Fragen an den ungarischen Ministerpräsidenten zum Thema Bodengesetz

Das ungarische Ministerpräsidialamt hat weitere Auszüge des Interviews mit dem ungarischen Ministerpräsidenten zum Abdruck bei HungarianVoice authorisiert. Thema: Agrarpolitik. Die Antworten sind an einigen Punkten ausführlicher als das, was die österreichische Tageszeitung Kurier abgedruckt hat.

Frage: Eine andere, kritische Frage: Es gibt immer wieder Berichte, wonach bei der Neuverteilung von Land Anhänger und Verwandte von Fidesz-Regionalpolitikern bevorzugt würden. Ein konkreter Vorwurf betrifft den Bürgermeister Ihres Heimatortes Felcsút. Fidesz-Anhänger sagen, dass es bei den Sozialisten viel schlimmer war. Aber in meinen Augen ist das keine Verteidigung, sondern eine Selbstbeleidigung.

Orbán: Da bin ich mit Ihnen einverstanden. Aber die Absicht und die Regeln sind völlig klar. Zunächst: Wir verteilen kein Land. Der Staat hat viel Land, aber das wird nicht verteilt. Was in Staatsbesitz ist, bleibt in Staatsbesitz. Vom Staat kann man nur pachten. Es geht also darum, wer pachten kann. Die Pacht gilt höchstens für 20 Jahre, das ist die Obergrenze.

Zweitens, es gibt in Ungarn eine große Agrarumwandlung. Die bisherige Diskussion ist nichts im Vergleich zu dem, was jetzt kommt. Gestern schlug der Blitz in den Baum. Wo staatliches Land mit gültigen Verträgen gepachtet ist, die aber bis März 2017 auslaufen, haben wir nun verkündet, dass diese Böden zur Pacht ausgeschrieben werden. Das sind 200.000 Hektar. Die werden gegenwärtig von Großpächtern genutzt, es sind große Güter, frühere kommunistische Großbetriebe. Nun wollen wir den Kleinbauern Gelegenheit geben, davon etwas zu pachten. Die landwirtschaftliche Logik dabei ist, dass heute die Hälfte der Agrarflächen von Großgrundbesitzern genutzt wird, die andere Hälfte von kleinen und mittelständischen Agrarbetrieben. Das Ziel unserer Agrarpolitik ist es, dieses Verhältnis auf 20 zu 80 zu bringen. 20 Prozent in großen Gütern, 80 Prozent für kleine und mittelständische Bauern. Dieser Prozess wird zehn bis 15 Jahre dauern. Jetzt beraten wir gerade über das Landgesetz, das dieses Vorhaben voranbringen soll.  Das wird viele Diskussionen auslösen und es verletzt die Interessen der großen Agrarunternehmen. Aber wir werden in diese Richtung gehen.

Aber was die Frage betrifft, ob wir bei alldem Fidesz-Anhänger bevorzugen – darauf können wir folgende Antwort geben. Um vom Staat Land zu pachten, müssen drei Bedingungen erfüllt werden. Der Wohnsitz darf nicht mehr als 20 Kilometer vom Grundstück entfernt sein. Das heißt, Ortsansässige haben Vorrang. Das war bisher nicht so. Großgrundbesitzergruppen pachteten verstreut im ganzen Land. Zweitens, wer staatliches Land pachtet, muss dort Viehhaltung betreiben. Es wird geregelt, wieviele Tiere man pro Hektar halten muss. Damit wollen wir verhindern, dass man Land pachtet, nur um EU-Fördergelder zu kassieren. Denn wenn er Tiere hält, wird ein großer Teil des Profits auf die Tierhaltung gehen. Wenn er nur Landwirtschaft betreibt, also nur Pflanzen anbaut, dann sind die automatisch zustehenden EU-Subventionen so hoch für ungarische Verhältnisse, dass auch solche Leute in die Landwirtschaft gehen, die sich gar nicht ernsthaft damit befassen wollen.

 

Frage: Sie wollen sagen, die EU-Agrarsubventionen deformieren die Landwirtschaft?

Orbán: Sie deformieren die Landwirtschaft, wenn der Staat für von ihm gepachtete Böden keine Viehhaltung vorschreibt. Das ist also die zweite Vorschrift – man muss Vieh halten. Die dritte Vorschrift lautet, wenn man privat Landbesitzer ist, dann darf die Summe des privat gepachteten oder gekauften Landes und der vom Staat gepachteten Fläche 1200 Hektar nicht übertreffen. Diese Vorschriften gelten für alle. Wer unter jenen, die diese Voraussetzungen erfüllen, dann den Zuschlag erhält, das wird örtlich entschieden. Ich kann zu der Frage über Bevorzugungen von Fidesz-Anhängern also nur sagen, dass es klare und strenge Regeln gibt. In meinem Dorf – da sie es erwähnten – wurden die staatlichen Böden in einer einzigen Hand. Als Ergebnis unserer neuen Regeln sind es jetzt 35 Pächter Ich würde gerne glauben, dass alle für uns stimmen werden, aber das kann ich beim besten Willen nicht wissen. Bei der Entscheidung vor Ort, wurde dies nicht im Geringsten beachtet.

 

Frage: Zielen diese Regeln auch darauf ab, möglichst viele ausländische Bauern aus dem Land zu treiben?

Orbán: Es gibt kaum ausländische Bauern im Land. Es gibt zwar einige Ausländer, die sich mit Landwirtschaft beschäftigen, manche sehr erfolgreich, ihre Anzahl ist aber außerordentlich gering.

 

Frage: In Österreich sind mindestens 200 bekannt, die hier Landwirtschaft betreiben.

Orbán: Das sind sehr wahrscheinlich alles Gesetzesbrecher. Es gibt sehr wenige Ausländer in der Landwirtschaft, die die rechtlichen Bestimmungen einhalten.  Wir haben eine EU-konforme Regelung, die Folgendes besagt. Ausländer, die in Ungarn Landwirtschaft betreiben wollen, müssen bestimmte Bedingungen erfüllen. Ihr Lebensmittelpunkt muss in Ungarn sein. Sie müssen also von den 365 Tagen des Jahres mindestens 183 hier verbringen.  Und auch für sie gelten die für jedermann gültigen Obergrenzen für Landbesitz. Und es gibt bestimmte Vorkaufs- und Vorpachtrechte, die eingehalten werden müssen. Und so gibt es nur einige Dutzend Ausländer, die alle diese Auflagen und Bedingungen erfüllen. Und ich freue mich, dass sie hier sind. Es sind echte Musterbetriebe dabei. Die sind auch nicht das Problem. Das Problem ist, dass es in Ungarn immer schon ein System von Vorkaufs- und Vorpachtregeln für den Erwerb von Agrarland gab. Viele haben das umgangen. Ungarn und auch Ausländer. Sie schlossen Scheinverträge ab. Der Käufer oder Pächter war nicht derjenige, der im Vertrag aufgeführt wurde, sondern jemand anders. Lange hofften sie, dass sich früher oder später die Möglichkeit bieten wird, die regelwidrig erworbenen oder gepachteten Böden zu legalisieren. Aber wir sagen im Bodengesetz, dass früher regelwidrig erworbene Böden auch später nicht als regelkonform betrachtet werden darf. Das ist ein allgemeines Prinzip, aber es gilt eben auch für Land. Da wurden die Erwartungen dieser Leute enttäuscht, und daraus entstand ein Konflikt. Juristisch sind diese Leute schon nicht mehr hier. Noch dazu wohnen die meisten gar nicht hier, sondern sie kommen aus Österreich herüber. Oder sie wohnen in Österreich und lassen die Böden von Ungarn bewirtschaften, denen der Boden rechtlich nicht gehört.

Das neue Landgesetz führt noch eine neue Regel ein, aus Frankreich übernommen. Wer Land besitzt und Landwirtschaft betreibt, diese Bauern werden Ortsausschüsse  bilden. Und ohne die Stellungnahme und Unterstützung dieser Ausschüsse wird niemand Agrarland kaufen können. All das bleibt aber im Rahmen der europäischen Normen und der in anderen europäischen Ländern üblichen Praktiken. Mein Lieblingsbeispiel sind die Voralberger Landkaufregeln. Ich glaube ich müsste 150 Jahre leben, um dort legal Land kaufen zu können.

 

Frage: Von österreichischer, amtlicher Seite aus ist man ja einverstanden mit Ihnen, was die Taschenverträge betrifft.  Aber bis 1994 war Landkauf durch Ausländer legal, und viele haben zu der Zeit Land gekauft. Und nun gibt es österreichische Bauern hier, die seit 20 Jahren im Grundbuch stehen, und denen nun mitgeteilt wurde, dass sie ihre Güter abwickeln müssen. Und das sieht für die österreichische Seite nicht sehr legal aus.

Orbán: Das geht auch gar nicht. Regelkonforme Verträge können nicht rückgängig gemacht werden. Pacta sunt servanda. Ob sie aber wirklich alle Regeln eingehalten haben, das weiß ich nicht. Aber wenn sie alle Regeln einhielten, und wenn das regelkonform war, dann ist das in Ordnung.  In der Tat bestand 1994 übrigens einige Monate lang die Möglichkeit, ohne irgendwelche Bedingungen Agrarland zu kaufen, auch als Ausländer – warum, das weiß bis heute niemand so recht. Es wäre ein interessantes Forschungsthema.

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24 Kommentare zu “Fragen an den ungarischen Ministerpräsidenten zum Thema Bodengesetz

    • Geht es bitte etwas detaillierter? Könnten Sie den deutschsprachigen Lesern erläutern, was Ángyán sagt und was Sie dazu sagen? Ich nehme ja an, Sie haben den Beitrag gelesen.

      Im übrigen würde mich ein weiterer Punkt interessieren: Wieso haben Sie eigentlich mit vermeintlichen „freundschaftlichen Treffen“ zwischen Fidesz und Jobbik ein Problem, aber keine Schwierigkeiten damit, sich mit Ángyán auf eine Quelle zu beziehen, der aktuell auf Jobbik-Veranstaltungen Reden hält? http://cegled.jobbik.hu/content/megh%C3%ADv%C3%B3-%C3%A1ngy%C3%A1n-j%C3%B3zsef-el%C5%91ad%C3%A1s%C3%A1ra
      Ist die Nähe zu Jobbik „böse“, wenn es Fidesz betrifft, aber akzeptabel, wenn es Fidesz-Kritiker angeht?

  1. HV ganz kurz, da ich zu einer Veranstaltung gehen muss. Sie sehen also keinen Unterschied zwischen freundschaftlichen Podiumsdiskussionen von Funktionären einer vorgeblich konservativen Regierungspartei mit Politikern der rassistischen Jobbik und der Tatsache, dass Herr Staatssekretär a.D. József Ángyán eine 200 Seiten umfassende Denkschrift über die Korruption bei der Landverpachtung an Népszabadság übergeben hat, aus der Népszabadság einiges zitiert und dass dieser ehemalige Staatssekretär – was mir unbekannt war – sich als Fidesz Abg. dazu hergibt, vor Jobbikversammlungen zu sprechen. Ich denke, wenn das unvereinbar ist mit den angeblich konservativen Werten von Fidesz, dann könnte ihn ja seine Partei disziplinieren bzw. ausschließen. Oder glauben Sie dass man seinen Informationen nicht trauen kann, weil er vor einer Jobbik Versammlung gesprochen hat?
    Da er ja eine Menge Personen nennt, die an dieser Landvergabe beteiligt sind, könnten die Ángyán klagen, wenn seine Informationen nicht stimmen würden. Das jedoch geschah bislang nicht. Daher halte ich seine Informationen für korrekt.
    Es tut mir Leid, ich muß morgen einen Artikel schreiben und werde diesen interessanten Text von Ángyán nicht übersetzen können. Wenn Sie es aber nicht packen eine wenn auch auszugsweise Übersetzung zu publizieren, dann werde ich eine kurze Zusammenfassung schreiben.
    Wer aber Ungarisch kann, oder ungarische Bekannte hat, der/die sollte unbedingt diesen wichtigen Text lesen.

    • Man antwortet auf Fragen nicht mit Unterstellungen. Ich wollte wissen, wie Sie es sehen. Dass Sie daraus postwendend Schlussfolgerungen auf meine Auffassung ziehen, ist Ihr Problem. Nicht mal ansatzweise meines.

      • Es wird immer schwieriger mit Ihnen HV zu diskutieren. Ich habe keinerlei Schlussfolgerungen gezogen sondern Fragen gestellt.
        Ich habe jetzt auszugsweise schnell einige wesentliche Aussagen von J.Á. übersetzt. Aus dem NOL Text geht eindeutig und sehr konkret die Verlogenheit der Regierungspropaganda hervor.
        “angesichts der Erklärungen, Vernebelungen ja sogar der Lügnereien, habe ich vor ca. einen einem Jahr entschieden, dass ich die Resultate der staatlichen Grundstückspachtwettbewerbe den Fakten entsprechend und nach Möglichkeit ganz aufarbeite” Népszabadság hat seine wesentlichen Behauptungen zusammengefasst.
        Ich habe die auf der Website des Nemzeti Földalapkezelö (NFA) offiziell aber unübersichtlich publizierten Daten, Ausschreibungen und die Wettbewerbresultate, Beziehungsgeflecht geordnet und analysiert. Ich musste das umsomehr tun, als zwar das Ministerium zur Entwicklung der Provinz unter Einfluss der Kritiken eine innere Überprüfung verordnete, aber durchgehend erklärt, dass diese Überprüfungen keinerlei Probleme signalisiert haben und die Aktivitäten der eine Kritik ausformulierenden Abgeordneten wurden als persönlich politische erzielende Kampagne qualifiziert. So begründete József Ángyán, Abg. der Fidesz-KDNP, ehemaliger parlamentarischer Staatssekretär des Ministeriums für Provinzentwicklung, weshalb er so beständig die Angelegenheit mit der Verpachtung staatlichen Bodens analysiert…
        Laut seinen Worten hat die Regierung trotz der Fakten der bisherigen Analysen, ohne die zu dementieren somit behauptet, dass die am Ort wohnenden, wirtschaftsführenden Familien, die kleinen- und mittleren Wirtschaften bevorzugt. Die Fakten widersprechen jedoch dieser Propaganda, die Menschen sehen mit ihren eigenen Augen und fühlen auf ihrer eigenen Haut jedoch die krasse Realität.
        Bis letztes Jahr (2012) 15. Dezember hat die NFA ungefähr für 40.000 Hektar staatliches Land im Wert von 688.000 Goldkronen einen Pachtwettbewerb ausgeschrieben: Und davon ungefähr die Hälfte auch verpachtet.
        Im Folgenden wies J. Ángyán nach die Familien-Freundschaft-Bekannten Gemeinschaften hinter den individuellen Gewinnern, es folgt die Aufteilung in den folgenden Komitaten: Baranya, Borsod-Abaúj-Zemplén, Csongrád, Fejér, Heves, Jász-Nagykun-Szolnok, Veszprém

      • Um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, zitiere ich Sie, Herr Pfeifer:

        „Sie sehen also keinen Unterschied zwischen freundschaftlichen Podiumsdiskussionen von Funktionären einer vorgeblich konservativen Regierungspartei mit Politikern der rassistischen Jobbik und der Tatsache, dass Herr Staatssekretär a.D. József Ángyán eine 200 Seiten umfassende Denkschrift über die Korruption bei der Landverpachtung an Népszabadság übergeben hat, aus der Népszabadság einiges zitiert und dass dieser ehemalige Staatssekretär – was mir unbekannt war – sich als Fidesz Abg. dazu hergibt, vor Jobbikversammlungen zu sprechen.“

        Das, lieber Karl Pfeifer, ist keine Frage, sondern eine Unterstellung. Ich sehe kein Fragezeichen.

        Ich versuche es nochmal: Ist es richtig, dass Sie Jobbik-Nähe in Ordnung finden bzw. jedenfalls darüber hinweggehen, wenn die betroffenen Personen Fidesz gegenüber kritisch sind? Ich möchte ganz konkret von Ihnen wissen, wie Sie es damit halten. Mit dieser Frage habe ich weder József Ángyán qualifiziert oder angegriffen, noch mich in irgend einer Weise pro Bodenpolitik der Regierung ausgesprochen. Es ist aber nun einmal eine unbestreitbare Tatsache, dass Ángyán, dessen Beitrag Sie keine 10 Minuten nach Erscheinen der Orbán-Aussagen als sofortiges Gegengewicht zur „Regierungspropaganda“ verlinkt haben, gerade auf Jobbik-Veranstaltungen auftritt und sich in der Jobbik-Hauszeitschrift Barikád als „nemzeti radikális“, also als „radikal national“ bezeichnet hat. Barikád ist übrigens die Zeichnung, auf der die Statue des Heiligen Gerhard (Gellért) in einer Fotomontage mit einer Menora abgebildet wurde.

      • Ich schreibe leider meine Postings schnell. Ich hätte meinen Satz mit einem Fragezeichen abschliessen sollen. Habe das nicht getan, bekenne meine Schuld uns sage mea culpa.
        Jetzt aber frage ich Sie in aller Form, ist das was man auf NOL lesen kann von Ángyán über die Resultate der Pachtvergabe in den erwähnten Komitaten unglaubwürdig, weil der Fideszabg. ohne von seiner Partei diszipliniert zu werden, bei Jobbik mitmacht?

      • Leider weichen Sie meiner Frage aus.
        Ich tue das bei Ihrer nicht: Auf die Frage, was an Ángyáns Aussage „unglaubwürdig“ sei, antworte ich Ihnen: Ich habe nicht gesagt, die Aussagen Ángyáns seien „unglaubwürdig“. 🙂

  2. „Der Staat hat viel Land, aber das wird nicht verteilt. Was in Staatsbesitz ist, bleibt in Staatsbesitz. Vom Staat kann man nur pachten“
    Wenn ich es richtig verstehe, darf ich dass, was meinen Vorfahren von den Kommunisten gestohlen wurde, nicht zurückkaufen – also keine Hehlerei mehr. Bravo!
    Aber wie steht es mit der Pacht? Pacht ist doch wie eine Art Zahlung von Miete und der Staat profitiert von Diebesgut. Also doch Hehlerei. Oder ist diese Art von „Privatisierung“ EU-konform?

    • Interessantes und für die Betroffenen bedrückendes Thema, Frau Széchenyi. Sie kennen meine Meinung zum Thema Restitution, auch meine Familie war von Enteignungen betroffen. Womit ich meine Schwierigkeiten hatte, war, dass man das gestohlene Land nicht (wenigstens zum Teil) an die früheren Besitzer oder ihre Erben zurückgab, sie stattdessen mit „kárpótlási jegyek“ abspeiste. Das geschah allerdings schon vor dem EU-Beitritt.

      Was jetzt geschieht: Der Staat hat sich wohl entschlossen, kein Land mehr zu veräußern. Es stattdessen zu verpachten. Dass Sie das Land nicht mehr zurückkaufen können, halte ich für kein Problem der (wie Sie überspitzt sagen) „Hehlerei“. Kaum einer dürfte das Geld haben, sein früher enteignetes Besitztum zurück zu kaufen. Hier würde man die Reichen unter den Beraubten besser stellen. Das jetzige Vorgehen ist, glaube ich, EU-rechtlich nicht problematisch.

      Der EU-Vertrag sieht vor, dass das Gemeinschaftsrecht die Eigentumsordnungen der Mitgliedstaaten nicht berührt. Ungarn dürfte somit konform handeln.

  3. @HV,
    bedeutet das, dass sie bei dem Interview dabei waren, oder hat ihnen das Büro Orbán die Aussagen des Ministerpräsidenten zugespielt?! Das sollten sie ihren Lesern erklären.

      • @HV, danke für die Antwort.
        Dann haben wir also inzwischen 4 mehr oder weniger verschiedene veröffentlichte Versionen ein und desselben Interviews!?

      • Das nach meinen Infos sehr lange Interview wurde von niemandem in voller Länge gebracht. Jede Zeitung nahm sich aus dem Gespräch einen Teil heraus und veröffentlichte es. Das ist m.E. nicht außergewöhnlich. Es geht also nicht um „Versionen“, sondern um verschiedene Auszüge. Der hier gebrachte wurde ausdrücklich authorisiert und ergänzt m.E. gerade den bei Kurier abgedruckten Auszug sinnvoll.

        Dass der Kurier als österreichische Zeitung sehr kritisch gegenüber der Agrarreform in Ungarn ist, finde ich nicht weiter verwunderlich. Es geht ganz klar um österreichische Lobby-Interessen, die auch der ORF seit mehreren Jahren sehr stark in den Vordergrund stellt. Da reiben sich selbst ÖVP und Fidesz aneinander, obwohl sie zur selben Parteienfamilie gehören. Der Zeitpunkt des Auftritts von Staatssekretär Reinhold Lopatka ist m.E. auch keinesfalls zufällig.

  4. HV Sie warfen mir auch vor – und das ist ganz neu – dass ich ein paar Minuten nachdem Sie das Gespräch mit Ministerpräsident V. Orbán gepostet haben, auf den Text von Ángyán aufmerksam gemacht habe. Der Grund ist ganz einfach. Ich sah einen Widerspruch zwischen den beiden Aussagen und dachte, dass dieser Widerspruch die Leser interessieren könnte.
    ich verstehe nicht worauf Sie hinaus wollen, wenn Sie die Angaben von Herr Ángyán für nicht unglaubwürdig halten?
    Natürlich ist mir seine Jobbik Nähe nicht sympathisch. Nur kann ich deswegen genauso wie Sie nicht behaupten, die Aussagen von J.Á. wären deswegen unglaubwürdig.
    Was nicht vertuscht werden sollte, die Aussagen von J. Ángyán wurden von der Regierung nicht dementiert. Herr Ángyán wurde von Fidesz-KDNP bis heute nicht diszipliniert. Vielleicht auch weil Fidesz befürchtet, damit seine Glaubwürdigkeit noch zu stärken.

    • „Natürlich ist mir seine Jobbik Nähe nicht sympathisch. Nur kann ich deswegen genauso wie Sie nicht behaupten, die Aussagen von J.Á. wären deswegen unglaubwürdig.“
      Ich denke an diesen Satz werde ich Sie nochmal erinnern, wenn Sie Fidesz dafür kritisieren, dass sie und Jobbik in einem politischen Thema mal einer Meinung sind.

  5. Palóc es geht nicht um die gleiche Meinung. Ich kritisiere Fälle von Zusammenarbeit der beiden Parteien und das ist was ganz anderes als wenn an einem heißen Tag ein Fidesz Abg. seinem Jobbik Nachbarn im Parlament sagt „heute ist es aber heiß“. Der Rassismus und das Neopfeilkreuzlertum von Jobbik gehören politisch bekämpft. Wenn Ángyán als Fidesz Abg. bei Jobbik politisch mitmacht, dann kommt es doch nicht auf meine Meinung an, sondern auf die Reaktion seiner Fraktion. Wenn also Fidesz das duldet, dann wirkt es komisch, wenn man sich darauf kapriziert, ich soll mein Mißfallen äußern. Die Frage, die sie sich stellen sollten, weshalb ergreift Fidesz keine Maßnahmen gegen József Ángyán.
    Im übrigen heute setzt Népszabadság seine Publikation über den Skandal bei der Pachtvergabe fort: Diesmal geht es um einen Skandal in Kishantos:
    http://nol.hu/belfold/20130425-eltunhet_a_mintagazdasag
    Wie wäre es, wenn sie anstatt von mir irgendwelche Erklärungen über J. Ángyán zu fordern, sich zu dem Widerspruch zwischen Orbáns und Ángyáns Aussagen äußern würden?

    • Wer hat von Ihnen Informationen über Ángyán gefordert? Ich jedenfalls nicht. Mein Punkt ist nur der: wenn ein Politiker der Fidesz Ansichten der Jobbik teilt – egal, ob diese inhaltlich richtig liegen oder oder nicht – dann gehören Sie zu den ersten, die kritisieren, mit dem Vorwurf der Kollaboration mit der Jobbik. Wenn aber Sie derjenige sind, der die Ansicht der Jobbik teilt, dann ist alles okay, bloß Zufall für den Sie nichts können (gleiches gilt für jeden anderen Oppositionellen). Sie werden das sicherlich abstreiten, deswegen sagte ich, ich würde Sie zu geeignetem Zeitpunkt daran erinnern.

  6. Ich mache doch einen Unterschied zwischen einer Zusammenarbeit mit Jobbik, die ich verwerflich und für Fidesz kontraproduktiv halte und die fundierten Aussagen eines Fideszpolitikers, der was natürlich verwerflich ist, ohne von seiner Partei deswegen diszipliniert zu werden – wenn man Ihnen glauben schenkt – mit Jobbik zusammenarbeitet.
    Hieri ist allein die Frage zu stellen, sind die Text von J. Ángyán über die Pachtverteilung wahr oder nicht. HV bezweifelte nicht die Glaubwürdigkeit von J. Ángyán und ich tue es auch nicht.
    Und Fidesz hat seine Aussagen auch bislang nicht dementiert.
    Wenn aber die Aussagen von Herrn Ángyán wahr sind, dann sind die Aussagen von Ministerpräsident V. Orbán in dieser Angelegenheit unwahr.

    • „Hieri ist allein die Frage zu stellen, sind die Text von J. Ángyán über die Pachtverteilung wahr oder nicht. HV bezweifelte nicht die Glaubwürdigkeit von J. Ángyán und ich tue es auch nicht.
      Und Fidesz hat seine Aussagen auch bislang nicht dementiert.“

      Ich habe mich zur Glaubwürdigkeit Ángyáns nie geäußert. Dass ich die „Glaubwürdigkeit“ der Aussagen Ángyáns in dieser Sache nicht ausdrücklich in Zweifel zog, bedeutet nicht, dass seine Aussagen wahr sind. Ich kann weder die eine, noch die andere Aussage definitiv auf ihren Wahrheitsgehalt hin prüfen. Das können auch Sie nicht.

      Ebenso nichtssagend ist das von Ihnen so gern gespielte „Dementi“-Spielchen. Das haben Sie uns auch schon bei den Aussagen von József Debreczeni präsentiert.

      Übrigens, auch wenn es Ihr Ego trifft: Sie bestimmen weder hier noch sonstwo, welche Fragen zu stellen sind 🙂

  7. Fragen stellen ist Karl Pfeifers Beruf. Das macht ihn zum Journalisten. Bis jetzt hat ihn noch keiner davon abhalten können.

  8. Pingback: Bodengesetz verabschiedet: Jobbik sorgt für Eklat und beschimpft Fidesz-Politiker als “Vaterlandsverräter” | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

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