worüber ich wirklich froh bin.

  8. Focus online Ausgabe:
    *Ungarns Regierungschef Orban: Seit September Ermittlungen gegen Csatary*
    Interessantwirklich.
    So kann man die Internetgemeinde manipulieren.
    Ich dachte, der Artikel heisst :Wir wollen keinen Cent??
    aber man kann sich ja als Leser mal sowas von irren!!!
    und
    nette Fragen, ehrlich:z.B. „Einige Werfen Ihnen vor, antisemitischen Tendenzen Vorschub zu leisten*
    und jetzt kommt es!!
    „Zur Zeit entstehen in Ungarn Denkmäler des Hitlerverbündeten Miklos Horthy“
    Der unbedarfte Bürger schließt jetzt natürlich haarscharf, dass die Regierung mindestens hunderte Denkmäler in Auftrag gegeben hat, pfui.

    Die Anwort zu Csatary sieht gegen Ende etwas anders aus als in der online -Version dargestellt
    „Ungarn steht in der europäischen Rechtstradition: Verbrechen gegen die Menschlichkeit verjähren nicht“, sagte der Rechtskonservative. Die ungarische Staatsanwaltschaft stehe im Übrigen seit 20 Jahren unter der Kontrolle des Parlaments und nicht unter der der Regierung. Der Justizminister sei damit gegenüber der Staatsanwaltschaft nicht weisungsbefugt.
    Unabhängig davon laufen die Ermittlungen seit September 2011.
    Aber selber lesen macht schlau 😉 ..sagt schon M.M.

    Nicht das ich unbedingt ein Anhänger der taz bin, aber wirklich nett dieser Artikel
    http://www.taz.de/!94142/
    Zufälle gibt es !!
    und das ist ja Deutschland und da ist das ja was gaaaanz anderes!!

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