Krisztina Koenen in der WELT: „Zurück zu den Hunnen“

Krisztina Koenen sieht Ungarn unter Viktor Orbán als Land, dass sich von den Ideen der Aufklärung entfernt. Der Titel des neuesten, dem Stil der WELT („Führerstaat Ungarn„, „Puszta-Putin„) voll und ganz gerecht werdenden Beitrages: „Zurück zu den Hunnen“.

http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article13424870/Zurueck-zu-den-Hunnen.html

Koenen beschreibt Ungarn als Land, das sich von der Aufklärung verabschiedet, in dem die rationale Denke – für die offenbar die Vertreter der in der WELT vorherrschenden Ungarnmeinung den Alleinvertretungsanspruch erheben – gegen das Irrationale getauscht wurde. Ein Land, in dem man (also offenbar die Mehrheit) sich auf Feinde von Außen fokussiert und latent antisemitisch und rassistisch zu sein scheint.

Eine Differenzierung zwischen Fidesz und der rechtsextremen Jobbik und deren Miliz „Ungarische Garde“ fehlt, wie üblich. Nicht die Vorgängerregierung, die das Treiben dieser selbsternannten Ordnungshüter lange tolerierte und für ihr Erstarken sorgte, sondern Orbán höchstselbst und ganz allein soll für diese Erscheinung verantwortlich sein. Weil die „aufgeklärten“ Demokraten von ihrer eigenen Verantwortung in diesem Bereich, wie üblich, nichts wissen wollen. Schon im Juni 2010 heulte Koenen, Orbán – damals knapp 2 Monate im Amt – knicke vor den Rechtsextremen ein. Die Jahre zuvor spielten damals wie heute keine Rolle mehr.

Dass Koenen den ehemaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Gyurcsány dann noch als „Reformer“ bezeichnet, macht ihren Beitrag aus „aufgeklärter“ politischer Sicht eigentlich endgültig zur Farce. Diese Anmerkung entlarvt sie als Anhängerin des gescheiterten, für die Unruhen in Budapest des Jahres 2006 mit- und für die desaströse Haushaltslage politisch hauptverantwortlichen Ex-Ministerpräsidenten. Da wirkt es keinesfalls wie ein Zufall, dass die Aussagen von Anti-Orbán-Chefpublizist József Debreczeni, einer der publizistisch aktivsten Gyurcsány-Bewunderer (über seine Lobpreisung auf Gyurcsány siehe politics.hu), der seit Jahren mit Orbán-Anfeindungen in Buchform Geld verdient, von Koenen inhaltlich nachgeplappert werden. In Anbetracht der bei der WELT eingeführten Begriffe wie „Führerstaat Ungarn“ und „Puszta-Putin“ ist diese Art von Bericht auch prägend für die politische Richtung der WELT im Bezug auf Ungarn. Mit dem Begriff der „konservativen“ Tageszeitung sollte insoweit etwas weniger inflationär umgegangen werden. Kein noch so absurder Vergleich, keine noch noch absurde Behauptung und keine noch so hanebüchene Verdrehung von Fakten kann die Veröffentlichung eines Ungarn-Beitrages in der WELT verhindern. Chefredakteur Thomas Schmid bleibt seiner Linie eben treu; man scheint Orbán bis heute nicht verziehen zu haben, das er sich vom Linksliberalen zum Rechtskonservativen gewandelt hat.

Doch zurück zu Koenen. Sie fiel in der Vergangenheit auch durch die (übrigens ebenfalls von Gyurcsány-Bewunderer Debreczeni verbreitete) nachweislich falsche Behauptung auf, zwei durch Fidesz neu gewählte Verfassungsrichter verfügten „nicht einmal über eine juristische Ausbildung“. Die beiden Betroffenen, Mihály Bihari und István Stumpf, sind freilich ohne jeden Zweifel Juristen. Bihari war vor seiner Ernennung sogar schon einmal, von 2005-2008, Präsident des Verfassungsgerichts. In einer Zeit also, in der Orbán in der Opposition saß.

Und es war ebenfalls Krisztina Koenen, die in einem Beitrag in der WELT vom 24.06.2009 das Thema Rechtsradikalismus in Ungarn behandelte und im Vorwort beiläufig anmerkte, „Dabei ist die wirtschaftliche Situation des Landes besser denn je„, um ihr Unverständnis über das Erstarken der Jobbik kundzutun. Die wirtschaftliche Situation des Landes war zu eben jener Zeitunkt allerdings so grandios, dass der IWF und die EU im Zeitpunkt des Erscheinens des Beitrags von Koenen schon zweistellige Milliardenhilfen bereitgestellt hatten, um das dmals noch sozialistisch regierte Ungarn vor dem Staatsbankrott zu retten.

So viel zu Frau Koenens Umgang mit Fakten. Aber um die geht es ja bekanntlich nicht. Eher um die Botschaft.

25 Kommentare zu “Krisztina Koenen in der WELT: „Zurück zu den Hunnen“

  1. Der Artikel von Frau Koenen ist wie eine Spucke ins Gesicht eines jeden Andersdenkenden, Verachtend. Eine einseitige und beschämende Darstellung Ungarns und der Ungarn. Sie wird schon ihre Gründe haben, so hasserfüllt über das Land und dessen Bewohner zu berichten.

  2. „Auch wenn die Fidesz-Partei nicht die Gründerin der berüchtigten Ungarischen Garde, einer marodierenden Bande von Rassisten und Gewalttätern, war, bereitete sie gedanklich und praktisch den Boden, auf dem diese entstehen konnte. Sie sah tatenlos zu, wie der Geist des Antisemitismus und des Rassenhasses gegen Sinti und Roma aus der Flasche gelassen wurde, wie beide zu unbeanstandeten Teilen der öffentlichen Rede wurden.“ Das war die regierende MSZP und deren Koalitionspartner, die das zuließen! Die Entstehung der Garde selbst, deren Aufmärsche, die Zigeunermorde, das waren alles in den Jahren der MSZP-Regierung! Wie soll bitte sehr die Fidesz-Partei, die in der Oposition war, gedanklich und praktisch dies bewerkstelligt haben? Ganz davon abgesehen, dass die Fidesz-Partei gegen die Garde, Rassisten und Gewalttätern ist und seit der Wiederwahl deren Gedankengut bekämpft und deren Handlungen beschränkt. Mensch, wie kann man nur so einen Unsinn schreiben…

  3. Zweifelsfrei fallen Gründung und erste Greultaten in die Zeit der MSZP.

    Zweifelsfrei macht die jetzige Regierung, außer etwas „window dressing“ nicht wirklich etwas gegen dieses menschenverachtende Treiben.

    Denke ich jedoch an die verbale Polemik im Wahlkampf 2002, seitens einiger FIDESZ Leute (inkl. Orban), dann noch in den folgenden Jahren, sehe ich zumindest eine, gewollte, Mitursächlichkeit am entstehen diese Banden, sowie des Jobbikanteil.

    Jeder der hier zu Wort kommt und zitiert wird hat wohl seine „ungarische Brille“ auf.

    Vielleicht hilft hier István Bibó:

    DEFORMIERTER UNGARISCHER CHARAKTER
    ungarische Geschichte auf Irrwegen
    [Eltorzult magyar alkat, zsákutcás magyar történelem]

    nachzulesen unter:

    Klicke, um auf IBibo1.pdf zuzugreifen

    • Apropos menschenverachtendes Treiben der Garde, was sagen Sie, János Richter, dann zum Treiben der Franzosen die fast 28000 Zigeuner einfach aus dem Land abschieben wollen, da 80% der Straßenkriminalität von deren Minderjährigen verübt wird? Oder was würden Sie tun, anstatt der Franzosen? Das ist jetzt die französische Brille. Die italienische Brille sieht die Geschehnisse so, dass der Staat die Camps der Zigeuner mit polizeilicher Gewalt auflöste, da in der Umgebung Frauen vergewaltigt wurden und Kriminalität an der Tagesordnung stand. Die deutsche Brille sieht die Ereignisse so, dass die Zigeuner vom Sozialstaat ernährt und aufgezogen wurden, Häuser oder Wohnungen bekamen und lebten besser wie manch arbeitender Deutscher. Die bettelnden, auf den Straßen umherziehenden Zigeuner heutzutage verschwinden früher oder später aus dem Stadtbild, werden wahrscheinlich auch abgeschoben. Die ungarische Brille löst das Problem der Zigeunerkriminalität vor Ort mit der Garde, da manche Herren nicht mal dazu im Stande waren ein „Windows Dressing“ zu machen.
      Und Sie schicken hier noch dazu eine wissenschaftliche Sozialarbeit, die versucht das Ungarnsein zu erklären? So ein Schubladendenken brauche ich nicht. Die Vielfalt der Ungarn, besser gesagt der Menschen, ist unerklärlich groß und farbig dazu, dass man es auf schwarz-weiß festhalten könnte.
      (Um Missverständnisse zu vermeiden: Nicht jeder Zigeuner ist ein Krimineller, natürlich gibt es auch hart schaffende oder begabte Zigeuner, die ihr tägliches Brot ehrlich sich verdienen. Möchte hier nicht nochmal als Rassist abgestempelt werden.)

      http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/669644/Frankreich-will-28000-Roma-ausweisen?_vl_backlink=/home/index.do

  4. Es ist richtig, weder in Frankreich, noch in Italien gibt es diesbezüglich eine Politik die nur ansatzweise Besserung erhoffen läßt. Auch in Deutschland kann die Integration nur im geringeren %-Bereich als gelungen bezeichnet werden.

    Jedoch, dies hier ist ein ungarischer blog, so she ich es.

    Mir, der ich auch ungarischer Abstammung bin, geht es um Ungarn und die Ungarn.

    Es kann nicht sein, dass nur Glanz, Stolz und Einzigartigkeit hochgehalten werden und sobald dunkle Flecken auftauchen waren es immer die Anderen und es kommt immer nur von Aussen, zeigen wir auf Andere.

    Die Anderen werden Ungarns Probleme nicht lösen.

    Welcher Abstammung ist denn der französische Ministerpräsident
    Nicolas Paul Stéphane Sárközy de Nagybócsa ?

    Wenn es dann noch ungarische s.g. „Geschichtsforscher“ gibt die nachweisen wollen, dass Plato ungarischer Abstammung war, wird sich wohl noch einer finden lassen, der beweißt, dass Herr Berlusconi auch Ungar ist…. 🙂

  5. Sie haben vollkommen recht, dies ist ein ungarischer Blog, jedoch in deutscher Sprache. Damit hätten wir schon eine Relation geschaffen, denn die Mehrheit der Leute, die diesen Blog lesen oder darin sich äußern im Ausland leben. Da diese Leute aus einer anderen Kultur und aus einem anderen staatlich gesicherten sozialen Umfeld kommen, ist vieles, was in Ungarn geschieht, schwer für diese Leute nachzuvollziehen und umso leichter zu verurteilen. Dabei machen die Landsleute derer es in vielen Fällen auch nicht besser, aber anders. Deshalb ist es für mich wichtig, mal den Kopf aus der Grube zu nehmen, um zu vergleichen, was die anderen in Europa besser oder schlechter machen. Man lernt immer was dazu. Eine Relation mit den anderen ist für mich wichtig, um den eigenen Wert besser einschätzen zu können. Jedoch sollte es eine Relation bleiben und nicht das Thema selbst werden.
    Dunkele Flecken hat jedes Individuum und jede Gemeinschaft, wie damit umgegangen wird ist eine andere Frage. Meiner Meinung nach zeigen die Ungarn (wenn man es überhaupt so verallgemeinern kann) auf andere, weil die anderen dafür auch mitverantwortlich waren. Die eigene Schuld ist aber auch genauso vertreten bzw. den Menschen bewusst. Bei den Deutschen finde ich zum Beispiel interessant, dass genau die entgegengesetzte These aufzustellen ist: Die Nazionalsozialisten und somit die Mehrheit der Deutschen war als einziger schuld in der Entstehung des Antissemitismus ohne irgendwelche Fehler der jüdischen Bevölkerung im In- und Ausland (vor allem in der USA) in Betracht zu ziehen. So lernt man das in der Schule und wird mit einem Schuldgefühl von Kindheit an erzogen. Wir weichen aber wieder von Ungarn zusehends ab, also zurück zum Thema:
    Mich persönlich stört immer dieses herablassende und besserwisserische Verhalten einiger Beiträge von Außenstehenden. Es gibt auch eine vernünftige Art mit Anstand die Sachen zu kritisieren. Da fällt mir immer der Satz von Jesus ein: Den ersten Stein soll der werfen, der keine Sünden hat. Oder anders gesagt: Man sollte zuerst im eigenen Hof kehren.
    Nichts für Ungut.

    • @ Karl Pfeifer:

      „Die ungarischen Ultranationalisten setzten die Juden mit dem Kommunismus gleich, was nicht auf den Bereich der Historie beschränkt bleibe. Die Wirkung des Schuldumkehrprinzips habe den Ultranationalisten zu ihrem Wahlsieg im Frühjahr 2010 verholfen.“

      „Ultranationalisten“ = Wahlsieger = folglich Fidesz
      Ultranationalisten = „setzen Juden mit Kommunismus gleich“ –> Fidesz setzt die Juden mit dem Kommunismus gleich.

      Und noch mehr:

      „Mit diesem (Anm.: Wahlsieg) meinten sich „,die (völkisch gedachte) Nation‘, vertreten durch die völkischen Parteien Fidesz und KDNP, sowie die rechtsradikale Partei Jobbik, vom vermeintlichen Joch der (,jüdischen‘) Postkommunisten und der (,jüdischen‘) Liberalen zu befreien“.“

      Stimmen Sie diesen abenteuerlichen Behauptungen wirklich zu?

  6. Hungarian Voice. In der FAZ erschien lediglich eine Rezension des Marsovszky-Artikels.
    Das Original ist zu lesen in Stimmen der Zeit Die Zeitschrift für christliche Kultur

    „Heiliger Turul, steh uns bei!“
    Ungarns völkische Wende und die Sakralisierung der Nation
    Magdalena Marsovszky
    „Heiliger Turul, steh uns bei!“
    Ungarns völkische Wende und die Sakralisierung der Nationhttp://www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/ausgabe/details?k_beitrag=2980968&k_produkt=2976307

    Ich denke, die Auseinandersetzung mit Marsovszky lohnt und nicht ersetzt werden sollte durch meinen Kommentar.

    Marsovszky schreibt: „Der Antisemitismus kann ja nicht im engeren Sinne als Feindschaft gegen eine bestimmte religiöse Gemeinschaft oder kulturelle Gruppe, nämlich die jüdische, aufgefaßt werden, sondern vielmehr als Weltanschauung6 oder als kultureller Code7. Er hat sehr viel mit der Definition der Nation und deren Kulturbegriff zu tun. Wird die Nation als eine völkisch-ethnisch homogene Gemeinschaft aufgefaßt, wird alles, was die vermeintliche Homogenität des Volkstums hinterfragt, als „verjudet“ oder als „jüdische Unterwanderung“ des Volkskörpers gedeutet….
    „Warum in Ungarn im Verhältnis zu anderen postkommunistischen Staaten die Radikalisierung so weit fortgeschritten ist, dürfte mit dem großen nationalen Trauma „Friedensvertrag von Trianon“ im Jahr 1920 zu tun haben, infolgedessenUngarn zwei Drittel seiner Gebiete an die Nachbarländer abtreten mußte, der – wie der Friedensvertrag von Versailles für Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg – noch immer als ungerechtes Friedensdiktat erlebt wird. Da der Kulturbegriff und die Kulturpolitik nach der Wende in Ungarn nicht demokratisiert wurden, wird aus dem Motiv des „ungerechten Friedensdiktats“ heraus der national-narzißtische Opfermythos immer wieder aufs Neue lebendig gehalten8, was die Feindbilderkonstruktionen begünstigt, weil für das „Unheil“ des Landes immer wieder nach „Schuldigen“ gesucht wird9. Diese „Schuldigen“ sind in Ungarn vor allem die Sozialdemokraten und die Linksliberalen.

    In Ungarn hört man „jüdisch“, wenn „sozialistisch/links/kommunistisch/liberal“ gesagt wird. Der Mythos des „Bolschewiken als Jude“ ist absolut lebendig und wird auf die heutigen Sozialisten übertragen. Auch die Liberalen bzw. das Denken in liberalen Kategorien wird als eine „Unterwanderung“ des Volkskörpers erlebt, so daß Linke und Liberale – auch von Mitgliedern der Regierung – als Feinde und Zerstörer der Nation beschimpft werden10. Die Botschaft dieser Kommunikation lautet: Das sind zu vernichtende Entartete. Die Haßrede wird nicht nur nicht eingedämmt, sondern sogar gefördert: Am 21. Januar 2010 wurde dem für seine antisemitischen Schriften bekannten Journalisten Zsolt Bayer der Madách-Preis verliehen11.“

    Wenn ich Marsovszky richtig verstehe, behauptet sie, dass in Ungarn auch Nichtjuden als Juden behandelt werden können. Das spürte unlängst Peter Esterházy als er in Erlau (Eger) die Buchwoche eröffnete.

    • Esterházy und Erlau: Sie meinen die zwei Personen, von denen einer ein Transparent hochhielt und ein anderer Zettel verteilte? In der Tat, durch diese zwei Figuren droht wirklich der Zusammenbruch der aufgeklärten westlichen Welt 😉

      • Ich verstehe nicht, warum Sie diese Frage stellen. Wenn ein ungarischer Schriftsteller einen Personenschützer braucht, dann ist das sehr traurig. Ist es nicht gleichgültig, ob ein, zwei, oder zehn Skinheads eine Tafel mit „wir braúchen keinen Kulturschmutz“ hochhalten und antisemitische Bemerkungen machen?

        Bricht die westliche Welt zusammen, wenn ein guter Freunnd von Viktor Orbán den Pianisten András Schiff Anfang Januar 2011 als „stinkendes Exrement“ beschimpft und wenn sich dann der ungarische Ministerpräsident mit diesem Ende März 2011 fotografieren läßt?

        Bricht sie zusammen, wenn ein jüdischer Rabbiner im April 2011 angerufen wird und jemand am Telefon sagt, er möchte von ihm Schweinefleisch kaufen? Wenn dann kurz danach ein Skinhead an einem jüdischen Feiertag in eine Budapester Synagoge eindringen will, schreiend er möchte Schweinefleisch vom Rabbiner kaufen und dann den Rabbiner bedrohend, den er angibt töten zu wollen?
        Bricht die westliche Welt zusammen, wenn ein deutsches rechtsextremes Blatt, das vom Bayrischen Verfassungsschutt erwähnt wird, Viktor Orbán verteidigt und wenn die Regierungssprecherin und ein Staatssekretär diesem ein Interview gibt?
        http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=74730

    • Natürlich war Trianon ungerecht. Hätte man eine einfache, demokratische Volksabstimmung abgehalten in den betreffenden Gebieten, damit (wie die Westmächte behaupteten) eine Grundlage für nachhaltigen Frieden in Europa geschaffen wird, wären große Teile Ungarns immernoch Ungarn, wie es 1000 Jahre lang es auch der Fall war. Die Frage der Volksabstimmung wirft sich gerade bei Ungarn auf, da die Ungarn den mit Abstand verhältnissmäßig größten territorialen Verlust (2/3 Verlust) hinnehmen mussten, wobei sie selbst in der Österreich-Ungarischen Monarchie nicht die tonangebende, entscheidungstragende Nation waren, geschweige denn für den Ausbruchs des Krieges verantwortlich gemacht werden können.
      Das ist genauso, wie in Deutschland mit der Euroeinführung. Hätte es eine Volksabstimmung gegeben, wäre es niemals zum Euro gekommen und niemals zu diesen schwierigen Zeiten, in der man sich über Griechenland und co. den Kopf zerbricht.
      Ansonsten berichtet der Verfasser des Artikels JOSEPH CROITORU, extrem überspitzt und einseitig über die Verhältnisse in Ungarn. Dies ist wohl damit zu erklären, dass er selbst jüdischer Herkunft ist und nicht in Ungarn lebt, somit aus der Ferne wohl aufgrund der falschen Eindrücken in den Medien diese auch so weitergibt. Magdalena Marszovsky lebt seit 1979 in Deutschland , also schon seit über dreißig Jahren, wie sie dann die soziale, sowohl als auch die kulturelle Entwicklung in Ungarn beurteilen kann ist mir schleierhaft.
      Wie schon Hungarian Voice fragt: Stimmen Sie diesen abenteuerlichen Behauptungen wirklich zu? Ich bedanke mich für die Ignorierung der Frage schon im Voraus, Herr Pfeifer.

      • @Der Richter@t“ „JOSEPH CROITORU, …. Dies ist wohl damit zu erklären, dass er selbst jüdischer Herkunft ist und nicht in Ungarn lebt, … Magdalena Marszovsky lebt seit 1979 in Deutschland , also schon seit über dreißig Jahren, wie sie dann die soziale, sowohl als auch die kulturelle Entwicklung in Ungarn beurteilen kann ist mir schleierhaft.“
        Diese Logik von @Der Richter@ ist schwer nachvollziehbar. Wer „jüdischer Abstammung“ ist, sollte vielleicht auch nicht über Deutschland, Österreich, den Nahen Osten, Osteuropa schreiben?
        Vielleicht sollte die FAZ bei jedem Autor die Abstammung anmerken? Oder nur bei denen, die „jüdischer Abstammung“ sind?

        Zum Glück war es ja möglich für M. Marsovszky ihr Heimatland in all den Jahren häufig zu besuchen und deswegen kann sie – auch wenn es @Der Richter@ schleierhaft findet, wohl die Entwicklung in Ungarn beurteilen.

        Wenn dann hier eine Rezension rezensiert wird, dann ist das ein Novum. Da ich bis jetzt noch nie eine Rezension rezensiert habe, will ich es auch hier nicht tun.
        Worauf es ankommt, ist nicht die Rezension, sondern der rezensierte Artikel. Und dieser ist gründlich und dokumentiert. Da kommt ja auch keine Kritik von HV oder von @Der Richter@

      • @ Herrn Pfeifer: Mein Schweigen zu Marsovszkys Beitrag hat keinerlei Erklärungswert. Sie halten ihn für gründlich und dokumentiert. Ich halte ihn für ideologisch verblendet. Gemeinsam mit der Lesart des Herrn Croitoru ist das Süppchen dann fertig. Und da Frau Marsovszky seit Jahren dasselbe schreibt und sich natürlich auch gerne als Quelle selbst zitiert, sehen Sie mir doch einfach nach, dass ich nicht jeden ihrer Artikel und jedes ihrer unsäglichen Radio-Interviews rezensiere. Die oben zitierte, von Herrn Croitoru verfasste Passage ist wirklich das letzte und hat mit „Wissenschaft“ nichts zu tun.

        AUch dass Marsovszky Gyurcsány als Teil einer „progressiven Gruppe von Sozialdemokraten“ ansieht, ist für mich kein Beleg höheren wissenschaftlichen Denkens. Eher für klare und im Hinblick der Jahre 2002-2010 fragwürdige Parteinahme. Gyurcsány ist eine Person mit klar liberalem Kurs. Seine sozialdemokratische Ader entdeckt er nur, wenn er in der Opposition ist. Es gibt in der ganzen MSZP wohl nur einen einzigen Sozialdemokraten: Tibor Szanyi. Was der von Gyurcsány hält, kann man sich wöchentlich auf ATV ansehen.

        Dass Sie es nicht fertig bringen, solchem Unsinn, wie ihn Croitoru oben von sich gibt, zu kritisieren, ist schade. Es überrascht aber nur diejenigen, die Ihre Art des Diskutierens nicht aus dem Blog kennen.

        Vor einigen Monaten machte ich mir einmal die Arbeit: https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/01/zerrbilder-magdalena-marsovszky-im-interview-mit-radio-corax/

  7. HV ich lerne hier immer etwas. So belehrt uns @Der Richter@, dass doch am Antisemitismus – insbesondere amerikanische – Juden eine gewisse Schuld tragen. Welche Schuld das wohl sei, läßt er uns nicht wissen.

    Und nun zurück zu der Rezension von J. Croitoru und die Frage, was ich davon halte. Wichtig ist, dass diese Rezension in der FAZ erschienen ist. Ich lese seine Artikel immer mit Interesse auch dann wenn ich nicht mit ihm einverstanden bin. Und ich bin nicht immer mit ihm einer Meinung.
    Erst am 15. Juni hat Magdalena Marsovszky an einer Podiumsdiskussion der Politischen Bildung mit Christian Boulanger in Potsdam teilgenommen.
    http://www.politische-bildung-brandenburg.de/veranstaltungen/ungarn-2011-%E2%80%93-zwischen-eu-ratspr%C3%A4sidentschaft-und-innenpolitischem-umbruch
    Sie müssen ja nicht politisch und sonst mit Frau Marsovszky einverstanden sein, können aber überlegen, ob es etwas bringt eine seriöse Wissenschaftlerin abzuwerten. Ihre Behauptung , dass „Frau Marsovszky seit Jahren dasselbe schreibt“, sagt vielleicht mehr über Sie aus als über Frau Marsovszky. Immerhin kommt sie in seriösen Medien zu Wort und wird auch häufig von deutschsprachigen Medien zitiert.
    Sich selbst zu zitieren ist durchaus gebräulich und höchstwahrscheinlich zitieren auch Sie sich selbst in Ihrem Berufsleben.
    Was aber die Einschätzung von Ferenc Gyurcsány betrifft, denke ich, dass die Palette von absoluter Ablehnung bis zur Verehrung reicht. Ich habe ihn noch nicht gehört und kann nicht beurteilen, ob die Qualifizierung von Frau Marsovszky stimmt. Ich kann auch Viktor Orbán nicht beurteilen. Als ich mit meinem – leider allzufrüh verstorbenen – Freund Zoltán Zsille zur Gründung von TDSZ nach Budapest fuhr, hat er und Gábor Fodor uns Blumen am Ostbahnhof überreicht. Ich war auch im Juni 1989 am Budapester Heldenplatz als Orbán sprach. Einige MDF Politiker waren damals gar nicht begeistert von Orbáns Rede, die damals großen Beifall erhielt.
    Interessant fand ich József Debreczenis Buch über Orbán „Arcmás“, weil ja Debreczeni einmal sein Berater war und weil bislang die meisten Voraussagen von Debreczeni, wie die folgende, gestimmt haben: „„Man sollte keine Zweifel haben, dass Orbán hemmungslos und restlos die in seine Hände geratene Macht ausnutzen wird“. Jetzt las ich über ihn, dass er zwar verstehe, wie man die Macht erringt, jedoch nicht weiß wie man regiert.

  8. Herr Pfeifer, ich vesuchs Ihnen mal zu erklären, aber verstehen werden Sie es nicht, weil Sie es nicht verstehen wollen. Aber trotzdem ist es ein Versuch wert…
    Mit Frau Marszovsky verhält es sich ungefähr so wie mit einer Französin, die das Backen der Croissants jahrelang in Deutschland gelernt hatte und diese auch seit Jahren in Deutschland verkauft mit der Überschrift: „Französische Croissants“. Mag sein, dass die Bäckerin viel gelesen hatte über die Rezepte und mag sein, dass sie sogar viele Reisen nach Frankreich gemacht hatte, um dort nochmal nachzuschauen, ob es wirklich so gemacht wird, jedoch sagen die Mehrheit der Franzosen, wenn sie ihr Croissant probieren: „Nee, bei uns schmeckt es anders.“ Die Deutschen sagen aber: „Ja, genau so schmecken die Französichen Croissants!“ Nun handelt es sich hierbei nicht um Croissants, nicht einmal um ein Essen oder Geschweige denn um ein Ding. Nein, es handelt sich hierbei um eine Gesellschaft, die aus einer Vielfalt von Individuen (knapp 10 Mill.) besteht. Die soziale und kulturelle Entwicklung, die sich bei jedem Land und nochmal darüber hinaus in jeder Region dieses Landes sich Tag täglich ändert und wie ein Fluss stets in Bewegung ist, aus einem anderen Land festhalten und analysieren zu wollen, ist für mich ein Unding. Für mich ist es einfach nicht echt genug. Man muss mit dem Strom fließen, sonst ist man nur einer der zuguckt, wie es fließt, jedoch nicht weiß, was es heißt ein Fisch zu sein in diesem Fluss. Man weiß einfach nicht, wie ein Croissant in Frankreich wirklich schmeckt oder man vergisst es wieder. Mir schmeckt ihr Croissant nicht. Für mich ist es eher ein Marmorkuchen, aber nicht mal dieses schmeckt mir.
    Herr CROITORU ist sagen wir mal ist ein Albaner, dem die Croissants so gut schmecken, dass er diese als französische annimmt, jedoch nicht mal in Frankreich war, um ein wahres selbstgemachtes Croissant zu probieren. Und wenn er dort war, hat er wahrscheinlich nur ein aufgebackenes aus der Tiefkühltruhe bekommen. Jedoch weiß er, dass viele Albaner bei der Herstellung mitwirken, deshalb unterstütz er auch diese Herstellung. Natürlich ist nicht jeder Albaner, haargenau wie der andere und viele Albaner mögen nicht mal Croissants. Man sollte natürlich auch nicht alle Albaner über ein Kamm scheren.
    – Haben Sie eigentlich guten Kontakt zu Frau Marszovsky, dass Sie mit solcher Sicherheit schreiben können, dass sie ihr Heimatland in all den Jahren häufig besuchen konnte?
    – Wieso sollte man nicht eine Rezension renzensieren können? Es verhält sich so wie mit dem Zinseszins. Albert Einstein meinte: Die Zinseszins ist größte Erfindung der Menscheit! Wieso sollte es auch ein Novum sein? Der ganze Blog von Hungarian Voice besteht aus rezensierten Rezensionen.

  9. @Der Richter@ Ich verstehe schon, dass Ihnen nicht gefällt, was M. Marsovszky schreibt. Mir gefällt auch manchmal nicht was G.P. Hefty über Ungarn in der FAZ schreibt, doch ich würde nie auf die Idee kommen, zu schreiben, der Mann ist in Deutschland geboren, hat die meiste Zeit seines Lebens in Deutschland gelebt, ist in der FAZ für Innenpolitik zuständig und versteht deshalb Ungarn nicht.
    Ich versuche ja auch nicht Herrn Hefty madig zu machen, nur weil ich nicht immer mit ihm einer Meinung bin.
    Es gibt halt auch in Ungarn verschiedene Ansichten über das eigene Land. Wäre ja auch entsetzlich, wenn alle Ungarn einer Meinung wären.
    Ich kenne dieses Verhalten aus Österreich, wo die Neue Kronenzeitung richtige Kampagnen gegen kritische Intellektuelle wie Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek führte. Die rechtsextreme FPÖ kam sogar mit Plakaten gegen Jelinek und andere heraus.
    Auf Thomas Bernhard ist heute Österreich genauso stolz, wie auf die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.
    Es blieb einigen engherzigen Ungarn vorbehalten, kein gutes Haar an Imre Kertész zu lassen, als diesem der Nobelpreis verliehen wurde. Auch das ist nicht neu. Wegen dem Horthyregime sind einige Wissenschaftler weg aus ihrer Heimat, heute fällt es keinem der nationalistischen Ungarn ein, warum die weg mußten aus Ungarn. Heute brüstet man sich mit deren Erfolg im Ausland.
    Nun halte ich es für möglich, dass auch in Ungarn die Stimmung kippt und man draufkommt, dass der König (V.O.) nackt sei. Es gibt dafür Präzedenzfälle in Ungarn. Zum Beispiel erinnere ich mich, wie ein Bekannter – ein Mitglied von MSZMP noch Anfang der siebziger Jahre – das Kádárregime – die lustigste Baracke, hoch gelobt hat, wie er mir Anfang der achziger Jahre erklärte „szél ellennem lehet pisálni“, wie er dann so um 1987 anfing Samisdat zu lesen,dann den Weg zu MDF und später zu Fidesz fand und heute wieder wankt und bereits Zweifel an V.O. äußert.

    Wer 1979 nicht als Flüchtling Ungarn verlassen hat, der konnte zurückkehren, um Verwandte zu besuchen. Und das war auch im Fall von M.M. so.
    Ich wurde als Journalist in der Zeit von 1980 bis 1987 vier Mal aus der Volksrepublik Ungarn ausgewiesen und trotzdem konnte ich – dank der Intervention österreichischer Diplomaten – immer wieder zurückkehren um zu berichten.

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