BILD-Interview mit Viktor Orbán

Anbei das heute erschienene Interview der BILD mit Ministerpräsident Orbán („Würden Sie BILD verbieten lassen, Herr Orban?„):

Teil 1 vom 17.01.2011: http://www.bild.de/BILD/politik/2011/01/17/ungarn-premier-viktor-orban-mediengesetz/interview-ministerpraesident-wuerden-sie-bild-verbieten-lassen.html

Teil 2 vom 18.01.2011: http://www.bild.de/BILD/politik/2011/01/18/orban-ministerpraesident-ungarn/ich-verstehe-wenn-die-deutschen-uns-auf-die-finger-schauen.html

9 Kommentare zu “BILD-Interview mit Viktor Orbán

  1. Irgendwie muss man V.O. bewundern, wie energisch er und seine Partei die Wahlkabinenrevolution und den Freiheitskampf betreiben. Wenn zum Beispiel das ehemalige ZK Mitglied der ungarischen kommunistischen Partei Imre Pozsgay und noch 33 Ungarn zum Boykott einiger ausländischer Firmen aufrufen, weil sie gegen die Art wie eine Sondersteuer gegen sie erlassen wurde, in Brüssel eine Untersuchung beantragten.
    Das wird auch sicher Herr Thürmer und Kameraden unterstützen.
    Fraglich ist aber ob ein solcher Boykott der aus dem Fidesz Dunstkreis kommt, Erfolg haben wird. Wenn ja, werden die Arbeitsplätze von vielen Ungarn gefährdet.
    Aber das ist egal. Ungar esse ungarische Bananen und Orangen. Ungarn leben nur davon was in Ungarn wächst. Und vor allem benütze nur die technischen Geräte, die in Ungarn hergestellt werden.
    Nein, das verkünden die nicht, Konsequent wäre es aber.
    Hätte ich dafür Zeit würde ich eine Satire darüber schreiben.

    • Also, ganz konkret, Herr Pfeifer, als Beispiel, reden wir doch über E-On und RWE. Diese zwei Giganten sind sogar in Deutschland nicht besonders beliebt, denken Sie an die Grünen! Diese Firmen haben unter anderem in Ungarn in den letzten zehn Jahren auch riesigen Profit gemacht. Sie können auch die Frage stellen, ob ohne E-On oder RWE funktioniert überhaupt etwas in Ungarn. Ich habe dazu sogar zwei Antworte:
      1) Fragen Sie doch darüber die Grünen in Deutschland
      2) Wussten Sie, dass das einzige Atomkraftwerk in Ungarn 100% staatliches Eigentum ist? Haben Sie irgendwelche ernsthaftes Problem über dieses Kraftwerk gelesen?

      Auch, so, wenn Sie das nicht wissen, es gibt sogar keine deutsche/österreichische usw. Bananen und Orangen! Überrascht?

      Also, viel Spass bei dem Satirenschreiben!

  2. @Geza Kis@ ich dachte dabei nicht an diese Unternehmen sondern an Handelsketten, die auch vom Boykott betroffen sind.
    Was immer die deutschen Grünen mögen oder nicht mögen ist uninteressant in dieser Beziehung, außer sie würden irgendein Unternehmen boykottieren. Meines Wissens nach tun sie das nicht. Wenn ich mich irre bitte korrigieren sie mich.

    Und in Österreich haben wir keinen Aufruf zum Boykott von Handelsketten. Daher geht ihre Bemerkung daneben.

    In Deutschland wurde die Forderung nach Autarkie 1932 und Kurt Tucholsky machte sich 1931 darüber lustig
    Autarkie

    Im Juni hat noch keiner gewußt,
    was Autarkie bedeutet;
    heut hebt sich jede deutsche Brust,
    wenn das Schlagwort herunterläutet:
    Autarkie!
    Wir schließen einfach die Grenzen zu.
    Dann hat die liebe Seele Ruh.
    Appelsinen, jroße un kleene,
    die machen wir uns alleene.

    Kohlrüben wachsen bei uns zu Hauf.
    Für uns ist nichts zu schade.
    Wir rauchen still unser Sofa auf,
    mit Maikäfer-Marmelade.
    Autarkie! Autarkie!
    Wir schuften für Zins und für Zinseszins,
    und wir bleiben eine kleine Provinz.
    Paris is ja so jemeene!
    Wir machen uns allens alleene.

    Dann halten wir fest das Proletenpack:
    beherrscht von Bürokraten,
    von Banken und Knüppel aus dem Sack,
    von Polizei und Soldaten.Kräht der Adler auf dem Mist:
    Autarkie!
    ändert sichs Wetter, oder es bleibt wie es ist –
    Autarkie!
    Für Pleite, Not und Kirchhofsruh –
    brauchen wir etwa das Ausland dazu?
    Diese Wirtschaftskapitäne,
    die machen det janz alleene.

    Zwei Jahre später war Hitler an der Macht. Mit Satire war der nicht aufzuhalten.

  3. Natürlich irrte ich mich, die Forderung nach Autarkie wurde bereits 1931 erhoben.

    Ich glaube nicht, dass dieser Boykottaufruf in Ungarn Erfolg haben wird. Dort wo die Brieftasche beginnt hört in der Regel der fahnenschwingende Nationalismus auf. Zsolt Bayer z.B. hat sein Auto auch in der Slowakei registriert, und seine Honorare verrechnet er auch dort.

  4. Also, Rewe und Spar verkauft in Ungarn keine deutsche Bananen, aber Bananen aus Südländern. Das schaft nicht nur deutsche Handelsketten. Was die Leute in Ungarn nicht verstehen, dass obwohl die Unternehmensteuer in Deutschland höher ist, als der gesammte Unternehmensteuersatz inkl. Krisensteuer in Ungarn, trotzdem machen diese Firme solche Wirbel. Das finden viele Menschen in Ungran ungerecht.

    Übrigens, VW oder Siemens werden nicht boykottiert. Interresant?

    Ich mache etwas Mathe jetzt:

    1933 + 12 = 1945

    1998 + 12 = 2010

    Die Frage: was bedeutet das?

  5. @Karl Pfeiffer

    „Wer kein Geld für Brot hat, der esse halt Kuchen !“ (Marie-Antoinette)

    Dieses Zitat stammt von einem meiner lieblings OesterReicher und trifft den Nagel auf den Kopf.

    So ähnlich wird hier argumentiert, was ich im übrigen sehr bedauerlich finde, aber es ist nun mal so wie es ist.

    Die „Kriesensondersteuer“ wird in Deutschland und Österreich kritisiert, was nicht weiter verwundern dürfte, da die meisten betroffen Konzerne aus diesen Ländern stammen.
    Die Art und Weise, wie diese Kritik aber geäussert und dann unters Volk gebracht wird bin ich entsetzt ! Aber ich hatte nichts anderes erwartet. Es geht ja schliesslich um Profit und Arbeitsplätze in Deutschland, das ist nämlich, nebenbei bemerkt, der eigentliche Grund für die EU-Osterweiterung gewesen. Der Markt eben.

    Ich kann diesen Aufruf zum Boykott nur begrüßen und nach Kräften unterstützen!

    Nach meinem dafürhalten haben diese Konzerne das Recht sich bei der EU-Kommision zu beschweren ! Aber dann auf eine so niederträchtige weise , die Medien zu bemühen, die eh grad auf nem Kriegspfad gegen Ungarn sind, das ist dann schon aller Hand. Ich gebe zu, sie haben nur die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und versuchen auf der Welle mit zu Surfen, aber dieser Schuss kann auch nach hinten los gehen. Ihren Ruf in Ungarn werden sie mit dieser Maßnahme nicht unbedingt verbessert haben!

    Dieses sollten die Marketing Abteilungen auch wissen, nur haben sie nicht das Lenkrad in der Hand, das befindet sich nämlich nicht in Ungarn sondern in Deutschland !

    Ob dieser Boykott was bringen wird ? Wahrscheinlich nicht, da haben Sie recht, bei Geld hört eben der Spass auf, aber dennoch ist es ein Zeichen.

    Ich kann mich an unzählige Kommentare von Lesern des Standard und vergleichbarer Medien entsinnen, die schon im Dezember mit Ungarn RAUS AUS DER EU oder Kauft nicht bei Ungarn zum Halali riefen !

    Ich denke, ich brauche es nicht zu erklären wie es mir dabei ging als ich dieses lesen musste/muss.

    Hidegen fújnak a szelek

  6. Ach, mir kommen gleich die Tränen. Und die armen Ungarn – die sind ganz alleine aus reiner Menschenfreundlichkeit in die EU gegangen?

    Und aus reiner Menschenfreundlichkeit schreiben sie „pályaszat“ ohne Ende, be… sorry – betrügen natürlich – ihre Mitbürger, indem sie die EU-Gelder in die eigene Tasche verschieben, siehe Kulturhauptstadt Pécs, siehe Betrug an den Budapester Verkehrsbetrieben? Dass ich nicht lache!

    Wo wären denn die Ungarn ohne die Telekom, die Metro, die Banken, Audi, Mercedes, die unzähligen Firmen, die hier erst mal gezigt haben, dass man nicht „nincs“ sagt, wenn der Kunde nach was fragt und man sagt jó napot, wenn der Kunde den Laden betritt?

    Ungarn ist doch da, wo es ist, weil die Habgier so unendlich vieler das Land in den Ruin getrieben hat.“ Wir sind ein parasitärer Staat§ sagte mir vor kurzem ein Ungar. „Wir sind alleine gar nicht lebensfähig.“

    Und dann sollte man nicht die Hand beißen, die einem hilft.

    • Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Natürlich braucht Ungarn die Multis und ausländische Investoren. Aber ist es denn gesund, wenn 80% der Börsenkapitalsierung in ausländischer Hand sind? Meiner Meinung nach lief die Privatisierung viel zu schnell und ungeordnet ab. Leider ist dieser Zug schon abgefahren und die Schäden sind angerichtet; man denke nur an die Unternehmen, die nach der Übernahme abgewickelt wurden: Man interessierte sich nur für die Märkte. Freilich, Wirtschaftsunternehmen sind keine Samariter. Aber der Staat sollte, wie in einer sozialen Marktwirtschaft üblich, dort lenkend eingreifen, wo es dem Allgemeinwohl dient. Gerade bei Privatisierungen.

      Ich denke, es war Péter Nádas, der vor nicht allzu langer Zeit schrieb, die ausländischen Unternehmen hätten sich oft genug benommen haben wie die Gutsherrn. Und es kamen ihnen genug ungarisce Politiker zu Hilfe, die sich ihre eigenen Taschen füllen wollten.

      Man bot guten Investitionsbedingungen (Zollfreigebiete, Zuschüsse, Steuervergünstigungen) und hat lange gut verdient. Aber das Geld, welches man den Investoren zur Verfügung stellte, fehlte andernorts. Sage nicht ich, sondern Adam Riese.

      Deutschlad und Österreich leiten ihre Stärke und relative Stabilität aus ihrem Mittelstand ab, und der wurde – zu Gunsten der Multis – in Ungarn lange Zeit sträflich vernachlässigt. Bestrebungen, daran etwas zu ändern, gabe es während des „Széchenyi-Plans“ der 1. Orbán-Regierung. Und ich denke, es war im Grundsatz keine schlechte Idee.

  7. Zum Thema Ausschreibungen kann ich nur sagen – und das betrifft natürlich nur einen kleinen sehr Ausschnitt des großen Kuchens -, dass das Unternehmen für das ich arbeite, Ausschreibungen (auch solche mit EU-Geldern) gewonnen hat und alles völlig regelkonform ablief. Das ist übrigens zu Zeiten von Gyurcsány und Bajnai geschehen. Ich kann natürlich nur davon sprechen, aber auch das sagt immerhin etwas aus. In beide politische Richtungen.

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